Spätentwickler haben viel zu lange auf fossile und nukleare Energiequellen gesetzt
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„Spätentwickler haben viel zu lange auf fossile und nukleare Energiequellen gesetzt“

 „Die fortschrittlicheren Unternehmen der konventionellen Chemie haben inzwischen verstanden, dass es für ihre wirtschaftliche Zukunft zunehmend gefährlich wäre, weiter auf den nicht erneuerbaren Verlierer-Rohstoff Erdöl zu setzen“. Davon ist Dr. Fischer, Gründer von AURO und Buchautor, überzeugt.

 „Die fortschrittlicheren Unternehmen der konventionellen Chemie haben inzwischen verstanden, dass es für ihre wirtschaftliche Zukunft zunehmend gefährlich wäre, weiter auf den nicht erneuerbaren Verlierer-Rohstoff Erdöl zu setzen“. Davon ist Dr. Fischer, Gründer von AURO und Buchautor, überzeugt.

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10.04.2017 - © AURO

LifeVERDE: Herr Fischer, in Ihrem neusten Buch „Chemiewende: Von der intelligenten Nutzung natürlicher Rohstoffe“ machen Sie dem Leser deutlich:  Die Chemieindustrie, die dabei immer noch zu 90 Prozent auf Erdöl setzt, muss sich neu erfinden.

Dr. Hermann Fischer, AURO: Die von mir gegründeten Unternehmen stellen seit fast 45 Jahren chemisch-technische Alltagsprodukte konsequent aus erneuerbaren Grundstoffen her. Sie waren und sind damit Pioniere der Chemiewende und haben der Zukunft unserer chemischen Industrie erfolgreich den Weg gebahnt. Dieses Projekt einer post-fossilen Chemie findet in den letzten Jahren immer mehr Nachahmung – und das ist gut so! Die fortschrittlicheren Unternehmen der konventionellen Chemie haben inzwischen verstanden, dass es für ihre wirtschaftliche Zukunft zunehmend gefährlich wäre, weiter auf den nicht erneuerbaren Verlierer-Rohstoff Erdöl zu setzen.

Andere – meist die besonders großen – Konzerne tun sich damit noch schwer, weil sie in stark zentralisierten Strukturen chemische Anlagen betreiben, die ganz auf die Petrochemie zugeschnitten sind. Aber auch diese Spätentwickler sehen mehr und mehr, dass sie dem traurigen Schicksal der großen Energiekonzerne entgehen müssen, die viel zu lange auf fossile und nukleare Energiequellen gesetzt haben und deshalb inzwischen ökonomisch nur noch Schatten ihrer selbst sind.

Insofern ist eine konsequente Chemiewende nichts anderes als ein Programm zur nachhaltigen Sicherung dieses bedeutenden Industriezweiges. Die Chemiewende schafft zahlreiche neue, attraktive und zukunftssichere Arbeitsplätze und nützt der gesamten Gesellschaft durch gesunde, umweltfreundliche und biosphärenverträgliche Produkte.

In Ihrem Buch ist die Rede von Muscheln, Bambus und Moor als Zukunftsmaterialien. Welche Rohstoffe können dadurch ersetzt werden und wie werden sie dann eingesetzt?

Sehr viele Naturstoffe sind wahre High-Tech-Produkte, von denen auch moderne Chemikerinnen und Ingenieure noch sehr viel lernen können. So heften sich Muscheln mit geringsten Mengen eines selbst produzierten Klebstoffs in einer fast unlösbaren Verbindung an den Untergrund. Bambus und andere Holzarten sind unerreicht in ihrer Kombination aus Stabilität, Leichtgewicht und Recyclebarkeit – und das alles aus natürlichen, evolutionär bewährten Syntheseprozessen, die keine gefährlichen Nebenprodukte und Abfälle kennen und zudem zu 100% mit Solarenergie angetrieben werden. Produkte dieser Art können erdölbasierte Klebstoffe oder synthesefaserverstärkte Kunstharz-Werkstoffe voll und ganz ersetzen – bei gleicher oder sogar höherer technischer Leistungsfähigkeit. In solchen Produkten wird quasi nebenbei auch das Treibhausgas Kohlendioxid hocheffizient gebunden, so dass biogene Produkte der Alltagschemie – im Gegensatz zu ihren fossil basierten Vorgängerprodukten - auch einen wirksamen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten. Das gilt eben auch für die Moore dieser Welt (die wir natürlich nicht für Produkte verwenden sollten!). Nachweislich könnte bereits eine relativ geringe Zunahme der weltweiten Moorflächen – zum Beispiel durch einfach zu bewerkstelligende Wiedervernässung – einen sehr erheblichen Beitrag zur nachhaltigen Bindung des Treibhausgases Kohlendioxid leisten – und „ganz nebenbei“ auch für den Erhalt einer ökologisch unverzichtbaren Artenvielfalt sorgen. Moore sind der absolute „Geheimtipp“ für den Klimaschutz – und dabei vielfach preiswerter, risikoärmer und wirksamer als aller technokratischen Planspiele zur CO2-Speicherung im Untergrund oder zum absurd energieverschwendenden Einsatz von CO2 als Synthesegrundstoff für Kunststoffe.

Wieso stellen beispielweise Pflanzen eine gute Alternative dar?

Jede Pflanze ist eine kleine, perfekt selbstorganisierte, dezentrale und rein solar betriebene Chemiefabrik. Und jede einzelne Pflanzenart stellt in ihrem Sekundärstoffwechsel Dutzende oder Hunderte verschiedener hochkomplexer chemischer Verbindungen her, die wir in chemisch-technischen Alltagsprodukten nutzen können. Und da es bekanntlich Tausende verschiedener Pflanzenarten gibt, öffnet sich für die innovativen Forscher einer post-fossilen Chemie geradezu ein Kosmos von nutzbaren, umweltfreundlichen, regenerativen Substanzen, die alle völlig problemlos in die natürlichen Stoffkreisläufe zurückkehren.

Das Beste an diesem System pflanzlicher Stoffproduktion: es ist seit Millionen von Jahren perfekt auf die Bedürfnisse eines endlichen Globus angepasst und hat – ganz im Gegensatz zu den künstlich hergestellten Chemieprodukten – den Nachweis ihrer Langzeit-Verträglichkeit mit der gesamten belebten Welt längst erbracht. Der Einsatz von Pflanzenstoffen für die Chemie ist folglich geradezu das Gegenteil von Nostalgie, sondern vielmehr die wesentliche Basis künftiger Innovationen in der Chemie.

Welche grünen Trends erwarten uns zukünftig in der Chemiebranche?

In vielen Laboren der Welt wird derzeit an einer „Bioökonomie“ gearbeitet, also der kompletten Umstellung unseres alltäglichen Stoffgebrauchs von fossilen auf erneuerbare Grundstoffe. Diese Entwicklung – nach dem Vorbild von Pionierunternehmen wie AURO - wird übrigens von der Bundesregierung inzwischen nach Kräften gefördert. Die Regierung hat einen „Bioökonomierat“ aus zahlreichen Experten berufen; in der Forschungsförderung spielen solche bioökonomischen Projekte inzwischen eine erhebliche und weiter steigende Rolle.

Dieser Trend zu einer „grünen“ Wirtschaftsweise auf erneuerbarer Grundlage erfasst nun mehr und mehr auch die chemische Industrie. Diese Entwicklung entspricht im Übrigen auch einem starken gesellschaftlichen Trend und – wie alle Umfragen zeigen – zunehmend den klaren Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Angesichts des hohen Exportanteils gerade in der deutschen chemischen Industrie ist es umso wichtiger, dass sie auf breiter Front erkennt: in einer beherzten Umsetzung der Chemiewende liegt der Schlüssel zum „Made in Germany 2.0“!

Die Marke AURO steht für bewusstes Wohnen im Einklang mit der Natur. Wie setzten Sie sich (außerdem) für Nachhaltigkeit ein?

AURO – und mit ihr unsere Kunden – profitieren sehr davon, dass wir von der Gründungsstunde an ausschließlich konsequent ökologische Produkte entwickelt und gefertigt haben. Die Marke AURO hat also weder mentale noch materielle „Altlasten“ - wie viele andere Unternehmen, die sich aufgrund ihrer Unternehmensgeschichte trotz viel guten Willens mit dem Wandel oft sehr schwer tun. Eine konsequent nachhaltige Ausrichtung steckt also schon in den „Genen“ von AURO und ist daher einer der Gründe für die erreichte enorme Strahlkraft und Bekanntheit der Marke auch im internationalen Maßstab.

Diese „innere Verpflichtung“ auf Nachhaltigkeitsgrundsätze wie Erneuerbarkeit, Abbaubarkeit, aber auch auf soziale Gesichtspunkte in allen Prozessen wird ergänzt durch das ehrenamtliche Engagement vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gesellschaft. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir ehrenamtlich in zahlreichen Umweltverbänden, ökologischen Unternehmensverbünden und Bürgerinitiativen mitgearbeitet.

Als Firmengründer halte ich seit Jahrzehnten Hunderte von öffentlichen Vorträgen zu fast allen Bereichen des Umweltschutzes und bin, ebenfalls seit Jahrzehnten, in verschiedenen Umweltverbänden aktiv – seit nunmehr fast 10 Jahren auch als ehrenamtliches Mitglied des Präsidiums im größten deutschen Natur- und Umweltschutzverband NABU mit seinen über 600.000 Mitgliedern und Förderern. Denn eine gesunde Umwelt mit intakter Biosphäre und hohem Artenreichtum stellt– qualitativ, aber auch mengenmäßig – die mit weitem Abstand größte Wertschöpfungssphäre auf unserem Planeten dar. Gegen die Wertschöpfungsleistung einer ökologisch intakten, artenreichen Biosphäre ist nämlich die kombinierte Industrieproduktion aller Konzerne weltweit nur eine marginale Größe.

Sie haben neue, mineralische Farbpasten entwickelt. Was ist das Einzigartige darin und welche Vorteile bringen sie für den Anwender?

Ökologie und Ästhetik sind untrennbar miteinander verbunden. Viele Umweltprobleme unserer Welt stellen nicht nur ein gesundheitliches Risiko dar, sondern sind auch eine Zumutung für den Menschen als Sinneswesen. Grelle Farben, unharmonische Strukturen, haptisch unzugängliche Oberflächen, aufdringlich künstliche Gerüche können unsere psychische und physische Gesundheit ebenso belasten wie „klassische“ Giftstoffe in unserer Wohn- oder Arbeitsumwelt.

AURO hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, mit den neuen mineralischen Farbpasten nicht nur die derzeit höchsterreichbare ökologische und technische Qualität zu erreichen, sondern auch ein besonders harmonisches, ansprechendes und modernes Farbsystem. Aus den begeisterten Reaktionen unserer Kunden wissen wir, dass viele auf diesen konsequenten Schritt hin zu einer neuen, zukunftsweisen ökologischen Ästhetik gewartet haben!



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