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Gesunde Periode – Gesunde Erde

Gesundheit ist das A und O. Das gilt genauso während der Periode. Die Inhaltsstoffe herkömmlicher Periodenprodukte haben dramatische Auswirkungen: Sowohl für die Umwelt, als auch für deine Gesundheit

Gesundheit ist das A und O. Das gilt genauso während der Periode. Die Inhaltsstoffe herkömmlicher Periodenprodukte haben dramatische Auswirkungen: Sowohl für die Umwelt, als auch für deine Gesundheit

16.09.2020 - Ein Beitrag von Maria Pfeiffer und Julie Wego

Das Thema Periode ist in vielen Kontexten noch ein Tabu-Thema und deshalb sehr unangenehm für viele Frauen. Das gilt sich zu ändern, denn es handelt sich um einen natürlichen und wichtigen Prozess, der Teil etwas Wunderschönem ist: dem Entstehen von Leben.
Dennoch ist die monatliche Blutung eher lästig. Es gibt zahlreiche Hygieneprodukte, die Frauen während ihrer Erdbeerwoche begleiten und sie aushaltbarer gestalten. Doch wie gesund sind herkömmliche Menstruationsartikel eigentlich? Und welche Auswirkungen haben die Einwegprodukte auf unsere Umwelt?

Die Umweltverträglichkeit gängiger Binden und Tampons

Leider fällt die Ökobilanz herkömmlicher Tampons und Binden eher schlecht aus. Denn es handelt sich bei den Hygieneprodukten nun mal um Einwegprodukte, die nach einer Verwendung entsorgt werden. Hinzukommt, dass sie meist chemische und Synthetische Stoffen enthalten und somit biologisch nur schwer abbaubar sind.

Durchschnittlich verwendet eine Frau 5 Binden oder Tampons am Tag während ihrer Regel.
Die Erdbeerwoche hat das ganze einmal ausgerechnet: 5 Binden/ Tampons am Tag, 7 Tage lang im Monat und das 12 Mal im Jahr. Durchschnittlich haben Frauen ihre Periode 40 Jahre lang. Wenn man all die Produkte, die in dieser Zeit verwendet wurden einmal zusammennimmt, kommt man auf 16.800 Produkte pro Frau. Im Jahr entspricht das 1-6 Kilogramm Müll, der durch eine Frau aufgrund der Periode verursacht wird – nimmt man alle Frauen im deutschsprachigen Raum zusammen, sind es 125.000 Tonnen im Jahr.
So klein die Tampons auch scheinen, so groß sind Ihre Auswirkungen in der Masse dann doch.

Plastik über Plastik

Mehr als die Hälfte der deutschen Frauen, so der Spiegel, benutzen in Deutschland Tampons. Damit fällt einiges an Wegwerfartikeln an, denn es ist i. d. R. nicht nur jeder einzelne Tampon und jede Binde in Plastik verpackt, auch die Produkte selbst bestehen größtenteils aus Kunststoff.
Die Erdbeerwoche schreibt beispielsweise, dass Binden meistens aus Kunststoffen wie Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) bestehen und damit nicht biologisch abbaubar sind. Kunststoffgranulate seien in Binden zu finden und auch die Oberfläche von Slipeinlagen und Tampons bestehen oft aus Plastikfasern. Beispielsweise enthalten einige Binden auf der Unterseite eine Plastikfolie, welche die Haut nicht atmen lässt. Ein stärkeres Schwitzen im Intimbereich liefert hier die perfekten Bedinungen für Bakterien- und Pilzentzündungen. Künstlich Saugfähige Substanzen, wie der Subabsorber zum Beispiel. Sie nehmen das Menstruationsblut aktiv auf, absorbieren die natürliche Feuchtigkeit der Scheide allerdings mit. Das trocknet die sensible Haut im Intimbereich aus, diese wird durch die Binde zusätzlich gereizt. All das kann Entzündungen verursachen oder fördern.

Wie werden die ganzen Hygieneartikel eigentlich entsorgt?

Vor allem die Entsorgung stellt hier ein großes Problem dar. Die Tatsache, dass die Periodenprodukte nicht biologisch abbaubar sind, erschwert eine richtige Entsorgung immens. Denn durch die enthaltenen Inhaltsstoffe wie beispielsweise Mikroplastik, brauchen 90 % dieser Artikel 500 Jahre, um sich zu zersetzen. Das bedeutet, dass jeder jemals genutzte Tampon nach wie vor existiert.
Aber nicht nur die Inhaltsstoffe sind ein Problem bei der Entsorgung, sondern die Entsorgung selbst.
Denn häufig werden die Menstruationsprodukte auf öffentlichen Toiletten in die Kanalisation gespült, anstatt sie in einem Mülleimer zu entsorgen. Besonders häufig lässt sich dieser Vorgang in Schulen beobachten. Befragungen zufolge sind vermehrt fehlende Mülleimer ein Grund dafür. 25 % gaben an, dass ihnen das entsorgen im Mülleimer zu peinlich sei. Deshalb ist es höchste Zeit, das Thema in der Gesellschaft zu normalisieren und genügend Möglichkeiten für die richtige Entsorgung und + Aufklärung an Schulen und für Jugendliche zu schaffen. Sowohl für Mädchen als auch Jungs. Denn alle müssen damit lernen offen umzugehen, nur so kann das Scharmgefühl der Mädchen aus dem Weg geräumt werden.
Denn: die Reinigung der Kanäle kostet die Stadt im Endeffekt viel Geld. Geld, dass auch in andere Projekte gesteckt werden könnte. Es entstehen hohe Summen an Mehrkosten – in Berlin sind es 800.000€ im Jahr, in Dresden 150.000€. Wir spülen unser Geld damit im wahrsten Sinne des Wortes die Toilette hinunter. Um das Ganze einmal bildlich darzustellen: In Dresden landen täglich 3 ganze Container Müll in der Kläranlage. Es gibt zwar Filteranlagen, die den Müll abfangen, allerdings geraten dennoch einige Produkte in der Kläranlage selbst – sie rutschen einfach durch. Unser Wasser wird dadurch stark verunreinigt. Kostenintensive Rechen werden dafür installiert, um die restlichen Abfälle herauszufischen. Die Folgen nehmen ein enormes Ausmaß an: Die in Rechen hängen gebliebenen Hygieneprodukte müssen entfernt und entsorgt werden. Der Energie- und Kostenaufwand ist hoch: Die Kläranlage zahlt jede Tonne extra und der nasse Müll muss verbrannt werden, was aus nachhaltiger Sicht ein No-Go ist und energietechnisch ein Griff ins Klo. Dabei entstehen 500-1000 Mio Euro Kosten im Jahr.

Bildquelle: Pixabay

Verschmutzung im Meer

Nur wenige Länder haben so ein funktionierendes Abfallsystem, wie wir es gewohnt sind. Andernorts landet der Müll stattdessen im Meer. Wie oben erwähnt, dauert es bei den Hygieneprodukten 500 Jahre, bis sie vollständig zersetzt sind. Somit stellen die Produkte eine große Gefahr für Meeresbewohner dar und zerstören zugleich ihren Lebensraum. Letztlich werden viele Produkte wieder angespült und verunreinigen schöne Strände. Zur Veranschaulichung: Periodenprodukte gehören zu den 10 Produkten, die am häufigsten angespült werden – an einem 100m Strand finden sich 6 Menstruationsprodukte.

Bildquelle: Unsplash

Gesundheitsaspekt der Monatshygiene

Auch der gesundheitliche Aspekt der Hygieneprodukte sollte näher betrachtet werden. Denn: Durch die Nutzung von herkömmlichen Binden und Tampons können in extremen Fällen auch verehrende gesundheitliche Folgen entstehen. Immer wieder wird insbesondere vor dem Gebrauch von Tampons gewarnt. Doch was hat es damit auf sich?

Die Meinungen spalten sich hier: Während einerseits stark gegen den Gebrauch von Tampons gesprochen wird, wird die Nutzung andererseits als völlig harmlos angesehen.  Der BR verweist darauf, dass die Bändchen der Tampons im Normalfall aus Baumwolle bestehen, in welchem Glyphosat zu finden sein könnte. Die Tamponwatte könnte außerdem Dioxin beherbergen. Allerdings hat sich seit einigen Jahren einiges bei den Hygieneartikelherstellern geändert. Das Magazin Neon schreibt, dass viele regelmäßig getestete Tampons sehr gut abschneiden und ungefährlich sind. Aufheller, Pestizide und andere Schadstoffe seien in Tampons heutzutage nicht mehr aufzufinden. Tampons können jedoch durch ihre Saugkraft auch die Scheidenwände austrocknen, was das weibliche Geschlechtsorgan anfälliger für Infektionen und Pilze macht. Extra Salben oder Hausmittel verursachen zum einen wieder mehr Müll, zum anderen erhöhen sie die Kosten der Periode.
Zu empfehlen sind hier in aller Regel Bio-Tampons. Sie werden aus Bio-Baumwolle gefertigt und enthalten somit keine synthetischen und schädlichen Inhaltsstoffe. Insbesondere die Ökobilanz spricht für diese Alternative, da die Tampons biologisch abbaubar sind und sich somit auch dem oben genannten Müllproblem entgegenstellen.

Bildquelle: Pexels

Das Toxische Schocksyndrom

Allerdings sollte sich jeder über die Gefahren der Tampon-Nutzung im Klaren sein und gründlich die Packungsbeilage vor der Anwendung lesen. Denn Tampons können das toxische Schocksyndrom hervorrufen. Diese Krankheit wird durch Erreger, die über den Tampon in den Körper gelangen, ausgelöst. Leider ist diese Krankheit den wenigsten Menschen ein Begriff und das, obwohl sie so ernst zu nehmen ist. Anzeichen dafür können eine erhöhte Körpertemperatur, plötzlicher Blutdruckabfall, Schwindel oder Ohnmachtsanfälle sein. SAT1 berichtet von einem Fall, bei welchem ein britisches Mädchen nach falscher Deutung der Symptome beim Hausarzt sogar im Krankenhaus landet. Wenn das toxische Schocksyndrom nicht umgehend behandelt wird, kann sich der Erreger im Körper ausbreiten und sogar zum Tod führen.
Aber Entwarnung: dieser Fall tritt äußerst selten auf. Du kannst weiterhin Tampons benutzen, solltest allerdings die Informationen dazu in der Packungsbeilage beherzigen und bei möglichen Anzeichen achtsam sein. Wenn du lieber auf andere Hygieneprodukte umsteigen möchtest, gibt es vom Bio-Tampon bis zum Periodenslip genügend Alternativen.

Die Kosten einer Menstruation

Was kostet eigentlich eine Periode? Genau diese Frage hat sich auch der Spiegel gestellt und das glatt durchgerechnet:

„Eine große Packung mit 64 Tampons einer beliebten Marke kostet im Drogeriemarkt etwa 4,75 Euro. Tampons sollten laut Hersteller etwa alle sechs Stunden gewechselt werden, das macht also vier Tampons pro Tag, bei durchschnittlich fünf Tagen Blutung sind das 20 Tampons pro Zyklus. Bei durchschnittlich 456 Perioden zwischen 13 und 51 Jahren braucht Frau im Leben demnach 9.120 Tampons. Das entspricht 143 Packungen, die heute etwa 677 Euro kosten würden. Nicht mitgerechnet: die vielen Tampons, die in Handtaschen und unterwegs verloren gehen“ (Spiegel 2018).
Ein riesiger Erfolg in der Branche war die Abschaffung der Luxussteuer auf diese Güter. Mithilfe der Neon-Petition wurde entschieden gegen die Steuer gestimmt und mit genügend Unterschriften musste der Bundestag über die Forderung diskutieren. Erfolgreich! Denn Periodenprodukte gelten seitdem nicht mehr als Luxusgut.
Dennoch sind die Hygieneprodukte nicht günstig und auf lange Sicht kostenlastig. Eine geeignete Alternative bietet hier wiederverwendbare Monatshygiene, wie beispielsweise die Menstruationstasse oder der Periodenslip. Beide Produkte sind in der Anschaffung zwar erst einmal um einiges teurer- auf Lange Sicht gesehen rechnet sich der Wechsel jedoch. Sie sind also in jeder Form nachhaltig.

Unser Fazit

Menstruationstassen, waschbare Binden und Periodenunterwäsche sind nicht nur gut für die Umwelt, sie sparen auch einiges an Geld. Je nach Stärke und Dauer deiner Periode oder bei bestehenden medizinischen Problemen könnten einige Alternativen sehr interessant sein. Dazu haben wir einen separaten Beitrag geschrieben: Nachhaltige Periodenartikel: In der Regel ohne Müll

Fakt ist, dass Monatshygiene ein großer Bestandteil unseres Müllproblems ist und sich der Konsum dringend ändern muss. Denn selbst wenn du auf Tampons und Binden nicht verzichten möchtest, findest du unter den Bio-Varianten genügend Alternativen. Nach dem Motto „aus dem Blick aus dem Sinn“ wird jedes Produkt, welches den Müll betritt, vergessen. Schaut man sich die Zahlen an, erkennt man erst die prekären Folgen der Nutzung herkömmlicher Produkte. Mikroplastik, Schadstoffe, Unsterblichkeit. Die Hygieneartikel beschmutzen unsere Umwelt, unser Wasser und zerstören Lebensräume. Für ihre Herstellung sowie Entsorgung wird viel Energie verbraucht und somit CO2 ausgestoßen.
Auch gesundheitlich betrachtet sind herkömmliche Periodenprodukte ebenfalls eher bedenklich. Das Mikroplastik und die Schadstoffe landen nicht nur im Meer, sondern auch in deinem Körper.

Wichtig ist, dass auf die monatliche Blutung aufmerksam gemacht wird: Das Thema sollte einen Weg zur Normalität finden und nicht länger als Tabu gelten. Denn das wirkt sich sowohl auf die Vermüllung (das Herunterspülen in der Toilette) als auch auf Krankheiten wie das toxische Schocksyndrom aus – Hier muss dringend Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Wie du dich letztlich entscheidest, bleibt bei dir. Es gibt viele innovative Alternativen, sich dem Müllproblem entgegenzustellen.
Doch Kommunikation ist hier das Mittel zum Ziel: Sobald mehr über diese Folgen diskutiert wird und ein Bewusstsein für den eigenen Konsum geschaffen wird, kann ein Wandel stattfinden. Ein Wandel, der längst notwendig ist. Also nutze deine Stimme und berichte über die Fakten, die du heute erfahren hast und teile sie mit deinem Umfeld. Denn so haben auch gesundheitliche Folgen eine immer geringere Angriffsfläche.

 

 

Lies auch: Nachhaltige Periodenartikel: In der Regel ohne Müll

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Bilder: Unsplash, Pixabay, Pexels



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