In die Biotonne dürfen keine Tüten! Das ist zumindest eine Devise, welche immer noch viele Menschen befolgen. Mittlerweile gibt es glücklicherweise einige Mülltüten, die man kompostieren kann. Dazu gehören beispielsweise Papiertüten. Allerdings kann es bei mangelnder Qualität vorkommen, dass diese schnell reißen.
Bioglück hat dieses Problem erkannt und bietet mit seinen Papiertüten ein Produkt aus hochwertigem Altpapier mit langen Papierfasern. Diese sorgen für einen besseren Schutz gegen Feuchtigkeit und halten somit auch mehr aus. Wie die Produktion der hauseigenen Mülltüten abläuft, was das Problem von Bio-Plastiktüten ist und mehr erzählt uns Mark Breyer, Gründer von Bioglück, im Interview.
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LifeVERDE: Hallo lieber Mark, mit BioGlück stellt ihr Mülltüten aus Papier her. Wie kam es zu dieser Idee?
Mark Breyer: Hallo, das war ein riesiger Zufall. Ich traf in meiner Mittagspause eine Freundin zum gemeinsamen Mittagessen. Sie erzählt mir von ihrem Missgeschick mit dem Biomüll im Treppenhaus am frühen Morgen. Sie war auf dem Weg zur Arbeit, nahm die Papier Biomülltüte aus dem Biomülleimer und ging zügig durchs Treppenhaus. Klar, es eilt eben und man will den Biomülleimer dann nicht mehr hochbringen. Ich denke du kannst erahnen, was dann passiert ist? Klar, die Papiertüte riss und der Biomüll lag im Treppenhaus. Toller Start in den Tag, was?
Das Thema hat mich dann über ein paar Tage immer wieder beschäftigt, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass es hierfür keine Lösung gab. Und so stieg mein Interesse für Papier immer weiter an. Es gibt so viel unterschiedliches Papier, wenn man die Augen öffnet. Alles hat seinen Zweck. Es muss also auch für den Privathaushalt Biomülltüten aus Papier geben, die eben nass- & reißfest sind. Ich habe dann unzählige Produkte aus dem Handel selbst ausprobiert und war von der Qualität nie überzeugt. Also mussten wir selber ran.
LifeVERDE: Wie stellt ihr eine ressourcenschonende Produktion der Mülltüten sicher?
Das ist eine wichtige Frage, die uns sehr beschäftigt. Grundsätzlich sind die Prozesse in der Papierindustrie energieintensiv. Wir legen daher Wert darauf, mit Produzenten zusammenzuarbeiten, die sich dieser Verantwortung bewusst sind und ihre Verfahren stetig optimieren.
Unser Beitrag ist die bewusste Materialauswahl: Wir setzen auf hochwertiges Altpapier. Die Verwendung von Recyclingmaterialien ist ein anerkannter Weg, um den Bedarf an neuen Rohstoffen zu senken. Zudem legen wir einen großen Wert auf die Produktion in der Region. Fast alle Produkte werden in Deutschland hergestellt. Dadurch können wir kurze Lieferwege sicherstellen und die Qualität direkt beeinflussen.
LifeVERDE: Bei Papiertüten haben viele Angst davor, dass sie durchnässen und reißen. Wie beugt ihr vor?
Die Sorge ist absolut berechtigt, wenn man an viele einfache Papiertüten denkt. Das Problem liegt oft im Material: Günstige Papierbeutel bestehen häufig aus Altpapier mit sehr kurzen Papierfasern. Diese können dem Anspruch, bei Feuchtigkeit stabil zu bleiben, kaum gerecht werden. Für eine hohe Festigkeit, auch bei Nässe, müssen die Papierfasern lang sein.
Wir bei BioGlück setzen daher auf eine durchdachte Mischung aus hochwertigem Altpapier in Kombination mit frischen Zellulosefasern. Aber natürlich hat auch das beste Papier seine Grenzen. Die Einsatzdauer, das Gewicht und die Feuchtigkeit des Biomülls spielen eine große Rolle. Wer eine ganze Wassermelone nach Tagen zur Tonne bringen möchte, sollte den Eimer vielleicht direkt ausleeren.
LifeVERDE: Manche eurer Mülltüten haben einen Blockboden und manche einen Rollboden. Was ist der Unterschied zwischen den beiden?
Sehr gute Frage. Der Rollboden hat durch seine Rolle am Boden, daher der Name, einen enormen Vorteil. Der Müllbeutel ist dadurch sehr flexibel. Beim Einsetzen in den Biomülleimer wir die Tüte aufgefaltet und passt sich so an nahezu jeden Biomülleimer an. So passt unser 10l Biomüllbeutel mit Henkel auch in 8l oder 12l Biomülleimer.
Ein Müllbeutel mit Blockboden bietet diesen Vorteil nicht. Hier liegt der Vorteil in der einfacheren Handhabung und dem nochmals verstärkten Tütenboden.

Durch die verschiedenen Varianten ist für jede*n etwas dabei (Bild: Breyer UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG).
LifeVERDE: Neben Mülltüten für den normalen Mülleimer und die Biotonne, stellt ihr zudem noch Biotonnenpulver her. Was ist das genau?
Jeder kennt es: Sobald es im Sommer warm wird, verwandelt sich die Biotonne in ein Biotop aus Fliegen, Maden und Gerüchen. Das liegt an der Kombination aus Wärme, Feuchtigkeit und Nährstoffen. Unser Biotonnenpulver besteht aus reiner, aktivierter Tonerde, die große Mengen Feuchtigkeit binden kann. Dadurch wird die Lebensgrundlage für Maden und Fliegen auf mineralischer Basis entzogen.
Wir setzen hier bewusst auf ein rein mineralisches Pulver ohne chemische Zusätze, da diese nichts im Biomüll zu suchen haben. Zukünftig planen wir zudem Nachfüllpackungen, damit Kunden den Pulverstreuer wiederverwenden können. So kann Verpackungsmüll reduziert werden.
LifeVERDE: Ihr sprecht euch klar gegen Bio-Plastiktüten aus. Was ist das große Problem bei diesen?
Sogenannte Biokunststoffe aus Pflanzen wie Mais oder Kartoffeln sind nicht zwangsläufig umweltfreundlich. Obwohl sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, zersetzen sie sich in den kurzen Zyklen der deutschen Kompostieranlagen nicht schnell genug. Ein weiteres Problem ist, dass die Sortieranlagen sie regelmässig nicht von herkömmlichen Plastiktüten unterscheiden können. Deshalb werden sie oft als Störstoff aussortiert und landen am Ende doch in der Müllverbrennung. Nicht ohne Grund sind diese Tüten in den meisten Gemeinden für die Biotonne verboten. Papier ist hier einfach die bessere und funktionierende Lösung, da es sich problemlos in den Kompostierprozess einfügt.

Plastiktüten sind auf Grund einiger ihrer Eigenschaften nicht für den Biomüll geeignet (Bild: smallroomphotos, Canva).
LifeVERDE: Was ist für die Zukunft von BioGlück noch geplant?
Wir möchten unsere Produktpalette noch deutlich erweitern. Wichtig ist uns hierbei aber nicht die Geschwindigkeit, sondern die Sorgfalt und die Qualität. Wir lassen uns also Zeit und hören auf unsere Kunden. Wir testen neue Produkte bspw. immer zuerst mit unserer Kundschaft. Bekommen wir gutes Feedback und ist die Nachfrage vorhanden, nehmen wir den Artikel in das feste Sortiment auf.
Dieses Jahr wird das mit dem Biotonnenpulver passieren. Die Testcharge letztes Jahr war so schnell weg, dass wir sie dieses Jahr in unser festes Sortiment aufnehmen wollen. Mittlerweile haben wir hierfür schon Vorbestellungen, was uns darin bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wenn wir als Gesellschaft bewusster konsumieren wollen, dann brauchen die Menschen dafür auch die passenden Produkte. Wenn wir alle jeden Tag eine durchdachte Entscheidung treffen, dann machen wir etwas richtig.
Vielen Dank für das Interview, lieber Mark!
Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Bioglück stellen möchtest?
Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!
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