Grüne Wirtschaft

Wassersprudler aus Holz. Wird da nichts morsch? – Mysoda im Gespräch

INTERVIEW | Wassersprudler findet man heutzutage in vielen Haushalten. Jetzt gibt’s sogar die Geräte selbst in nachhaltig, und zwar aus Holz. Wie das funktioniert, erfahrt ihr im Interview.

 

INTERVIEW | Wassersprudler findet man heutzutage in vielen Haushalten. Jetzt gibt’s sogar die Geräte selbst in nachhaltig, und zwar aus Holz. Wie das funktioniert, erfahrt ihr im Interview.

 

Datum: 15.03.2022 | Ein Interview geführt von Luis Niehoff und Dorothea Meyer | Bild: Mysoda

Wasser selbst zu Hause sprudeln ist ja mittlerweile schon ganz einfach möglich. Es spart Emissionen, weil Transportkosten wegfallen und ist unterm Strich kosteneffizienter. Doch ist es möglich auch die Wassersprudler selbst nachhaltig zu gestalten? Weg vom Plastik hin zum vollständig nachhaltigen Prickeln?

Die Frage hat sich das finnische Unternehmen Mysoda gestellt und eine Antwort gefunden. Sie lautet „Biokomposit“. Aus Rückständen der Holzindustrie werden dadurch die Wassersprudler von Mysoda geschaffen. Ausgezeichnet mit zwei Design Awards rollen die Finnen den Markt der Sprudler komplett neu auf. Was es mit dem Biokomposit auf sich hat, was das Unternehmen einzigartig und nachhaltig macht und wer eigentlich Ruby, Toby und Woody sind, das erzählt uns David von Mysoda im folgenden Interview.

LifeVERDE: David, Mysoda steht für die Wassersprudler aus nachhaltigen Materialien. Wie kam es zu der Idee und wer gehört dazu?

David: Mysoda wird stark von Nachhaltigkeit getrieben und wir wussten aus ersten Umfragen in Finnland und Frankreich, dass dies auch ein großer Fokus der Verbraucher*innen ist. In diesen Untersuchungen hat sich herauskristallisiert, dass die Kund*innen weniger oder gar keine Kunststoff-Haushaltsgeräte mehr wollen. Zu diesem Zeitpunkt begannen wir, nach alternativen Materialien zu suchen. Weltweit gibt es viele unterschiedliche Angebote. Die erste Option, die wir uns angeschaut haben, war Reiskomposit. Das Problem dabei war, dass es nicht sehr finnisch ist und in die Nahrungskette eingreift, da es nicht aus Reststoffen, sondern aus den eigentlichen Rohstoffen hergestellt wird. 

Zu diesem Zeitpunkt begannen wir, Kontakt mit der finnischen Holz- und Sägewerks-Industrie aufzunehmen und entdeckten schnell die Möglichkeit von Biokomposit. Dieses hat den Vorteil, dass es aus Rückständen der Holzindustrie hergestellt wird. Sprich, es müssen dafür keine Bäume gefällt werden. Natürlich war Mysoda die treibende Kraft bei der Entwicklung. Die Design-Umsetzung kommt von Pentagon und das Material stammt von UPM.

Die Gründer von Mysoda vor einem Windrad

Ari Jussi Aura COO und David Solomon CEO (v.l.) von Mysoda (Bild: Mysoda)

In welchen Aspekten entlaste ich die Umwelt, wenn ich mein Wasser zu Hause selbst sprudel?

Wir können viele Dinge tun, um im Alltag die Umwelt zu schützen. Wasser zu Hause selbst zu sprudeln, ist eins davon. Zuallererst minimiert man so die Emissionen, da man unnötige Transporte vermeidet. Wenn man in Betracht zieht, dass ein voller LKW mit Kohlensäure-Zylindern 45 LKW-Transporten mit Mineralwasser in 1,5 L Einweg-PET-Flaschen entspricht, ist das alleine schon ein ziemlich großer Unterschied. 

Im Falle von Mysoda kommt noch hinzu, dass zwei unserer drei Wassersprudler aus dem umweltfreundlichen Biokomposit hergestellt werden.

Wasser-Sprudler aus 99% nachhaltigem Biokomposit. Was kann man sich darunter vorstellen und was macht Biokomposit nachhaltig?

Zwei unserer momentan drei Modelle bestehen aus nachhaltigem Biokomposit, welcher zu 99% aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Wir sagen bewusst nur 99%, da manche Bindemittel benötigt werden, um das Material herzustellen. Auf dem Markt gibt es verschiedene Formen von Biokomposit. Wir benutzen das UPM Formi EcoAce, welches von einem finnischen Forstunternehmen hergestellt wird. 

Es besteht zu 60% aus Polypropylen (rohem Tallöl), hergestellt aus Nebenprodukten (Rückständen) der Zellstoff-Industrie und zu 40% aus Holzfasern, ebenfalls aus Nebenprodukten der Sägewerksindustrie. „Rückstände“ bedeutet hierbei, dass keine Bäume gefällt werden müssen, um das Material für unsere Zwecke herzustellen. Dieses Material ist mindestens so beständig wie fossile Kunststoffe, schadet jedoch unserem Planeten nicht.

Durch den Biokomposit vermeidet ihr das Verwenden von fossilbasierten Kunststoffen. Kunststoff ist jedoch noch Bestandteil eurer Trinkflaschen, richtig? Aus welchen Gründen verwendet ihr hier noch Kunststoff und keine nachhaltigere Alternative wie z.B. Glas? 

Unsere PET-Flaschen können über Jahre hinweg wiederverwendet werden. Dadurch kann die Produktion, das Recyclen und Entsorgen von immensen Mengen an Einweg-PET-Flaschen vermieden werden.

Wir nutzen natürlich so oft wie möglich nachhaltige Materialien. Einer der Gründe, warum wir PET-Flaschen verwenden, ist ein technischer: Die Flasche muss dem Druck der Karbonisierung (Wasser mit Kohlensäure versetzen) standhalten.Darüber hinaus nutzen wir bewusst kein Biokomposit für die Flaschen, da dieses nicht durchsichtig ist. Die Verbraucher*innen müssen den Inhalt der Flasche aber sehen, da die Flasche nicht zu weit aufgefüllt werden sollte. 

Um eine Glasflasche nutzen zu können, muss ein verschließbarer Wasserprudler hergestellt werden. Wir sind gerade dabei, den wohl nachhaltigsten Wassersprudler zu entwickeln, bei dem Glasflaschen zum Einsatz kommen werden.

Der Woody Wassersprudler in verschiedenen Farben

Hier im Bild: der Wassersprudler Woody in verschiedenen Farben. Fürs gute Aussehen gab es übrigens zwei Designawards (Bild: Mysoda).

In eurem Sortiment findet man drei Geräte namens: “Woody”, “Toby” und “Ruby”. Worin unterscheiden sich diese jeweils?

Die verschiedenen Modelle unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Design, aber auch in anderen Aspekten. Woody und Toby werden aus 100% erneuerbarem Biokomposit hergestellt, Ruby verwendet langlebiges, elegantes mattes Aluminium. Toby ist sowohl mit 60L als auch mit 130L CO2-Zylindern kompatibel. Ruby und Woody sind nur mit 60L CO2-Zylindern kompatibel. Ruby und Toby sind mit einer Frostschutzdüse ausgestattet, welche die Karbonisierung von sehr kaltem Wasser ermöglicht. Woody kommt mit einer 1L-Flasche, Ruby und Toby dagegen mit einer 1L- und einer 0.5L-Flasche. Alle Wasserflaschen werden aus BPA-freiem Kunststoff hergestellt und sind mit einem Aluminium- (Ruby), bzw. einen Biokomposit-Verschluss (Woody und Toby) ausgestattet.

Man hat also die Qual der Wahl, denn wir haben einen Wassersprudler für jeden Geschmack. 

Eure CO2-Zylinder mit “reinem” CO2 sind bis jetzt nur in Finnland erhältlich. Was bedeutet “reines” CO2 und worauf muss ich z.B. hier in Deutschland beim Kauf achten?

Wir haben momentan eine Zylinder-Füllstation in Finnland, Frankreich, sowie in Deutschland, mit einem breiten Vertriebsnetz in den nordischen Ländern, Frankreich, den Benelux Ländern, als auch in der Schweiz. Wir arbeiten derzeit daran dies auch auf Deutschland und Österreich auszuweiten. 

Bei unseren CO2-Zylindern handelt es sich immer um Kohlendioxid in Lebensmittelqualität. Alle gängigen Marken von CO2-Zylindern, die in Wassersprudlern zum Einsatz kommen, verwenden Kohlendioxid in Lebensmittelqualität. Außerdem werden unsere Abfüllungsstandorte in Finnland und Frankreich ausschließlich mit Windenergie betrieben.

zwei Kinder vor einem Wassersprudler im Garten

Frisch und gesprudelt in den Frühling. Von Groß bis Klein - jeder hat Spaß an den nachhaltigen Sprudlern von Mysoda (Bild: Mysoda)

Gerade als junges Unternehmen ist es heutzutage wichtig, “anders” und “besonders” zu sein. Was macht Mysoda einzigartig?

Was uns von unseren Wettbewerbern unterscheidet ist natürlich, dass wir erkannt haben, dass es noch umweltfreundlicher geht, als nur zu Hause selbst zu sprudeln. Wir haben nach Auswertungen verschiedener Materialien festgestellt, dass Holz-Biokomposit eindeutig eine bessere Lösung ist als Plastik. Wir denken, dass es ein idealer Ersatz für Kunststoff auf fossiler Basis ist. Wir hoffen natürlich, dass andere Hersteller von Haushaltsgeräten unserem Beispiel folgen werden.

Das ist natürlich ein sehr wichtiger Aspekt, der uns sehr am Herzen liegt. Woran uns auch sehr viel liegt, ist Design. Bei unseren Marktforschungen in Finnland und Frankreich wurde uns klar, dass die heutige Auswahl an Wassersprudlern für Verbraucher*innen nicht attraktiv genug ist. Uns war es wichtig, ein Gerät herzustellen, das unsere Kund*innen behalten wollen. Mysoda-Sprudelgeräte sind Blickfänge, die es verdient haben, gesehen zu werden. Sie sind zeitlos und elegant. 

Zum Design gehört natürlich auch das Kundenerlebnis. Unsere Sprudler sind durch die Nutzung von Biokomposit geräuscharm. Da Holz von Natur aus ein akustisch isolierendes Material ist, passt es also ideal und hinzu kommt noch, dass die Oberfläche antistatisch ist und somit keinen Staub fängt.

Wie geht die Reise für Mysoda weiter und ist in Zukunft neben “Ruby” vielleicht noch eine “Trudy” oder “Judy” geplant?

Wir sind gerade dabei, neue Produkte zu entwickeln, allerdings haben wir uns momentan noch auf keine Namen geeinigt. Wir behalten jedoch Trudy und Judy gerne im Hinterkopf.

 

Vielen Dank für das Interview, lieber David!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an die Mysoda stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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