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Bio-Mineralwasser: Reiner geht’s nicht

Bio-Mineralwasser verspricht Reinheit und Nachhaltigkeit – doch braucht Wasser überhaupt ein Bio-Siegel? Ein Blick auf Marken, Mythen und Alternativen.

 

Bio-Mineralwasser verspricht Reinheit und Nachhaltigkeit – doch braucht Wasser überhaupt ein Bio-Siegel? Ein Blick auf Marken, Mythen und Alternativen.

 

14.04.2025 | Ein Beitrag von Linda Schröder | Bilder: Unsplash

Wasser ist Leben – ist das vielleicht mehr als nur eine Floskel? In Zeiten des wachsenden Umweltbewusstseins und des nachhaltigen Konsum Denkens ist es kaum überraschend, dass selbst das grundlegendste aller Lebensmittel, das Wasser, ins Visier von Bio-Zertifizierungen und Nachhaltigkeitsdebatten gerät. Doch was genau steckt hinter dem Begriff „Bio-Wasser“? Gibt es überhaupt ein "biologisches Wasser“, und wie sinnvoll ist eine Bio-Zertifizierung bei einem Produkt, das von Natur aus rein sein sollte?

Generell gilt für Bio Siegel:
 


 

 

Allgemeines zum (Trinkwasser):

Bei der Wasserproduktion werden Schadstoffe, Krankheitserreger, Nitrat und Quecksilber aus dem Wasser gefiltert. In Deutschland wird Wasser regelmäßig auf einen Mindeststand der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (MTVO) kontrolliert. Wasser muss nicht gänzlich rein sein, solange es dem/der Verbraucher*in nicht schadet.
Man unterscheidet drei Wassersorten voneinander:
Chloridwasser - Natriumreich, da das Wasser aus Quellen stammt, die durch viele Salzvorkommen fließen.
Sulfatwasser - Stammt aus Quellen, die durch besonders gipshaltige Böden fließen. Das kann den Geschmack des Wassers süßlich bis bitter beeinflussen.
Hydrogencarbonat-Wasser - Das Wasser fließt durch kalkhaltige Gesteinsschichten.
Auch zwischen Trinkwasser und natürlichem Mineralwasser wird unterschieden. Natürliches Mineralwasser darf kaum behandelt werden. Tafelwasser kann aus verschiedenen Wässern zusammengemischt sein.

Und wie kommt jetzt noch Bio ins Spiel? Wasser darf als Bio bezeichnet werden, wenn strengere Vorgaben als beim herkömmlichen Wasser gelten, wie z.B. keine Zusatzstoffe und streng unbehandelt. Außerdem liegen bei Bio Wasser sämtliche Rückstände und Schadstoffe unterhalb des Mineralwasserstandards für herkömmliches Wasser. Allerdings gilt für Wasser keine gesonderte EU Ökoverordnung, da sich das EU Bio Siegel eigentlich nur auf Lebensmittel bezieht. Dafür gibt die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V. Maßstäbe vor, an denen sich auch andere Wasserhersteller orientieren können.

Wasser ist nicht gleich Wasser – was bedeutet „Bio“ in diesem Zusammenhang?

Im Alltag differenzieren wir für gewöhnlich zwischen Leitungswasser und Mineralwasser aus Flaschen. In den letzten Jahren kommt allerdings immer öfter ein dritter Begriff auf: Bio-Mineralwasser. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, denn Wasser enthält ja keine Pestizide oder tierische Bestandteile, basiert auf einem besonderen Verständnis von Reinheit, Nachhaltigkeit und Quellschutz.

Die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V. hat die Basis für diese Zertifizierung geschaffen; sie bestimmt strengere Anforderungen als die gesetzlich für Mineralwasser festgelegten. Dazu gehört unter anderem: Höchste Reinheit frei von Rückständen wie Pestiziden, Nitrat oder Uran, nachhaltige Förderung und Schutz der Quelle, ökologische Verantwortung im gesamten Produktionsprozess.
Ein Wasser erhält das Bio-Siegel also nicht nur wegen seiner Inhaltsstoffe, sondern auch wegen der umweltfreundlichen Art seiner Gewinnung und Abfüllung. Zertifiziert wird es von der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V. Das Bio-Mineralwassersiegel steht für besonders reines Wasser aus streng kontrollierten Quellen - mit höheren Anforderungen als bei herkömmlichen Mineralwassern. Es schützt nachweislich vor Schadstoffen wie Pestiziden und Nitrat und garantiert gleichzeitig aktiven Umwelt- und Wasserschutz. Regelmäßige, unabhängige Kontrollen sowie die Pflicht zur Veröffentlichung der Prüfungsergebnisse sorgen für hohe Transparenz.

Leitungswasser als unterschätzte Alternative

Während das Bio-Mineralwasser einen zunehmend wachsenden Markt bedient, gerät ein Alltagsheld leicht in Vergessenheit: das Leitungswasser. In Deutschland gilt es als eines der besten weltweit. Mit strengen Kontrollen, kurzen Wegen und einer ausgezeichneten Umweltbilanz ist es wohl die nachhaltigste Trinkwasseroption überhaupt. Leitungswasser produziert keinen Verpackungsmüll, erfordert keine Transportwege über hunderte von Kilometern und ist in nahezu jedem Haushalt unbegrenzt verfügbar. Es ist nicht nur günstiger, sondern auch ökologisch weit sinnvoller, wenn man es mit Flaschenwasser vergleicht, sei es Bio oder konventionell.

Der direkte Vergleich zeigt: Wer sich umweltbewusst verhalten möchte, muss nicht zwangsläufig zum teuren Bio-Wasser greifen. Ein gut gefiltertes Glas Leitungswasser tut es oft genauso – oder besser.

Bio-Marken im Überblick – Wer steckt hinter dem Bio-Wasser?

In Deutschland gibt es trotz aller Skepsis und Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Bio-Zertifizierung mittlerweile mehrere etablierte Marken, die mit dem Siegel für Bio-Mineralwasser ausgezeichnet sind. Hier ein Überblick:

  • BioKristall: Pioniermarke aus Bayern, die Produkte gelten als besonders rein, frei von Rückständen und werden nachhaltig abgefüllt.
  • Ensinger: Süddeutscher Anbieter, der auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Umweltschutz setzt. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit Öko-Institutionen und die CO₂-neutrale Produktion.
  • Preussenquelle: Ein Unternehmen, das 100 % Ökostrom nutzt und durch CO₂-Kompensation auf eine möglichst klimafreundliche Produktion setzt.
  • Bad Dürrheimer: Bietet verschiedene Bio-Mineralwässer an und engagiert sich stark im Bereich Umweltbildung und Quellschutz.
  • VILSA: Hat ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm und setzt auf recycelbare Verpackungen sowie einen niedrigen CO₂-Fußabdruck.
  • Landpark Bio-Quelle: Füllt in Glas und Bio-PE-Flaschen ab, legt Wert auf natürliche Herkunft und Regionalität.
  • Urquell: Nutzt wiederbefüllbare Glasflaschen und bietet verschiedene Kohlensäurevarianten an – ebenfalls bio-zertifiziert.

Dies zeigt, dass Bio-Wasser mehr als nur ein Etikett sein kann – es steht für ein ganzheitliches Konzept aus Nachhaltigkeit, Transparenz und Umweltverantwortung.

Zwischen Idealismus und Etikettenschwindel

Nicht jeder sieht in Bio-Wasser einen Fortschritt; Kritiker werfen den Herstellern vor, das Bio-Siegel nur zu nutzen, um auf den Trend der Nachhaltigkeit aufzuspringen. Schließlich ist Wasser per Definition ein Naturprodukt, und die gesetzlichen Qualitätsstandards für Mineralwasser sind bereits sehr hoch. Hinzu kommt, dass die Bio-Zertifizierung auf Freiwilligkeit basiert und von einer privaten Organisation vergeben wird - im Gegensatz zu Lebensmitteln, wo das EU-Bio-Siegel strengere gesetzliche Anforderungen stellt. Auch den Preis sollte man nicht unbeachtet lassen: Bio-Mineralwasser kostet oft ein Vielfaches von normalem Wasser – ein Luxusprodukt, das sich nicht jeder leisten kann oder will.

Brauchen wir wirklich Bio-Wasser - Unser Fazit?

Das Konzept von Bio-Mineralwasser ist nachvollziehbar: Wasser aus nachhaltig geschützten Quellen, das umweltfreundlich gefördert und streng kontrolliert wird. Ein zertifiziertes Bio-Wasser kann für diejenigen, die Wert auf Quellenschutz, Regionalität und Transparenz legen, eine gute Wahl sein.
Der nachhaltigste Weg liegt möglicherweise jedoch viel näher als gedacht - Wasser direkt aus dem Hahn. Leitungswasser ist, unter Berücksichtigung der Umweltkosten für Flaschenwasser, die bessere Wahl, da es ressourcenschonender ist. Wenn wir zusätzlich in eine gute Filteranlage investieren und Glas statt Plastik verwenden, haben wir eine Lösung, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch Sinn ergibt.

Erstveröffentlichung: 18.03.2021

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