Grün verreisen: Welcher Sommerurlaub passt zu mir
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Grün verreisen: Welcher Sommerurlaub passt zu mir?

Bio-Hotels, Agrotourismus, Klimaneutrale Hotels, alle agieren sie umweltfreundlich und nachhaltig. Aber worin liegt eigentlich der Unterschied?

Bio-Hotels, Agrotourismus, Klimaneutrale Hotels, alle agieren sie umweltfreundlich und nachhaltig. Aber worin liegt eigentlich der Unterschied?

15.05.2017 - ein Beitrag von Gessica Mirra

Nachhaltigkeit spielt in vielen Hotels eine immer größere Rolle. Damit die potenziellen Übernachtungsgäste das auch erkennen, lassen sie sich die Hotels mit Siegeln und Umweltzeichen zertifizieren: Da gibt es grüne Schlüssel und blaue Schwalben, Steinböcke sowie Umweltblumen.
Die Fragen, die sich zwangsläufig stellen sind die danach, worin sie sich diese Hotels unterscheiden und was man erwarten darf: Bio-Essen, Natur, Wellness oder auch ein baubiologisch einwandfreies Zimmer?
So reichlich die Anzahl der grünen Hotelsiegel ist, so unterschiedlich sind die Bio-Unterkünfte und umweltfreundlichen Urlaubsformen aber:

2001: Die „Geburt“ des Bio-Hotels

Im Jahr 2001 geht das Hotel Schweitzer im Tiroler Mieming als erstes Biohotel durch die Medien.
Immer mehr Hotels versuchen danach individuell die Beschaffung von Biolebensmitteln zu organisieren. Und so können sich auf der Biofach 2001 in Nürnberg bereits zehn Betriebe als Bio-Betriebe vorstellen. Die Resonanz der Besucher ist enorm und es entsteht der Markt der Bio-Hotels und die Vereinigung der „Bio Hotels“.
Die Vereinigung hat heute 90 Bio-Hotels in ganz Europa unter seinem Dach, die auf den ersten Blick verschiedener nicht sein könnten und trotzdem eines gemeinsam haben: Nachhaltigkeit an allen Ecken und Enden.
Damit ein Hotel beitreten darf, muss es erst einmal eine Menge Kriterien erfüllen – vom Einsatz kontrolliert-biologischen Lebensmitteln bis hin zu zertifizierter Naturkosmetik.
Für die Qualitätssicherung gibt es pro Jahr zwei Kontrollen – eine angekündigte und eine unangekündigte Begehung. Sogar der hoteleigene Bio-Kräutergarten wird von einer unabhängigen Kontrollstelle zertifiziert.



Bio-Hotels machen längst nicht nur Möbel aus Naturholz und hausgemachte Marmelade aus

Denkt man an Bio-Hotels, denkt man an Möbel aus Naturholz, hausgemachte Marmelade und Milch vom Bauernhof nebenan. Auch die Bio-Sauna kommt einem wahrscheinlich schnell in den Sinn, weniger aber Gartenwellness, Fastenwandern oder Strom vom eigenen Dach.
In einem Bio-Hotel gibt es natürlich Bio-Lebensmittel. Die Bio-Produkte stammen, soweit möglich, aus regionaler Erzeugung. Die Vereinigung „Bio Hotels“ geht sogar so weit, Hotels für jede konventionelle Nicht-Bio-Ausnahme – vom Wein bis zum Obst – mit einer Gebühr abzustrafen. Damit sollen regionale Bio-Bauern und Lieferanten unterstützt werden.

So startet man im Bio-Hotel morgens zum Beispiel mit einem frisch zubereitetem Müsli und Tee. Mittags gibt es Salate aus dem eigenen Bio-Garten. Natürlich kommen auch Fleisch und Fisch auf die Speisekarte: Das Fleisch darf gar nicht aus konventioneller Erzeugung stammen, Fisch gibt es nur nachhaltig-zertifiziert oder direkt vom Fischer aus eigenem Wildfang. Das Wild, das in Bio-Hotels auf den Tisch kommt, stammt ebenfalls vom Jäger oder einer Jagdgemeinschaft mit Herkunftsnachweis. Kräuter, Pilze und Beeren kommen im Bio-Hotel aus zertifiziert ökologischer Wildsammlung.
Seit 2006 müssen alle Hotels, die bei Bio-Hotels Mitglied sind, zudem auch zertifizierte Getränke anbieten.

Auch Vegetarier und Veganer, sowie Allergiker sind in Bio-Hotels bestens aufgehoben – auf sämtliche Essenswünsche wird hier eingegangen.
Fast alle Bio-Hotels bieten Mountainbike-Kurse oder Wandertouren an – im Winter kann man zudem in vielen Gebieten Skifahren oder Langlaufen. Aber auch ausgefallenere Aktivitäten wie Oliven ernten, ein Gletscher-Aufstieg oder Fastenwandern sind in den Bio-Hotels möglich.
Kulinarik-Fans sind bei Kochkursen mit Bio-Zutaten oder einer Bio-Weinverkostung gut aufgehoben. Und wer einfach nur entspannen und seine Ruhe haben möchte, der zieht sich in die umliegende Natur oder den nächsten Nationalpark zurück oder schwimmt im nächstgelegenen See – denn auch auf die Umgebung wird bei Bio-Hotels viel wert gelegt.

Bio-Hotels haben in der Regel keine normalen Pools, sondern Naturschwimmbecken, und Badeteiche. Manche Hotels bieten zudem Gartenwellness an – einen Wellnessbereich mitten in der Natur, in dem es sich unter freiem Himmel entspannen lässt. Nachhaltiger schwitzen lässt es sich in der Bio-Sauna.
Die Hotels, die einen vollständig ausgebauten Wellnessbereich haben, achten darauf, dass ihr CO2-Fußabdruck so klein wie möglich bleibt.
Und auch Massage- und Spa-Fans werden sich freuen, denn seit 2010 gibt es in allen Häusern der Bio-Hotels-Vereinigung nur noch kontrollierte Naturkosmetik.

Agrotourismus: Urlaub auf dem Bauernhof

Auf vielen Bauernhöfen oder urigen Landgüter findet nicht nur die „übliche“ Farmarbeit statt, sondern der Hof ist dann auch so ausgerichtet, dass er Touristen aufnehmen kann. In Italien beispielweise ist noch heute eine Tradition von Farmarbeit lebendig und das Konzept des "agriturismo" im ganzen Land sehr typisch.
Die Agri-Touristen sind meist am Landleben interessiert und wollen am Farmleben teilhaben. Sie übernehmen gerne leichte Aufgaben im Tagesgeschäft der Farm oder des Bauernhofes: Sie melken Kühe und ernten Getreide oder Obst beispielsweise.
Zu Mittag und Abend wird das auf dem Bauernhof angebaute Obst und Gemüse verzehrt, ebenso das heimische Fleisch. Sollten die Höfe auch auf biologischen Anbau spezialisiert sein, ist das die perfekte Kombination aus nachhaltigem und regionalem Anbau im Einklang mit der Natur.

Für den Vollerwerbsbauern ist das eine Möglichkeit des Zuverdienstes, die sich auch im begrenzten häuslichen Rahmen ohne übermäßige Investition realisieren lässt. Von Vorteil ist, dass der typische Hof des mitteleuropäischen Raumes neben der Familie auch für einige Dienstboten konzipiert war, und daher schon über die zur Unterbringung von Hausgästen nötigen räumlichen Anlage verfügt.
Die Gäste benötigen durch die Einbindung im Betrieb und den Kontakt mit der Familie der Gastgeber entsprechend Zeit. Das ist vielleicht nicht für jeden das Richtige!

Klimaneutrale Hotels: Tourismusbranche will nicht mehr zu Treibhausemissionen beitragen

Reisen und Übernachten hat zwangsläufig einen hohen CO2-Ausstoss zur Folge. Daher ist die Hotel- und Tourismusbranche weltweit ein nicht unbedeutender Verursacher von Treibhausgasemissionen.
Das Umweltbewusstsein der Gäste hat sich in den letzten Jahren aber mehr und mehr entwickelt, wie aktuelle Studien belegen.

Um die CO2-Emissionen eines Hotels zu messen und damit festzustellen, wie groß der CO2-Fußabdruck ist, werden die Kategorien Energie (Strom), Wärme (Heizung), Kälte, Wasser (Wäscherei), Mobilität, Verpflegung, Administration und Abfall sowie Recycling betrachtet. Die Klima-Effizienz-Klasse A steht dabei für einen besonders klimafreundlichen Betrieb. Ein  Betrieb mit Klima-Effizienzklasse F produziert dagegen sehr viel CO2 pro Übernachtung. 

Klima-Hotels haben demnach ihre CO2-Emissionen ökologisch und ökonomisch optimiert. Jeder Gast verbringt hier einen klimaneutralen Aufenthalt.
Eine Übernachtung in einem klimaneutralen Hotel muss nicht teuer sein! Im Schnitt fallen pro Übernachtung Mehrkosten von unter einem Euro an.



Kommentare
Kommentare
Andrea Lachmuth
23.05.2017
Klimaneutral wird eine Übernachtung erst, wenn die anfallende unvermeidliche Restmenge
Kohlenstoff, die innerhalb eines Jahres im Hotelbetrieb entsteht, erstens durch einen CO2-
Fußabdruck ermittelt und zweitens durch kontrollierte Aufforstungsprojekte kompensiert wird.

Der Begriff "Klima-Hotels" bezieht sich auf eine Initiative von Gastgebern, die ihre Emissionen ökologisch und ökonomisch optimiert haben, einen ganzheitlichen C02-Fußabdruck des Betriebes über Viabono erstellt haben und ihre klimarelevanten Emissionen mit zertifizierten Klimaschutz-Projekten (Klima-Hotels-Wald) kompensiert und damit ausgeglichen haben und dies auch weiterhin tun werden. Mehr Infos siehe http://www.klima-hotels.de/Portals/0/01_Downloads/FAQ_112012.pdf

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