Innovation pur, ein Ventilator ohne Rotorflügel
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Innovation pur, ein Ventilator ohne Rotorflügel

Beim dyson technology lunch in der iF Exhibition in der Hamburger HafenCity im Juni 2014 hatten wir Gelegenheit, mit Dyson-Ingenieur David Dos Reis zu sprechen. David Dos Reis war einer der maßgeblichen Ingenieure, die den Dyson Air Multiplier Ventilator entwickelt haben.

Beim dyson technology lunch in der iF Exhibition in der Hamburger HafenCity im Juni 2014 hatten wir Gelegenheit, mit Dyson-Ingenieur David Dos Reis zu sprechen. David Dos Reis war einer der maßgeblichen Ingenieure, die den Dyson Air Multiplier Ventilator entwickelt haben.

UMWELTHAUPTSTADT.de: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, einen Ventilator ohne Rotorflügel zu entwickeln?

DAVID DOS REIS: Der wichtigste Grund war ganz einfach Frustration. Es gibt so viele Produkte, von denen man glaubt, dass man sie nicht ändern kann. Einfach weil sie immer schon so waren. Bevor wir zum Beispiel den ersten Ventilator ohne Rotorflügel entworfen haben, haben alle Herstellern nach dem gleichen Prinzip Ventilatoren entworfen. Seit mehr als 100 Jahren! Bei den Ventilatoren hat uns vor allem gestört, dass deren Rotorflügel den Luftstrom zerschneiden, was zu einem stoßartigen, unregelmäßigen Luftstrom führt. Das Problem wollten wir beheben. Wir haben lange experimentiert, bis wir eine Lösung hatten. Bei unseren Air Multiplier Ventilatoren wird die Luft durch einen Schlitz am inneren Rand geleitet. Der Luftweg führt dann über eine flügelförmig geschwungene Rampe, welche auch die Richtung vorgibt. Die Air Multiplier Technologie nutzt dann einen Effekt aus der Strömungslehre, welcher die Umgebungsluft in den Luftstrom hinein zieht und diesen so um ein Mehrfaches verstärkt. Das klingt einfach, aber wir benötigten Hunderte von Simulationen und Tests, bis wir die optimale Lösung hatten. Die Technologie, die im Air Multiplier Ventilator steckt, führt letztlich dazu, dass der Ventilator komplett ohne Rotorflügel auskommt und einen gleichmäßigen Luftstrom erzeugt.

Aber Sie waren damit nicht zufrieden. Warum?

Dyson Ingenieure sind nie zufrieden. Wir hören nie auf zu versuchen, Technologie zu verbessern. Wir haben den ersten rotorlosen Ventilator im Jahr 2009 und wollte das Gerät noch leiser und energieeffizienter zu machen. Das Resultat sind die neuen Dyson Cool Ventilatoren, die bis zu 75 Prozent leiser als die Vorgängermodelle sind. Wir haben aber die Luftströme im Gerät optimiert, um spezifische Töne auszuschalten. Dadurch fließt die Luft jetzt effizienter und leiser durch die Geräte. Zudem wurde der Bereich unten am Luftring verbreitert. Das führt zu einem gleichmäßigeren Luftstrom und damit zu einem leiseren Gerät. Wir haben uns dabei auch um Details gekümmert. Damit die Töne, die für das menschliche Gehör besonders unangenehm sind, das sind die Töne im Bereich von etwa 1000 Hertz - etwa der Ton eines Moskitoflügelschlags - verringert werden konnten, haben wir einen Helmholtz-Resonator im Sockel des Gerätes eingebaut. Dieser absorbiert Akustikwellen und verhindert das Entstehen des störenden Geräuschs. Mit modernster Technik haben wir so ein leiseres und auch energieeffizienteres Gerät entwickelt, ohne dabei Abstriche bei der Leistung zu machen, denn alle Modelle nutzen die schon bei den Vorgängermodellen eingesetzte Air Multiplier Technologie.

Der Aspekt der Nachhaltigkeit wird bei der Entwicklung von Produkten immer wichtiger. Wie wird dies bei Dyson umgesetzt?

Wir entwickeln keine Produkte, die man als „grün“ bezeichnet. Unsere Überzeugung ist, nachhaltige Technik zu entwickeln, die per definitionem „effizient" ist. Wie etwa unsere Airblade Händetrockner, die die Hände in nur 10 Sekunden trocknen – durch HEPA-gefilterte Hochgeschwindigkeits-Luftströme und ohne den Einsatz energieintensiver Heizelemente. Die Geräte sind ein umweltschonender Ersatz für Papiertücher, die am Ende auf einer Mülldeponie landen. Technik muss langlebig sein und gut funktionieren. Wenn dies nicht der Fall ist, kaufen die Leute die Produkte auch nicht. Oder wenn sie es doch tun, dann kaufen sie weiterhin Geräte, die einen hohen Energieverbrauch haben.

Welche Rolle aber spielt das Thema Nachhaltigkeit und die Energieeffizienz von Geräten für Ihre Kunden?

Der Ansatz von Dyson ist es, mit weniger mehr zu tun. Wir produzieren Geräte, die weniger Materialien und weniger Energie verbrauchen – und zwar ohne Leistungseinbuße. Die Menschen wollen in erster Linie Produkte, die gut funktionieren. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind zunehmend von Relevanz, denn sie spielen bei der Kaufentscheidung inzwischen eine nicht unerhebliche Rolle. Unsere Philosophie bei der Produktentwicklung ist immer, mit weniger mehr zu machen, also mit möglichst geringem Einsatz von Ressourcen Produkte mit höchster Leistung zu entwickeln. Denn am Ende möchten Kunden vor allem Staubsauger, Händetrockner und Ventilatoren, die richtig funktionieren.

Das Thema "Geplante Obsoleszenz", also die geplante, absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten wie beispielsweise Staubsaugern, ist in Anbetracht zahlreicher Nachhaltigkeitsdebatten aktueller denn je. Gibt es nicht mittlerweile für Hersteller wie Dyson andere Möglichkeiten Absatzförderung zu betreiben, als die Produktlebenszyklen künstlich zu verringern?

Die Produkte von Dyson werden für eine lange Lebensdauer gebaut. Jede einzelne Komponente unserer Produkte wird ausgiebig getestet. Die Gehäuse unserer Staubsauger werden z.B. aus hochwertigem ABS-Polykarbonat gefertigt, das gleiche Material, aus dem Flugzeugfenster und Visiere bei Motorradhelmen hergestellt werden. Robust und langlebig. Der Dyson Cinetic, unser jüngster Staubsauger, wurde mit dem Staubaufkommen von zehn Jahren getestet um zu zeigen, dass er über seine gesamte Lebensdauer nicht an Saugkraft verliert und seine Leistung konstant beibehält.

Wie schaut es beispielsweise beim Dyson Airblade aus, nach wieviel Jahren gibt er beispielsweise im Durchschnitt seinen Geist auf?

Die Dyson Airblade Händetrockner wurden während ihrer Entwicklungsphase gründlich getestet um sicherzustellen, dass sie robust und langlebig sind. Wir haben nicht nur industrielle Prüfverfahren verwendet, sondern auch auf die Geräte eingeschlagen, sie getreten und anderweitig „misshandelt“, um die derbsten Zustände, die in einem Sanitärraum herrschen könnten, zu reproduzieren. Unsere Geräte sind auf eine Lebensdauer von zehn Jahren ausgelegt und wir gewähren eine Garantie von fünf Jahren.

Ab dem 1. September 2014 müssen Produkte, die in der EU auf den Markt gebracht werden, mit dem EU-Energielabel gekennzeichnet werden und gesteigerte Mindestenergieeffizienzanforderungen erfüllen. Darunter fallen auch Staubsauger. Dyson hat sich aber kritisch zum EU-Energielabel geäußert. Was gefällt Ihnen nicht am Energielabel?

Im Prinzip ein das Label eine gute Idee, aber nur wenn es den Menschen hilft, anstatt sie irrezuführen. Es ist gut, wenn die Leute zu leistungsfähigerer Technologie geführt werden, die weniger Materialien und weniger Energie verbraucht. Das Problem ist, dass die Geräte beim EU-Energielabel in seiner jetzigen Ausgestaltung ohne Staub getestet werden. Die Staubsauger werden unter Laborbedingungen getestet – nicht denen, die in realen deutschen Haushalten vorherrschen. Ein mit „A“ im Labor getesteter Staubsauger kann ganz andere Werte erreichen, wenn er nur einmal benutzt wurde. Einige Staubsauger können in ihrer Bewertung um bis zu fünf Klassen fallen, sobald sie sich mit Staub aufladen und beginnen, an Saugkraft zu verlieren. Die Staubsauger von Dyson Maschinen werden so entwickelt, dass sie nicht an Saugkraft verlieren und eine konstante Leistung aufweisen.

Das Label vernachlässigt außerdem die Kosten der Verbrauchsmaterialien - sowohl die monetären Kosten als auch die Umweltkosten. Allein im letzten Jahr wurden 126 Millionen Staubsaugerbeutel und Filter auf den Mülldeponien der EU entsorgt. Wenn das Label die Menschen über die Umweltkosten eines Staubsaugers wirklich informieren soll, dann müssen Verbrauchsmaterialien einbezogen werden. Deshalb kritisiert Dyson das EU-Energielabel und hat eine gerichtliche Überprüfung beim Gerichtshof der Europäischen Union auf den Weg gebracht.

Zum dyson-Unternehmensprofil auf Umwelthauptstadt.de



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