EAutos für CarSharingAnbieter noch sehr teuer
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E-Autos für CarSharing-Anbieter noch sehr teuer

THEMENWOCHE E-CarSharing | Es werden nach und nach mehr Elektroautos in die CarSharing-Angebote einfließen, da ist sich Bettina Dannheim, Geschäftsführerin von cambio, sicher. "Aber wie schon gesagt, die Kosten spielen hier eine ganz wichtige Rolle. Die Fahrzeuge müssen deutlich günstiger werden und die Ladeinfrastruktur muss sich verbessern."

THEMENWOCHE E-CarSharing | Es werden nach und nach mehr Elektroautos in die CarSharing-Angebote einfließen, da ist sich Bettina Dannheim, Geschäftsführerin von cambio, sicher. "Aber wie schon gesagt, die Kosten spielen hier eine ganz wichtige Rolle. Die Fahrzeuge müssen deutlich günstiger werden und die Ladeinfrastruktur muss sich verbessern."

03.04.2017 - Das Interview führte Gessica Mirra, Bilder © Cambio

LifeVERDE: Frau Dannheim, wie viele Elektroautos haben Sie in Ihrer Flotte und welche E-Modelle stehen dem Kunden zur Verfügung?

Bettina Dannheim, Geschäftsführerin der cambio Gruppe & Leitung Fuhrparkmanagement: Der Anteil der E-Fahrzeuge in der cambio-Flotte beläuft sich auf circa fünf Prozent. Derzeit stehen unseren Kunden mit dem Mitsubishi i-MiEV, dem Renault ZOE und dem Smart E-Drive drei vollelektrische Fahrzeugmodelle zur Verfügung. Zudem hat cambio den Toyota Yaris Hybrid in der Flotte, der seine Batterie durch die Energierückführung beim Bremsvorgang wieder auflädt. Durch die Unterstützung des E-Motors wird der CO2-Ausstoß deutlich gesenkt.  

Können Sie sagen, ob das CarSharing von E-Autos immer mehr zum Trend wird? Oder könnte es etwas geben, was die Nutzer davon abhält?

Elektroautos bleiben vorerst eine Investition in die Zukunft und sind für ein CarSharing-Unternehmen derzeit nicht wirtschaftlich zu betreiben. Sicherlich gibt es Fans, die gern elektrisch fahren. Von einem Trend würde ich aber noch nicht sprechen wollen. Und selbst wenn es ihn geben würde, könnten wir den Anteil der Fahrzeuge in der cambio-Flotte nur begrenzt weiter ausbauen. Denn erst wenn die E-Autos deutlich günstiger in der Anschaffung sind, erreichen sie die Wirtschaftlichkeit eines Pkw mit konventionellem Antrieb. Generell sind CarSharing-Kunden sicher offener gegenüber einer neuen Antriebstechnik als Pkw-Besitzer, denn sie können das Fahrzeug einfach mal ausprobieren. Wenn’s gefällt, fahren sie häufiger mal mit dem Elektroauto ohne eines besitzen zu müssen. Aber selbst im Stadtverkehr für kurze Strecken werden Elektroautos leider nur von wenigen Kunden als gleichwertige Alternative zu den bekannten Diesel- oder Benzinautos wahrgenommen. Ein Grund könnten die komplett neuen Abläufe im alltäglichen Betrieb der E-Autos sein: Vor der Fahrt muss ich den Ladestecker abziehen und das Kabel verstauen, bevor ich losfahre. Und wenn ich das Fahrzeug nach einer Fahrt abstelle, muss ich es wieder anschließen. Außerdem kann ich nicht einfach an eine Tankstelle fahren und mal schnell nachladen. Das Fahrzeug bietet mir eine gewisse Reichweite und ich muss meine Fahrten entsprechend planen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die Bedienung und die Fahrtenplanung beim Elektroauto irgendwann selbstverständlich sein werden.  

Wie lang sind die Strecken, die durchschnittlich mit dem Elektroauto gefahren werden?

Eine durchschnittliche Fahrt in der Stadt ist selten länger als 25-30 Kilometer. Das ist mit allen unseren Elektroautos problemlos machbar. Die Reichweite eines E-Autos ist abhängig von der Ladekapazität der Batterie, der Außentemperatur und der individuellen Fahrweise. Die neuesten Renault ZOE haben nach Herstellerangaben eine Reichweite von 400 Kilometern. Das werden sie nach unseren Erfahrungen aber kaum erreichen. Aber auch wenn es mal eine längere Fahrt sein soll: Wir zeigen unseren Kunden bei der Buchung die garantierte Reichweite an, die sie mit dem Fahrzeug zurücklegen können, somit können sie ihre Fahrten entspannt planen.  



Wie verhält es sich mit den Ladestopps? Woher weiß der Kunde, wo er aufladen kann und wie lange dauert es?

Wir empfehlen unseren Kunden die Fahrzeuge an der Ladesäule der cambioStation aufzuladen. Hier sind wir sicher, dass es sich um 100 Prozent Ökostrom handelt. Wie lange der Ladevorgang dauert, ist davon abhängig mit welcher Betriebsspannung die jeweilige Ladesäule arbeitet. Für unsere Kunden ist dies aber meist nachrangig, da das Nachladen stattfindet, wenn das Fahrzeug nach Fahrtende zurück an die cambio-Station gebracht wurde.

An welchen Herausforderungen arbeiten Sie aktuell zu diesem Thema?

Mit unserer eigens entwickelten Software können wir den Kunden vor der Buchung sagen, welche Reichweite maximal gebucht werden kann. Wenn ich für den nächsten Tag eine längere Tour plane, kann es sein, dass die 150 Kilometer ab 16 Uhr nicht zu haben sind, weil ein Kunde vorher schon eine längere Fahrt mit dem Auto unternommen hat. Für einen kurzen Einkauf würde es aber reichen. Wenn ich meinen Abfahrtszeitpunkt zwei oder drei Stunden nach hinten verschiebe, sind die 150 Kilometer aber möglich, da die Batterie dann aufgeladen ist. Ich fahre also erst um 19 Uhr los und bekomme die 150 Kilometer Reichweite garantiert. So sind auch geplante Fahrten mit einem Elektroauto möglich – ähnlich wie mit jedem anderen Pkw mit konventionellem Antrieb. Hier arbeiten wir weiter an der Optimierung der Einstellungen. Denn wie schon angedeutet, spielt das Wetter eine nicht unwesentliche Rolle. Im Winter läuft oft die Heizung und im Sommer die Klimaanlage. Beide Verbraucher senken im Fahrbetrieb die Reichweite des Autos. Zudem arbeiten wir an der Erhöhung der Akzeptanz gegenüber Elektrofahrzeugen. Wir möchten unsere Kunden motivieren, für Stadtfahrten in ein E-Auto zu steigen, statt in einen Verbrenner. Das verbessert die Luft- und somit die Lebensqualität in der Stadt. Diese positiven Begleiterscheinungen der Elektromobilität wird die Gruppe der E-Fans sicherlich weiter anwachsen lassen.  

Wie wird sich das, Ihrer Meinung nach, mit den E-Autos beim CarSharing entwickeln?

Es werden nach und nach mehr Elektroautos in die CarSharing-Angebote einfließen, da bin ich mir sicher. Aber wie schon gesagt, die Kosten spielen hier eine ganz wichtige Rolle. Die Fahrzeuge müssen deutlich günstiger werden und die Ladeinfrastruktur muss sich verbessern. Und der angebotene Ladestrom muss flächendeckend Ökostrom sein. Nur dann können wir die Buchung eines Elektroautos für einen längeren Zeitraum und weitere Strecken guten Gewissens empfehlen.

Mehr zum Thema: Nutzerzahlen beim CarSharing weiter gestiegen



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