Deutschland hat 2025 rund 835 Terawattstunden Gas verbraucht, wie der Jahresbericht des Bundesverbands der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigt. Davon stammten rund 12,8 Milliarden Kilowattstunden aus Biomethan, das ins deutsche Erdgasnetz eingespeist wurde, ein Plus von 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber gemessen am Gesamtverbrauch weiterhin deutlich unter zwei Prozent. Der Begriff "Ökogas" suggeriert dagegen oft eine grünere Realität, als tatsächlich durch die Leitung fließt. Anbieter müssen die Bezeichnung "Öko" nicht schützen lassen, und die Zusammensetzung reicht von echtem, regional erzeugtem Biogas bis zu gewöhnlichem Erdgas, dessen Emissionen lediglich rechnerisch durch Zertifikate ausgeglichen werden. Wer wirklich zur Energiewende beitragen will, kommt an einem genauen Blick auf Biomethan-Anteil, Gütesiegel und Herkunft nicht vorbei.
Schaue jetzt in die LifeVERDE-Bestenlisten Ökogas Anbieter - hier findest du ein Ranking unterschiedlicher Versorger.
Inhaltsverzeichnis
- Ökogas: Das Wichtigste in Kürze
- Ökogas, Biogas, Erdgas und Klimagas: der Unterschied
- Wie klimafreundlich ist Biomethan wirklich?
- Das Grünes Gas-Label: das einzige unabhängige Gütesiegel für Biogas
- Weitere Kennzeichen und was sie tatsächlich wert sind
- Gesetzliche Entwicklung: die Grüngasquote kommt
- Ökogas-Anbieter im Vergleich
- Worauf du beim Wechsel wirklich achten solltest
- Für wen sich Ökogas lohnt
- Fazit
Kurz-FAQ
Ist Ökogas dasselbe wie Biogas? +
Nein. Biogas bezeichnet Gas, das tatsächlich aus Biomasse wie Gülle, Bioabfall oder eigens angebauten Energiepflanzen gewonnen wird. Ökogas ist dagegen ein nicht geschützter Marketingbegriff, der laut Verbraucherzentrale sowohl echtes Biogas als auch reines, CO2-kompensiertes Erdgas meinen kann. Der Biomethan-Anteil in sogenannten Ökogas-Tarifen liegt häufig bei nur einem bis zehn Prozent.
Was ist der Unterschied zwischen Ökogas und Klimagas? +
Klimagas ist im Kern gewöhnliches Erdgas, dessen CO2-Emissionen der Anbieter über den Kauf von Klimaschutz-Zertifikaten rechnerisch ausgleicht, meist über Projekte nach internationalen Standards. Am physischen Gas, das durch die Leitung fließt, ändert das nichts. Ökogas kann diese Kompensation ebenfalls nutzen, manche Tarife kombinieren sie zusätzlich mit einem echten Biomethan-Anteil.
Was garantiert das Grünes Gas-Label? +
Das Grünes Gas-Label ist das einzige unabhängige, von Umweltverbänden wie NABU und BUND getragene Gütesiegel für Biogas in Deutschland. Es garantiert einen Mindestanteil von 10 Prozent echtem Biogas aus sinnvollen Substraten sowie eine verpflichtende Investition von mindestens 0,2 Cent pro Kilowattstunde in den Ausbau erneuerbarer Energien. CO2-Kompensation allein reicht für das Siegel nicht aus.
Muss ich künftig einen Mindestanteil erneuerbares Gas beziehen? +
Für neu eingebaute Gasheizungen im Gebäudebestand gilt ab dem 1. Januar 2029 eine Pflicht zu mindestens 15 Prozent erneuerbarem Gas, ab 2035 steigt die Vorgabe auf mindestens 30 Prozent. Für bestehende Heizungen und für reine Kochgas-Nutzung gibt es diese Pflicht bisher nicht.
Lohnt sich ein Ökogas-Tarif finanziell? +
Ökogas-Tarife sind in der Regel teurer als reines Erdgas, da Biomethan aufwendiger produziert wird als fossiles Gas. Wer ausschließlich auf den niedrigsten Preis achtet, ist mit einem Ökogas-Tarif meist nicht optimal beraten. Wer dagegen bereit ist, für einen höheren Biomethan-Anteil oder eine geprüfte Zertifizierung etwas mehr zu zahlen, sollte gezielt auf das Grünes Gas-Label und die Transparenz der Anbieterangaben achten.
Ökogas: Das Wichtigste in Kürze
- Der Begriff "Ökogas" ist nicht geschützt. Er kann echtes Biogas, eine Mischung aus Bio- und Erdgas oder reines CO2-kompensiertes Erdgas bezeichnen.
- Der reale Biomethan-Anteil deutscher Ökogas-Tarife liegt laut Verbraucherzentrale häufig nur bei 1 bis 10 Prozent, selten bei 100 Prozent.
- Das Grünes Gas-Label ist das einzige unabhängige Gütesiegel speziell für Biogas und schließt reine CO2-Kompensation ausdrücklich aus.
- Eine Studie eines Fraunhofer-Instituts im Auftrag des Umweltinstituts München kommt zu dem Schluss, dass Biomethan Gasheizungen langfristig wirtschaftlich kaum retten kann, weil die Preise absehbar stark steigen.
- Der BUND kritisiert, dass viele Biomethananlagen auf Energiepflanzen wie Mais setzen, was mit der Lebensmittelproduktion konkurriert und die Klimabilanz verschlechtert.
- Ab 2029 gilt für neue Gasheizungen im Bestand eine gesetzliche Mindestquote von 15 Prozent erneuerbarem Gas, ab 2035 steigt sie auf 30 Prozent.
Fünf bundesweite Anbieter im Vergleich – von Tarifen mit Biomethan-Beimischung bis zu 100 % Biogas.
10 % Biomethan · 90 % Erdgas · bundesweit verfügbar
+ Biomethan aus regionalen Rest- und Abfallstoffen
+ Förderung neuer Öko-Kraftwerke im Tarif enthalten
+ Anbieter entwickelt und betreibt eigene Erneuerbare-Energien-Projekte
− derzeit nur 10 % Biomethan, der übrige Anteil ist fossiles Erdgas
10, 30 oder 100 % Biogas · TÜV-Nord-geprüft
+ drei Biogasanteile für unterschiedliche Ansprüche
+ der 100-%-Tarif kommt ohne fossilen Gasanteil aus
+ Kompensation verbleibender Emissionen je nach Tarif über Gold-Standard- oder EU-ETS-Zertifikate
− die Tarife mit 10 oder 30 % Biogas enthalten weiterhin überwiegend Erdgas
2026: 75 % erneuerbares Gas · Grünes-Gas-Label
+ hoher Anteil ökologisch erzeugten Biogases
+ keine verwertbaren Lebensmittel als Biomasse
+ Förderanteil für Biogasprojekte und die Weiterentwicklung von Windgas
− 2026 verbleibt noch ein fossiler Erdgasanteil von 25 %
10 % Biogas · 90 % Erdgas · 1 Jahr Preisgarantie
+ Biogas wird in Deutschland produziert und aufbereitet
+ ein Jahr Preisgarantie
+ keine Kaution und keine Vorauskasse
+ für jeden Neukunden wird ein Quadratmeter Moor in Deutschland renaturiert
− lediglich 10 % Biogas, die übrigen 90 % bestehen aus fossilem Erdgas
Stand: Juli 2026. Gaspreise und Tarifkonditionen unterscheiden sich je nach Postleitzahl, Verbrauch und gewähltem Biogasanteil. Prüfe deshalb vor dem Wechsel neben dem Preis insbesondere den tatsächlichen Anteil erneuerbaren Gases.
Ökogas, Biogas, Erdgas und Klimagas: der Unterschied
Wer sich durch das Angebot an grünen Gastarifen klickt, stößt schnell auf vier Begriffe, die sich deutlich voneinander unterscheiden, in der Werbung aber oft verschwimmen.
Erdgas ist ein fossiler Energieträger, der aus unterirdischen Lagerstätten gefördert wird und hauptsächlich aus dem Treibhausgas Methan besteht. Bei seiner Verbrennung entstehen CO2-Emissionen, bei Förderung und Transport entweicht zusätzlich klimaschädliches Methan direkt in die Atmosphäre.
Biogas entsteht durch die Vergärung organischer Stoffe wie Gülle, Bioabfall oder eigens angebauter Energiepflanzen unter Luftabschluss. Wird es auf Erdgasqualität aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist, spricht man von Biomethan. Rund 9.000 Biogasanlagen gibt es laut Umweltbundesamt in Deutschland, die meisten davon nutzen das Gas allerdings direkt vor Ort zur Stromerzeugung und speisen es gar nicht ins öffentliche Netz ein.
Ökogas ist kein eigenständiger physikalischer Gastyp, sondern ein Marketingbegriff. Er kann eine Beimischung aus echtem Biomethan und Erdgas bezeichnen, ebenso gut aber auch reines Erdgas, dessen Emissionen der Anbieter über Zertifikate ausgleicht. Weil der Begriff rechtlich nicht geschützt ist, variiert die tatsächliche Zusammensetzung stark zwischen den Anbietern.
Klimagas setzt fast ausschließlich auf diese CO2-Kompensation: Der Anbieter kauft Zertifikate aus Klimaschutzprojekten, die die bei der Verbrennung entstehenden Emissionen rechnerisch ausgleichen sollen. Am physischen Gas selbst, das aus der Leitung kommt, ändert sich dadurch nichts.
Wie klimafreundlich ist Biomethan wirklich?
Biomethan gilt vielen als Königsweg, um die bestehende Gasinfrastruktur klimafreundlich weiterzunutzen. Die wissenschaftliche Bewertung fällt jedoch deutlich zurückhaltender aus als das Marketing vieler Anbieter.
Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung im Auftrag des Umweltinstituts München, über die die taz im Juli 2026 berichtete, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Aktuelle Preisprognosen für Strom und Biomethan zeigten, dass der Betrieb von Gasheizungen und Gasnetzen bis spätestens 2045 mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken verbunden sei. Es sei unwahrscheinlich, dass Gasnetze in Wohngebieten künftig noch ausreichend ausgelastet und deshalb von den Betreibern aufrechterhalten würden, gerade weil steigende Biomethan-Preise nicht unbegrenzt an Kundinnen und Kunden weitergegeben werden können.
Der Umweltverband BUND setzt in einer 2026 veröffentlichten Analyse noch grundsätzlicher an und kritisiert die Klimabilanz vieler Biomethananlagen selbst. Durch Landnutzungsänderungen und Methanemissionen bei Herstellung und Transport falle die Klimabilanz vielfach nur geringfügig besser aus als die von fossilem Erdgas. Besonders der intensive Maisanbau als häufigstes Substrat verursache zusätzlich Bodenerosion, schädliche Nährstoffeinträge in Gewässer und Belastungen für die Biodiversität, wenn Monokulturen großflächig zum Einsatz kommen. Auch Gülle als zweithäufigstes Substrat sei nicht unproblematisch, da laut BUND US-amerikanische Studien darauf hindeuten, dass die Förderung von Biomethan Anreize schaffen kann, große Tierhaltungsbetriebe eher auszubauen als zu verkleinern. Das Umweltbundesamt bestätigt diesen differenzierten Befund für Bioabfallanlagen: Werden Bioabfälle kompostiert oder zu Biogas vergoren, ist das gut fürs Klima, allerdings nur, wenn dabei nicht zu viel Methan entweicht. Eine UBA-Studie an 35 Anlagen zeigt, wie unterschiedlich die Emissionen aus Vergärungsanlagen tatsächlich ausfallen und wie sich ein emissionsarmer Betrieb erreichen lässt. Die Botschaft für Verbraucherinnen und Verbraucher ist eindeutig: Nicht jedes Biomethan ist automatisch klimafreundlich, die Herkunft des Substrats entscheidet maßgeblich über die tatsächliche Klimawirkung.
Das Grünes Gas-Label: das einzige unabhängige Gütesiegel für Biogas
Anders als bei Lebensmitteln gibt es für Ökogas kein allgemeingültiges, staatlich reguliertes Siegel, das mit dem Bio-Siegel vergleichbar wäre. Das Grünes Gas-Label kommt dem am nächsten. Es wurde 2013 von führenden Umwelt-, Verbraucher- und Friedensorganisationen gegründet und wird vom Grüner Strom Label e.V. vergeben, hinter dem unter anderem NABU und BUND stehen. Das Siegel grenzt sich bewusst von reiner CO2-Kompensation ab: Es garantiert einen Mindestanteil von 10 Prozent echtem Biogas im zertifizierten Tarif, produziert aus Substraten, deren energetische Nutzung als sinnvoll gilt, etwa biogene Rest- und Abfallstoffe aus Kommunen, Industrie und Landwirtschaft. Zusätzlich verpflichten sich zertifizierte Anbieter, mindestens 0,2 Cent pro Kilowattstunde in den Ausbau erneuerbarer Energien und in Energieeffizienzmaßnahmen zu investieren. Alle zertifizierten Produkte durchlaufen laut Anbieter regelmäßig einen unabhängig validierten Prüfprozess.
Wichtig für die Einordnung: Ein Biomethan-Anteil von 10 Prozent, wie ihn das Label mindestens verlangt, bedeutet im Umkehrschluss, dass auch ein zertifizierter Tarif zu 90 Prozent aus regulärem, meist CO2-kompensiertem Erdgas bestehen kann. Wer einen höheren Biomethan-Anteil sucht, muss gezielt nach Tarifen mit 100-Prozent-Biogas-Kennzeichnung suchen, die laut Marktbeobachtungen deutlich seltener und in der Regel teurer sind.
Weitere Kennzeichen und was sie tatsächlich wert sind
Neben dem Grünes Gas-Label kursieren am Markt weitere Zertifikate und Register, die unterschiedlich aussagekräftig sind.
Das Biogasregister Deutschland der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist kein Gütesiegel im eigentlichen Sinn, sondern eine umfangreiche Informationsdatenbank. Es erfasst Biogasmengen und deren Qualität und richtet sich sowohl an Verbraucherinnen und Verbraucher als auch an Produzenten und Händler. Wer einen Tarif genauer prüfen möchte, findet hier detaillierte Herkunftsangaben.
TÜV-Zertifizierungen (etwa TÜV Nord oder TÜV Süd) bestätigen in der Regel die korrekte bilanzielle Zuordnung der gehandelten Gasmengen, treffen aber keine eigenständige Aussage über die ökologische Qualität der Substrate. Sie sind ein sinnvoller Baustein, ersetzen aber keine inhaltliche Prüfung wie das Grünes Gas-Label.
CO2-Zertifikate nach international anerkannten Standards wie dem Clean Development Mechanism gehen auf das Kyoto-Protokoll zurück und verbinden Klimaschutz oft mit Projekten in Entwicklungsländern. Sie sind für sich genommen kein Nachweis für einen realen Biomethan-Anteil im gelieferten Gas, sondern lediglich eine rechnerische Kompensation an anderer Stelle der Welt.
! Fehlt jede nachvollziehbare Angabe zum Biomethan-Anteil oder zur Herkunft der Substrate, ist das ein Warnsignal, dem nachzugehen sich lohnt, bevor man wechselt.

Bild: Unsplash/Etienne Girardet
Gesetzliche Entwicklung: die Grüngasquote kommt
Der Gesetzgeber greift zunehmend regulierend ein. Ab dem 1. Januar 2029 müssen neu eingebaute Gasheizungen im Gebäudebestand mit mindestens 15 Prozent erneuerbarem Gas betrieben werden, ab dem 1. Januar 2035 steigt diese Vorgabe auf mindestens 30 Prozent. Für den Neubau und für bereits bestehende Heizungen gelten bislang andere, teils weniger strikte Regelungen im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Marktdaten, dass die Nachfrage nach EEG-gefördertem Biomethan nach Angaben des Biomethan-Branchenbarometers der dena zuletzt eher gesunken ist, unter anderem wegen der Insolvenzen zweier großer Biomethanhändler. Die Branche selbst rechnet nicht damit, dass die inländische Produktion ausreicht, um den heutigen Gasverbrauch relevant zu ersetzen. Wer auf einen Ökogas-Tarif setzt, unterstützt damit zwar den weiteren Ausbau, sollte aber realistisch bleiben, was ein einzelner Tarifwechsel an der großen Verbrauchsbilanz ändert.
Die folgende Grafik auf Basis von Zahlen des BDEW zeigt, wie sich die Heizenergie in neu genehmigten Wohnungen seit 2015 verschoben hat: weg von Gas, hin zur Wärmepumpe. (Grafikdatei liegt separat zum Download bereit.) Für weitere, offizielle und direkt herunterladbare Grafiken zum Thema Biomethan bietet der BDEW eine eigene Übersichtsseite mit Daten, Grafiken und Fakten, die regelmäßig aktualisiert wird.
Wie wir bereits in unserem Beitrag "Zu Ökostrom wechseln - so geht’s" berichtet haben, führt der Wechsel zum Ökogas, ebenso wie der zum Ökostrom dazu, dass die Anteile Erneuerbarer Energien zur Versorgung deutscher Haushalte wächst.
Ökogas-Anbieter in Deutschland
NATURSTROM
Die NATURSTROM AG wurde 1998 von 16 Mitgliedern aus Umwelt- und Erneuerbare-Energien-Verbänden wie BUND, NABU, BWE und EUROSOLAR gegründet. Neben der Versorgung mit Ökostrom und Ökogas plant, errichtet und betreibt das Unternehmen unter anderem Photovoltaik-, Windenergie- und Biomasseanlagen und entwickelt dezentrale Versorgungskonzepte für Quartiere, Unternehmen und Kommunen. Der aktuelle Tarif naturstrom ökogas enthält 10 % Biomethan aus regionalen Rest- und Abfallstoffen sowie 90 % Erdgas. Für die Emissionen des Erdgasanteils investiert NATURSTROM in zertifizierte Klimaschutzprojekte. Darüber hinaus ist im Tarif ein Förderbetrag für den Bau neuer Öko-Kraftwerke enthalten. Der konkrete Gaspreis hängt vom Wohnort und Verbrauch ab und kann über den Tarifrechner ermittelt werden.
LichtBlick
LichtBlick bietet aktuell drei Gastarife mit unterschiedlichen Biogasanteilen an: LichtBlick Gas enthält mindestens 10 %, LichtBlick Gas Plus mindestens 30 % und LichtBlick BioGas 100 % Biogas im Jahresmittel. Das Biogas des 100-%-Tarifs wird ausschließlich aus pflanzlichen und tierischen Rest- und Abfallstoffen gewonnen. Die Tarife sind TÜV-Nord-geprüft und können mit unterschiedlichen Vertragslaufzeiten gewählt werden. Für die Emissionen des fossilen Anteils der Tarife mit 10 oder 30 % Biogas erwirbt LichtBlick Gold-Standard-Zertifikate. Beim Tarif mit 100 % Biogas werden ETS-Zertifikate für die verbleibenden Emissionen eingesetzt. Da sich Preise und Konditionen je nach Postleitzahl und Verbrauch unterscheiden, lässt sich der individuelle Tarif direkt auf der Website berechnen.
Green Planet Energy
Green Planet Energy ist eine bundesweit tätige und von der Kohle- und Atomwirtschaft unabhängige Energiegenossenschaft. Sie wurde 1999 als Greenpeace Energy gegründet und trägt seit 2021 den Namen Green Planet Energy. Organisatorisch und wirtschaftlich ist die Genossenschaft unabhängig von Greenpeace e. V. Das Gasprodukt proWindgas enthält 2026 einen Biogasanteil von 75 %. Dabei sollen keine verwertbaren Lebensmittel als Biomasse eingesetzt werden. Ein Teil der Tarifeinnahmen fließt in Biogasprojekte und in die Weiterentwicklung der Windgas-Technologie, bei der erneuerbarer Strom zur Herstellung von grünem Wasserstoff genutzt wird. Green Planet Energy plant, den fossilen Erdgasanteil weiter zu senken und proWindgas ab 2027 vollständig aus erneuerbaren Quellen bereitzustellen.
ENTEGA
ENTEGA gehört mit rund 800.000 Privat- und Gewerbekund*innen zu den größeren regional verwurzelten Energie- und Infrastrukturdienstleistern in Deutschland. Neben Strom und Gas bietet die Unternehmensgruppe unter anderem Wärme-, Wasser- und Telekommunikationslösungen an und investiert in erneuerbare Erzeugungsanlagen, Wärmenetze und weitere Infrastrukturprojekte. Beim Gasangebot ist eine genaue Unterscheidung wichtig: Die Tarife Ökogas eco und Ökogas eco 24 beruhen auf Erdgas und sind mit einem finanziellen Klimaschutzbeitrag verbunden. Der separate Tarif ENTEGA Biogas enthält hingegen 10 % Biogas, das in Deutschland produziert und aufbereitet wird; die übrigen 90 % bestehen aus Erdgas. Für jeden Neukunden, der die Bedingungen des Moorschutzversprechens erfüllt, lässt ENTEGA nach eigenen Angaben einen Quadratmeter Moor in Deutschland renaturieren. Preise, Boni und Verfügbarkeit können über den Tarifrechner geprüft werden.
Die Angaben habe ich anhand der aktuellen offiziellen Informationen von NATURSTROM, LichtBlick, Green Planet Energy und ENTEGA geprüft. Stand: Juli 2026.

Worauf du beim Wechsel wirklich achten solltest
- Biomethan-Anteil konkret erfragen. Ein seriöser Anbieter nennt eine genaue Prozentzahl, keine vagen Formulierungen wie "klimafreundlich" oder "grün".
- Grünes Gas-Label statt reiner Kompensation suchen. Nur dieses Siegel verlangt einen nachweisbaren Mindestanteil an echtem Biogas, keine reine CO2-Kompensation.
- Herkunft der Substrate hinterfragen. Biomethan aus Reststoffen und Abfällen ist ökologisch deutlich unproblematischer als Biomethan aus eigens angebauten Energiepflanzen wie Mais.
- Vergleichsportale kritisch nutzen. Selbst der strengste Öko-Filter zeigt auf gängigen Vergleichsportalen häufig noch Tarife mit sehr geringem Biogas-Anteil an.
- Preis realistisch einordnen. Echtes Biomethan ist teurer in der Herstellung als fossiles Erdgas, ein Ökogas-Tarif zum Erdgaspreis ist ein Warnsignal.
- Wirtschaftlichkeit langfristig mitdenken. Angesichts der von Fraunhofer skizzierten Preisentwicklung lohnt sich parallel ein Blick auf Alternativen wie Wärmepumpen, gerade bei anstehenden Heizungserneuerungen.
Für wen sich Ökogas lohnt
Wer eine bestehende Gasheizung weiter betreibt und kurzfristig nicht auf eine andere Heiztechnik umsteigen kann oder will, kann mit einem zertifizierten Ökogas-Tarif zumindest einen Teil des eigenen Verbrauchs auf echtes Biomethan umstellen und damit den Ausbau der Branche unterstützen. Wer vor allem ein gutes Gewissen zum gleichen Preis wie beim Grundversorger sucht, sollte die eigenen Erwartungen kritisch prüfen, ein "Öko"-Etikett allein sagt wenig über den tatsächlichen Effekt aus.
Wer ohnehin eine Heizungssanierung plant, sollte angesichts der Studienlage von Fraunhofer und der klaren Entwicklung in Richtung Wärmepumpe, wie sie die BDEW-Zahlen zeigen, eine grundsätzliche Systementscheidung mit einplanen, statt allein auf einen grünen Gastarif zu setzen. Für Mieterinnen und Mieter ohne Einfluss auf die Heizungsanlage bleibt der Tarifwechsel oft die einzige direkte Stellschraube, hier lohnt sich der Griff zu einem Grünes-Gas-Label-zertifizierten Anbieter mit möglichst hohem Biomethan-Anteil.
Fazit: Ökogas ist kein Freifahrtschein, aber ein sinnvoller Baustein
Ökogas ersetzt keine grundsätzliche Entscheidung für eine klimafreundlichere Heiztechnik, das zeigen sowohl die wirtschaftlichen Prognosen von Fraunhofer als auch die kritische Einordnung des BUND zur Substratherkunft vieler Biomethananlagen. Innerhalb der bestehenden Gasinfrastruktur ist ein Tarif mit echtem, nachweisbarem Biomethan-Anteil und Grünes-Gas-Label-Zertifizierung aber deutlich sinnvoller als ein reiner CO2-Kompensationstarif zum gleichen Preis wie fossiles Erdgas. Wer genau hinschaut, statt sich vom Wort "Öko" allein überzeugen zu lassen, trifft am Ende die informiertere Entscheidung, für das eigene Portemonnaie und für das Klima.
Quellenverzeichnis
Umweltbundesamt
„Biogasanlagen“ – Grundlagen zur Entstehung, Zusammensetzung, Aufbereitung und Nutzung von Biogas.
Quelle öffnen
Umweltbundesamt
„Wie Bioabfälle klimaschonend zu Biogas und Kompost werden“ – Untersuchung der Treibhausgasemissionen aus Kompostierungs- und Vergärungsanlagen.
Quelle öffnen
Umweltbundesamt
„Wissenschaftliche Analysen zu ausgewählten Aspekten der Statistik erneuerbarer Energien – Fachbericht Biomethan“ – energiestatistische Einordnung von Erzeugung und Nutzung von Biomethan.
Fachbericht öffnen
taz
„Biomethan kann Gasheizungen laut Forschern nicht retten“ – Bericht über eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zu Kosten und Zukunft der Gasnetze, 6. Juli 2026.
Artikel öffnen
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
„Heizen mit Biomethan: Teuer für Klima, Natur und Verbraucher*innen“ – Analyse der ökologischen und wirtschaftlichen Folgen einer stärkeren Biomethannutzung im Gebäudesektor, 2026.
PDF öffnen
Verbraucherzentrale
„Ist ein Tarif mit Ökostrom und Ökogas überhaupt sinnvoll?“ – Verbraucherinformationen zu Umweltnutzen, Tarifwahl und aussagekräftigen Labels.
Quelle öffnen
Grüner Strom Label e. V.
„Ökogas unter der Lupe“ – Einordnung von Ökogasangeboten, Kompensationsversprechen und der Transparenz unterschiedlicher Gastarife.
Quelle öffnen
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
„Biomethan: Daten, Grafiken & Fakten“ – Kennzahlen zu Erzeugung, Einspeisung, Verwendung und Marktstruktur von Biomethan in Deutschland.
Quelle öffnen
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
„Die Energieversorgung 2025 – Jahresbericht“ – aktualisierte Gesamtauswertung zu Energieverbrauch, Gasmarkt, Stromerzeugung und erneuerbaren Energien, Juni 2026.
Jahresbericht öffnen
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
„Statusreport: Wärme“ – aktuelle Daten und Fakten zum deutschen Wärmemarkt, zu Heizungsstrukturen und politischen Rahmenbedingungen, Juli 2026.
Statusreport öffnen
Solarserver
„Biomethan: Kaum sinnvolles Potenzial im Wärmesektor“ – Einordnung der Einsatzmöglichkeiten und Investitionsrisiken auf Grundlage des dena-Biomethan-Branchenbarometers 2025, Januar 2026.
Artikel öffnen
Auch interessant: Balkonkraftwerk Kaufberatung: Warum der Wechselrichter alles entscheidet
* Affiliatelinks/Werbelinks: Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf einen solchen Affiliate-Link klickst und eine Aktion ausführst, bekommen wir von dem betreffenden Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.


Kommentar erstellen























































































