Grüne Wirtschaft

4hundred Ökostrom: "Grüner Strom ist heutzutage kein Alleinstellungsmerkmal mehr"

Interview | Simple honest energy - das ist das Leitmotiv von 4hundred, dem ersten unabhängigen volldigitalen Ökostrom- und Gasanbieter. Gründerin Ilona Ludewig möchte aktiv die "angestaubte Energiebranche" verändern und gleichzeitig das beste digitale Kundenerlebnis bieten.

Interview | Simple honest energy - das ist das Leitmotiv von 4hundred, dem ersten unabhängigen volldigitalen Ökostrom- und Gasanbieter. Gründerin Ilona Ludewig möchte aktiv die "angestaubte Energiebranche" verändern und gleichzeitig das beste digitale Kundenerlebnis bieten.

11.11.2019 - Das Interview führte Romek Vogel

LifeVERDE: Frau Ludewig, Sie haben mit „4hundred Ökostrom“ einen neuen Energieversorger gegründet.

Wie kam es dazu und wo sehen Sie Ihren Platz im hart umkämpften Strom- und Energiemarkt?

Ilona Ludewig (Gründerin 4hundred): Andrew Mack und ich haben 4hundred 2017 gegründet, weil es einfach an der Zeit war, sich im Energiesektor innovativ aufzustellen und einen wirklich user-zentrischen Service zu bieten. So wurden wir Deutschlands erster unabhängiger volldigitaler Ökostrom- und Gasanbieter. Der Satz, mit dem alles angefangen hat – Simple honest energy – ist auch drei Jahre nachdem die Idee für 4hundred geboren wurde immer noch genauso aktuell.


Der Energiemarkt ist hart umkämpft, das stimmt. Wir zeigen mit 4hundred, dass fair und nachhaltig auch in der Energiebranche geht. Dass man Kunden nicht ausnehmen muss, um als Geschäft erfolgreich zu sein und sie sogar in das Tagesgeschäft und die Weiterentwicklung der Produkte einbeziehen kann. Bei uns kann man nicht nur Ökostrom und Gas beziehen, sondern – wenn man will – auch aktiv an der Veränderung der angestaubten Energiebranche mitwirken. Unser Ziel ist es, das beste digitale Kundenerlebnis der Energiebranche zu bieten.

Wir glauben, dass langfristig nur die Anbieter erfolgreich sein werden, die nachhaltig und damit im Sinne der Kunden denken und handeln. Die Pleite der Energiefirma BEV Anfang des Jahres 2019 zeigt es deutlich: Am Ende leiden die Verbraucher. Im Falle der BEV warteten dann etwa 250.000 Kunden auf fast 80 Millionen Euro. Dass es übrigens generell erlaubt ist, auf diese Weise am Markt aktiv zu sein, ist ein Thema, das mich immer wieder auf die Palme bringt.

Vor kurzem ist mit Octopus Energy sogar ein großes Energieunternehmen aus Großbritannien bei 4hundred eingestiegen.

Welche Vorteile ergeben sich durch diesen Zusammenschluss?

Es war hier wirklich ein “match made in heaven”. Wir haben uns von Anfang an gemocht. Beide Firmen sind sehr wertezentriert und möchten einfach mehr Menschen den Zugang zu fairer, erneuerbarer Energie ermöglichen. Genau wie wir, stellt Octopus den Kunden in den Mittelpunkt und bietet einen zertifizierten erstklassigen Service. Octopus beliefert mittlerweile mehr als 1,2 Millionen britische Haushalte mit Strom und Gas aus erneuerbaren Energien. Wir sind dankbar, einen so tollen Partner an der Seite zu haben, der nicht nur genauso tickt wie wir, sondern das einfach auch schon ein paar Jahre länger macht.

Viele Stromanbieter ködern mit niedrigen Einstiegspreisen, die sich erst hinterher als „günstige Lockangebote“ herausstellen.

Welchen Weg geht 4hundred bei der Preispolitik?

Für uns war von Anfang an klar, dass das im deutschen Energiemarkt übliche sogenannte Subventionsgeschäftsmodell absolut tabu ist. Dieser Ansatz, dass die Stammkunden die Kosten für die Neukunden-Lockpreise tragen, ist nicht nur langfristig unhaltbar, sondern auch moralisch untragbar. 

Bei uns gibt es nur einen Tarif. Kein Kunde zahlt mehr als die verbrauchte Energie zum Kostenpreis plus die monatliche Grundgebühr. Wer sich bei uns anmeldet, kann sich darauf verlassen, dass das so bleibt. Und zwar immer, egal, wie lange sie oder er von uns beliefert wird. Wir sind langfristig günstig für alle statt billig für manche.

Was machen Sie sonst noch besser als andere Stromanbieter? Warum sollte man zu 4hundred wechseln?

Zu uns kommen Menschen, die ein langfristig faires Angebot suchen. Dass wir nur Ökostrom anbieten, war und ist für uns selbstverständlich. Unser Konzept von “einfach guter Energie” beruht auf unserem rein digitalen Ansatz – das passt einfach zum heutigen Leben – und auf unserem Preisversprechen. 

Fair finden wir auch, dass wir niemanden mit Jahresverträgen an uns binden. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß und ein Relikt der im Markt leider immer noch üblichen Subventionsgeschäftsmodelle. Dass wir auf nicht verbrauchtes Guthaben vier Prozent Zinsbelohnung gutschreiben, ist ein zusätzlicher Vorteil und unterscheidet uns von den hiesigen Anbietern. Daher auch unser Name: 4hundred.

Wieviel Wert legen Verbraucher mittlerweile auf Ökostrom und was ist Ihren Kunden sonst noch wichtig?

Wir sehen es in unserer Verantwortung, dem Verbraucher die Entscheidung für Ökostrom noch leichter zu machen. Grüner Strom ist heutzutage im Markt auch kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Deshalb geht es bei uns auch um viel mehr: Es geht um Transparenz. 

Wir bieten unseren Kunden nicht nur saubere Energie, sondern auch langfristig faire Preise. Bei uns kann jeder jederzeit nachprüfen, wie sich sein Tarif zusammensetzt und wofür genau er bezahlt. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter: Wir helfen, die Transparenz im Energiemarkt weiter voranzutreiben. Verbraucher wundern oder ärgern sich, dass der Strompreis steigt, aber woran genau das liegt, wissen die wenigsten. Im neuesten Fall ist es der Anstieg der Großhandelspreise. Mein Co-founder Andrew hat in unserer Community zum Beispiel über die Deckelung der Netzentgelte geschrieben und wir starten gerade eine Artikelserie, in der wir über die Energiemarktpreise aufklären.

Welche Trends im Energiesektor verfolgen Sie derzeit mit Spannung?

Ich bin gespannt, wie es in Deutschland mit den Smart Meters, den digitalen Stromzählern, weitergeht. Ich hoffe, dass die Regulatoren das Thema nicht verkomplizieren. Dass sie über den Tellerrand sehen und auf dem aufbauen, was in anderen Märkten durch die Nutzung von Smart Meters gut und nicht so gut klappt. 

Das Handelsblatt hat schon vor einem Jahr gut zusammengefasst, woran es immer noch hakt. Ich wünsche mir sehr, dass sich die Menschen in den entscheidenden Gremien auf das konzentrieren, was uns als Verbraucher wirklich etwas bringt, nämlich mehr Einfluss auf den eigenen Energiehaushalt zu gewinnen. 

Innovation heißt ja nicht, etwas komplett neu zu erfinden, sondern existierende Konzepte klug miteinander zu kombinieren, um einen wirklichen Mehrwert zu schaffen. 

Und welche weiteren Energy-Startups finden Sie besonders spannend?

Startups im Energiemarkt gibt es jetzt immer häufiger, was schön ist. Das zeigt mir, dass der Wunsch nach guter und fairer Energie den Menschen wirklich am Herzen liegt. Es tut sich einiges im Bereich Community Energy und lokaler Generierung: spannend! Das Entscheidende ist dann immer, ab wann trägt sich eine Idee und wie hoch sind die Hürden bei den Regularien. Wer hier einen Zugang zu den richtigen Leuten hat – bitte meldet euch!

4hundred ist bereits Ihr viertes Unternehmen, dass Sie mitgegründet haben. Verraten Sie uns, was als nächstes kommt?

Ich bin selbst gespannt. Ich finde es inspirierend, den Finger am Puls der Zeit zu haben. 

Unsere Vision geht insgesamt weit über das reine Energieangebot hinaus. Wir freuen uns auf die Möglichkeiten, die wir durch den technologischen Fortschritt in den nächsten Jahren unseren Kunden anbieten können: Intelligente Energiemanagementlösungen wie zum Beispiel Elektroautoladestrukturen sind da genauso im Spiel wie Smart Home Devices und Solarzellen für das Dach.

Wichtig ist uns immer, einen Mehrwert für den Kunden zu bringen.


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