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Grüne Wirtschaft

Prima fürs Klima – natürliche Klimalösungen

 

INTERVIEW | Dass wir unsere CO2-Emissionen reduzieren müssen ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wie sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen dies umsetzen können erfahrt ihr hier.

 

 

INTERVIEW | Dass wir unsere CO2-Emissionen reduzieren müssen ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wie sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen dies umsetzen können erfahrt ihr hier.

 

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10.09.2020 | Ein Interview geführt von Michelle Tempels

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken und unsere Natur sowie unseren zukünftigen Lebensraum zu schützen müssen wir vor allem eins – CO2 einsparen und reduzieren. Der gemeinnützige Verein PRIMAKLIMA hat sich genau das zur Aufgabe gemacht und hilft sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen dabei, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Im Interview mit Dr. Henriette Lachenit, Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin von PRIMAKLIMA e.V., erzählt sie uns wie das genau funktioniert, wie sich der gemeinnützige Verein finanziert und wie jeder einzelne im Alltag CO2 einsparen kann.

 

LifeVERDE.de: Frau Dr. Lachenit, bitten stellen Sie uns PRIMAKLIMA einmal kurz vor.

Dr. Henriette Lachenit: Als gemeinnütziger Verein setzt sich PRIMAKLIMA seit 1991 für natürliche Klimalösungen (Natural Climate Solutions) ein. Wir pflanzen Bäume und schützen Wälder, um unsere Lebensgrundlagen für kommende Generationen zu erhalten. Die Basis unserer Arbeit ist die Fähigkeit von Bäumen, der Luft CO2 zu entziehen und als Kohlenstoff zubinden. Aufforstungsprojekte sind daher auch in den Fokus der internationalen Klimapolitik gerückt, was angesichts der global weiterhin steigenden CO2-Konzentration lange überfällig ist. Rund um den Globus konnte PRIMAKLIMA in den letzten fast 30 Jahren bereits viele Waldprojekte erfolgreich verwirklichen.

Bis heute haben wir schon über 14 Millionen Bäume gepflanzt und sind momentan auf vier Kontinenten aktiv. Seit Gründung des Vereins haben wir auf ein Konzept ganzheitlicher Nachhaltigkeit gesetzt, bei dem sowohl die Klimagerechtigkeit als auch die Erhaltung der Artenvielfalt wichtige Säulen sind. Das Fundament für die Auswahl unserer Projekte ist unser forstfachliches Wissen, das nicht nur aus dem Team und dem Vorstand kommt, sondern auch von unserem ehrenamtlichen Aufsichtsrat aktiv eingebracht wird.
Außerdem arbeiten wir mit externen, unabhängigen Forstexpert*innen zusammen und führen regelmäßige Projektbesuche durch, um den Erfolg und die Beständigkeit der Projekte sicherzustellen.

 

 

Auf Ihrer Website bieten Sie drei verschiedene Möglichkeiten an: Spenden, Bäume pflanzen und CO2 ausgleichen. Worin besteht der Unterschied?

Mit den drei unterschiedlichen Spenden-Optionen geben wir unseren Spender*innen die Möglichkeit, selber zu entscheiden, wie ihre Spende verwendet wird. Mit einer allgemeinen Spende unterstützt man die Arbeit des gemeinnützigen Vereins PRIMAKLIMA. Die Gelderwerden an den jeweils nötigsten Stellen eingesetzt und fließen auch in die Bildungsarbeit. Mit der Baumspende hingegen finanziert man direkt die Pflanzung von Bäumen in einer konkreten Projektregion und schafft somit neue Wälder. In der Regel stehen unterschiedliche Aufforstungsprojekte zur Auswahl, sodass man beispielsweise für neue Bäume in Nicaragua oder in Deutschland spenden kann.

Die CO2-Ausgleichsspende wird direkt für unsere Aufforstungsprojekte in Uganda und Indonesien verwendet. Hierbei handelt es sich um Projekte, deren Klimaschutzwirkung nach dem Verified Carbon Standard (VCS) zertifiziert ist. Zudem wurden die Projekte für ihre außergewöhnlichen Beiträge zur Artenvielfalt vom Climate, Community and Biodiversity Standard (CCB Standard) ausgezeichnet. Bei dieser Form der Spende steht die bestimmte Tonnenzahl CO2 im Vordergrund, die wieder eingebunden werden soll. Bei der Ermittlung der CO2-Menge, die man kompensieren möchte, hilft unser CO2-Rechner.

 

Viele Unternehmen bieten einen CO2-Ausgleich z.B. für eine Reise oder ein festes Ereignis an. Wie funktioniert das bei PRIMAKLIMA?

An dieser Stelle möchte ich erst noch kurz einhaken und darauf hinweisen, dass wir kein Unternehmen, sondern eine gemeinnützige Spendenorganisation sind. Wir bieten die CO2- Kompensation aus Überzeugung an, erzielen damit aber keine Gewinne. Abzüglich eines Verwaltungskostenanteils fließen bei uns alle Spendengelder unmittelbar in den Klimaschutz. Das bedeutet auch, dass die Spender*innen den jeweiligen Betrag natürlich auch steuerlich geltend machen können.

So, und nun aber zurück zur eigentlichen Frage. (grinst) Wer als Privatperson seine CO2-Emissionen ausgleichen will, hat dafür bei uns verschiedene Optionen. Mit dem bereits angesprochenen CO2-Rechner kann der eigene CO2-Fußabdruck genau berechnet werden. So lässt sich herausfinden, wie groß der Fußabdruck heute ist und wo man bereits CO2 vermeidet. Alternativ zu einer umfassenden Bilanz können auch Teilbereiche, zum Beispiel der Emissionswert einer einzelnen Flugreise berechnet werden. Für den Ausgleich eines Hin- und Rückflugs zwischen Frankfurt und Madrid zum Beispiel benötigen wir eine Spende von 15 Euro, durch die wir sicherstellen, dass eine Tonne CO2 aus der Atmosphäre gefiltert wird. Wer über seine Emissionen bereits gut Bescheid weiß, kann auch direkt die zu kompensierende Menge CO2 angeben und diese über unsere nach international anerkannten Standards zertifizierten Waldprojekte ausgleichen.

Für Unternehmen, die sich im Bereich des Klimaschutzes engagieren, haben wir ein spezielles Angebot entwickelt. Immer mehr Unternehmen streben einen klimaneutralen Geschäftsbetrieb an, ohne dass sie dazu gesetzlich verpflichtet sind. Klimaneutral bedeutet, dass alle Emissionen, die durch die Produktion ihrer Produkte oder Dienstleistungen entstehen, kompensiert werden. Ein erster Schritt hierbei ist die Berechnung des Corporate Carbon Footprints. Dafür stellen wir gerne unsere Expertise bereit. Nach eingehender Prüfung bescheinigen wir die Klimaneutralität eines Unternehmens dann mit dem PRIMAKLIMA-Siegel.

 

Wo werden die Bäume gepflanzt und in welche Projekte fließen die spenden?

Das kommt ganz auf den Zweck der Spende an. Für Baumspenden stehen regelmäßig Projektflächen in Deutschland und in Nicaragua zur Aufforstung zur Verfügung. Das Projekt in Nicaragua liegt uns besonders am Herzen, weil wir damit nicht nur das Klima schützen, sondern auch dort Hilfe zur Selbsthilfe leisten, wo Menschen besonders vom Klimawandel betroffen sind. Die Aufforstungen finden in Zusammenarbeit mit Kleinbauern und Kleinbäuerinnen statt, denen die jeweiligen Flächen gehören. An diesem Umstand ändert sich auch durch die Kooperation mit PRIMAKLIMA nichts, da wir selbst grundsätzlich kein Eigentum an Flächen erwerben. Die Farmer*innen erhalten faire Prämien für das Pflanzen und die Pflege einheimischer Bäume, bis diese zu einem Wald herangewachsen sind, der von ihnen und von nachfolgenden Generationen dann nachhaltig genutzt werden kann.

Das künftige Einkommen aus ihren Wäldern macht die Familien unabhängig von der Landwirtschaft, deren Ernten durch den Klimawandel immer öfter gefährdet sind. So schaffen die Bäume Zukunftsperspektiven in der stark von Armut geprägten Region. Zudem schützen sie die Menschen vor den direkten Folgen der Klimakrise, wie zum Beispiel Überschwemmungen oder auch ungewöhnlich langen Trockenzeiten. Denn die Wälder regulieren den Wasserhaushalt der Böden und ermöglichen so zum Beispiel, dass Brunnen in der Region nun wieder regelmäßig Wasser führen. Kompensationsspenden werden unseren Projekten in Uganda und Indonesien zugeordnet. Es handelt sich dabei um ältere, bereits vorfinanzierte Pflanzungen, bei denen das CO2 nachweislich bereits eingebunden ist. Die eigenen Emissionen werden also unmittelbar durch die Spende ausgeglichen und nicht erst in der Zukunft.

 

Wie stellen Sie sicher, dass Spenden auch an den entsprechenden Projekten ankommen?

Ein Höchstmaß an Transparenz ist für uns Kern der Arbeit, weshalb wir auch in unserem jährlichen Tätigkeitsbericht über die Entwicklung des Vereins, die Finanzen und über unsere Projekte informieren. Außerdem wird PRIMAKLIMA bereits seit 2010 jährlich mit dem Spendensiegel des Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) ausgezeichnet. Die unabhängige Prüfung durch das DZI gibt Auskunft über die Seriosität und Vertrauenswürdigkeit von Spendenorganisationen. Dabei wird unter anderem auch das Verhältnis von Ausgaben für Verwaltung/Werbung im Verhältnis zu reinen Projektausgaben genau beleuchtet.

PRIMAKLIMA ist außerdem Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft. Dadurch verpflichten wir uns, fest definierte Informationen jährlich zu veröffentlichen und Stellung zu beziehen. Im Jahr 2018 wurde PRIMAKLIMA darüber hinaus von der Stiftung Warentest mit der Gesamtnote „sehr gut“ ausgezeichnet (Zeitschrift Finanztest, März 2018).

 

Wie finanzieren Sie sich als gemeinnütziger Verein?

Unsere Arbeit finanzieren wir ausschließlich durch Spendeneinnahmen. Unsere Spenderschaft setzt sich zusammen aus Privatpersonen und Unternehmen, wobei sich die Gesamtspendeneinnahmen etwa gleich auf beide Gruppen aufteilen. Öffentliche Förderungen zur Finanzierung unserer Organisation haben wir bislang nicht in Anspruch genommen.

Haben Sie generelle Tipps, wie jeder im Alltag CO2 einsparen kann?

Jede eingesparte Tonne CO2 ist eine Entlastung für das Weltklima und dazu kann jede*r einen Beitrag leisten. Die wichtigste Leitlinie dabei ist vermeiden und reduzieren. Einen besonders großen Effekt haben Flugreisen. Mit einer Reise von Köln nach New York erhöht man als durchschnittliche*r Deutsche seinen Jahres-CO2-Fußabdruck bereits um mehr als 30%. An dieser Stelle kann man daher besonders effektiv ansetzen, indem man auf Fernreisen verzichtet und bei kürzeren Strecken auf die Bahn umsteigt.

Ein weiterer sinnvoller Schritt ist es, den eigenen Konsum zu hinterfragen. Welche Dinge benötige ich wirklich und wie häufig neu? Denn jede Produktion benötigt Ressourcen und verursacht Emissionen. Wo Transportwege kurzgehalten werden und langlebige Produkte hergestellt worden sind, werden deutlich weniger schädliche Treibhausgase ausgestoßen.

Auch beim Bezug von unverzichtbaren Gütern und Dienstleistungen wie Lebensmitteln, Strom und Banken lässt sich der Klimaschutz vorantreiben. In den meisten Fällen steht eine klimafreundliche Alternative zur Wahl: Der Einkauf von regionalem und saisonalem Obst und Gemüse aus biologischer Landwirtschaft, der Bezug von sauberem Ökostrom aus erneuerbaren Energien oder der Wechsel zu einer nachhaltigen Bank tragen aktiv zur Förderung einer nachhaltigen und sozialen Gesellschaft bei.

Müllvermeidende Mehrwegflaschen und -becher nutzen, statt neuer lieber gebrauchte Kleidung shoppen, kaputte Dinge reparieren anstatt sie durch neue zu ersetzen, all das sind weitere Strategien, die eine positive Wirkung auf das globale Klima haben und sich im Alltag leicht umsetzen lassen.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

In meiner Zukunftsvision steht es außer Frage, dass die Erhaltung der Lebensgrundlagen wichtiger ist als kurzfristiger Profit. Ich wünsche mir auf allen Ebenen Demut im Umgang mit unseren Wäldern und den Schätzen der Natur.

 

 

 

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Bilder: PRIMAKLIMA, unsplash



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