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Nachhaltige Finanzen und Banken im Wandel – Ein Update im Jahr 2024

Was bedeuten ESG und SDG? Welche Banken sind wirklich nachhaltig? Und welche aktuellen Entwicklungen prägen die nachhaltige Finanzwelt? Erfahre hier mehr.

Was bedeuten ESG und SDG? Welche Banken sind wirklich nachhaltig? Und welche aktuellen Entwicklungen prägen die nachhaltige Finanzwelt? Erfahre hier mehr.

31.01.2024 | Ein Beitrag von Linda Siepmann-Hücking | Bild: Robert Bye, unsplash

ESG, SDG und EU-Taxonomie-Verordnung? Wenn du dich schon einmal mit nachhaltigen Finanzen auseinandergesetzt hast und möglicherweise sogar schon Geld investierst, kommen dir diese Begriffe vielleicht bekannt vor. Was genau sie bedeuten und welche Neuerungen es diesbezüglich gibt, erklären wir dir jetzt.*

Was versteht man unter einer nachhaltigen Bank?

Zahlen wir als Kunden unser Geld bei einer Bank ein, so erlangt die Bank dadurch die Möglichkeit, mit unseren Spareinlagen Kredite für Unternehmen zu finanzieren oder unser Geld gewinnbringend am Kapitalmarkt anzulegen. An welche Unternehmen unser Geld verliehen und in welche Anlagen es ggf. fließt, liegt in der Entscheidung der Bank. Um eine Bank als nachhaltig bezeichnen zu können, muss deren Geschäftstätigkeit ökologischen und sozialen Grundsätzen entsprechen. Ganz konkret könnte das für eine Bank bedeuten, dass kein Geld an die Waffenlobby oder in die Branche der Massentierhaltung verliehen wird, stattdessen werden Unternehmen und Projekte gefördert, die als ethisch vertretbar eingestuft werden.

Bewertungskriterien in der nachhaltigen Finanzwelt

Aber woran lässt sich die Nachhaltigkeit einer Bank messen? Und was genau fällt überhaupt unter Nachhaltigkeit? Hierzu gibt es einige Begriffe, die als Orientierung dienen können.

ESG – Environmental, Social, Governance

Die wohl bekannteste Abkürzung ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Zum Umweltkriterium gehören beispielsweise die Aspekte Energieeffizienz und Treibhausgas-Emissionen. Soziales wird unter anderem anhand von Gleichbehandlung, Inklusion und der Zahlung fairer Löhne gemessen, während die Unternehmensführung sich mit Transparenz, Lobbyarbeit und Korruption befasst. ESG-Kriterien sollen dazu dienen, Unternehmen oder Finanzprodukte anhand der genannten Punkte zu bewerten, wodurch sich Anleger, Finanzinstitute oder auch Konkurrenzunternehmen einen Überblick über die Nachhaltigkeitsrisiken des jeweiligen Unternehmens verschaffen können.

Die Idee dahinter ist klar, an der Umsetzung hapert es jedoch. Laut Climate Partner liegt das Problem darin, dass keine einheitlichen ESG-Standards existieren, welche zur Messung der ESG-Kriterien herangezogen werden. Unterschiedliche Standards führen demensprechend auch zu abweichenden Ratings. Zwar gibt es einige gängige Standards, allerdings können die Unternehmen grundsätzlich selbst entscheiden, welche Aspekte für sie von höchster Priorität sind und welche Standards sie entsprechend wählen, wodurch die Vergleichbarkeit der ESG-Ratings enorm eingeschränkt wird. Für den Anleger fehlt es somit an Transparenz und auch das Risiko für Greenwashing wird dadurch erhöht.

Dagegen möchte die EU-Kommission nun vorgehen, weshalb sie im Juni 2023 einen Vorschlag über eine neue Verordnung unterbreitete. Teil der Verordnung soll eine Bestimmung sein, nach der die Rating-Anbieter auf dem Markt zunächst von der ESMA (Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) zugelassen werden müssen und im Weiteren auch von ihr beaufsichtigt werden. Zugelassene Anbieter sollen danach in einem Register geführt werden. Bis zur endgültigen Einigung und dem in Kraft treten der Verordnung wird es voraussichtlich noch bis zur zweiten Jahreshälfte 2024 dauern.


Nummer 4 der Sustainable Development Goals: Hochwertige Bildung (Bild: Prado, Unsplash)

SDG – Sustainable Development Goals

Bei den Sustainable Development Goals (SDG) handelt es sich um 17 globale Ziele, welche 2015 von den Vereinten Nationen (UN) ins Leben gerufen wurden. Diese Ziele erstrecken sich über die Bereiche Ökonomie, Ökologie und Soziales und richten sich nicht nur an die Staaten, die Wirtschaft und die Wissenschaft, sondern auch an die Zivilgesellschaft. Ziel Nummer 17 hält „die Partnerschaft zur Erreichung der Ziele“ fest. Hiernach wird gefordert, dass der Weltmarkt und die Finanzsysteme der Staaten sich danach ausrichten, dass alle Menschen gleichermaßen davon profitieren und gleichberechtigten Zugang erhalten. Im Rahmen des Ziels Nummer 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) sollen Finanzinstitutionen weltweit für eine nachhaltigere und emissionsärmere Zukunft vorbereitet werden.

Wir möchten darauf hinweisen, dass sich der Einfluss der SDG auf den Finanzsektor nicht auf diese Ziele beschränkt. Wer sich hierzu weiter informieren möchte, kann dies auf der Seite des BMZ tun.

EU-Taxonomie-Verordnung

Die EU-Taxonomie-Verordnung ist ein Klassifikationssystem, welches einen Rahmen für die Einordnung von nachhaltigen wirtschaftlichen Aktivitäten schaffen soll. Die Kriterien des Klassifikationssystems beziehen sich auf folgende sechs Umweltziele:

  1. Klimaschutz
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltiger Einsatz und Gebrauch von Wasser oder Meeresressourcen
  4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  5. Vorbeugung oder Kontrolle von Umweltverschmutzung
  6. Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität

Durch diese Kriterien sollen nachhaltige, grüne bzw. umweltfreundliche wirtschaftliche Tätigkeiten eine klare Definition erhalten.

Überblick über ausgewählte nachhaltige Banken

Mit den zunehmenden Entwicklungen in Richtung Nachhaltigkeit schlagen auch immer mehr Banken diesen Weg ein. Im Folgenden möchten wir dir gerne einige davon vorstellen.

GLS Bank

Die wohl bekannteste Bank im nachhaltigen Finanzsektor ist die GLS (Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken), welche sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie unter anderem Unternehmen aus den Bereichen Kohleenergie, Rüstung, Atomenergie und Massentierhaltung nicht unterstützen. Stattdessen finanziert die GLS bspw. erneuerbare Energien, Altenpflege und Bildungseinrichtungen. Im Jahr 2022 hat die GLS nach eigenen Angaben Kredite in Höhe von insgesamt 512 Mio. Euro an Kunden aus der Branche der nachhaltigen Wirtschaft ausgegeben.

Triodos Bank

Die Triodos Bank wirbt mit der ausschließlichen Finanzierung nachhaltiger Unternehmen seit 1980. Zudem haben sie 2022 etwa 1.048.000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden und verzeichnen im Januar 2024 etwa 744.00 Kunden. Sie legen Wert auf die Finanzierung von erneuerbaren Energien, Bio-Lebensmitteln und sozialen Immobilien. Ausschluss-Kriterien sind hingegen Kohle- und Atomenergie, Gentechnik in Massentierhaltung und Abholzung. Ein besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit zeigt sich auch in der Gestaltung ihrer Girokarten, die entweder aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt oder recycelt sind.


,,Zukünftiger Firmensitz der UmweltBank am Nordwestring in Nürnberg" (Foto: UmweltBank)

UmweltBank

Getreu ihrem Motto „Weil Ökologie und Ökonomie zusammengehören“ finanzierte die Umwelt Bank ca. 25.000 Umweltprojekte in etwas mehr als 25 Jahren. Hierunter waren Projekte bezüglich erneuerbarer Energien und die Unterstützung des ökologischen Bauens. Im Jahr 2022 konnten sie beinahe 1,2 Mio Tonnen CO2 einsparen, was nach Aussagen des Unternehmens den jährlichen CO2-Emissionen von ungefähr 100.000 Einwohnern Deutschlands entspricht. Besonders interessant ist auch das eigens von der Umwelt Bank entwickelte Umwelt-Rating. Damit werden die angebotenen Geldanlagen auf einer Skala von eins bis fünf bewertet. Zudem betont die Bank die klare Ausrichtung ihrer Geschäftspolitik an den Sustainable Development Goals (SDGs). Wer ein nachhaltiges Depot, Tages- oder Festgeldkonto sucht, wird hier sicherlich fündig.

Welche grünen Alternativen bietet deine Bank?

Viele Banken bieten heutzutage einen Kontowechsel-Service an, wodurch du als Kunde nicht mehr gezwungen bist, deine neue IBAN nach einem Bankwechsel bei jeder Versicherung und jedem Streamingdienst selbst zu aktualisieren.

Wer trotzdem gerne bei seiner aktuellen Bank bleiben möchte, kann sich auch hier über nachhaltige Optionen informieren, da manche Banken mittlerweile neben den herkömmlichen Girokonten auch nachhaltige Alternativen anbieten. Es ist jedoch ratsam, sich gründlich zu informieren, wie ernst die eigene Bank ihre Nachhaltigkeitsversprechen dahingehend nimmt.


Bild: Bud Helisson, Unsplash

Nachhaltige Finanzen im Wandel – Chancen und Herausforderungen

In der Finanzwelt ist aktuell ein Wandel ersichtlich, in denen nachhaltige Praktiken und ökologische Verantwortung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Vorschlag für eine Kontrolle der ESG-Rating-Anbieter durch die ESMA und die Verordnung zur EU-Taxonomie spiegeln deutlich das Bestreben wider, die Transparenz in der nachhaltigen Finanzwelt zu fördern. Trotz erkennbarer Bemühungen hin zu einem nachhaltigen Finanzsektor, gestaltet sich die Umsetzung an einigen Stellen als herausfordernd. Die aktuelle Lage ist für viele Privatanleger eher intransparent, aber die Hoffnung auf Veränderungen, insbesondere durch die angestrebte Verordnung für ESG-Anbieter ist groß. Banken wie die GLS, die UmweltBank und die Triodos Bank legen bereits heute ihren Fokus klar auf Nachhaltigkeit und sind in jedem Fall einen zweiten Blick wert, wenn man seine Finanzen nachhaltiger gestalten möchte.

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*Bei den hier getroffenen Aussagen handelt es sich nicht um eine Finanz- oder Anlageberatung.

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