Im Interview: Dr. Dagobert Achatz, Umweltbeauftragter und Leiter Betrieblicher Umweltschutz der AUDI AG in Ingolstadt
Grüne Wirtschaft

Im Interview: Dr. Dagobert Achatz, Umweltbeauftragter und Leiter Betrieblicher Umweltschutz der AUDI AG in Ingolstadt

Wie umweltfreundlich produziert Audi, was ist die Arbeit der Audi Stiftung für Umwelt GmbH und muss sich das Unternehmen beim Thema Umweltschutz auch die Kosten-Nutzen-Frage stellen?

Wie umweltfreundlich produziert Audi, was ist die Arbeit der Audi Stiftung für Umwelt GmbH und muss sich das Unternehmen beim Thema Umweltschutz auch die Kosten-Nutzen-Frage stellen?

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Das Interview führte Marcus Noack

LifeVERDE.de: Herr Dr. Achatz, Sie sind Umweltbeauftragter, Leiter Betrieblicher Umweltschutz der AUDI AG in Ingolstadt und Sprecher der Geschäftsführung der Audi Stiftung für Umwelt GmbH. Wie umweltfreundlich produziert Audi?

Dr. Dagobert Achatz: Wir bei Audi leben ökologische Verantwortung – und das aus innerer Überzeugung. Der bewusste Einsatz von Rohstoffen und Energie spielt in unserem Umweltengagement eine tragende Rolle. Die Energieversorgung ist dabei ein Schlüsselthema. So beziehen wir am Standort Ingolstadt zu hundert Prozent Ökostrom. Der regenerativ erzeugte Strom wird aus deutschen und österreichischen Wasserkraftwerken geliefert – und zwar genau dann, wenn er benötigt wird. Somit lassen sich jährlich rund 290.000 Tonnen CO2 vermeiden. Auch am Audi-Standort Brüssel kommt zu hundert Prozent regenerativer Strom aus Wasserkraft zum Einsatz. Ein weiteres Beispiel ist der so genannte „grüne Zug“. Damit lässt Audi von seinen beiden deutschen Werken Ingolstadt und Neckarsulm aus Automobile CO2-neutral zum Verladehafen Emden transportieren. Die Züge, die sie befördern, nutzen für ihren Antrieb regenerativ erzeugten Strom. Hinzukommen zahlreiche Photovoltaik-Anlagen. An vielen unserer Produktionsstandorte haben wir Module installiert, die zusammengerechnet eine Fläche von 75.000 Quadratmetern ergeben und jährlich über 6.000 Megawattstunden Strom erzeugen. Allein am Standort Ingolstadt haben wir im vergangenen Jahr mit über 23.000 Quadratmetern Photovoltaik-Modulen mehr als 1.800 Megawattstunden Strom produziert. Mehr als 40 Prozent davon nutzen wir direkt vor Ort ohne Übertragungsverluste, unter anderem für Produktionsanlagen. Auch Fernwärme spielt für Audi eine wichtige Rolle: Seit 2004 wird das Werk Ingolstadt über einen Fernwärmeanschluss mit Abwärme aus der städtischen Müllverbrennungsanlage versorgt. Seit gut einem Jahr nutzen wir auch die Abwärme der nahe gelegenen Raffinerie Gunvor, so dass wir jährlich mindestens 120.000 Megawattstunden Energie aus Abwärme nutzen können.

Unser Ziel ist es, bis 2018 am Standort Ingolstadt 25 Prozent weniger Energie und Frischwasser als noch im Jahr 2010 zu verbrauchen und bis 2020 40 Prozent weniger CO2 zu emittieren. Bereits 1990 hatten wir uns das Ziel gesteckt, 20 Jahre später 30 Prozent weniger CO2 zu produzieren. Dies haben wir schon früher erreicht, weshalb wir kurzerhand ein noch höheres Ziel ausgegeben haben: eine CO2-Reduktion von 40 Prozent bis zum Jahr 2020. Außerdem möchten wir die Emission von organischen Lösemitteln und die Menge an Abfällen, die entsorgt werden müssen, noch weiter senken.

Sie sehen, Audi setzt sich stark für Ressourcenschonung ein. Dabei haben wir stets die Umweltmanagementsysteme, die wir an den Audi-Standorten eingeführt haben und laufend verbessern, fest im Blick. Unsere Werke sind nach EMAS (Eco-Management and Audit Scheme), dem Umweltmanagementsystem der Europäischen Union, nach ISO 14001 und ISO 50001 zertifiziert. Jedes Jahr findet ein Überwachungsaudit statt, und alle drei Jahre überprüfen externe Gutachter Umweltmanagementsystem und Umweltschutz bei Audi – zum Beispiel, ob wir unsere Umweltschutz-Maßnahmen gemäß EMAS kontinuierlich optimieren. Dazu zählt auch, dass wir unsere Mitarbeiter und die Öffentlichkeit regelmäßig und transparent über unsere Umweltschutzaktivitäten informieren. Nur dann werden wir als „legal compliant“ anerkannt.

Was ist die Arbeit der „Audi Stiftung für Umwelt GmbH“?

Dr. Dagobert Achatz: Audi hat sich schon vor Gründung der Stiftung im Rahmen zahlreicher Maßnahmen freiwillig in den Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie über die Grenzen der gesetzlichen Verpflichtungen hinaus engagiert. Einige dieser Aktivitäten laufen nun gebündelt unter dem Dach der Audi-Umweltstiftung. Unter dem Motto „Die Zukunft zu sichern“ verfolgen wir in der Stiftung vier Themenfelder: die Umweltbildung, die Förderung von umweltverträglichen Technologien außerhalb des Automobilbaus sowie wissenschaftlicher Arbeiten zum nachhaltigen Mensch-Umwelt-System und natürlich den Umweltschutz, um zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen beizutragen.

Mit der Umweltstiftung möchten wir Ideengeber sein, aber auch aktiv Maßnahmen anstoßen und umsetzen, die zum Beispiel dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, die Klimaforschung voranzutreiben oder bedrohte Tier- und Pflanzenarten vor dem Aussterben zu bewahren. Lassen Sie mich kurz auf ein aktuelles Projekt der Stiftung eingehen: das „Klassenzimmer Natur“ in Breitengüßbach. Mit diesem Natur- und Umweltbildungszentrum bieten wir jungen Menschen die Möglichkeit, ganzjährig die einheimische Natur- und Artenvielfalt kennen zu lernen. Ein integrierter Waldkindergarten vermittelt Wissen spielerisch und stärkt schon die Kleinen im Umgang mit Umwelt und Natur. Umweltschutz geht alle an- und jeder sollte dafür sensibilisiert werden. Am besten schon im Kindes- und Jugendalter. Aus dieser Überzeugung heraus haben wir ein Jugendbuch mit dem Titel „Abenteuer – Leben, Natur und Technik“* herausgegeben. Damit verdeutlichen wir, dass sich Technik und Umwelt nicht ausschließen. Im Gegenteil, diese zwei Felder können durchaus sehr gut miteinander harmonieren. Denn der Einsatz von Technik kann ein wertvoller Beitrag zum Umweltschutz sein.

Was muss ein Ingenieur bei Audi mitbringen, um im Bereich Umweltschutz arbeiten zu können?

Dr. Dagobert Achatz: Die Sensibilität und das Verständnis für das Thema Umweltschutz sind sehr wichtig. Hingegen ist eine spezielle Umweltschutz-Ausbildung nicht unbedingt notwendig, vielmehr eine breite, fachlich fundierte Ausbildung. Umweltschutz ist ein Spezialgebiet. Das Wissen darüber eignet man sich entweder während des Studiums an oder später im Beruf im Rahmen einer Weiterbildung. Bei Audi gibt es Jobs, in denen man sich ausschließlich mit Umweltschutz beschäftigt – beispielsweise in Stabs-Abteilungen wie der Umweltschutz-Abteilung, die ich leite. Mein Team setzt sich aus 13 Akademikern zusammen, die Fächer wie Energietechnik, Chemie- oder Umweltingenieurwesen studiert haben. Zudem ist bei uns eine ganze Reihe von Mitarbeitern operativ für den Umweltschutz im Einsatz. Sie sind zum Beispiel für den Betrieb von Anlagen wie Heizhäuser und Abwasseranlagen zuständig oder für Anlagen, in denen Abfälle gesammelt und getrennt werden. Außerdem beschäftigt Audi Betriebsingenieure sowie Mitarbeiter in der Fertigung und der technischen Entwicklung, die teilweise für den Umweltschutz am Standort arbeiten, deren Haupttätigkeit aber eine andere ist.

Als weltweit agierendes Unternehmen trägt die AUDI AG der Umwelt gegenüber eine gewisse Verantwortung. Stellen Sie sich beim Thema Umweltschutz auch die Kosten-Nutzen-Frage?

Dr. Dagobert Achatz: Die Kosten-Nutzen-Frage stellt sich täglich. Natürlich muss ich als Umweltschutzbeauftragter wissen: Was ist umweltverträglich? Was ist ein guter Prozess? Und dass Umweltschutz ganzheitlich zu betrachten ist. Bei Audi arbeiten wir nach dem Grundprinzip der Nachhaltigkeit, dem Gleichklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Umweltschutz kann ich jedoch nicht singulär über alles stellen, denn ich muss natürlich die Kosten mitberücksichtigen. Es gibt Fälle, die sehr einfach zu bewerten sind, und zwar dann, wenn beispielsweise die Abfall-Produktion im Unternehmen sinkt und dadurch geringere Entsorgungskosten entstehen. Doch es gibt ebenso Bereiche, in denen man zuerst einmal Geld in die Hand nehmen muss, um Umweltschutz erfolgreich betreiben zu können.



Wie groß ist Ihr Einfluss als Leiter Betrieblicher Umweltschutz auf Entscheidungen vom Vorstand?

Dr. Dagobert Achatz: Ich kann unserem Vorstand bestimmte Umweltprojekt vorschlagen, für die sich Audi aus meiner Sicht engagieren sollte, und anfragen, ob diese künftig vom Unternehmen umgesetzt werden sollen. Natürlich müssen dabei Kosten, Umsetzbarkeit sowie Realisierbarkeit in bestimmten Zeiträumen gegeben sein. Desweiteren gibt es verschiedene Gremien, in denen Umweltthemen bearbeitet werden.

Haben Sie einen Wunsch für 2013 was den Umweltschutz betrifft?

Dr. Dagobert Achatz: Ich wünsche mir, dass wir bei unseren Umweltzielen und –visionen in diesem Jahr erneut ein gutes Stück vorankommen, beispielsweise bei der weiteren CO2-Reduzierung und der Umsetzung einer abwasserfreien Fertigung. Es geht nicht darum, von heute auf morgen sämtliche Umweltschutzmaßnahmen realisiert zu haben. Wichtig ist, dies sukzessive umzusetzen. Denn auch aus einzelnen Mosaiksteinchen ergibt sich, wenn auch erst über einen längeren Zeitraum, ein großes Ganzes, das von großem Erfolg geprägt ist.

Das Buch „Abenteuer – Leben, Natur und Technik“ ist per Email an bestellung@audi-stiftung-fuer-umwelt.de, Betreff „Bestellung Jugendbuch“, kostenfrei zu bestellen.



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