Politik, Kultur & Wissenschaft

Ziele des Pariser Klimaabkommens leicht erklärt

Im Dezember 2015 wurde das Pariser Klimaabkommen von 195 Nationen unterzeichnet, die sich im Kampf gegen den Klimawandel vereinen. Wir geben dir einen Überblick über die zentralen Ziele des Abkommens – und wie diese umgesetzt werden.

Im Dezember 2015 wurde das Pariser Klimaabkommen von 195 Nationen unterzeichnet, die sich im Kampf gegen den Klimawandel vereinen. Wir geben dir einen Überblick über die zentralen Ziele des Abkommens – und wie diese umgesetzt werden.

17.09.2021 I Ein Beitrag von Marvin Lehnert und Annalena Bruse-Smith I Bild: L.W. / Unsplash

Das Pariser Klimaabkommen ist das Ergebnis der Klimaschutzkonferenz (COP21) im Dezember 2015, wobei insgesamt 195 Nationen der Welt rechtsverbindlich unterschrieben haben, sich im Kampf gegen den Klimawandel zu vereinen. Im Unterschied zum Vorläufer, dem Kyoto-Protokoll, einigten sich damit wirklich fast alle Staaten der Welt darauf, langfristige Risiken und Folgen des Klimawandels zu minimeren. Anders als das Kyoto-Protokoll, nimmt das Pariser Klimaabkommen dabei auch Schwellen- und Entwicklungsländer in die Pflicht, nationale Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz auszuarbeiten und alle fünf Jahre durch neue, strengere Maßnahmen zu ersetzen.

Das zentrale Ziel, was mit dem Pariser Klimaabkommen dabei verfolgt wird, ist ausreichende Maßnahmen für eine gemeinsame Klimapolitik zu stärken und somit den globalen Temperaturanstieg innerhalb des aktuellen Jahrhunderts auf deutlich unter 2°C zu begrenzen. Mittlerweile ist das Abkommen bereits über 5 Jahre her – höchste Zeit also für uns, mal einen Blick auf den aktuellen Stand zum Thema Klimaschutz zu werfen und wie die Festlegungen des Pariser Klimaabkommens bis zum jetzigen Zeitpunkt umgesetzt werden konnten.

Zentrale Festlegungen des Pariser Klimaabkommens

Im Folgenden erklären wir dir einige der zentralen Festlegungen des Pariser Klimaabkommens und welche Effekte die Vertragsstaaten damit erzielen möchten. Da das Original-Protokoll allerdings 32 Seiten lang ist und demzufolge hier deutlich den Rahmen unseres Beitrags sprengen würde, findest du es unter diesem Link.

Das “Zwei-Grad-Ziel”

Das klare Leitziel des Pariser Klimaabkommens ist die Verhinderung eines Temperaturanstiegs, der die weltweite Durchschnittstemperatur um mehr als 2°C überschreitet. Gemessen wird dieser Wert übrigens im Vergleich zur durchschnittlichen Temperatur aus dem vorindustriellen Zeitalter. Mithilfe der Eindämmung des Klimawandels unterhalb dieses Temperaturniveaus sollen katastrophale Umweltfolgen wie Dürren, Hitzewellen, verheerende Walbrände und Tropenstürme, sowie ein Anstieg des Meeresspiegels wirksam begrenzt werden.


Infolge des Klimawandels schmelzen die Polkappen und lassen den Meeresspiegel ansteigen (Bild: M.Bradley / Unsplash).

Finanzierung

Mit ihrer Unterschrift unter dem Pariser Klimaabkommen haben sich die Industrienationen, darunter auch Deutschland, zunächst bis 2025 verpflichtet, jährlich rund 100 Milliarden Dollar für Klimaschutzprojekte und -initiativen in Entwicklungsländern bereitzustellen. Dieser Betrag soll dann anschließend neu evaluiert und an die benötigten weiteren Maßnahmen angepasst werden.

Tatsächlich sind die Industrieländer dieser Welt für einen Großteil der Klimakrise verantwortlich, während besonders Entwicklungsländer die ersten Konsequenzen der Klimaveränderungen bereits jetzt sehr stark zu spüren bekommen.

Jedoch sind auch Entwicklungs- und Schwellenländer in der Pflicht, sich für den Klimaschutz und gegen daraus resultierende Folgen zu engagieren. Im Pariser Klimaabkommen versteht sich das unter dem Punkt Nationale Selbstverpflichtungen (NDCs), die ebenfalls alle fünf Jahre neu überprüft und gegebenenfalls durch strengere Maßnahmen ersetzt werden.

Verringerung der Emissionen

 Bis zur Mitte des Jahrhunderts (2050) möchte man mit dem Pariser Klimaabkommen erreichen, dass Emissionen, sprich alle Treibhausgase durch Landwirtschaft, Industrie, Autos, Flugzeuge und zahlreiche andere Verursacher, möglichst auf null reduziert werden. Diese Verringerung zielt insbesondere auf die ökologische Modernisierung benannter Sektoren ab. Bestes Beispiel ist hier die sogenannte Energiewende, bei der es darum geht, fossile Energieträger wie Kohle oder Atomkraft durch erneuerbare Energien wie Solar- oder Windenergie langfristig zu ersetzen. Aber auch in den Bereichen alternative Antriebstechnologien und Wirtschaft benötigt es Investitionen und Innovationen, die zur Verringerung der Treibhausgasemissionen wirksam beitragen können.


Erneuerbare Energien wie Windkraft sind wichtige Maßnahmen gegen den Klimawandel (Bild: R.Klavins / Unsplash).

Verluste und Schäden

“Verluste und Schäden” – so betitelt die Europäische Kommission ein weiteres zentrales Element des Pariser Klimaabkommens. Im Grund genommen gibt es diesen Punkt für den Fall, wenn wir es nicht schaffen, die Klimaziele einzuhalten und die Konsequenzen des Klimawandels immer stärker zu spüren bekommen werden. Dabei hat sich das Klima bereits jetzt schon so drastisch verändert, dass Dürren, Überflutungen, Stürme, Hitzewellen und Waldbrände immer häufiger werden.

Verluste und Schäden soll insbesondere Maßnahmen wie Frühwarnsysteme, Notfallversorgungswege und Risikoversicherungen vorbeugen. Außerdem soll die Wissenschaft als leitender Wegweiser dienen, um sich entsprechend auf die Veränderungen des Klimas und unserer Lebensräume langfristig einstellen zu können.


Wenn wir den Klimawandel nicht stoppen, werden Umweltkatastrophen häufiger auftreten (Bild: P.Burdon / Unsplash).

Was du noch wissen solltest

  • 2017 unterschreiben Syrien und Nicaragua als vorerst letzte Länder das Abkommen.
  • 2017 kündigte Donald Trump den Austritt der USA aus dem Abkommen an.
  • 2019 schloss sich Russland nachträglich dem Pariser Klimaabkommen an.
  • 2021 sind die USA unter Präsident Joe Biden wieder beigetreten.

Evaluierung der Fortschritte

Die unterzeichnenden Staaten des Pariser Klimaabkommens wollen alle 5 Jahre neue Maßnahmen und Ziele festlegen und wissenschaftliche Erkenntnisse teilen, mit denen wir wirksam gegen den anhaltenden Klimawandel vorgehen und unseren Planeten schützen können.

Bis Ende 2020 sollten die Staaten ihre Ziele erneut für den Zeitraum bis 2030 vorlegen, doch wegen der Corona-Pandemie wurde die 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow abgesagt. Dort sollten auch weitere Mechanismen zum Klimaschutz diskutiert werden. Damit stiegen bei Klimaschützer*innen und Wissenschaftler*innen weltweit die Befürchtungen, 2020 könnte sich zu einem fehlenden Jahr für den Klimaschutz entwickeln.

Bereits jetzt hat sich das Klima um 1 Grad erwärmt – und erst 2019 erreichte der weltweite Kohleausstoß einen neuen Rekordwert. Zumindest Deutschland hat es geschafft, seine Treibhausgasemissionen seit 2018 um über 6 Prozent zu senken und große Fortschritte in der Energiewirtschaft, sprich dem Ausbau der erneuerbaren Energien, zu erzielen.

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Kritik am Pariser Klimaabkommen

Viele Umweltschützer*innen und Organisationen kritisieren seit jeher die viel zu niedrig angesetzten Ziele des Pariser Klimaabkommens. Sie beklagen, dass die Einhaltung der Ziele mit derart vagen und nicht ausreichend ambitionierten Maßnahmen, kaum möglich sei und die Durchschnittstemperatur deutlich über den angestrebten 2°C liegen werde. Zwar ist es durch das Pariser Klimaabkommen das erste Mal in der Geschichte so, dass sich fast alle Länder der Welt an einem gemeinsamen Ziel beteiligen, um gegen die Klimakrise anzukommen – dennoch erfüllt bis zum heutigen Tag nur ein Bruchteil der Länder ihre Aufgaben für einen wirksamen Klimaschutz.


Umweltaktivist*innen demonstrieren für mehr wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz (Bild: Li An Lim / Unsplash).

Corona-Pandemie als Chance fürs Klima?

Infolge der Corona-Pandemie nahm der weltweite Güter- und Personenverkehr sowie emissionsstarke Wirtschaftsaktivitäten deutlich ab. Heißt auch: weniger Treibhausgase in der Atmosphäre. Könnte die Corona-Pandemie tatsächlich ein Helfer gegen den Klimawandel sein?

Fortschritte in der Klimapolitik gab es zuletzt besonders in Asien und Europa. So hat unter anderem China als weltweit größter CO²-Emittent verkündet, bis 2060 klimaneutral zu werden. Die benachbarten Staaten Japan und Südkorea haben dieses Ziel sogar bereits für 2050 angegeben. Auch die EU möchte nachziehen und die Treibhausgase bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 verringern, bis 2050 soll auch sie dann schließlich komplett klimaneutral werden.

Und wie sieht es in Deutschland aus? 2018 waren wir für rund 2 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Noch Anfang 2020 schien es ziemlich sicher, Deutschland würde sein beschlossenes Klimaziel – 40 Prozent weniger Treibausgasemissionen als 1990 – deutlich verfehlen. Doch mit dem Corona-bedingten Wirtschaftseinbruch hat es Ende des Jahres sogar geklappt, dieses Ziel zu erreichen. In Anbetracht stillstehender Wirtschaft, die sich irgendwann von den Folgen der Pandemie erholt haben wird, ist das aber wohl nicht als Maßstab zu nehmen. Hier braucht es auch weiterhin kluge Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien, alternativer Antriebstechnologien und sonstiger wirksamer Maßnahmen gegen den Klimawandel.

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