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Umweltfreundlicher Strom: Auf diese Energie-Label sollten Verbraucher*innen achten

Strom aus erneuerbaren Energien ist gefragter denn je. Aber welche Stromanbieter haben wirklich 100 % nachhaltigen Strom im Angebot und können das auch mit Ökostrom-Labeln belegen? Wir gehen dieser Frage auf den Grund.

Strom aus erneuerbaren Energien ist gefragter denn je. Aber welche Stromanbieter haben wirklich 100 % nachhaltigen Strom im Angebot und können das auch mit Ökostrom-Labeln belegen? Wir gehen dieser Frage auf den Grund.

22.09.2021 | Ein Beitrag von Marvin Lehnert | Bild: pixabay.com © sonnydelrosario

Grüner Strom wird mittlerweile von zahlreichen Stromanbietern angeboten, die ihren Fokus auf eine nachhaltige Energieversorgung und Umweltfreundlichkeit gelegt haben. Denn in Zeiten von Klimakrise, Energiewende und Co. achten immer mehr Menschen darauf, wie sie ihren Alltag klimatauglicher machen können – und das fängt schließlich schon bei der Stromerzeugung an.

Alternative Antriebsmodelle wie für E-Autos haben nach wie vor einen schwierigen Stand und konnten sich bisher nicht eindeutig gegenüber herkömmlichen Kraftfahrzeugen durchsetzen. Währenddessen finden innovative Ideen, die auf regenerative Energiequellen zurückgreifen, die Umwelt weniger belasten und zudem den Geldbeutel auf lange Sicht schonen, immer mehr Anklang in der Bevölkerung. Die Versorgung mit grünem Strom, auch Ökostrom genannt, ist dabei ein zentrales Thema. Spätestens seit dem schweren Erdbeben und der daraus resultierenden Nuklearkatastrophe in Fukushima, hat auch die Politik die Notwendigkeit der Umgestaltung unserer Energieversorgung verstanden. Ein erster Schritt hierfür war die Bekanntgabe des Ausstiegs aus der Atomkraft bis zum Jahr 2022 und der volle Fokus auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Alternative Grüner Strom ist inzwischen in immer mehr Haushalten angekommen. Dennoch sollten Verbraucher*innen nicht blindlings jedem Angebot für eine umweltfreundliche Energieversorgung vertrauen. Wir zeigen dir, welche Kleinigkeiten es zu beachten gibt, damit auch dir der Wechsel zu Ökostrom gelingt.


Der Ausbau erneuerbarer Energien ist zentraler Bestandteil der Energiewende (Bild: A.Jacobsen / Unsplash).

Wo kommt Ökostrom her?

Ökostrom entstammt aus erneuerbaren Energiequellen, sprich Wind-, Solar- und Wasserkraft. Jedoch haben Verbraucher*innen bei Abschluss eines Vertrags mit dem Stromanbieter nicht die Wahl, ob sie explizit NUR Windkraft oder NUR Wasserkraft nutzen möchten. In unserem öffentlichen Stromnetz fließen alle Quellen, die wir zur Energieerzeugung nutzen, in einer Art großem See zusammen, bevor er bei uns schließlich aus der Steckdose kommt. Das heißt zwar, du leistest mit dem Abschluss eines Ökostrom-Angebotes einen wichtigen Beitrag um unsere Stromversorgung und das Stromnetz grüner zu machen, erhältst aber in Wirklichkeit eine Mischung aus allen fossilen wie erneuerbaren Energiequellen. Für den Anbieter bedeutet ein Ökostrom-Vertrag lediglich, dass er seine Versorgungswege und das öffentliche Netz mit mehr Strom aus erneuerbaren Energien speisen muss. Aber hier hat die breite Masse der Konsument*innen natürlich einen wichtigen Vorteil: Je mehr Leute sich beteiligen und auf Ökostrom wechseln, desto umweltfreundlicher wird er für alle von uns.

Stromanbieter profitieren von Ökostrom-Importen

Wer einen Vertrag mit einem Stromanbieter und dem Versprechen 100% erneuerbare Energien unterschreibt, der bekommt seinen Strom höchstwahrscheinlich aus dem Ausland. Dieser wird von dortigen Energieversorgern angekauft und nach Deutschland importiert. Dementsprechend gestalten sich auch die Preise, wobei Kund*innen eine Art Importgebühr zahlen müssen. Der Zuschlag für den Aufbau erneuerbarer Energieanlagen, wie er bei uns über das Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelt wird und automatisch bei jeder Stromzahlung mitabgerechnet wird, entfällt hingegen. Mit dem bezahlten Import-Tarif hilfst du allerdings dabei, im entsprechenden Land den Ausbau erneuerbarer Energieanlagen zu unterstützen.


Viele Stromanbieter importieren Ökostrom aus dem Ausland nach Deutschland (Bild: Rawfilm / Unsplash).

In der Kurzfassung bedeutet das für den Kauf von Ökostrom:

  • Der Strom stammt eventuell nicht ausschließlich aus Deutschland, sondern wird in anderen Ländern produziert und zu uns importiert.
  • Ökostrom stammt nicht ausschließlich aus den erneuerbaren Energien, sondern wird gemeinsam mit anderen, fossilen Stromquellen in das öffentliche Netz eingespeist.

Wer reinen Ökostrom bevorzugt, der muss in der Regel etwas Eigeninitiative zeigen und selbst aktiv werden. Dafür können diverse Vergleichsseiten im Internet eine gute Anlaufstelle sein – zumal diese mittlerweile immer häufiger auf umweltbewusste Kund*innen reagieren.

Wie du Ökostrom richtig zuordnen kannst

Wer großes Interesse dafür hat, woher der eigene Strom kommt und wie er produziert wird, kann das anhand verschiedener Labels, auch Gütesiegel, erkennen. Anhand dieser Labels soll einerseits der Markt mit seiner enormen Menge an Stromangeboten durchsichtiger werden, andererseits können Verbraucher*innen sich darüber informieren, was wirklich Ökostrom ist – und was nicht. Hier sollte also ganz genau hingeschaut werden, um einen wirklich umweltfreundlichen Stromtarif zu finden.

ok-power Label

Das ok-power-Label ist das deutschlandweit führende Siegel für Ökostromprodukte und wird nach strengen Kriterien und der Überwachung durch EnergieVision e.V. zertifiziert. Es bringt neutral und transparent Klarheit in den Ökostrommarkt, die Anbieter mit ok-power Label beziehen ihren Strom aus 100 % erneuerbaren Energiequellen und sind nicht an Atom- oder Kohlekraftwerken finanziell beteiligt. Hier bist du also goldrichtig, wenn du die Energiewende aktiv und kontinuierlich vorantreiben möchtest.

Grüner Strom Label

Das erste Gütesiegel für Ökostrom auf dem deutschen Energiemarkt war und ist das Grüner Strom Label, dass 1998 von führenden Umwelt-, Verbraucher- und Friedensorganisationen gegründet wurde. Es garantiert, dass von den zertifizierten Stromanbietern 100 % Ökostrom erzeugt, als auch eingekauft wird. Eine Fehletikettierung, beispielsweise von Atom- oder Kohlestrom als Ökostrom, ist beim Grüner Strom Label systematisch ausgeschlossen. Neben höchster Qualität und Transparenz sind die Stromanbieter dazu verpflichtet, garantierte Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien zu tätigen und die Energiewende damit zukunftssicher zu machen.

Der Kriterienkatalog zur Beurteilung für das Grüner Strom Label wurde von Energie-Expert*innen entworfen und in regelmäßigen Abständen überarbeitet, damit auch nur die besten Ökostromprodukte zum Tragen kommen. Die Prüfung zur Einhaltung der Ökostrom-Kriterien wird von einem unabhängigen Institut vorgenommen.

TÜV Süd / TÜV Nord

Auch der TÜV vergibt Gütesiegel für Ökostrom. Während der TÜV Nord nur ein Ökostrom-Zertifikat vergibt, sind es beim TÜV Süd gleich zwei Siegel (EE01 und EE02), zwischen denen unterschieden werden muss. Das kann bei Kund*innen schnell zur Verwirrung führen, da die Label nicht nach einheitlichen Kriterien vergeben werden. Gleich ist, dass der Strom in Anlagen produziert wird, die dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) unterliegen und einen Preisaufschlag erheben, der dem Ausbau regenerativer Energien dient. 

Der Unterschied zwischen den Gütesiegeln des TÜV Süd besteht währenddessen darin, das bei EE01 mindestens 30 Prozent der Liefermenge an Strom aus neuen Kraftwerken stammt, während bei EE02 Zeitgleichheit besteht. Das bedeutet im Endeffekt, pro Viertelstunde wird hier mindestens so viel Strom produziert, wie Endkund*innen zur gleichen Zeit auch verbrauchen. Jedoch bleibt zu betonen, dass das Gütesiegel des TÜV Nord eine Einspeisung fossiler Energieträger in ihre Stromproduktion nicht komplett ausschließt. Somit können wir die Ökostrom-Label des TÜV leider nur unter Einschränkungen empfehlen, wenngleich sie sicherlich einen guten Anhaltspunkt für Ökostrom-Produkte liefern.

RECS-Label

Im Gegensatz zu ok-power und Grüner Strom ist das RECS-Label kein Gütesiegel, sondern ein Herkunftsnachweis für Ökostrom. Das Problem, was Verbraucherschützer*innen und Energie-Expert*innen kritisieren, ist die theoretische Möglichkeit für Stromanbieter, Kohle- oder Atomstrom als Ökostrom zu etikettieren und zu verkaufen. So kann ein Energieversorger etwa Strom aus erneuerbaren Energien im Ausland einkaufen – und erhält dafür das RECS-Zertifikat. Dennoch kann er weiterhin Strom aus fossilen Energieträgern liefern und Verbraucher*innen bekommen am Ende genau das, was sie eigentlich nicht möchten – obwohl Ökostrom draufsteht.


Mit Solarpanels lässt sich grüner Strom durch die Kraft der Sonne gewinnen (Bild Sungrow Emea / Unsplash).

So kommen Verbraucher*innen zu dem Ökostrom, den sie möchten

Ökostrom-Label sind in der Regel ein guter und vertraulicher Anhaltspunkt bei der Beurteilung eines Anbieters von umweltfreundlichem, grünem Strom. Das vielbesagte Motto: „Nur was teuer ist, kann auch gut sein“ gilt beim Ökostrom schon lange nicht mehr. Viele Stromanbieter haben mittlerweile Tarife im Repertoire, die sich preislich nicht oder nur minimal von klassischen Stromangeboten unterscheiden und damit auch aus finanzieller Sicht einen Wechsel zu Ökostrom sinnvoll machen. Dennoch bietet sich ein Preisvergleich der verschiedenen Energieversorger an, um neben dem besten Angebot für Ökostrom auch transparente Informationen bezüglich Stromherkunft und Stromquelle zu erhalten. Auch die gleichzeitige Finanzierung von Projekten im Bereich erneuerbare Energien sollte für Verbraucher*innen einen wichtigen Aspekt bei der Wahl des Stromanbieters darstellen, um die Energiewende für uns alle voranzubringen. 

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