Eine nachhaltige Bank für Europa
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Eine nachhaltige Bank für Europa

INTERVIEW | Die Nachhaltigkeitsbanken sind in den letzten Jahren sehr beständig gewachsen und zeigen eine solide Entwicklung, manche sogar in ganz Europa. Ein Interview mit Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank.

INTERVIEW | Die Nachhaltigkeitsbanken sind in den letzten Jahren sehr beständig gewachsen und zeigen eine solide Entwicklung, manche sogar in ganz Europa. Ein Interview mit Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank.

03.05.2017

LifeVERDE: Herr Schürmann, seit wann gibt es Ihre Bank? Aus welcher Motivation ist sie gegründet worden und war das Thema Nachhaltigkeit schon immer zentrales Augenmerk?

Georg Schürmann: Die Triodos Bank wurde 1980 gegründet, um positiven Ideen Kraft zu geben. Die vier Gründer der Triodos Bank haben sich schon Ende der 1960er Jahre zusammengetan, um Banken neu zu denken. Zusammen haben sie ein Konzept für eine Bank entwickelt, die positiven gesellschaftlichen Wandel mit Krediten in die Realwirtschaft finanziert. Dem ist sich die Triodos Bank bis heute treu geblieben.

Was macht die Triodos Bank zu einer nachhaltigen Bank?

Uns macht zu einer nachhaltigen Bank, dass wir mit dem Geld unserer Kunden ausschließlich Unternehmen, Institutionen und Projekte finanzieren, die zum Wohl von Mensch und Umwelt beitragen – etwa Schulen, Pflegeheime, ökologische Landwirtschaft, Erneuerbare Energien und viele andere Projekte mit einem Mehrwert für die Gesellschaft. Wir fördern damit verantwortungsvolles Wachstum und Wirtschaften und eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft. Wir haben nicht wie andere Banken eine Abteilung für soziale und ökologische Verantwortung. Wir sind eine Bank für soziale und ökologische Verantwortung.

Wann ist man bei einer nachhaltigen Bank richtig aufgehoben? Und welche besonderen Anforderungen muss man als Kunde erfüllen?

Wir bieten alles, was Kunden von ihrer Hausbank gewohnt sind – vom Girokonto über Tagesgeld bis hin zu Fondssparplänen. Deshalb richten wir uns auch an alle Menschen und freuen uns über jede und jeden, die oder der Geld nachhaltig wirken lassen will. Wer glaubt, dass er bei uns für die Nachhaltigkeit mehr zahlt, liegt falsch. Wir bieten unsere Leistungen zu marktüblichen Konditionen an und haben darüber hinaus tolle Angebote: Unsere Kunden können mit ihrer Kreditkarte beispielsweise weltweit gebührenfrei Geld abheben.

Was passiert mit dem Geld Ihrer Privatkunden? In welche konkreten Projekte fließt es mit ein?

Die Einlagen unserer Privatkunden fließen zu 100 Prozent in Kredite, mit denen wir den positiven Wandel der Gesellschaft finanzieren. Wir berichten transparent auf unserer Website über jeden Kredit, den wir vergeben. Einer unserer jüngsten Kreditpartner ist beispielsweise die Malzfabrik in Berlin aus unserem Sektor nachhaltige Immobilien. Die ehemalige Malzfabrik, ein aufwendig restauriertes Industriedenkmal, liegt unweit des Tempelhofer Feldes und hat sich in den vergangenen Jahren zu einer pulsierenden Insel der Kreativität und Kultur entwickelt. Die Neugestaltung des Areals folgt einem ausgezeichneten Nachhaltigkeitskonzept. Wir finanzieren die nachhaltige Weiterentwicklung des Areals.

Inwiefern erleichtert das Zahlungskontengesetz einen Wechsel der Bank? Wobei unterstützen Sie Ihre neuen Kunden dann genau?

Das im September des vergangenen Jahres in Kraft getretene Gesetz vereinfacht den Kontowechsel für Verbraucher, weil ihre bisherige Bank ihnen beim Umzug des Kontos zu einem neuen Geldinstitut behilflich sein muss. Für viele Verbraucher ist es nun deutlich bequemer ihr Konto zu wechseln. Auch wir merken dies und verzeichnen seit September einen deutlichen Anstieg von Neukunden.
Kunden, die zu uns kommen möchten, können unseren kostenlosen Kontowechselservice in Anspruch nehmen. Das langwierige Durchforsten der eigenen Kontoauszüge und die schriftliche Kommunikation mit Zahlungspartnern fallen dadurch weg. Wir übernehmen dies für unsere neuen Kunden in Zusammenarbeit mit dem Fintech Fino.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie aktuell als nachhaltige Bank und wie wird es sich, Ihrer Meinung nach, in Zukunft mit ethischen Geldanlagen verhalten?

Eine sehr zentrale Thematik, die insbesondere kleinere und mittelständische Banken überdurchschnittlich belastet, sind die massiven und weiter steigenden Regulierungsmaßnahmen. Vor allem stellt sich die Frage, inwieweit die ergriffenen Regulierungen wirklich zu den gewünschten Effekten geführt haben. Der erhebliche Aufwand an Regulierung führt zu immer mehr Fusionen auch unter deutschen Volksbanken und Sparkassen. Dies führt zu weniger Vielfalt also Diversität im Finanzwesen. Darüber hinaus ist das Niedrigzinsumfeld für uns herausfordernd – wie für viele andere Banken auch.
Die Triodos Bank, wie auch viele andere Nachhaltigkeitsbanken, ist in den letzten Jahren sehr beständig gewachsen und zeigt mit ihrem Geschäftsmodell als Nachhaltigkeitsbank eine sehr solide Entwicklung. Anders als beispielsweise viele große Geschäftsbanken, die scheinbar weitermachen, wie in Zeiten vor der Finanzkrise.

Worin unterscheiden Sie sich von anderen nachhaltigen Banken?

Die wenigen Nachhaltigkeitsbanken in Deutschland haben grundsätzlich mehr gemein als sie trennt. Wir alle arbeiten daran, ein anderes, ein nachhaltiges Bankenwesen in Deutschland zu etablieren. Unterschiede gibt es im Produktangebot. Hier kann jede und jeder Interessierte für sich entscheiden, welche Bank am besten zu ihr oder zu ihm passt.
Was die Triodos Bank außerdem im Vergleich zu anderen unterschiedet, ist die europäische Ausrichtung. Wir sind Europas führende Nachhaltigkeitsbank und in mehreren Ländern aktiv. Neben den Niederlanden, dem Gründungsort der Triodos Bank, haben wir in Belgien, Großbritannien, Spanien und Deutschland Niederlassungen. Bald wird auch Frankreich folgen.

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