Mit Geld die Welt verändern
Gesellschaft

Mit Geld die Welt verändern

So lautet das Ziel grüner Banken, die ihre Geldgeschäfte ausschließlich fair, ethisch und ökologisch abwickeln. Aber auch sie müssen ihren Kunden attraktive Zinsen bieten und Rentabilität sichern.

So lautet das Ziel grüner Banken, die ihre Geldgeschäfte ausschließlich fair, ethisch und ökologisch abwickeln. Aber auch sie müssen ihren Kunden attraktive Zinsen bieten und Rentabilität sichern.

02.05.2017 - ein Beitrag von Gessica Mirra

Banken sind dann nachhaltig, wenn sie in „grüne Geschäfte und Projekte“ investieren und damit das Allgemeinwohl unterstützten. Sie sind zudem nachhaltig, wenn sie beispielweise nicht in Waffengeschäfte investieren und die Energiewende nicht bremsen.  Aber kann man nicht auch bei jeder Sparkasse oder Großbanken wie der Deutschen Bank ökologische Geldanlagen wie Windräder, Biogasanlagen und Öko-Investmentfonds erwerben? Sind diese Banken dann auch automatisch nachhaltig und grün?

Nein, sind sie nicht. Denn diese Banken investieren meist trotzdem in Unternehmen, die Gentechnik, Tierversuche, Kinderarbeit oder sonstige Menschenrechtsverletzungen fördern oder wenigstens zulassen. Außerdem sind ihre Investionen alles andere als transparent.

Nicht so hier:

Die Genossenschaftsbank: Die GLS Bank

Die GLS Bank ist eine Genossenschaftsbank und nach eigenen Angaben die erste sozial-ökologische Universalbank der Welt. Mit zielgerichteten sozialen und ökologischen Investitionen und konsequenter Transparenz, bietet sie ihren Kunden nachhaltige Bankdienstleistungen. Besonders am Herzen liegen der GLS Bank Gesundheits-, Bildungs-, soziale und kulturelle Projekte und der ökologische Landbau. Bei der GLS Bank kann jeder Kunde bewusst bestimmen, in welchen Bereich sein Geld bevorzugt investiert wird.
Neben der Zentrale in Bochum gibt es Filialen in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, München und Stuttgart. Die über 215.000 GLS-Kunden können aber auch an fast 20.000 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Sparda-Bank kostenlos Geld abheben.

Das bietet die GLS Bank unter anderem ihren Kunden: Girokonto, Kreditkarte, Tagesgeldkonto, Sparkonto, Energiewende-Sparbrief, Vermögenswirksame Leistungen, Bausparvertrag, Rentenversicherung, Wertpapiere, Altersvorsorge, Baufinanzierung und Crowdinvesting.

Sie ist die einzige Bank in Deutschland, die alle Kredite an Unternehmen und Institutionen mit Namen und Summe in ihrer Kundenzeitschrift sowie im Internet veröffentlicht.
Mit gut einer halben Million Euro finanzierte die GLS Bank beispielweise schon den Bau einer neuen Betriebsstätte eines Bioland-Hofes bei Köln, eine Bürger-Solaranlage in Oberschwaben und ein heilpädagogisches Wohnprojekt für geistig behinderte Menschen in Halle.

 „Europas führende Nachhaltigkeitsbank“: Die Triodos Bank

Die Triodos Bank ist nach eigenen Angaben „Europas führende Nachhaltigkeitsbank“. Sie wurde 1980 auf Initiative der niederländischen Triodos-Stiftung gegründet. Mittlerweile verlassen sich insgesamt über 600.000 Kunden darauf, dass die Triodos Bank ausschließlich Unternehmen, Institutionen und Projekte finanziert, die einen Mehrwert für Mensch und Umwelt schaffen.
Die Triodos Bank finanziert mit dem Geld der Kunden vor allem Initiativen aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Ökologische Landwirtschaft, Sozialwirtschaft (z.B. Pflegeheime, Schulen) sowie Handel und Herstellung nachhaltiger Produkte.

Produkte der Triodos Bank sind Girokonten, Sparanlagen (Tagesgeld, Festzins, Fondsparplan, Wachstumssparen), Investmentfonds und Geschäftskonten. Girokonto-Kunden können mit der Triodos Kreditkarte an über 65.000 Geldautomaten in Deutschland kostenlos Geld abheben.

Die Bank für die Umwelt: Die Umweltbank

Die Umweltbank ist eine „rein ökologische Bank“. Sie finanziert ausschließlich umweltfreundliche Projekte. Die Schwerpunkte des Bankgeschäfts liegen in den Bereichen Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft, Blockheizkraftwerke, Niedrigenergiebauweise, Kreislaufwirtschaft, ökologische Landwirtschaft und Recycling.
Seit ihrer Gründung hat die Umweltbank insgesamt etwa 21.500 Umweltprojekte finanziert (Stand 09.2016). Über ein Drittel der Kredite gingen an Solarprojekte, jeweils etwa 30 Prozent an ökologische Baufinanzierungen sowie Wind- und Wasserkraftprojekte. Knapp vier Prozent der Finanzierungen betrafen Projekte aus den Bereichen Biomasse/Biogas sowie ökologische Landwirtschaft.
Produkte der Umweltbank sind: Sparanlagen, Wertpapiere, Altersvorsorge und Finanzierungen. Das Einrichten eines Girokontos ist hier nicht möglich.

Die ethische Bank: Die Ethikbank

Die Ethikbank, die zur Volksbank Eisenberg eG gehört, versteht sich als „ethisch-ökologische Direktbank“. Sie führt derzeit rund 23.000 Konten. Mit ihren Krediten finanziert sie ausschließlich „ökologisch und sozial sinnvolle Maßnahmen“. Dazu zählen zum Beispiel ökologische Bauprojekte wie Passiv- und Energiesparhäuser, Erneuerbare Energien, Elektromobilität und kulturelle Projekte.
Die Ethikbank unterstützt keine Unternehmen oder Staaten, die mit der Herstellung von Waffen und Atomkraftwerken, mit Kinderarbeit oder genveränderten Pflanzen Gewinne machen. Darüber hinaus müssen die Unternehmen und Staaten eine Reihe von Positivkriterien erfüllen – etwa eine umfassende Umweltpolitik, die Einhaltung der Menschenrechte und die Förderung von Vielfalt und Gleichberechtigung der Mitarbeiter.
Kunden können an den Geldautomaten der deutschen Genossenschaftsbanken (Volks-, Raiffeisen-, Sparda-Bank) kostenfrei Bargeld vom Girokonto abheben. Produkte, die die Ethikbank anbieten kann, sind: Girokonto, Sparanlagen (z.B. Tagesgeld, Festgeld), Investmentfonds, Wertpapiere, Altersvorsorge, Finanzierungen, Geschäftskonto (auch für NGOs).

Viele kirchliche Banken agieren ebenfalls nachhaltig

Auch einige kirchliche Banken, die das Geld ihrer Institutionen und Mitarbeiter verwalten, bewegen sich inzwischen stark in Richtung nachhaltiger Geldanlage. Die Steyler-Bank war die erste, die damit warb, einen Ethikfilter eingebaut zu haben. Daneben gibt es die PAX-Bank in Köln, die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn, die Liga-Bank in Regensburg, die Evangelische Kreditgenossenschaft EKK in Kassel und die KD-Bank, die Bank für Kirche und Diakonie.

Die Entwicklungsorganisation Oikocredit:

Die vom Weltrat der Kirchen gegründete Oikocredit ist eine Entwicklungsorganisation, die aber ähnlich wie eine Bank agiert. Das Unternehmen bietet die Möglichkeit, Rücklagen sozial verantwortlich zu investieren.
Durch diese Anlagen werden weltweit Kredite an benachteiligte Menschen als Mikrokredite ausgegeben. Finanziert werden außerdem Fairhandelsbetriebe, Anbieter erneuerbarer Energien und andere sozialen Unternehmen. Die Genossenschaft vergab im Jahr 2016 Darlehen und Eigenkapitalbeteiligungen in Höhe von insgesamt 1.047 Millionen Euro.

Ein Bankwechsel ist kinderleicht

Wer Geld anlegt, der will Gewinn machen – aber nicht um jeden Preis. Immer mehr Menschen legen Wert darauf, dass mit ihren Ersparnissen keine fragwürdigen Geschäfte finanziert werden. Geldanlagen, die ethische, soziale und ökologische Kriterien erfüllen, werden daher immer beliebter.
Der Wechsel zu einer nachhaltigen Bank ist nicht schwer. Die meisten Geldinstitute helfen ihren neuen Kunden bei allen Formalitäten.
 
Früher noch hat der Wechsel etwas Arbeit gemacht. Es mussten Kontobewegungen durchgegangen werden, Daueraufträge gekündigt und neu einrichtet und neue Kontodaten weitergegeben werden – das war zwar alles machbar, kostete aber viel Zeit. Seit dem 18. September 2016 ist mit dem Zahlungskontengesetz der Bankwechsel viel einfacher geworden. Banken sind demnach verpflichtet, dem Kunden auf dessen Wunsch hin beim Wechsel zu helfen. Diese Neuerung soll es Bankkunden möglich machen, ohne viel Aufwand innerhalb von etwa 14 Tagen die Bank gewechselt zu haben. Konkret funktioniert das dann so: Der Kunde erteilt der neuen, ethischen Bank den Auftrag zur Hilfe beim Kontowechsel. Diese fordert dann die dafür notwendigen Daten, beispielsweise Daueraufträge, Lastschriftmandaten und Überweisungen bei der alten Bank an. Diese müssen von der alten Bank innerhalb von fünf Tagen übermittelt werden. Die neue Bank übernimmt die Daten in das neue Girokonto und informiert andere Kontoinhaber, die Geld einzahlen oder abbuchen über den Wechsel. Die alte Bank muss das Girokonto zu einem festgelegten Zeitpunkt schließen und gegebenenfalls ebenfalls über den Kontowechsel informieren.

Nachhaltigkeitsreport ist Pflicht für alle Banken

Das seit 2017 verpflichtende Nachhaltigkeitsreporting für kapitalmarktorientierte Unternehmen, Banken und Versicherer ist ein erster Schritt Richtung Veränderung.

Im Rahmen der Themenreihe „Nachhaltige Banken“ werden in dieser Woche Interviews mit nachhaltigen Banken wie der Ethik- und Triodos-Bank folgen, zudem mit international tätigen Genossenschaften wie Oikocredit und dem Verein zur "Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage", dem Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) e.V.



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