Das nächste große Thema der Erneuerbaren Energien ist Innovation.
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Das nächste große Thema der Erneuerbaren Energien ist Innovation.

„Nachdem fast die gesamte Branche in Schwierigkeiten geraten ist und Kostensenkungsmaßnahmen angestoßen wurden, ist jetzt wieder Management Attention frei, um das Thema Innovation noch einmal voranzutreiben", Dr. Thomas Schlaak (Deloitte Consulting GmbH).

„Nachdem fast die gesamte Branche in Schwierigkeiten geraten ist und Kostensenkungsmaßnahmen angestoßen wurden, ist jetzt wieder Management Attention frei, um das Thema Innovation noch einmal voranzutreiben", Dr. Thomas Schlaak (Deloitte Consulting GmbH).

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27.08.2014 - Das Interview führte Marcus Noack

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Dr. Schlaak, Deloitte prüft und berät unter anderem Unternehmen aus der Energie-Branche. Wie bewerten Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in den Erneuerbaren in Deutschland?

DR. THOMAS SCHLAAK: Wir kommen aus einer Phase der Konsolidierung. Die Erneuerbaren sind aktuell aus unterschiedlichen Gründen in nicht einfachen Lagen, das heißt, wir sehen gerade auch in unserer Beratungstätigkeit viele Effizienzprogramme, Kostensenkungsprogramme und Restrukturierungsprogramme. Der nächste konsequente Schritt ist ein Innovationsschub.


Sie selbst verfügen über rund 15 Jahre Beratungserfahrung. Welches Résumé ziehen Sie bis dato aus der Beratung mit Unternehmen der Erneuerbaren Energien?

Die Branche ist eigentlich in den letzten Jahren immer durch Wachstum und Aufbruchstimmung geprägt gewesen und musste wenig Krisen durchlaufen. In den letzten Jahren hat sich daraus gezeigt, dass die Branche nicht überall effizient aufgestellt gewesen ist. Wahrscheinlich muss auch eine Branche, wie die der Erneuerbaren Energien, durch ein bis zwei Krisen gehen, um eben professioneller und effizienter aufgestellt zu sein. Die Branche wird erwachsen, was widerum aber aber auch langsam Zeit wurde.


Vergleichen Sie doch bitte einmal die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen in den EE mit die der ausländischen Unternehmen beispielsweise aus den USA oder China?

Das ist je nach Sektor unterschiedlich. Wenn wir uns den Solarsektor rausgreifen, dann kann man sagen, dass die deutschen Unternehmen nicht mehr vorne mit dabei sind, gerade was die Modul- und Zellherstellung anbelangt. Hier sehe ich eine ähnliche Entwicklung wie in der Halbleiterindustrie der achziger und neunziger Jahre, wo eben andere Länder Weltmarktführer wurden. Das soll nicht heißen, dass es kein deutsches Unternehmen geben kann, das dort bestehen kann, aber die Welt hat sich an dieser Stelle eben stark verändert.


Etliche Solarunternehmen sind in den letzten Jahren Pleite gegangen, bei zahlreichen Windenergieunternehmen herrscht derzeit Einstellungsstopp und sogar Stellenabbau. Welche Kostensenkungsmethoden raten Sie Unternehmen alternativ zum Stellenabbau?

Also wenn sich ein Unternehmen in eine schwierige Lage manövriert hat, dann gibt es keine Alternative zum Stellenabbau. Der Rat wäre aber vorsichtig zu sein im Aufbau von Strukturen im Vorgriff auf Wachstum, das wäre erst einmal Punkt eins. Punkt zwei wäre, dass man natürlich immer darüber nachdenken kann, die Wertschöpfungskette bei sich im Unternehmen zu verkürzen. Also ich kaufe mehr Sachen zu, ich habe weniger eigenes Personal, sich also insgesamt flexibler aufzustellen. Wichtig ist es, sich zu differenzieren und herauszufinden was mein Kernmarkt ist und auf was ich mich beschränken möchte und der Versuchung zu widerstehen, soviel wie möglich von dem Marktwachstum mitnehmen zu müssen. Ein großer Hebel zur Kostensenkung ist natürlich der Einkauf von Material. Personal macht im Schnitt lediglich 15 Prozent der Kosten aus. Die direkten Kosten liegen zwischen 60 und 80 Prozent. Der große Hebel liegt eindeutig bei den Teilen, die ich zukaufe.

Das nächste große Thema im ganzen Sektor ist Innovation. Nachdem jetzt fast die gesamte Branche in Schwierigkeiten geraten ist und Kostensenkungsmaßnahmen angestoßen hat, ist jetzt wieder Management Attention freigeworden, um auch das Thema Innovation nochmal voranzutreiben. Also wie kriegen wir die Anlage mit einem höheren Energieoutput hin, wie bekommen wir levelized cost of energy runter, wie können wir neue Technologien nutzen, wie können wir Big Data Anwendungen nutzen bei der Windparksteuerung et cetera und wie können wir auch unsere Geschäftsmodelle ein Stück weit neu aufstellen. Wie können wir also die ganze Kette, angefangen von der Windparkentwicklung bis zum Betrieb, einfacher strukturieren. Ich glaube, das sind jetzt die wichtigen Themen in der Branche.


Auch hier auf der Jahreskonferenz 2014 der Erneuerbaren Energien des Handelsblatt wird eines wieder klar, die Geschäftsmodelle der Stromproduzenten sind noch lange nicht fertig gedacht. Was muss sich im Strommarkt ändern, damit ein Businessmodell entsteht, das sowohl Unternehmen als auch Konsumenten optimal befriedigt?

Das klassische Businessmodell Strom wird die Unternehmen nicht mehr befriedigen können. Das liegt daran, weil die Marktpreise auf Dauer im Keller bleiben werden aufgrund der Grenzkosten von Null, die eben die Erneuerbaren mit sich bringen. Das kann man durch regulatorische Eingriffe heilen, Stichwort Ausschreibungsmodell oder neues Marktdesign. Ich denke, dass dann bei gut vorhersehbaren Cash Flows vernünftige Renditen zwischen acht und zehn Prozent erzielt werden können. Die Unternehmen müssen also schauen, was zusätzliche Geschäftsmodelle sein können, um hierüber hinaus zu verdienen.


Wie bewerten Sie die Lage am Arbeitsmarkt in den Erneuerbaren Energien, wird es das Grüne Jobwunder doch noch irgendwann geben?

Die Arbeitsmarktlage würde ich als solide bezeichnen, ein Jobwunder kann ich jedoch nicht sehen.


In den USA aber auch hier in Deutschland drängen immer mehr Startups in den Energiemarkt. Welche Zukunftsmärkte und Nischen sehen Sie derzeit?

Die sind natürlich vielfältig, es gab eine Welle von Startups, die sich um das Thema Prognosequalität von Wind und Sonne gekümmert haben. Wenn man die evolutorische Entwicklung weiter denkt, dann ist ein nächster Schritt aus meiner Sicht, dass es innovative Geschäftsmodelle zur Bereitstellung von Reservekapazität gibt. Da gibt es Startups, die über virtuelle Kraftwerke et cetera in den Markt reingehen. Big Data ist ein riesen Thema. Energie ist ja ein Bereich, der mit sehr großen Datenmengen zu tun hat. Unterschiedliche Datenquellen besser zu verknüpfen, sind Themen, die im Moment angegangen werden. Es gibt natürlich darüber hinaus eine unterschiedliche Bandbreite von Innovationsmöglichkeiten in unterschiedlichen Technologien. Über den Tellerrand der Erneuerbaren mal hinaus zu schauen und in andere Kategorien reinzugehen, sich mehr als Infrastrukturanbieter zu verstehen, als Anbieter auch von anderen Commodities, das sind zumindest die Bewegungen, die die klassischen Anbieter aktuell im Sinn haben.


Abschließend, welche Themen stehen bei Ihnen in der nächsten Zeit auf der Agenda?

Aus Unternehmens- oder Beratersicht ist es das Innovationsthema also den Gordischen Knoten zu durchschlagen, wie ich eben aus dieser Vielfalt von technologischen Möglichkeiten und Geschäftsmodellen Innovationsideen rausfiltern kann und einfach mal etwas zu wagen. Das sind ganz konkrete Fragestellungen an denen wir arbeiten. 



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