Interview mit Wirtschafts und Umweltdezernent v. Hannover, Hans Mönninghoff
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Interview mit Wirtschafts- und Umweltdezernent v. Hannover, Hans Mönninghoff

Der hannoveranische Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff über ein zukunftsfähiges Hannover

Der hannoveranische Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff über ein zukunftsfähiges Hannover

Das Interview führte Marcus Noack

Was darf sich der Bürger unter einem nachhaltigen Hannover (sustainable Hannover) vorstellen? Wie profitieren die Bürger von Ihrer nachhaltigen Ausrichtung?

Ich spreche lieber von einem zukunftsfähigen Hannover statt von einem nachhaltigen Hannover, da diese Wortwahl die Zielrichtung unserer Bemühungen besser trifft, „den Bedürfnissen der heutigen Generation zu entsprechen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“ (Def. der UN-Kommission unter Leitung von Gro Harlem Brundtland in 1987). Zukunftsfähiges Handeln betrifft als Querschnittsaufgabe alle Lebensbereiche und damit alle kommunalen Aufgabenfelder, so dass ich hier auf die „Strategische(n) Eckpunkte für eine nachhaltige Entwicklung in Kommunen“ verweisen möchte, die im Rahmen des Dialogs „Nachhaltige Stadt“ von den Oberbürgermeistern von 20 Städten unter der Leitung des Rates für Nachhaltige Entwicklung erarbeitet wurden.(www.nachhaltigkeitsrat.de) Auch der Oberbürgermeister Hannovers hat an diesen Eckpunkten mitgearbeitet und das Thema Nachhaltigkeit/Zukunftsfähigkeit zur Chefsache gemacht. Konkrete Handlungsfelder sind aktuell u.a. eine klimaneutrale Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, eine Anpassungsstrategie an den Klimawandel und die dauerhafte Sicherung der kommunalen Finanzen.

Die Bürgerinnen und Bürger profitieren vielfältig von dieser zukunftsfähigen Ausrichtung, indem sich die Lebensqualität in der Stadt in den vergangenen Jahren noch erhöht hat und wir beispielsweise in den fünf Jahren viermal einen ausgeglichen Stadthaushalt hatten, ohne dass bei dem durchgeführten Haushaltskonsolisierungsprogramm wesentliche Einrichtungen und Dienstleistungen der Stadt gestrichen oder verringert wurden.

 

Durch die Bündelung von Verwaltung, Energieversorgern, Förder-, Marketing- und Forschungseinrichtungen in der Klimaschutzregion Hannover, wollen Sie in Deutschland Vorreiter im aktiven Klimaschutz sein. Welche konkreten Vorteile ergeben sich hieraus für den Bürger?

Für die Bürgerinnen und Bürger ergeben sich Vorteile in zweierlei Hinsicht: Zum einen werden sie zum Thema Klimaschutz umfangreich informiert und beraten. Dafür wurde auf Initiative der Landeshauptstadt Hannover die Klimaschutzagentur Region Hannover gegründet. Sie informiert mit Hilfe verschiedenster Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit (Internet, Infoveranstaltungen, Kampagnen, Beratung) rund um das Thema Klimaschutz.

Aktuell führen die Landeshauptstadt Hannover und die Klimaschutzagentur Region Hannover die Kampagne „Gut beraten starten“ durch, die HausbesitzerInnen eine kostenlose Initialberatung zur Modernisierung und energieeffizienten Sanierung ihrer Häuser bietet. Darüber hinaus werden Stromsparberatungen für Mieterhaushalte angeboten, bei denen Energieeinsparpotentiale in den Haushalten ermittelt und kleinere Stromspargeräte kostenlos vergeben werden wie z.B. schaltbare Steckerleisten. Ebenfalls in Kooperation mit der Klimaschutzagentur werden Gelder an Sportvereine für energieeffiziente Modernisierungen vergeben.

Der zweite Vorteil für Bürgerinnen und Bürgern, aber auch kleine und mittlere Unternehmen in Hannover, entsteht durch den Klimaschutzfonds proKlima, der ein bundesweit einzigartiges Leistungspaket zur Verfügung stellt, dass von finanziellen Zuschüssen bis zu konkreten Projektberatungen reicht. Der Klimaschutzfonds wird von der Landeshauptstadt Hannover, 5 Umlandgemeinden und der Stadtwerke Hannover AG jährlich mit rund 5 Mio. € ausgestattet und unterstützt über Zuschüsse energieeffizientes Bauen und Modernisieren, die Installation von Solarwärme- und Holzheizanlagen, Fernwärmeanschlüsse und den Einbau von Blockheizkraftwerken, die Ausstattung von Schulen mit Unterrichtsmaterialien zu Klimaschutz und erneuerbare Energien sowie Energiesparberatungen. Durch dies Programm werden die privaten Investitionen in Etwa verzehnfacht, was sich sehr positiv auf insbesondere auf die Beschäftigung hannoverscher Firmen auswirkt.

 

Wie sichern und erhöhen Sie die Lebensqualität in Hannover, vor allem im Stadtgebiet?

Hannover ist die grünste Großstadt Deutschlands! Rd. 50 % des Stadtgebietes sind Grün- und Freiflächen. In einer 2008 vorgenommenen Repräsentativumfrage der Bürgerinnen und Bürger, was ihnen in Bezug auf die Lebensqualität in Hannover besonders wichtig ist, wurde an erster Stelle die Grün- und Freiraumqualitäten genannt. Erhalt und Pflege dieser Qualität ist uns ein großes Anliegen und daher investieren wir jährlich allein 7,2 Mio. € in die Pflege von Parks und Grünlagen. Dass sich in den Grün- und Freiflächen nicht nur die Menschen wohl fühlen, zeigt die Tatsache, dass Hannover dieses Jahr bei 114 Bewerberstädten zur Bundeshauptstadt im Naturschutz gekürt wurde. Verdichtete Siedlungsstrukturen und Biodiversität sind also kein Widerspruch sondern können sich ergänzen.

Ein weiteres Merkmal der hohen Lebensqualität in Hannover sind das sehr gute ÖPNV-Angebot und die ca. 530 km Radwege, die ein Leben ohne Auto in der Stadt leicht machen. Das zeigt sich auch in der Verkehrsmittelwahl, dem sogenannten Modal Split: Mit 57 % für den Umweltverbund (ÖPNV, Rad, Fuß) weist Hannover einen deutlich höheren Anteil auf, als der Bundesdurchschnitt, der bei 41 % liegt. In einem verkehrsartenübergreifenden Gesamtplan, dem Masterplan Mobilität 2025, werden die strategischen Ziele der Landeshauptstadt Hannover für die nächsten 15 Jahre beschrieben, um das Angebot des Umweltverbundes noch weiter zu optimieren.

 

Wie können Sie neue Unternehmen nach Hannover locken? Welche Standortvorteile bietet die Stadt?

8 gute Gründe für Hannover:

Zentrale Lage im Herzen Europas - Verkehrsknoten zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft mit hervorragender Verkehrsinfrastruktur - Flugzeug, Bahn, Auto, Binnenschifffahrt

International bedeutender Messestandort - CeBIT, Hannover Messe, BIOTECHNICA u.v.m.

Günstige Lebenshaltungskosten

Hohe Lebensqualität und vielfältige Freizeitmöglichkeiten

Moderner Industriestandort und Dienstleistungsmetropole

Ausgeprägte Wissenschafts- und Forschungslandschaft mit enger Verknüpfung zur Wirtschaft (Leibniz Universität, Fachhochschule, Medizinische Hochschule, Tierärztliche Hochschule u.v.m.)

Hochqualifizierte Fachkräfte

Attraktive Miet- und Kaufpreise für Gewerbeflächen

Kurzum Hannover bietet einen guten Mix aus Lebensqualität und hervorragenden Rahmenbedingungen für das tägliche Arbeiten. Renommierte Hochschulen, internationale Leitmessen und starke High-Tech-Branchen machen die Region Hannover mit rund 1,3 Millionen Menschen zum modernen Industriestandort und zu einer dynamischen Dienstleistungsmetropole. Ob größter Stadtwald Europas oder königliche Gärten – Hannover bietet kulturelle Vielfalt und exzellente Wohn- und Freizeitmöglichkeiten.

Die Region Hannover ist ein moderner Industriestandort, Dienstleistungszentrum, Handelsplatz und weltgrößter Messestandort. Rund 25 Prozent der Wirtschaftsleistung des zweitgrößten deutschen Bundeslandes Niedersachsen werden hier erwirtschaftet. 80 Prozent der Beschäftigten besitzen eine abgeschlossene Berufsausbildung, Abitur oder Hochschulstudium. Die ökonomische Dynamik des gewachsenen Standorts für Maschinen- und Fahrzeugbau schlägt sich auch nieder in stetigem Wachstum moderner Produkt-Dienstleistungskombinationen in den Bereichen Verkehr, Logistik, Kommunikation, Tourismus, Kongress- und Veranstaltungswesen.

Ob Natur pur oder Shoppen in einer der erstklassigsten Einkaufsstraßen Deutschlands, bezahlbares Wohnen, Ruhe und Entspannung oder vielfältige Kultur- und Freizeitmöglichkeiten – in Stadt und Region Hannover findet jeder, was er sucht. Hier lässt es sich leben und arbeiten. Ortsansässige Unternehmen wissen diese Kombination sehr zu schätzen. Ansiedlungsinteressierte Unternehmen sollten sich vor Ort von diesen Stärken selbst einmal überzeugen.

 

Erhält ein Unternehmen, das sich in Hannover ganzheitlich nachhaltig aufstellen möchte, eine Unterstützung von städtischer Seite?

Sowohl die Wirtschaftsförderung der Stadt selber als auch unsere Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Hannoverimpuls kümmern sich intensiv um den bestand und die Entwicklung von Firmen. Unsere Wirtschafts- und Gründungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen hat einen besonderen Schwerpunkt bei Nachhaltigkeitsaspekten, Ein Schwerpunktclusetr von hannoverimpuls ist die Energiewirtschaft, die städtische Wirtschaftsförderung kümmert sich stark um die nachhaltige Entwicklung in den Stadtteilen.

Hannover engagiert sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich im lokalen Agenda21-Projekt Ökoprofit. Um nachhaltiges Wirtschaften zu fördern, unterstützt das Programm ÖKOPROFIT Unternehmen bei der Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. Das Programm setzt neben der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit auch auf soziale Komponenten. Viele in Hannover ansässige Global Player haben sich bereits an Ökoprofit beteiligt. Mit kompetenter externer Unterstützung erarbeiten die Betriebe praxistaugliche Maßnahmen, die die Umwelt entlasten. Zugleich verbessern die Unternehmen ihre betriebswirtschaftliche Situation durch Einsparungen bei Energie, Wasser,  Abwasser, Abfall, Emissionen, Roh-, und Betriebsstoffen. ÖKOPROFIT hilft Kosten senken und Unternehmen für die ständig steigenden Anforderungen eines globalisierten Marktes fit machen.

 

Wie attraktiv ist der Titel Umwelthauptstadt Europas für die Stadt Hannover?

Mit dem Zuschlag für Hamburg im letzten Jahr ist der Titel für mich stark entwertet und wir werden uns nicht erneut bewerben. Sowohl die tatsächliche Umweltqualität als auch die Umweltpolitik in Hamburg ist nicht besser sondern schlechter als in mehreren anderen Städten in Deutschland – auch in Hannover. Es war unfair, Hamburg während des Verfahrens zusätzliche Sonderpunkte für ihren millionenteuren Marketingauftritt zu geben, denn nur ein Bundesland kann soviel Geld für Umweltmarketing bereit stellen. Nur mit diesem Sonderbonus wurde Hamburg Siegerin und die aktuelle Kritik der Umweltverbände an der tatsächlichen Umweltpolitik Hamburgs spricht Bände.

Nebenbei: Für LeserInnen dieses Interviews ist vielleicht interessant, dass wir aktuell mit 23 Organisationen vom 07. bis 09. Dezember 2011 in Hannover den Kongress „Rio+20 – Nachhaltig vor Ort!“ ausrichten. Der Kongress, zu dem mehr als 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum erwartet werden, soll zur Wegmarke für die 1992 in Rio de Janeiro beschlossene Agenda 21 und die zahlreichen Lokalen Agenda 21 Prozesse werden und folgende Fragen in Plenen und Arbeitsgruppen diskutiert: Was wurde seit dem letzten Weltgipfel 1992 erreicht? Welche Herausforderungen und Ziele stehen uns in der Zukunft bevor? Was können Kommunen tun, um ihre Finanzpolitik nachhaltig zu gestalten? Welche Rolle übernimmt die Wirtschaft? Worauf müssen sich Städte in der Zukunft einstellen? Wie gelingt eine solidarische und global gerechte Lebensweise? Mehr Informationen unter: www.rioplus20kongress.de



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