Zukunft SchwarmMobilität: Wer braucht künftig noch ein eigenes Auto
Grüne Wirtschaft

Zukunft Schwarm-Mobilität: Wer braucht künftig noch ein eigenes Auto?

Jörg Heynkes ist Aktivist, Unternehmer, Chef der Wuppertaler Villa Media, Speaker und Vizepräsident der Bergischen IHK. Mit seiner Firma energie-pur berät er Unternehmen zum Thema Ressourceneffizienz. In seinen Vorträgen beleuchtet er die Themenbereiche Transformation und Mobilitätskonzepte.

Jörg Heynkes ist Aktivist, Unternehmer, Chef der Wuppertaler Villa Media, Speaker und Vizepräsident der Bergischen IHK. Mit seiner Firma energie-pur berät er Unternehmen zum Thema Ressourceneffizienz. In seinen Vorträgen beleuchtet er die Themenbereiche Transformation und Mobilitätskonzepte.

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12.09.2017

Was verbinden Sie mit Nachhaltigkeit in Bezug auf die Elektromobilität? 

Jörg Heynkes: In der Mobilität neue Wege gehen – das fehlte in der Vergangenheit.  Elektroautos aber ergänzen unsere Bemühungen, Ressourcen zu schonen, CO2 einzusparen,  um das Pariser Klimaabkommen zu erreichen, weniger Lärm, weniger Schmutz - das fasziniert mich an der Elektromobilität. Bereits 2012 habe ich das erste Elektroauto gekauft. Damals gab es im Bergischen keine Ladestationen und die Stadtwerke hatten wenig Interesse, in die Infrastruktur zu investieren. Deshalb habe ich damals die Initiative W-EMOBIL100 gegründet und wir haben 100 Bürger und Unternehmer motiviert, sich ein Elektroauto anzuschaffen, um die Technologie voranzutreiben. Bundesweit haben jedoch Politik und Wirtschaft das Thema komplett verschlafen. Erst in den letzten Monaten wurden mit dem Ausbau von Schnelladestationen an den Fernstraßen endlich die ersten notwendigen Schritte eingeleitet. In meinem Unternehmen fahren wir inzwischen mit sieben Elektroautos ausschließlich elektrisch - und sind begeistert.

Doch Deutschland ist nach wie vor ein Elektroauto-Entwicklungsland. Wie erklären Sie sich das?

Jörg Heynkes:  Die Kernkompetenz der deutschen Autoindustrie lag immer in der Entwicklung und Herstellung von äußerst guten, und wie wir lange glaubten, auch sauberen Verbrennungsmotoren. Diese Kompetenz hat uns im Vergleich zur internationalen Konkurrenz extrem erfolgreich gemacht - die deutschen Hersteller hatten keinen Innovationsdruck. Doch die Wettbewerber haben sie inzwischen überholt und sichern sich mit den neuen Technologien einen deutlichen Wissens- und Erfahrungsvorsprung.

Die neuen Technologien werden die Mobilität verändern. Inzwischen befindet sich die Transformation mit selbstfahrenden Autos längst auf der Überholspur. Auf welche Veränderungen müssen wir uns einstellen?

Jörg Heynkes: Ab dem Jahr 2021 werden wir mit vollautonom fahrende Auto der Stufe 5 den größten Transformationsprozess im Bereich der Mobilität erleben. Mit der Einführung dieser Technologie des autonomen Fahrens, also einem Auto ohne Lenkrad, Bremse und Gaspedal – und ohne menschlichem Fahrer verändert sich alles. Das Fahrzeug wird sicherer und komfortabler, effizienter und preiswerter. Es gibt weitere Vorteile: Heute benutzt der klassische Autobesitzer sein Fahrzeug etwa 30 bis 45 Minuten pro Tag. Das bedeutet, dass das Auto im Durchschnitt etwa 23 Stunden in der Garage oder auf einem Stellplatz geparkt ist. Demnach kaufen und finanzieren wir Autos, die die längste Zeit ungenutzt herumstehen. Das ist für mich irrsinnig und das Gegenteil von Effizienz. Wenn nun der technologische Wandel kommt und Fahrzeuge selber fahren, könnte das Auto 24 Stunden am Tag Geld verdienen.

Wir brauchen künftig also kein eigenes Auto mehr?

Jörg Heynkes: Ich verdeutliche die Antwort an einem Beispiel: In Köln sind heute etwa 450.000 PKWs auf der Straße. Die gleiche Mobilitätsleistung, die diese Fahrzeuge erbringen, können wir mit maximal 50.000 autonom fahrenden Mobilen erreichen. Wir sprechen vom Zeitalter der Schwarm-Mobilität. Der entscheidende Unterschied ist, dass diese nie rumstehen und auch nicht mehr dem einzelnen Verbraucher gehören. Ein Schwarmbetreiber wird diese Fahrzeuge leasen und betreiben. Jeder von uns kann jederzeit ein Fahrzeug per Smartphone bestellen. Man wird abgeholt und vor die Tür seines Zielortes gebracht. Schwarm-Mobilität hat viele Vorteile: Man muss das Auto nicht waschen, nicht tanken, muss keine Winterreifen wechseln, muss keine Versicherung abschließen, muss nie wieder einen Parkplatz suchen oder ein Knöllchen bezahlen. Google hat die Technologie enorm vorangetrieben und mittlerweile mehr als drei Millionen Testkilometer erfolgreich hinter sich gebracht. Die Google Fahrer mussten bei den Testfahren nur etwa alle 5.000 Meilen, heißt alle zwei Wochen eingreifen. Daran erkennt man, wie weit die Technologie bereits entwickelt ist – es funktioniert! Auch die deutschen Hersteller sind hier gut aufgestellt. Man kann davon ausgehen, dass selbstfahrende Autos sehr bald schon marktreif sind – das ist die Zukunft.

Wenn sich selbstfahrende Auto durchsetzen, werden sich die Städte verändern. Welche Chancen verbergen sich dahinter?

Jörg Heynkes: In meinen Vorträgen zeige ich auf, dass die Schwarm-Mobilität riesige Chancen für unsere Gesellschaft bietet: Das bedeutet, dass wir in unseren Städten eine Steigerung der Lebensqualität erfahren werden, weniger Lärm und Schmutz, die Luft wird sich drastisch verbessern und wir werden mehr Raum schaffen. Warum? Bleiben wir in Köln: Hier gibt es etwa 1.300.000 Stellplätze für PKWs, davon werden etwa 90 Prozent frei. Vor jedem Einkaufszentrum, Krankenhaus oder Sportplatz verschwinden die Autos und es werden Flächen frei, die wir zu Gestaltung des Lebensraums kreativ für Parks, Urban Gardening oder Spielplätze nutzen können. Das gleiche gilt in den Gewerbegebieten. Dort gewinnen wir etwa ein Drittel an zusätzlicher Fläche für wirtschaftliche Entwicklung. Und wir sparen viel Geld, denn wir können auch hier 90 Prozent durch die Schwarm-Mobilität einsparen. So tragen wir alle gemeinsam auch die Kosten, die durch Unfälle entstehen. Ob es nun die Reparaturkosten an den Fahrzeugen sind oder die Kosten für die medizinischen Leistungen. Das alles reduziert sich durch die Einführung dieser Technologie extrem, weil wir etwa 90 Prozent weniger Verkehrsunfälle passieren, wenn sich diese Technologie durchsetzt.

Aber es werden auch viele Jobs wegfallen…

Jörg Heynkes: Ja, zur Wahrheit gehört auch, dass viele Jobs überflüssig werden. Die Rahmenbedingungen werden sich in vielen Bereichen ändern. Dazu gehören: Stadtentwicklung, Energieversorgung, wirtschaftliche Entwicklung und vor allem die Bereiche Arbeit und Bildung. Wir müssen dafür sorgen, dass zum Beispiel die heutigen Berufskraftfahrer, Taxi- und Busfahrer oder Fahrlehrer so qualifiziert werden, dass sie auf dem Arbeitsmarkt eine reelle Chance haben von den vielen neuen Jobs zu profitieren. Wir stehen also vor einer großen Herausforderung und ich würde mir wünschen, dass wir die Möglichkeiten, die durch die digitale Transformation entstehen, aktiv angehen und nutzen. Wir müssen für die Schwarm-Mobilität schnell die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Anreizsysteme schaffen, damit wir den notwendigen Wandel nicht verschlafen und Deutschland weiter auf das Abstellgleis der großen Transformation schieben.

Weitere Informationen zu Jörg Heynkes.

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