Mit zertifiziertem Ökostrom die Energiewende beschleunigen
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Mit zertifiziertem Ökostrom die Energiewende beschleunigen

Interview | Ökostrom ist in Deutschland nicht gesetzlich definiert. Das ok-power Siegel zertifiziert nur Ökostromanbieter, die sich tatsächlich für die Energiewende einsetzen und diese beschleunigen. Verbraucher können daher transparent mitbestimmen, welchen Anbieter sie unterstützen möchten.

Interview | Ökostrom ist in Deutschland nicht gesetzlich definiert. Das ok-power Siegel zertifiziert nur Ökostromanbieter, die sich tatsächlich für die Energiewende einsetzen und diese beschleunigen. Verbraucher können daher transparent mitbestimmen, welchen Anbieter sie unterstützen möchten.

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18.10.2018- ein Interview von Romek Vogel, Bild © Pixabay

LifeVERDE: Herr Werner, das ok-power-Siegel zeichnet Ökostromtarife aus. Warum brauchen Ökostromtarife überhaupt ein Siegel?

Robert Werner (Leiter der ok-power Zertifizierungsgeschäftsstelle): Ökostrom ist in Deutschland nicht gesetzlich definiert. Jedes Stromprodukt, das in der Stromkennzeichnung Strom aus Erneuerbaren Energien ausweist, darf als „Ökostromprodukt“ bezeichnet werden. Handelt es sich durchweg um Strom aus erneuerbaren Energien, ist immer noch nicht ersichtlich, ob das Stromprodukt die Energiewende in irgendeiner Weise fördert.

Hier setzt das ok-power-Siegel an: Wir zertifizieren Ökostromprodukte, die einen Beitrag zur Energiewende über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hinaus leisten und Kriterien der Verbraucherfreundlichkeit einhalten
Das ok-power Siegel

Welche wesentlichen Kriterien liegen ok-power zugrunde und wer darf das Gütesiegel tragen?

Der Kriterienkatalog des ok-power-Siegels unterscheidet zwischen Pflicht- und Wahlpflichtkriterien.

Die Pflichtkriterien müssen von jedem von uns zertifizierten Ökostromanbieter erfüllt werden. Hierzu gehören ein Verbot von Beteiligungen an Atomkraft-, Braunkohle-, oder neuen Steinkohlekraftwerken und faire Tarifbedingungen. Die Pflichtkriterien stellen sicher, dass der Anbieter keine Interessen verfolgt, die nicht mit der Energiewende vereinbar sind. Nicht ganz unwichtig: Jedes zertifizierte Produkt muss 100 % Ökostrom liefern.

Die Wahlpflichtkriterien stellen sicher, dass ein zertifiziertes Ökostromprodukt die Energiewende fördert. Hierfür kann der Ökostromanbieter ein oder mehrere Kriterien wählen. Dazu zählen:

  • Förderung zusätzlicher neuer Erneuerbare Energien-Anlagen entweder durch den Bezug von Ökostrom aus neuen Kraftwerken, oder durch den Bau (Initiierung) und Betrieb von Kraftwerken.
  • Erhalt von ehemals-geförderten Bestandsanlagen durch den Bezug Ökostrom aus Kraftwerken, deren Förderdauer abgelaufen ist und die ohne weitere Förderung abgebaut werden würden.
  • Förderung innovativer Energiewendeprojekte durch Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen, innovative Speichertechnologien, virtuelle Kraftwerke, Steuerung des Stromverbrauchs, Mieterstrommodelle, Bildungsmaßnahmen oder weitere.

Die Kriterien des ok-power-Siegels werden von einem unabhängigen Beirat aus Experten im Bereich der Energiewende entwickelt und regelmäßig den sich verändernden Rahmenbedingungen angepasst.

Wie können Verbraucher mit der Wahl Ihres Stromtarifes die Energiewende mitgestalten?

Den größten Effekt auf den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland hat das Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG). Verbraucher können aber durch die Wahl eines zertifizierten Ökostromprodukts gleich mehrere wichtige Effekte erzielen: Durch den Bezug von 100% Ökostrom setzen sie ein politisches Statement für die Energiewende und für den Ausstieg aus klimaschädlichen fossilen Energiequellen. Noch wichtiger ist, dass sie durch die Entscheidung für einen zertifizierten Ökostromtarif entscheiden, welchen Anbieter sie unterstützen und wie sich dieser für die Energiewende engagiert. Schließlich sollten Verbraucher einen Ökostromtarif wählen, der einen Beitrag zur Beschleunigung der Energiewende dient, indem z.B. mit einem Aufschlag auf den Strompreis besonders innovative Projekte des Anbieters unterstützt werden. 

Wer steckt hinter dem ok-power-Siegel und welche Ziele werden verfolgt der Herausgeber?

Herausgeber des ok-power-Siegels ist der gemeinnützige Verein EnergieVision e.V. mit Sitz in Freiburg. Die Träger des Vereins sind das Öko-Institut und die gemeinnützige HIR Hamburg Institut Research gGmbH.

Der Verein verfolgt das Ziel, Transparenz im Ökostrommarkt zu schaffen und StromverbraucherInnen zur Wahl eines sinnvollen Ökostromprodukts zu befähigen, das einen Nutzen für die Energiewende erzeugt.

Wofür steht ok-power-plus?

ok-power-plus ist ein Zusatzsiegel, das die gleichen Kriterien wie das „normale“ Siegel zugrunde legt, jedoch solche Anbieter auszeichnet, die ihren gesamten Stromabsatz an Haushalts- und Kleingewerbekunden gemäß der ok-power-Kriterien zertifizieren lassen. Diese Anbieter sind also reine Ökostromanbieter und engagieren sich mit ihrer gesamten Geschäftstätigkeit für die Energiewende, während andere Anbieter auch konventionelle Produkte anbieten können.

Welche Entwicklungen im Bereich „grüner Strom“ finden Sie aktuell besonders spannend und wie wird sich das ok-power-Siegel weiterentwickeln?

Besonders vielversprechend erscheinen derzeit Planungen von Stromversorgern, Strom von solchen Windenergieanlagen zu beziehen, die ab dem Jahr 2021 aus der EEG-Förderung herausfallen und ohne einen Förderbeitrag zurückgebaut werden müssten. Außerdem erwarten wir zunehmend neu errichtete Windparks, die gänzlich ohne Förderung Strom an Ökostromkunden liefern werden. Das Zusammenspiel zwischen gefördertem und „freiwilligem“ Ökostrommarkt wird also größer. Genau darauf ist die Energiewende ja auch angelegt.

Vielen Dank!

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