Grüne Wirtschaft

Bienenstrom schafft Blühflächen – für die Vielfalt von Pflanzen und Insekten

INTERVIEW | Mit Bienenstrom wird nicht nur Strom erzeugt, sondern auch Blühflächen, die einen Lebensraum für vielfältige Pflanzen und Insekten schaffen.

INTERVIEW | Mit Bienenstrom wird nicht nur Strom erzeugt, sondern auch Blühflächen, die einen Lebensraum für vielfältige Pflanzen und Insekten schaffen.

04.08.2021 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bild: Annie Spratt / Unsplash


Gestartet als ein kleines Projekt der Stadtwerke Nürtingen und dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist Bienenstrom nun deutschlandweit Anbieter von Ökostrom und –gas mit dem Ziel, neue Blühflächen und somit Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

Dr. Manfred Albiez, Projektleiter von Bienenstrom für die Stadtwerke Nürtingen, gibt im Interview einen Einblick in das Naturprojekt und stellt die Strom- und Gasangebote Bienenstrom und Bienenwärme vor.


LifeVERDE: Wer steckt hinter Bienenstrom und was ist eure Mission?

Manfred Albiez: Die Stadtwerke Nürtingen GmbH wollte ein Naturschutzprojekt auf der Schwäbischen Alb unterstützen. Auf Vorschlag des Biosphärengebiets Schwäbische Alb wurde dann das Projekt Bienenstrom entwickelt, bei dem wir den Aufbau neuer Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleingetier angehen. Zuerst war diese Aktion begrenzt auf die Region Schwäbische Alb, mittlerweile sind wir deutschlandweit unterwegs. Strom- und Gasverbraucher*innen können dieses Projekt ebenfalls deutschlandweit durch den Wechsel zu Bienenstrom unterstützen.


Das Projekt Bienenstrom sorgt für den Ausbau von Blühflächen, die für Insekten, Vögel und Kleintiere einen Lebensraum bieten.

Bienenstrom schafft Leben für Pflanzen und Insekten. Wie funktioniert dieses Prinzip?

Wir wollen den Anbau von Reinkulturen, wie z.B. Mais etwas zurückdrängen: anstatt Mais wird durch unsere vertraglich gebundenen Landwirte – Blühpaten von Bienenstrom genannt – eine vorgegebene Mischung von über 20 verschiedenen, blühenden Wildpflanzen angebaut. Die Pflanzenmischung wird einmalig ausgesät und viele der Pflanzen bleiben dann mindestens fünf Jahre im Bestand. Diese mehrjährigen Pflanzen bilden ein starkes Wurzelwerk und tragen damit zur Bodenverbesserung und auch dem Erosionsschutz bei. Die Pflanzen werden einmal im Jahr im Zeitraum August bis September gemäht und dann in Biogasanlagen zur Verstromung genutzt. Nach dem Mähen wachsen die Pflanzen bis zum Winter nochmals etwas nach und bilden eine für Kleingetier wertvolle, ganzjährige Bodenbedeckung. Teilweise werden auch kleine Bereiche gar nicht gemäht und als Schonstreifen für Insekten und Vögel über den Winter stehen gelassen.

Da der Ertrag der Wildpflanzen bei der Verstromung geringer ist als z.B. beim Mais, erhalten die Blühpaten von uns jährlich einen festen Beitrag pro Hektar angebauter Blühfläche. Gegenfinanziert werden die Ausgaben über den Verkauf von Bienenstrom, einem 100 %igen Ökostromprodukt, für das die Verbraucher*innen einen Blühhilfe-Beitrag von 1 Cent/kWh verbrauchten Stroms mehr bezahlen, bzw. 0,2 Cent/kWh bei unserem Ökogas-Produkt Bienenwärme.
 

Wie viele Blühflächen habt ihr bisher erschaffen und mit wem arbeitet ihr zusammen?

Inzwischen haben wir knapp 60.000 Quadratmeter Blühflächen in Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen unter Vertrag. Alle Blühflächen sowie die Blühpaten findet ihr auf der Bienenstrom-Homepage.

Außer vom initialen Kooperationspartner Biosphärengebiet Schwäbische Alb erhalten wir Unterstützung durch den Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund e.V., dem Fachverband Biogas e.V., der Universität Hohenheim und der Initiative „Deutschland summt“ sowie temporär von Gewerbeunternehmen in der Region. Wir versuchen auch gezielt die Öffentlichkeit über das Projekt und dem Nutzen für Natur und Umwelt zu informieren: beispielsweise haben wir aktuell an einem Feld Hinweisschilder aufgestellt, die mit vielen Infos zu den Pflanzen und dem verbundenen Umweltnutzen aufwarten. Das Wissenschaftsmagazin Xenius von Arte hatte einen Beitrag zum Anbau von Wildpflanzen im Rahmen des Bienenstrom-Projektes gesendet, wie auch das ZDF-Mittagsmagazin. Auch die Politik interessiert sich für das Projekt.


Das erste Bild zeigt einen Bienenstrom-Blühpaten auf einem Blühfeld im ersten Standjahr, auf dem zweiten sind interessierte Landespolitiker zusehen (Bilder: Bienenstrom).

Wo kommt der Bienenstrom her, was macht ihn zu echtem Ökostrom und was sagt das Grüner Strom Label aus?

Bienenstrom wird in einem Wasserkraftwerk an der Donau erzeugt, direkt an die Stadtwerke Nürtingen GmbH geliefert und entspricht den Kriterien des Grüner Strom Label. Das Grüner Strom Label ist das einzige Ökostromlabel in Deutschland, das von führenden Umweltverbänden wie NABU und BUND getragen wird. Verbraucher*innen bietet es im komplexen Strommarkt eine einfache Orientierungshilfe für den richtigen Ökostromtarif. Kernkriterium der Grüner Strom Zertifizierung nach höchsten Umweltstandards ist, dass die Stromanbieter mit einem festen Betrag je verkaufter Kilowattstunde den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Bisher konnten so mehr als 1.400 Energiewende-Projekte realisiert und co-finanziert werden.
 

Ihr bietet seit neuestem auch Ökogas alias Bienenwärme an. Wie wird dieses hergestellt und was macht es zu echtem Ökogas?

Unser Ökogas-Produkt Bienenwärme lässt ebenfalls, wie beim Bienenstrom, mit Energie Landschaften aufblühen. Bienenwärme ist CO₂-neutrales Erdgas bei dem wir CO₂-Emissionen über Klimaschutzprojekte nach Gold Standard (VER) kompensieren.
 

Es gibt die Möglichkeit, 10 %, 20 % oder 100 % Biogas aus Reststoffen dem Ökogas beizumischen. Gilt Gas also schon mit 10 % Bio-Anteil als Ökogas und wieso wird nicht das komplette Ökogas von Bienenwärme aus Biogas-Reststoffen angeboten?

Wir bieten den Verbraucher*innen die Chance, den Anteil an reinem, ökologisch wertvollen Biomethan im Bienenwärme-Produkt selbst zu wählen. Biomethan hat deutlich höhere Erzeugungskosten als Erdgas und verteuert das Gasprodukt entsprechend. Eine gesetzliche Definition für „Ökogas“ oder „Biogas“ gibt es nicht.

Aus welchen Reststoffen entsteht das Ökogas?

Bienenwärme erfüllt die hohen Anforderungen des Grünen Gas Label – dem Biogas-Label der Umweltverbände. Eine entsprechende Zertifizierung durch den Trägerverein Grüner Strom Label e.V. wurde bereits durchgeführt und Bienenwärme darf nun mit der Auszeichnung „Grünes Gas“ werben. Das Gütesiegel „Grünes Gas“ ist das einzige Biogaslabel in Deutschland, das von Umwelt- und Verbraucherverbänden getragen wird. Sie alle eint das Ziel, Verbraucher*innen durch ein Gütesiegel mehr Sicherheit bei der Wahl eines glaubwürdigen Produktes zu geben. Erzeugt wird das von uns genutzte Biomethan leider nicht in den Biogasanlagen unserer Blühpaten, da eine prinzipiell mögliche Einspeisung in das öffentliche Erdgasnetz mit sehr hohem Aufwand für die Gasaufbereitung verbunden wäre. Derzeit nutzen wir Biomethan, das bei der Aufbereitung von Zuckerrüben abfällt.
 

Was sind eure Ziele für die Zukunft von Bienenstrom und -wärme sowie für die Natur?

Wir möchten möglichst viele Kund*innen für Bienenstrom und Bienenwärme gewinnen, um die Blühflächen weiter ausbauen zu können. Weitere Blühflächen wären ein echter Gewinn für Natur und Umwelt. Parallel arbeiten wir auch mit der Universität Hohenheim an der Untersuchung der Pflanzenmischung in Hinblick auf die Möglichkeiten der Kohlenstoffbindung durch diese Pflanzen.

 

Vielen Dank für das Interview, Manfred!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Bienenstrom stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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