Unternehmen verlassen sich oft blind auf Ökosiegel
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„Unternehmen verlassen sich oft blind auf Ökosiegel“

INTERVIEW | Kommunikationsdesignerin Nicole Grote von MuddaNaturDesign zu den größten Fehlern, die Unternehmen häufig begehen, wenn sie authentisch und nachhaltig werben möchten.

INTERVIEW | Kommunikationsdesignerin Nicole Grote von MuddaNaturDesign zu den größten Fehlern, die Unternehmen häufig begehen, wenn sie authentisch und nachhaltig werben möchten.

17.05.2017

LifeVERDE: Frau Grote, MuddaNaturDesign steht für "nachhaltiges Kommunikationsdesign". Was konkret versteht man darunter?

Nicole Grote: Den Unterschied zum „konventionellen“ Kommunikationsdesign, wenn man es so nennen kann, macht die persönliche Einstellung zur Umwelt und die Überzeugung, dass mein Handeln unweigerlich auch Konsequenzen nach sich sieht.

MuddaNaturDesign geht verantwortungsbewusst mit den Ressourcen dieser Welt um. Dazu gehört unter anderem der Strom aus einer eigenen Photovoltaikanlage in Kombination mit einem 100%-Ökostrom-Anbieter, die Zusammenarbeit mit umweltorientierten Druckereien, die Druckfarben auf Pflanzenölbasis einsetzen und Recyclingpapiere bedrucken, sowie der Bezug nachhaltiger Werbemittel, eine Webseite beim Ökohoster, die Unterstützung sozialer Projekte und Geldgeschäfte über eine faire und soziale Bank. Meine Beratung geht weg von „mehr“ für’s gleiche Geld, um nicht den Mülleimer zu füttern. Ich berate meine Kunden zu ihren Möglichkeiten im Nachhaltigkeitsmanagement.

Der Begriff Nachhaltigkeit bezieht sich also auf den wertvollen Umgang mit Ressourcen, sozialem Engagement und umweltorientiertem Handeln. Aus diesem Grunde bin ich auch Mitglied bei dasselbe in grün – dem Verband für nachhaltige Unternehmen, die mit einem Nachhaltigkeitscheck (N-Check) große Transparenz vermitteln.

Wen möchten Sie mit Ihrem Angebot gerne erreichen?

Unternehmen, Organisationen und Vereine, die durch ein nachhaltiges Kommunikationsdesign authentisch die eigene Ausrichtung unterstreichen möchten. Jeden, dessen Anliegen es ist, die Umwelt zu schützen und alle, die ihr Unternehmen innovativ führen unabhängig von der Größe des Unternehmens. Mich interessiert die Geschichte, die ein Unternehmen oder eine Organisation lebt und unterstütze am liebsten natürlich das, was mich selbst überzeugt. Ich bleibe auch bei meinen Kunden authentisch und arbeite nicht mit Unternehmen zusammen, die meiner Philosophie widersprechen und mit Greenwashing ihre Kunden täuschen.

Zu guter Letzt erreichen wir auch direkt den Endkunden, denn über viele Printmedien kommunizieren wir, dass sie nachhaltig produziert wurden und agieren somit als Pionier und Vorbild.

Wie ist Ihr persönlicher Background und wie kam es zur Unternehmensgründung?

Nach der abschließenden Familienplanung und einigen ernüchternden Erfahrungen als Angestellte, wurde mir schnell bewusst, dass es für eine dreifache Mutter mit hohem Ansprüchen an die Nachhaltigkeit eines Unternehmens keine Teilzeitstelle in der Werbebranche gab. Um mir meine Freiheit im beruflichen Umfeld zu schaffen, gründete ich Ende 2014 MuddaNaturDesign. Ich arbeite seither zu unkonventionellen Arbeitszeiten, mit ausgewählten nachhaltigen Partnern und Produzenten für authentische Kunden, denen unsere Umwelt glaubhaft am Herzen liegt.

Wie entstand der witzige Name und welche Motivation treibt Sie jeden Tag an?

Der Name ist eine spielerische Kombination dessen, was mich persönlich geprägt hat und was ich nun nach außen tragen möchte. Ich bin selbst Mutter, wir alle leben auf Mutter Erde, die wir verantwortungsvoll behandeln müssen. Ich arbeite mit den Ressourcen der Natur oder mit Recyclingprodukten, welche die Umwelt weniger belasten. Die flapsige Ausdrucksweise geht auf meine Wurzeln im Herzen des Ruhrpotts (Dortmund) und eine Vorliebe für deutschen HipHop zurück.

Mich treibt jeden Tag der Ehrgeiz an, mit meiner umweltbewussten und nachhaltigen Überzeugung ein Umdenken in den Köpfen einiger Menschen anzustoßen und die dringend nötige Veränderung der verschwenderischen und rein profitorientierten Werbebranche voranzutreiben. Ich genieße eine enge Zusammenarbeit mit meinen Kunden, weil ich ihre Arbeit und ihren Einsatz schätze.

Wie nachhaltig werben und kommunizieren deutsche Unternehmen aktuell?

Ich bin kein Analytiker von Statistiken über Frischfaser-Papierkonsum, Überschussproduktion, Fehldruck-Entsorgung und Kohlestromnutzung. Ich kann nur von meinen persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen sprechen, die eindeutig zur Verschwendung tendieren. Wir leben heute immer noch nach dem Motto „Darf’s ein bisschen mehr sein?“, was meiner Meinung nach lang überholt ist. Es wird immer noch mehr gekauft, wenn der Preis eine Rabattstaffelung hat und 5000 Flyer nicht einmal das doppelte von 1000 Stück kosten. Dass in den meisten Fällen zu viel bestellte 3000 Flyer erst im Keller und anschließend im Altpapier landen, wird unreflektiert hingenommen oder unbedacht verdrängt.

Wenn es um die Darstellung in der Öffentlichkeit geht, sind aber alle sehr stark aufgestellt. Die, die wirklich was für die Umwelt tun, rühmen und brüsten sich damit bescheiden und meist nur in der Bio- und Ökobranche, aber die, die auch nur das kleinste oder einzige Merkmal als nachhaltig herausstellen, um ihr Unternehmen und das Produkt besonders umweltfreundlich darzustellen und somit meist teurer verkaufen können, investieren hohe Summen und finden galante Wege und Wortspiele in der Werbung, um im gesetzliches Rahmen zu bleiben und trotzdem umweltbewusst zu wirken.

Das typische Greenwashing von Unternehmen geht aber schnell nach hinten los, denn es gibt Organisationen und engagierte Menschen, die kritisch hinterfragen, recherchieren und diese Missstände öffentlich machen.

Welches sind Ihrer Einschätzung nach die 3 größten Fehler, die Unternehmen häufig begehen, wenn sie authentisch und nachhaltig werben möchten?

Fangen wir bei der Wahl der Partner (Werbeagentur, PR-Agentur und Druckerei) an. Weiß ich, dass dieser skrupellos auch für Umweltsünder wirbt, ist der authentische Faktor passé.

Der Kunde weiß nur oft gar nicht, welche Partner an dieser Stelle in den Kreativ- und Produktionsprozess eingebunden sind. Es fehlt also an Transparenz, die von Kundenseite kritisch eingefordert werden sollte.

Unternehmen verlassen sich blind auf Öko-Siegel, ohne deren Hintergründe zu kennen. Im Dschungel der Siegel gehen die einzelnen Kriterien oft verloren. Es gibt große Unterschiede, die ein Leihe nicht auf den ersten Blick erkennt. Eine Zusammenarbeit und Beratung mit einer professionellen nachhaltigen Agentur ist immer sinnvoll.

Kostet der Umstieg auf Ihre „Grüne Alternative“ mehr und wenn ja warum?

Durch meine unkonventionelle Art der Arbeit im Homeoffice, die Anschaffung von gebrauchten Gegenständen und das Einsparen von Verbrauchsmaterial im Büro, meiner Marketingkosten und der Tatsache, dass ich mich nur selbst unterhalten muss, liege ich preislich im Ruhrgebietsdurchschnitt. Die reinen Druckkosten liegen dagegen unwesentlich höher, als bei konventionellen Anbieten. Der Mehrwert für den Kunden und die Umwelt überwiegt jedoch. Agenturen, die sich aus einer konventionellen Haltung auf Kundenwunsch „begrünen“, lassen sich das Extra sicherlich on-top bezahlen. Für mich ist die aktuelle Dienstleistung die Basis für eine kontinuierliche Entwicklung.

Speziell für nachhaltige Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, Vereine und nachhaltige Start-Ups biete ich einen großzügigen Rabatt auf meine Dienstleistung zur Unterstützung des Gemeinwohls. Dieser kann direkt bei mir oder für NPOs unter ekoneo.de angefragt werden.

Worauf achten Sie bei Ihrer Partnerwahl besonders?

Mir kommt es vor allem auf ein authentisch nachhaltiges Unternehmen an. Idealerweise arbeiten meine Partner nach der gleichen Philosophie. Im Einzelnen geht es um Ökostrom, Verwendung von Recyclingpapieren, papierlos oder -reduziertes Büro, Ökohosting, soziales und umweltschützendes Engagement. Es gibt einige Komponenten, die stimmen müssen, sonst suche ich gezielt nach einem anderen Anbieter oder letztlich ein alternatives Produkt.

Welche Trends sehen Sie aktuell in Ihrer Branche?

Ich beobachte aktuell, dass sich einige Agenturen mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Viele und das freut mich außer Konkurrenz, aus der Überzeugung heraus mit dem Anspruch möglichst alle Komponenten nachhaltig umzusetzen.

Andere, die mir auf meinem Weg begegneten, bauen sich ein vermeintlich nachhaltiges Produkt auf, um es dem umweltbewussten Kunden verkaufen zu können. Rein profiorientiert ohne grünen Background und das Streben nach ganzheitlicher Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen.

Verraten Sie uns, was es künftig Neues von Ihnen geben wird?

Ich stecke mitten in der Planung meine Kreativwerkstatt in ein Gartenbüro zu verlegen. Umgesetzt mit nachhaltiger, ökologischer Bauweise und betrieben mit Strom aus unserer Photovoltaikanlage. Dann freue ich mich dort in naturnaher Umgebung mit Interessenten und Kunden kreative Ideen zu erarbeiten.

In dieses Büro wird eine weitere nachhaltige Unternehmerin einziehen, die im Bereich PR und Öffentlichkeitsarbeit tätig ist. Auch für einen Dritten ist noch Platz…

Im Laufe des Jahres wird es immer wieder spannende und interessante Themen, Veranstaltungstipps und Neues von MuddaNaturDeisgn geben, die ich u.a. auf Facebook und Instagram teile.



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