Umweltfreundlicher Strom wie grün er wirklich ist und was Verbraucher beachten sollten
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Umweltfreundlicher Strom – wie grün er wirklich ist und was Verbraucher beachten sollten

Verbraucher, die sich für Ökostrom entschieden haben, können dennoch Strom aus Kernkraftwerken erhalten.

Verbraucher, die sich für Ökostrom entschieden haben, können dennoch Strom aus Kernkraftwerken erhalten.

22.06.2015 - Bildquelle: pixabay.com © sonnydelrosario

In Zeiten, in denen sich die Bevölkerung immer mehr Gedanken über die Umwelt macht, achten viele Menschen auch darauf, wie sie ihren Alltag möglichst umweltschonend bestreiten können. Während umweltfreundliche Autos sich noch nicht durchsetzen konnten, finden andere Technologien, die Energie sparen oder die Umwelt weniger belasten immer mehr Anklang. Ein großes Thema ist dabei der Strom – spätestens seit dem schweren Erdbeben und der daraus folgenden Nuklearkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011, woraufhin Bundeskanzlerin Angela Merkel noch im selben Jahr bekannt gegeben hat, dass der Atomausstieg bis zum Jahr 2022 durchgeführt werden soll und die ältesten Kernkraftwerke des Landes mit sofortiger Wirkung ihre Betriebserlaubnis verloren haben.

Die Alternative zu dem Strom aus Kernkraftwerken lautet Energie aus erneuerbaren Quellen, gerne auch aufgrund der vermeintlichen Umweltfreundlichkeit „grüner Strom“ genannt. Doch Verbraucher sollten und dürfen in dem Fall den Anbietern nicht blindlings vertrauen, sondern die eine oder andere Kleinigkeit beachten.

Wo kommt der Ökostrom her?

Ökostrom, also der Strom aus erneuerbaren Quellen, wird von Wind-, Wasser- oder Solarkraft bezogen, auch Biogas ist eine Möglichkeit. Allerdings handelt es sich – wenn nicht vom Anbieter so beworben – nicht um 100%igen Ökostrom. Der Verbraucher hat beim Abschluss eines Vertrages nicht die Wahl, ob er explizit Windkraft oder Wasserkraft nutzen möchte, eine direkte Leitung nach Hause ist selbstverständlich technisch nicht möglich. Dennoch geht er davon aus, dass der Strom, der aus der Steckdose kommt, tatsächlich der von ihm bezahlte Ökostrom ist.

Faktisch ist es aber so, dass der Energieversorger Strom aus unterschiedlichen Quellen in sein Stromnetz einspeist und dabei in der Regel eine Mischung aus Atomkraft, Kohle- oder Windenergie nutzt.

  • Dies bedeutet, dass der Verbraucher, der sich für Ökostrom entschieden hat, dennoch Strom aus Kernkraftwerken erhalten kann. Der Abschluss eines Vertrages über Ökostrom bedeutet für den Anbieter lediglich, dass er sein Netz mit mehr Ökostrom speisen muss. 

Wer einen Vertrag mit dem Versprechen unterschreibt, dass garantiert 100% erneuerbare Energien verwendet werden, der kann davon ausgehen, dass sein Strom nicht aus Deutschland kommt, sondern von einem Energieversorger aus dem Ausland angekauft worden ist. Dementsprechend sind die Preise für diesen Strom höher, der Kunde bezahlt damit aber nicht wie eventuell vermutet einen Zuschlag für den Aufbau neuer Ökostrom-Anlagen in Deutschland, sondern vielmehr eine Art Importgebühr. Nur sehr wenige Stromanbieter versprechen Öko-Strom aus Deutschland zu liefern und zudem, mit den höheren Tarifen den Ausbau entsprechender Anlagen im Land zu unterstützen.

In der Kurzfassung bedeutet dies, dass der Kauf von Ökostrom – wenn nicht anders vertraglich geregelt – bedeuten kann, dass

  • der Strom nicht aus Deutschland kommt
  • der Strom nicht ausschließlich aus erneuerbaren Quellen kommt, sondern sich durchaus Energie aus Kernkraftwerken im Stromnetz befinden kann.

Wer reinen Ökostrom oder zumindest eine vertretbare Mischung bevorzugt, der muss in der Regel ein wenig Eigeninitiative zeigen und aktiv werden. Dafür können bereits Vergleichsseiten im Internet eine ausreichende Möglichkeit sein, zumal diese mittlerweile immer häufiger auf umweltbewusste Kunden reagieren. Hier auf Verivox.de können Verbraucher beispielsweise direkt nach der Eingabe ihrer Daten auswählen, dass sie ausschließlich Ökostromtarife suchen, sodass die Suche automatisch angepasst wird.

Wie kann der Strom zugeordnet werden?

Wer sich tatsächlich dafür interessiert, woher der eigene Strom kommt und wie er entsteht, der kann dies anhand von Labels erkennen. Anhand dieser Label soll der Markt einerseits durchsichtiger werden, andererseits können Verbraucher sich aber auch einfacher selbst informieren. Allerdings bedeutet ein vorhandenes Label nicht zwingend, dass der Strom aus Deutschland kommt oder 100% ökologisch hergestellt worden ist. Auch ist nicht jedes Label gleichzeitig ein Gütesiegel. Daher sollten Verbraucher entsprechend genau hinschauen:

  • ok-power-Label

Das ok-power-Label ist eines der beiden aussagekräftigsten Label und wird vom Verein EnergieVision e.V. vergeben. Besonders viel Wert wird in diesem Fall sowohl auf das Fondsmodell als auch auf das Händlermodell gelegt. Beim Fondsmodell wird überprüft, ob Fördergelder in sinnvolle Projekte fließen, beim Händlermodell hingegen wird darauf geachtet, ob der Stromanbieter den Strom selbst erzeugt oder kauft und aus welchen Anlagen er diesen Strom bezieht.

  • Grüner Strom Label

Vergeben wird das Grüner Strom Label von verschiedenen Organisationen, die sich mit der Natur und der Umwelt beschäftigen, wie beispielsweise der Bund für Umwelt- und Naturschutz und der Naturschutzbund Deutschland. Ein wichtiges Kriterium für die Vergabe dieses Siegels ist die Abgabe von Fördergeldern des Stromanbieters an umweltfreundliche Anlagen.

  • RECS-Label

Das RECS-Label ist im Gegensatz zu dem ok-power- und dem Grüner Strom Label kein Gütesiegel, sondern ein Herkunftsnachweis. Das Problem hierbei ist, dass es dem Anbieter so möglich ist, Atomstrom tatsächlich als Ökostrom zu verkaufen: Er kauft Strom aus erneuerbaren Energien im Ausland an und erhält dafür das RECS-Zertifikat. Dennoch kann er weiterhin Atomstrom liefern, der Verbraucher geht aber aufgrund des Labels davon aus, dass es sich um Ökostrom handelt und bekommt letztendlich im Zweifel genau das, was er nicht haben möchte.

  • TÜV Süd oder TÜV Nord Label

Das Problem bei den Zertifikaten des TÜVs liegt darin, dass die Label nicht nach einheitlichen Kriterien vergeben werden und somit schnell Verwirrung bei den Kunden gestiftet wird. Um entscheiden zu können, ob ein entsprechendes TÜV Label tatsächlich den eigenen Anforderungen entspricht, muss sich im Einzelfall informiert werden.

Wie kommt der Verbraucher zu dem, was er möchte?

Zum einen sind die ok-power-Label und Grüner Strom Label ein erster guter Anhaltspunkt bei der Suche nach dem richtigen Anbieter von umweltfreundlichem Strom. Des Weiteren sollte er sich von Preisen nicht täuschen lassen. Es gilt nämlich nicht das Motto, dass nur teuer auch gut sein kann. Zwar ist Ökostrom generell teurer als der sogenannte Graustrom, jedoch müssen es nicht gleich Unsummen sein. Maximal 20% mehr als konventioneller Strom sollte Ökostrom kosten. Dementsprechend bietet sich ein Preisvergleich der unterschiedlichen Anbieter an, bei dem außerdem auf Herkunft und Label geachtet werden sollte, um auf der sicheren Seite zu sein – damit tatsächlich Ökostrom erhalten wird, mit dessen Kauf auch Anlagen für erneuerbare Energien gefördert werden.



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