Spaß an der Zukunft
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Professor Holzbauer ist Nachhaltigkeitsbeauftragter an der Hochschule Aalen und kümmert sich um die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) an der Hochschule.

Professor Holzbauer ist Nachhaltigkeitsbeauftragter an der Hochschule Aalen und kümmert sich um die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) an der Hochschule.

27.05.2015

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Prof. Holzbaur, Sie sind Nachhaltigkeitsbeauftragter an der Hochschule Aalen. Wie darf man sich Ihre Arbeit vorstellen?

PROF. ULRICH HOLZBAUR: Interessent ;-) Ganz im Ernst: die Funktion eines Nachhaltigkeitsbeauftragten (NEB) bringt so viele Aufgaben und so viele Schnittstellen mit Kollegen, dass man unheimlich viel über die Hochschule und ihre Wissenschaftsbereiche lernt. Formal ist der Auftrag an die Nachhaltigkeitsbeauftragten, die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) an der Hochschule umzusetzen. Ich bearbeite das Themenfeld gemeinsam mit der Referentin für Nachhaltige Entwicklung (NER). Wir sehen unsere Aufgabe für die Hochschule in den vier Bereichen Lehre, Forschung, Transfer und Betrieb.

Dabei führen wir eigene Maßnahmen durch, organisieren Vorträge für die Öffentlichkeit und beraten das Rektorat. Wir kooperieren intern mit Professoren, Mitarbeitern in Wissenschaft und Verwaltung und Studierenden und extern in verschiedenen Netzwerken und mit den Akteuren in der Stadt Aalen.

Wie wird man Nachaltigkeitsbeauftragter?

Der oder die Nachhaltigkeitsbeaftragte - formal: Senatsbeauftragte für Nachhaltige Entwicklung - wird vom Rektorat vorgeschlagen und vom Senat gewählt. Da meine Fächer an der Hochschule Nachhaltige Entwicklung, Projektmanagement und Quantitative Methoden sind, passt das ganz gut.

Welches sind aktuell Ihre größten Herausforderungen in Sachen Nachhaltigkeit an der Hochschule?

Der Begriff Nachhaltigkeit ist in aller Munde, aber jeder verwendet ihn anders. Dadurch ist es schwer, das Thema an der Hochschule zu verankern. Man kann immer nur einzelne Aspekte umsetzen und muss sich zum einen auf bestimmte Themen konzentrieren und andererseits Schwerpunkte bezüglich der Umsetzung setzen. So konnten wir im Bereich Barrierefreiheit einen Arbeitskreis etablieren und einen ersten Grundstein in der Nachhaltigkeitsberichterstattung der Hochschule setzen.
In den vier Bereichen gibt es jeweils unterscheidliche Herausforderungen:  Beim nachhaltigen Betrieb muss man viel Überzeugungsarbeit leisten und die Kooperation mit der Verwaltung sichen. Im Bereich von Lehre, Forschung und Transfer ist jeder Professor sein eigener Herr und es gibt eine breite Spanne an Kooperationen. Im Transfer sind wir durch unsere langjährige Kooperationen mit der Stadt Aalen im Sinne eines Reallbors sehr gut aufgestellt. Ingesamt ists überall so: es liegt an den einzelnen Menschen.

Aus welcher Motivation heraus wurde das Thema Nachhaltigkeit an der Hochschule Aalen implementiert?

Die Hochschule muss ihre Verantwortung für die Zukunft wahrnehmen und dies auch zeigen. Wir beschäftigen uns seit über 20 Jahren mit dem Thema, angefangen von der Ingenieurökologie über Umweltschutz bis zur Nachhaltigen Entwicklung. Das Therma Nachhaltigkeit hat sich selbst etabliert und ist organisch gewachsen. Natürlich haben das vom Land Baden-Württemberg eingerichtete Referat für Technik- und Wissenschaftethik und das Netzwerk der Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung starken Rückenwind für die Einrichtung der Stelle gegeben.

Auf welche Bereiche der  Hochschule hat sich Ihre nachhaltige Ausrichtung besonders niedergeschlagen?

Besonders erfolgreich war die Implementierung von (B)NE im Bereich der Lehre. Vor allem im Studiengang Wirtschaftingenieurwesen, dem ich selbst angehöre aber auch im Studiengang Maschinenbau konnten Lehrveranstaltungen etabliert werden. Zudem gibt es eine Grundlagenvorlesung über Nachhaltige Entwicklung, die für alle Hörer der Hochschule im Rahmen des Studium Generale geöffnet ist uns sehr gut nachgefragt wird. Auch die Vortragsreihe "Nachhaltigkeit konkret" ist immer gut besucht.

Im Bereich des Transfers führen wir seit 10 Jahren transdisziplinäre Projekte mit der Stadt Aalen durch. Das wirkt auch auf die Hochschule zurück: wir werden als ein wichtiger Partner der Stadt wahrgenommen.

Die Hochschule hat mehrere Forschungsbereiche die sich mit Themen beschäftigen, die für die Nachhaltige Entwicklung relevant sind. Das geht von Energie und Werkstoffen und unsere zukünftiges "Zentrum Technik für Nachhaltigkeit " bis zu unserem Projekt ESPRESSO (Experience Science and Practical Relevance and learn Sustainably via Sustainablity Projects) und viele studentische Projekte zur Nachhaltigen Entwicklung.

Welcher Schwerpunkt in Forschung und Lehre liegt Ihnen besonders am Herzen?

Ich beschäftige mich in der Praxis und Lehre mit dem Thema "Nachhaltige Events". Dazu konnten wir eine eigene Lehrveranstaltung im Studiengang Wirtschaftingenieurwesen etablieren. Das Thema Erlebnisorientierung in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist mir deshalb wichtig, weil wir ein Umdenken nicht durch Ermahnungen erreichen.

Welche Informationen und Netzwerke waren nötig, um sich nachhaltiger auszurichten?

Das HNE-Netzwerk (Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung) und das BNE-Hochschulnetzwerk von Baden-Württemberg haben unsere Arbeit wesentlich bereichert. Die vom Land geförderten Netzwerke fördern Austausch und Kooperaiton und sind wichtige Wissenquellen - insbesondere die vom Referat für Technik- und Wissenschaftsethik Baden-Württemberg unterstützen Mailing-Listen des HNE-Netzwerks. Der Austausch mit KollegInnen ist wichtig für die tägliche Arbeit und die strategische Ausrichtung.
Durch die Mitgliedschaft der NReferentinnen im HNE-Netzwerk und um an den operativen Tätigkeitsfeldern der Referentinnen an den Hochschulen Nachhaltigkeit strategisch zu etablieren, wurde das MINE –Netzwerk (Mittelbau Nachhaltigkeit) gegründet.
Eine weitere wichtige Netzwerkmöglichkeit war der Austauch innerhalb der Netzwerke der UN-Dekande BNE (Hochschulen, Kommunen) und den verschiedenen Auszeichnungsveranstaltungen, beispielsweise des Nachhaltikeitsrats.

Inwiefern wird Ihre nachhaltige Ausrichtung von den Studenten honoriert?

Zunehmende Teilnehmerzahlen in den nachhaltigkeitsbezogenen Lehrveranstaltungen lassen auf zunehmendes Interesse an dem Thema schließen. Auch Projekte zur Umsetzung Nachhaltiger Entwicklung stoßen bei einem großen Teil der Studierenden auf Interesse.


Gibt es an der Hochschule Aalen bereits oder wird es in Zukunft Studiengänge mit Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit geben?

Ganze Studiengänge mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt gibt es nicht und wird es auch in naher Zukunft voraussichtlich nicht geben. Stattdessen bemühen wir uns, NE in die bestehenden Studiengänge zu integrieren. Wir sind der Meinung, dass sich alle Studierenden unabhängig von ihrer Fachrichtung einmal mit NE beschäftigt haben sollten. Das ist uns wichtiger, als einige wenige Nachhaltigkeitsexperten auszubilden.

Stichwort Unternehmensstandort Deutschland: An welchen Stellschrauben würden Sie gerne drehen, um die Rahmenbedingungen für Ihre Absolventen zu verbessern?

Die Bachelor und Master der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sind für den Beruf schon sehr gut aufgestellt. Wünschen würden wir uns:

- Von den Schulen und der Bildungspolitik mehr Bildung für Nachhaltige Entwicklung, aber vor allem bessere Grundlagenkenntnisse und Arbeitsmoral. Die Schüler brauchen keine andressierten Detailkenntnisse sondern Arbeitstechniken und Bildung.

- Von der Gesellschaft und Politik mehr Wertschätzung für die Bildung und für Aktivitäten zu Zukunftsorientierung. Und die Berücksichtigung der Nachhaltigen Entwicklung in allen Entscheidungen wie es die Agenda 21 fordert.

- Von der Wirtschaft mehr Verlässlichkeit: Langfristig bezüglich der Wünsche und Anforderungen an die Hochschulbildung. Kurzfristig in den Beschäftigungsverhältnissen für unsere Absolventen. Und natürlich die Berücksichtigung der Nachhaltigen Entwicklung bzw. der gesellschaftlichen Verantwortung.

- ingesamt weniger Egoismus und Korruption.

Die Stellschraube dafür ist die Bildung und da würde ich gerne drehen: Bildung, die diesen Namen wirklich verdient, muss  Bildung für Nachhaltige Entwicklung sein: Eine Bildung, die jede(n) einzelne(n) zu zukunftsfähigen Entscheidungen befähigt, motiviert und stark macht. Und war von der KiTa bis zur Hochschule und auch in der praktischen Ausbildung.

Ihr Nachhaltigkeitsleitspruch lautet?

Eigentlich passt der oben mit der BNE ganz gut, aber vom Ansatz her ist mir wichtig, Nachhaltigkeit als positive Zukunftsgestaltung rüberzubringen. Deshalb einfach: Spaß an der Zukunft.



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