Politik, Kultur & Wissenschaft

Beitrag der Stadt Nürnberg - Nürnbergs Einsatz für mehr Nachhaltigkeit

INTERVIEW | Die Stadt Nürnberg hat das Potenzial zur umweltfreundlichsten Stadt Deutschlands. Susanne Schimmack erläuter im Interview, wie Nürnberg sich dafür einsetzt und was bisher erreicht wurde.

INTERVIEW | Die Stadt Nürnberg hat das Potenzial zur umweltfreundlichsten Stadt Deutschlands. Susanne Schimmack erläuter im Interview, wie Nürnberg sich dafür einsetzt und was bisher erreicht wurde.

Ein Interview geführt von der LifeVERDE-Redaktion | Bild: Unsplash


Nürnberg entwickelt sich - und zwar in eine nachhaltige Richtung. Die Stadt hat großes Potenzial, die umweltfreundlichste Stadt Dautschlands zu werden. Susanne Schimmack ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stadt Nürnberg und gibt uns im Interview einen tiefen Einblick in die umweltpolitischen Bemühungen der Stadt, welche Möglichkeiten der aktiven Mitwirkung die Bürger*innen haben und waie nachhaltiges Wirtschaften attraktiv gestaltet wird.
 

LifeVERDE: Frau Schimmack, hätte Nürnberg das Potenzial zur umweltfreundlichsten Stadt Deutschlands?

SUSANNE SCHIMMACK: Die Stadt Nürnberg hat das Potenzial zur umweltfreundlichsten Stadt Deutschlands – wie sicherlich auch manch andere deutsche Stadt.

Im europäischen Wettbewerb zur Umwelthauptstadt Europas 2012/2013 belegte Nürnberg einen vierten Platz und hat sich damit im Feld der 17 teilnehmenden Städte gut behauptet. Das Erreichen der Finalrunde der sechs am besten bewerteten Städte bot vielerlei Gelegenheit, sich im interkommunalen Vergleich darzustellen. Besonders erfolgreich schnitt Nürnberg in den Bereichen Abfallmanagement, Luftgüte, Biodiversität, und Mobilität ab.

Die Stadt präsentierte sich gezielt als nach wie vor wichtiger industrieller Produktionsstandort und hebt sich mit diesem Profil deutlich von den meisten Mitbewerbern ab. Die Herausforderungen einer nachhaltigen Stadtentwicklung liegen darin, eine robuste Wirtschaftsstruktur mit zahlreichen Arbeitsplätzen in solchen Branchen zu entwickeln, die sich den Prinzipien nachhaltigen Wirtschaftens verpflichten. Das ist nur in einem allmählichen Transformationsprozess und in enger Zusammenarbeit von Kommune und Wirtschaft zu erreichen. In Nürnberg sehen wir uns da auf einem guten Weg.

Im bundesweiten Wettbewerb zur „Bundeshauptstadt Klimaschutz 2010“ belegte Nürnberg unter 72 Kommunen ebenfalls einen vierten Platz. Das Kommunale Energiemanagement der Stadt Nürnberg erreichte in seiner Kategorie einen hervorragenden ersten Platz unter allen deutschen Teilnehmerkommunen. Darin kommen die bereits langjährigen Anstrengungen der Stadt Nürnberg zum Ausdruck, ihre eigenen Liegenschaften – und darunter sind zahlreiche denkmalgeschützte Baulichkeiten – energie- und ressourcensparend zu bewirtschaften. Die Stadt ist die Verpflichtung eingegangen, für eigene Neubauten Passivhausstandards zu realisieren. Signifikante Projekte sind in den letzten Jahren bereits realisiert worden, wie das Kultur- und Bildungszentrum „südpunkt“ und Sporthallen-Neubauten. Ebenso initiierte die Stadt Nürnberg - als Zentrum der Metropolregion Nürnberg mit insgesamt 3,5 Mio. Einwohner*innen – eine Zusammenarbeit auf nordbayerischer Ebene für mehr Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung. Einen Einblick in die breit angelegte Umwelt- und Klimaschutzpolitik Nürnbergs findet sich auf der Homepage des Umweltreferates Nürnberg.

Jenseits der genannten Wettbewerbe hat sich die Stadt Nürnberg seit Jahren stark mit ihrem Engagement zur Förderung des „Bio-Marktes“ profiliert. Die „Bio-Metropole Nürnberg“ setzt sich für Bio-Lebensmittel in Schulen, Kindergärten, städtischen Kantinen und auf den Wochenmärkten ein. Die Weltleitmesse der Bio-Branche (Bio-Fach) hat in Nürnberg ihren Sitz – organisiert und inzwischen weltweit an weiteren fünf Messestandorten etabliert von der städtischen Tochtergesellschaft „Nürnberg Messe“. Gemeinsam mit der örtlichen Industrie- und Handelskammer hat die Stadt Nürnberg die Gründung eines Branchenverbandes der Bio-Betriebe (aus dem Nahrungsmittelsektor, der Drogerie- und Pharmabranche, dem Textilbereich und verschiedensten Dienstleistern für diese Branchensegmente) unterstützt: die „Bio-Innung e. V.“ vertritt heute die besonderen Interessen der Bio-Unternehmen im örtlichen und im regionalen Rahmen.

Nürnberg hat sich 2010 einer Reihe von Wettbewerben und Vergleichsuntersuchungen gestellt, die der Stadt – und ausdrücklich auch der Region – eine hohe Lebensqualität, solide Entwicklungschancen und auch umsichtige umweltpolitische Vorgehensweisen bescheinigten. Bislang zwar nicht ganz vorn, aber breit aufgestellt und stets überdurchschnittlich gut positioniert. Einen umfassenden Überblick gibt der Nürnberger Nachhaltigkeitsbericht 2009.
 

Durch welche umweltpolitischen Bemühungen konnte Nürnberg in der Vergangenheit Erfolge erzielen ?

Anfang der neunziger Jahre war Nürnberg die erste Stadt in Deutschland, die ein konsequentes System der Abfalltrennung für private Haushalte einführte. Dies manifestiert sich heute in einem vergleichsweise geringen Restmüllaufkommen pro Kopf. Ebenso führte die Stadt Nürnberg als erste Stadt ein Mehrweggebot für Großveranstaltungen, u.a. den Christkindlsmarkt, ein.

Eine vieldiskutierte Sperrung der historischen Nürnberger Altstadt für den Durchgangsverkehr brachte seither eine deutliche Verbesserung der Luftgüte in der Innenstadt mit sich. Die Stadt Nürnberg arbeitet seit vielen Jahren intensiv an der Verbesserung der innerstädtischen Lebensqualität. Eine besondere Rolle spielen dafür zahlreiche verkehrspolitische Maßnahmen, stets mit der Zielsetzung, den Modal Split vom motorisierten Individualverkehr zu den umweltfreundlicheren Mobilitätsformen hin zu verändern. Zuletzt ist am 03.12.2010 der umfassend überarbeitete Luftreinhalteplan 2010 in Kraft gesetzt worden. Im Stadtgebiet werden die durch die Europäische Luftgüterichtlinien gesetzten Grenzwerte eingehalten, lediglich in einem Stadtgebiet ist eine Überschreitung des Jahresmittelwertes für Sticstoffdioxid festgestellt worden. Die Pläne zur Reduzierung auch dieses Belastungsbereichs gehen derzeit in die Umsetzung.

Seit Mitte der neunziger Jahre betreibt Nürnberg eine konsequente und erfolgreiche Klimaschutzpolitik, dies belegen drei Klimaschutzberichte sowie die Klimaschutzfahrpläne 2000-2010 und 2010-2020. Die bis 2020 angestrebte Verringerung der CO2-Emissionen um 40% (gegenüber 1990) ist 2010 bereits zu 32% erfüllt – Nürnberg ist hier also auf einem guten Wege. Ursächliche Faktoren hierfür sind vor allem die Umstellung des kohlebefeuerten Heizkraftwerkes Sandreuth auf ein modernens GuD-Kraftwerk (2005), ein Fernwärmenetz, das bereits ca. 20 % der Nürnberger Einwohner mit Wärme versorgt sowie zahlreiche Maßnahme zur Förderung der energetischen Sanierung, vor allem im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Seit zehn Jahren fördert die Stadt Nürnberg über den lokalen Energieversorger (N-ERGIE) in einem CO2-Minderungsprogramm energetische Altbausanierungen, BHKW’s, stromsparende Haushaltsgeräte, regenerative Energien u.v.m.

Biodiversität

Die Stadt Nürnberg hat zusammen mit zahlreichen Fachverbänden, Vereinigungen und öffentlichen Einrichtungen eine Allianz für die Biodiversität gebildet. Längst haben sich viele Arten an den Lebensraum Stadt angepasst und gerade dort Rückzugs- und Schutzräume in Brachflächen, entlang von Eisenbahnanlagen und im Netzwerk städtischer Biotope gefunden. Mit zahlreichen Projekten werden solche Flächen gepflegt und auch in das Bewusstsein der Stafdtgesellschaft gehoben.

Gleichzeitig ist die Stadt aber auch ein unwirtliches Gebiet für viele Arten. Die ständige Belastung durch Lärm, Schadstoffe und die unentwegten Veränderung der gebauten wie der natürlichen Umwelt gefährden viele Arten. Stadtgesellschaft und kommunale Umweltpolitik tragen dazu bei, die naturräumlichen Rahmenbedingungen für Flora und Fauna in der Stadt zu konsolidieren und schrittweise zu verbessern. Dadurch soll eine möglichst große Artenvielfalt unterstützt werden und durch naturverträgliche Gestaltung der Technosphäre sowie der gebauten Umwelt Schadeinflüsse auf die Natur minimierr und stadtspezifische ökologische Habitate ermöglicht werden.

Beispielhaft für die mögliche Verbesserung der naturräumlichen Rahmenbedingungen steht die Entwicklung von Biotopverbundsystemen im Stadtgebiet, die Pflanzen und Tieren Entwicklungskorridore anbieten. Dazu sind in den letzten zwei Jahrzehnten in Nürnberg – insbesondere dank der kreativen Gestaltung des Ökokonto-Konzepts – zahlreiche Maßnahmen durchgeführt worden. Wie sehr eine naturverträglichere Gestaltung der Technosphäre die Artenvielfalt in städtischen Ökosystemen begünstigt, lässt sich mit den Erfolgen in der Luftreinhaltung belegen. Die drastische Reduzierung der Schwefeldioxid-Emissionen und weiterer Luftschadstoff-Emissionen in den letzten 20 Jahren lässt sich sehr schön durch Flechtenkartierungen belegen: Gebiete, die bis Mitte der 80er Jahre als „Flechtenwüste“ gelten mussten – wie weite Teile der Nürnberger Südstadt – sind heute wieder von Flechten besiedelt und deren Vielfalt nimmt nach aktuellen Beobachtungen weiterhin zu. Ähnliche Resultate lassen sich für den Bestand aquatischer Lebewesen in der Pegnitz darstellen. Dank der enormen Aufwendungen in die Klärtechnik hat sich die Wassergüte aller Fließgewässer in der Region stark verbessert und der Reichtum an Wasserinsekten und Fischen ist beträchtlich gestiegen.

Bio-Metropole

Die Stadt Nürnberg fördert Bio-Lebensmittel und Unternehmen aus der Bio-Branche und setzt sich für gesunde Ernährung, ökologischen Landbau und regionale Wirtschaftskreisläufe ein.

Die Projektidee

Die Nachfrage v.a. öffentlicher Einrichtungen nach regionalen Bio-Lebensmitteln steigt - über Großküchen, bei Veranstaltungen sowie in Kitas und Schulen. Die Zukunftschancen und die hohe Produktqualität der Bio-Branche zeigen, dass Bio und Regionalität in hohem Maße vereinbar sind - auch Bio-Produkte sind Regional-Produkte. Außedem steigt auch die Wahrnehmung und Akzeptanz bei Verbraucher*innen, Politik, Verbänden und Entscheidern.

Ziele bis 2014
Die Stadt Nürnberg setzt sich zum Ziel, den Anteil von Bio-Lebensmittel weiter auszubauen. Die BioMetropole fördert dabei besonders regionale, saisonale und faire Produkte in Bio-Qualität:

  • 50 Prozent Bio-Anteil in Schulen und Kitas, bei Empfängen des Oberbürgermeisters und bei Wochen-Märkten.
  • 25 Prozent Bio-Anteil bei allen städtischen Einrichtungen, Veranstaltungen, Spezial-Märkten und Beteiligungen
  • 10 Prozent Anteil ökologischer Landwirtschaft

Beispiele für bisher Erreichtes

Der Bio-Anteil bei Kitas, die Mittagessen anbieten, beträgt hervorragende 40%. Es gibt 79 Kitas, die ein Bio-Essen anbieten. Darunter sind 21 Kitas, die ein nahezu komplettes Bio-Essen beziehen. Dieses Ergebnis ist sehr erfreulich, da das 50 % Ziel schon fast erreicht wurde. Gesundes Bio-Essen hat bei Vorschul-Kindern einen hohen Stellenwert, das Kita-Personal und die Eltern ziehen an einem Strang. Der Bio-Anteil bei Schulen, die ein Mittagessen anbieten, beträgt 20% = 24 Schulen. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann, jedoch im Hinblick auf das 50% Ziel noch deutlich gesteigert werden muss.

Die Landwirtschaft ist im Stadtgebiet Nürnberg in den letzten beiden Jahren ein kleines Stück ökologischer geworden. Der Bio-Anteil nähert sich dem 10% Ziel. Was Nürnberg zudem auszeichnet, ist die hohe Anzahl an Verarbeitungsbetrieben, nämlich 79 Betriebe. Darunter sind auch Betriebe, die gleichzeitig einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaften, z.B. Direktvermarkter. Auch 16 Bio-Handelsbetriebe sind zu nennen. Insgesamt gibt es in der Stadt Nürnberg 116 Betriebe, die biozertifiziert sind.

Inzwischen entwickelt sich eine weit über die Stadt Nürnberg hinaus reichende Kooperation zur Förderung des Bio-Marktes und regionaler Produkte in der ganzen Metropolregion Nürnberg. Nürnberg ist darüber hinaus Mitglied in dem Städtenetzwerk „Città del Bio“, das von italienischen Städten gegründet wurde, sich inzwischen aber zu einem europaweiten Verbund der Städte wird, die sich um naturnahe Landwirtschaft und Förderung des Bio-Marktes bemühen.
 

Welche Möglichkeiten haben Ihre Bürger*innen, an der Umweltpolitik und einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung aktiv mitzuwirken?

Die Bürgerinnen und Bürger in Nürnberg werden in vielfacher Weise an den Planungen, Strategien und Projekten der kommunalen Umweltpolitik beteiligt oder beteiligen sich freiwillig und ehrenamtlich aus eigenem Engagement. Einige Beispiele:

Beteiligung an Planungs- und Genehmigungsverfahren

Die Beteiligung der Bürger*innen ist bei bestimmten Planungs- und Genehmigungsverfahren öffentlich vorgeschrieben und wird entsprechend durchgeführt, so z.B. beim Luftreinhalteplan 2010 oder künftig bei der Lärmminderungsplanung, wo die Bürgerbeteiligung auch als Online-Angebot durchgeführt wird.

Beteiligung im Rahmen der Ausweisung von Schutzgebieten

Umwelttelefon
Seit vielen Jahren nehmen Mitarbeiter*innen des Umweltamtes alle umweltbezogenen Beschwerden und Anregungen am Umwelttelefon entgegen und beantworten diese zusammen mit den zuständigen Fachkolleg*innen.

Bürgerversammlungen
Oberbürgermeister und alle städtischen Referent*innen stehen den Bürgerinnen und Bürgern Nürnbergs in zahlreichen Bürgerversammlungen in den verschiedenen Stadtteilen direkt vor Ort Rede und Antwort zu umweltbezogenen Fragen. Im Sommer führt Oberbürgermeister Dr. Maly auch mobile Bürgerversammlung per Fahrrad durch. Dieses Konzept wurde im Jahr 2008 mit dem deutschen Fahrrad-Preis gewürdigt.

Veranstaltungungen zu besonderen Themen
Umweltreferat und Umweltamt führen zu verschiedenen Themen Sonderveranstaltungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger durch, z.B. aktuell zum Hochwasserschutz, zu Anpasungsstrategien hinsichtlich Klimawandel oder im Rahmen der „Nürnberger Streitgespräche“. Themen der Streitgespräche waren u.a. „Pro und Contra – Umweltzone in Nürnberg“, „Ernährungswende – Ein Beitrag zum Klimaschutz?“, „Wohin fährt die Bahn?“ und „Stadtnatur – Warum Städte Inseln der Biodiversität sind“.

Umweltbildungsangebote
Angebote zur Umweltbildung werden zum Beispiel im Bereich der Biodiversitätsprojekte gemacht (Artenvielfalt auf der Nürnberger Burg, Bat Night u.a.) und auch von dem durch die Stadt getragenen Landschaftspflegeverband angeboten. Diese Angebote richten sich an Schulen genauso wie an Firmen, die mit ihren Mitarbeiter*innen Aktionen in der Natur anbieten, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und zu verdeutlichen, an welchen ethischen Grundsätzen sie ihre Firmenpolitik orientieren.

Agenda 21
Seit Beginn der neunziger Jahre gibt es in Nürnberg eine aktive Agenda 21, die bis heute in ca. 50 Projektgruppen arbeitet, u.a. in Runden Tischen zu den Themen „Energie und Klima“, „Umwelt und Wirtschaft“, „Kinder und Jugendliche“, „Soziale Nachhaltigkeit“, Ökologische Stadtplanung“ und „Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit“.
 

Wie hoch schätzen Sie die aktuelle Lebensqualität Ihrer Region ein? Wie wollen Sie diese in Zukunft weiter erhöhen?

Die Lebensqualität in Nürnberg, der umgebenden Region und der Metropolregion Nürnberg wird von den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch von Investor*innen als außerordentlich hoch eingeschätzt, wie zahlreiche Umfragen belegen. Grundlage dafür ist sicherlich eine weitgehende intakte Natur und schöne Landschaft in der nahen und ferneren Umgebung von Nürnberg. Der Reichswald, die Pegnitzauen und die Wöhrder Wiese bieten eine wohnortnahe Erholung, Freizeitgestaltung, sportliche Betätigung und Wellness. Aber auch nahe gelegene bekannte Tourismus- und Urlaubsgebiete wie der Naturpark Altmühltal sowie verschiedene Regionalparks, die Fränkische Schweiz, die Frankenalb, das Fränkische Weinland, das Fränkische Seenland, der Bayerische Jura sowie das Fichtelgebirge sind Garanten einer hohen Lebensqualität.

Ebenso ist es gelungen, durch Entwicklung einer weiträumigen Fußgängerzone in der Innenstadt und die nahezu volllständige Unterbindung des die Innenstadt querenden Verkehrs, die Luftgüte stark zu verbessern sowie eine attraktive Mischung von historischen Bauten und modernen Geschäftsbereichen zu entwickeln.

In den weiter außen gelegenen Stadtquartieren ist es durch eine konsequente Ausweitung der Tempo 30 Regelung in nahezu allen Wohngebieten, durch Anwohnerparkregelungen, durch zahlreiche Projekte der Stadterneuerung und durch dezentrale kulturelle, soziale sowie gesundheitspflegerische Angebote gelungen eine hohe Lebensqualität zu sichern.
 

Welche Anreize und Möglichkeiten bieten Sie Unternehmen, um nachhaltiges Wirtschaften in der Region attraktiv zu machen?

Die Metropolregion Nürnberg hat Anfang 2010 ein neues Leitbild für Wachstum und Beschäftigung verabschiedet, das von den 33 Gebietskörperschaften der Metropolregion einstimmig mitgetragen und unterzeichnet wurde. Darin sind auch diejenigen Kompetenzfelder aufgeführt, in denen Nürnberg und die Metropolregion bereits im nationalen und internationalen Vergleich stark sind und diese Stärken weiter ausbauen möchten. Dazu zählt auch das Kompetenzfeld „Energie und Umwelt“ mit 500 Betrieben und ca. 60.000 Beschäftigten in der Metropolregion. Schwerpunkte bilden Unternehmen in den Bereichen Leistungselektronik, Energieerzeugung und Energieübertragung. Dieses Kompetenzfeld hat Zukunft.

Mit gezielter Clusterpolitik trägt die Stadt Nürnberg dazu bei, im für nachhaltiges Wirtschaften zentralen Bereich der Energie- und Umweltwirtschaft ein attraktives Umfeld für Unternehmen in der Stadt Nürnberg, aber auch der Metropolregion Nürnberg zu schaffen. Der Schwerpunkt der Clusterpolitik liegt in der Vernetzung der Kompetenzen und der Schaffung eines innovativen Umfeldes in der Region. In der Metropolregion Nürnberg trägt eine aktive Netzwerkszene zu einer positiven Vernetzung und zum Know-how-Transfer zwischen Unternehmen, Hochschulen, Politik und Verwaltung bei. Die zentralen Cluster- und Netzwerkplattformen sind: die Kompetenzinitiative ENERGIEregion Nürnberg e.V. zusammen mit der Energieagentur Nordbayern für die Energie- und Umweltwirtschaft; das European Center for Power Electronics für die Leistungselektronik mit einem Schwerpunkt in Leistungselektronik für Energieeffizienz sowie die Bayerischen Cluster für Energietechnik, Umwelttechnik und Leistungselektronik.

Diese Cluster und Netzwerke führen eine Vielzahl von Aktivitäten mit und für Unternehmen und Kommunen rund um Energieeffizienz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit durch. Dazu zählen: Kooperationsanbahnung, Veranstaltungen, Projekte, Fördermittelberatung, u.v.a.m.. Die Energieagentur Nordbayern bietet darüberhinaus neutrale, vorwettbewerbliche Energieberatung für Unternehmen und Kommunen an und betreibt mit den Energie-Technologischen Zentren in Nürnberg und Westmittelfranken zwei Gründer- und Dienstleistungszentren für die Energie- und Umweltwirtschaft in der Region.

Die Stadt Nürnberg treibt den Ausbau der wissenschaftlichen Kompetenzen der Region mit dem Aufbau des Energie Campus Nürnberg, eines interdisziplinären Forschungscampus für Energieeffizienz und Klimaneutralität voran. In dieser neuen Forschungseinrichtung – einem Gemeinschaftsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg und der beiden Fraunhofer Institute IIS und IISB, sowie des Zentrums für angewandte Energieforschung – sollen Energiefragen der Zukunft entlang der gesamten Energiekette untersucht und somit Innovationen in den Unternehmen gefördert und neue Fachkräfte ausgebildet werden.
 

Wie gut sind Forschung und Wirtschaft in Ihrer Region hinsichtlich der Förderung grüner Technologien vernetzt? Welche Zukunftspläne gibt es, um solche Kooperationen auszuweiten und welche Rolle werden nachhaltige Technologien und Innovationen auf diesem Gebiet einnehmen?

Die traditionell gute Vernetzung zwischen Forschung und Wirtschaft wird aktuell durch den Aufbau der interdisziplinären Forschungseinrichtung für Energiefragen der Zukunft - Energie Campus Nürnberg deutlich intensiviert. Aufgrund der Partnerstruktur (Universität, Hochschule und angewandte Wissenschaften) wird im Energie Campus Nürnberg die gesamte wissenschaftliche Wertschöpfungskette abgebildet. Grundlagenforschung geht zukünftig Hand in Hand mit angewandter Forschung und F&E-Projekten mit Unternehmen aus der Metropolregion Nürnberg und darüber hinaus.

Zudem fungieren die Cluster und Netzwerke in der Region schon seit langem als Kontaktstellen zwischen Wirtschaftsunternehmen und Forschern in der Metropolregion Nürnberg.

Aufgrund der engen Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft erwarten wir uns wichtige Impulse für die Wettbewerbsfähigkeit gerade nachhaltiger Technologien. Diese Innovationen tragen zum Erhalt und zum Ausbau von Arbeitsplätzen in der Zukunft bei und beschleunigen einen positiven Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft.

 

Vielen Dank für das Interview, Frau Schimmack!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an die Stadt Nürnberg stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

 

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Lies auch: Das sind Deutschlands nachhaltigste Kommunen

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