Im Interview: Steffen Küßner, Pressesprecher des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv)
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Im Interview: Steffen Küßner, Pressesprecher des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv)

Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) vertritt die Interessen der Verbraucher gegenüber Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) vertritt die Interessen der Verbraucher gegenüber Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Das Interview führte Marcus Noack

Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) vertritt die Interessen der Verbraucher gegenüber Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Wie können sich die Verbraucher an Sie wenden?

Verbraucher können uns informieren, wenn Ihnen ein Problem auffällt, das viele Menschen betrifft. Wir erhalten regelmäßig solche Hinweise und berücksichtigen diese auch in unserer Arbeit. Der vzbv bietet allerdings keine individuelle Beratung an, das ist Sache der Verbraucherzentralen in den einzelnen Bundesländern. Mit denen stehen wir natürlich in engem Austausch und erfahren so frühzeitig, wenn sich ein Problem häuft, zum Beispiel eine bestimmte Masche von Abzocke im Internet, unlautere Werbemethoden oder fehlerhafte Finanzberatungen. Wir setzen uns dann auf politische Ebene dafür ein, dass diese Probleme abgestellt werden.



Was sind die Hauptanliegen der Verbraucher, wenn Sie sich an den vzbv wenden?

Verbraucher wenden sich mit vielen alltagspraktischen Fragen an die Verbraucherzentralen. Intensivere Beratungen finden vor allem zu Problemen rund um Finanzprodukte, Telekommunikationsdienstleistungen und Energieversorgung statt. Auch Rechtsberatungen spielen eine Rolle, zum Beispiel wenn es Ärger bei Pauschalreisen gibt oder man im Internet in eine Abofalle geraten ist.

 

Sind Sie mit der Nutzung der Verbraucherzentralen zufrieden oder könnten die Deutschen Ihre kostenlosen Leistungen mehr in Anspruch nehmen?

Wir machen ein Angebot, das diejenigen nutzen, denen es hilft. Das sind jährlich viele Millionen. Wenn es einmal weniger sind, ist das nicht notwendigerweise eine schlechte Nachricht. Es kann auch heißen, dass es ein Problem nicht mehr gibt, weil wir auf politischer Ebene dafür gesorgt haben, dass es abgestellt wurde. Die Verbraucher selbst sind mit unseren Beratungsdienstleistungen überdurchschnittlich zufrieden, wie eine repräsentative Umfrage ergeben hat, die wir 2008 haben durchführen lassen. Sie schätzen neben dem Nutzen insbesondere unsere Glaubwürdigkeit und Kompetenz.

 

Die Energiekosten steigen seit Jahren, obwohl viele Menschen immer weniger Geld im Portemonnaie haben. Der vzbv hat die Belastung eines durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalts errechnet und mit den Kosten der vergangenen Jahre verglichen. Was kam bei diesem Vergleich heraus?

Wir haben als Vergleichsbasis das Jahr 2007 gewählt. Seither sind die jährlichen Energiekosten eines durchschnittlichen Vier-Personen-Haushaltes um über ein Drittel von jährlich 3.718 Euro auf 5.074 Euro gestiegen. Für Autofahrten zahlt diese Musterfamilie derzeit 27,2 Prozent mehr als 2007, für das Heizen über 50 Prozent zusätzlich und die Stromkosten kletterten um fast 30 Prozent. Unterm Strich also eine ganz schöne Stange Geld. Durch effektive Wärmedämmung und energieeffiziente Geräte ließe sich aber einiges davon sparen.



Dr. Ottmar Lell ist beim vzbv für die Bereiche Nachhaltigkeit und Verkehr zuständig. Er hat analysiert, ob die Verbraucher durch Ihren Konsum oder die Politik durch Regeln und Gesetze den Klimaschutz nachhaltig beeinflussen können, zu welchem Ergebnis ist Herr Dr. Lell gekommen?

Es führt in die Irre, von den Verbrauchern zu verlangen, ihren Konsum radikal zu ändern, solange die politischen Rahmenbedingungen so bleiben wie sie sind. Aber umgekehrt wird es auch nicht gelingen, die politischen Rahmenbedingungen zu ändern, solange die Verbraucher keinen Mehrwert in einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Lebensstil sehen. Es kommt daher darauf an, positive Rückkopplungen zwischen der individuellen und der kollektiven Ebene in Gang zu setzen. Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden sich dann durchsetzen, wenn sie zugleich als Gewinn an Lebensqualität wahrgenommen werden. Wenn Lebensqualität nicht so sehr über Konsum definiert wird, sondern mehr über die positive Erfahrung des sozialen Umfelds, würden Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen ganz von selbst zurückgehen. Die wachsenden Zweifel an der Doktrin des immerwährenden Wirtschaftswachstums bieten daher für die Nachhaltigkeitspolitik ganz neue Chancen.



Wie tragen Sie die Umwelt-Belange der Verbraucher an die Politik? Wie viele Meinungen und Meldungen müssen bei Ihnen eingehen, damit Sie die Politik nach Antworten bemühen?

Für uns geht es hauptsächlich darum, dass Umweltpolitik auch die tatsächliche Lebenswelt der Menschen zur Kenntnis nimmt und dass das, was politisch beschlossen wird, auch im echten Leben funktioniert. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Beispielsweise werden große Hoffnungen darin gesetzt, dass die Verbraucher durch Smart Meter ihren Stromverbrauch an die Verfügbarkeit von günstigem Strom anpassen. Das ist aber wenig realistisch, weil die Menschen eben morgens die Kaffeemaschine einschalten und nicht um vier Uhr in der Nacht. Und wir setzen uns dafür ein, dass wo Öko draufsteht auch Öko drin ist. Häufig ist das nicht der Fall, etwa bei der neuen PKW-Verbrauchskennzeichnung. Spritschlucker können der Regelung zufolge eine günstige Bewertung bekommen, wenn sie nur schwer genug sind. Das ist kein zukunftsweisendes Modell.



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