Im Interview: Dipl.Ing. (FH) Marcus Joppich, Mitarbeiter des Instituts für Energiemanagement i.G.
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Im Interview: Dipl.-Ing. (FH) Marcus Joppich, Mitarbeiter des Instituts für Energiemanagement i.G.

Das Institut für Energiemanagement befindet sich derzeit noch in Gründung und soll zukünftig die Tätigkeiten verschiedener Fachbereiche der Westsächsischen Hochschule Zwickau im Kontext Energie bündeln.

Das Institut für Energiemanagement befindet sich derzeit noch in Gründung und soll zukünftig die Tätigkeiten verschiedener Fachbereiche der Westsächsischen Hochschule Zwickau im Kontext Energie bündeln.

Herr Joppich, Sie sind Mitarbeiter des Instituts für Energiemanagement i.G. der Westsächsischen Hochschule Zwickau und beschäftigen sich mit energetischen Aufgabenstellungen in Gebäuden. Welche Aufgabenstellungen sind das und wer wirkt alles mit?

Als Mitarbeiter in einer Forschungseinrichtung hängen die Aufgabenstellungen vom jeweils aktuellen Projekt ab. In den letzten 3 Jahren beschäftigte ich mich mit energetischen Sanierungspotentialen von Mehrfamilienhäusern/Geschosswohnungsbau. Schwerpunkt lag hierbei insbesondere auf Wohnungsbaugesellschaften, die trotz ihrer zahlreichen Immobilien meist nur Insellösungen realisieren können. Im Ergebnis konnten im Standort Zwickau mehrere Wohnblöcke in ihrer Ausstattung und ihrer Wärmeversorgungsstruktur saniert werden. Eine Sanierung eines Nahwärmenetzes befindet sich in der Planung und wird voraussichtlich 2013 zur Umsetzung kommen. Dabei konnten wir im besonderen Maße auf die Kooperation mit regionalen Wohnungsbaugesellschaften, aber auch auf das Zusammenwirken unterschiedlicher Kompetenzen der Westsächsischen Hochschule bauen.

Vor diesem Projekt habe ich an einem Forschungsthema mitgewirkt, was sich mit luftdurchströmten Schotterschüttungen zur Klimatisierung von industriellen Immobilien beschäftigt hat. Das Projekt konnte 2009 sehr erfolgreich beendet werden. Es wurden bislang deutschlandweit viele solcher „Schotterspeicher“ realisiert.


Welche Erfolge gibt es seit der Gründung? Können Sie drei Beispiele nennen, bei denen Ihre Forschungsergebnisse in den Anwendungsalltag eingeflossen sind?

Das Institut befindet sich derzeit noch in Gründung und soll die Tätigkeiten verschiedener Fachbereiche unserer Hochschule im Kontext Energie bündeln. Als Beispiel für Forschungsergebnisse kann zunächst die geothermische Grubenwassernutzung genannt werden. Hierbei werden warme Gewässer aus ehemaligen Bergwerksschächten als Wärmequelle bzw. –senke genutzt. In Zusammenarbeit mit Organisationen wie ReSOURCE oder LEADER konnte ein wichtiger Beitrag zur Realisierung solcher Anlagen geleistet werden. Derzeit wird unter Anderem eine Probebohrung in der Stadt Zwickau vorgenommen, welche zukünftig mehrere Gebäude der Innenstadt mit Wärme versorgen soll. Besonderheit dabei ist die Bohrtiefe von 625 m zum Erreichen der alten Gruben. Dieses Projekt ist eine Kooperation der Westsächsischen Hochschule, der Stadt Zwickau sowie des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement.

Ein anderer Punkt sind Forschungen und Entwicklungen an Kapillarrohrmatten. Wie so oft war hier die Biologie ein großes Vorbild. Dünne Kapillarrohre werden mit Medien beaufschlagt und ermöglichen auf Grund ihrer großen Oberfläche effektive Wärmeübertragung. Anwendung fand dies bereits bei Entwicklungen von Luft-Wasser- sowie Wasser-Wasser-Wärmeübertragern in unterschiedlichsten Anwendungsgebieten. Auf Grund der Fertigung aus Kunststoff zeigten sich zudem neue Anwendungsgebiete, besonders in der Abwärmenutzung. Ein breites Portfolio an Produkten auf Basis dieser Technologie befindet sich bereits auf dem Markt.

Ein drittes Beispiel wäre die Entwicklung und Optimierung von Heiz- und Kühlflächen. Unser Institut verfügt über ein am Markt etabliertes und akkreditiertes Prüfverfahren zur Leistungsmessung von Kühldecken. Viele Neuentwicklungen in dieser Sparte durchlaufen vor Markteinführung unsere Hochschule.


Welches Fachgebiet reizt Sie besonders und wo konkret sehen Sie noch großes Erschließungspotenzial, was Energieeinsparung und Energieeffizienz betrifft?

Diese Frage kann ich nur aus der Sicht unserer Schwerpunkte beantworten. Die energetischen Sanierungen im Wohnungsbau haben sich besonders auf Grund der großen Nachfrage der Gesellschaften ergeben. Hier sehe ich auch einen übergeordneten Bedarf an innovativen Lösungen, da sich die Anforderungen an Mietwohnungen (Nebenkosten, Komfort) auf Grund der demografischen Entwicklung, der Energiepreissteigerungen und der konjunkturellen Schwankungen von Städten und Gemeinden mit sinkenden bzw. stagnierenden Wirtschaftsentwicklungen, kurz- und mittelfristig ändern werden. Die „zweite Miete“ wird immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hierbei sind besonders neue Informationswege notwendig, welche das Verständnis des Mieters für Energieverbrauch kommunizieren. Ein erheblicher Anteil des Verbrauches in dieser Sparte können durch das Nutzerverhalten eingespart werden. Hier haben wir beispielsweise Informationssysteme verbaut, welche die Anwesenheit des Mieters erkennen und auf einzelne Nutzeraktionen (Fenster öffnen u.a.) reagieren. Parallel dazu ist effiziente Wärmeerzeugung, -verteilung und -speicherung durch Technologien im Stand der Technik unabdingbar. Hier sind ständige Weiterentwicklungen und Neuentwicklungen gefordert.


Können Sie einen Trend erkennen, ob Studiengänge im Umwelttechnik-Bereich und insbesondere in den Erneuerbaren Energien bei jungen Menschen immer beliebter werden?

Steigerungen der Studentenzahlen in diesem Gebiet sind bei uns zunächst nicht zu erkennen. Aber ein erhöhtes Interesse ist dadurch bemerkbar, dass immer mehr Studenten aus anderen Schwerpunkten wie Betriebswirtschaft oder Kfz-Technik die Angebote der Kurse zu diesem Thema nutzen. Ein interdisziplinärer Ansatz erhöht die Sensibilität von Ingenieuren und Wirtschaftlern für umwelt- und versorgungstechnische Probleme, die diese wiederum zukünftig in ihrer beruflichen Laufbahn mit einbringen.


Viele Absolventen streben bevorzugt ein Berufsleben in "angesagten" und bekannten Unternehmen an und möchten lieber das 10. IPHONE vermarkten als "die Welt retten". Wie könnte man Ihrer Meinung nach mehr Menschen dafür begeistern, ihre berufliche Zukunft auf das Lösen unserer Umweltprobleme auszurichten?

Ich glaube das Interesse an diesem Berufszweig wird sich mit dem wachsenden Bedarf am Arbeitsmarkt steigern. Wichtiger ist es in meinen Augen, die Notwendigkeit zur energetischen Verantwortung in jedes Fachgebiet zu kommunizieren. Das Bewusstsein und ein bestimmtes Fachverständnis für dieses Thema sind gegenwärtig für fast alle technischen und wirtschaftlichen Berufszweige interessant und auf Grund der ökonomischen, politischen und auch ethischen Weiterentwicklung unserer Bevölkerung auch dringend notwendig. Und wenn der „IPhone10-Entwickler“ eine umweltbewusste Technologie zur effizienteren Stromspeicherung hervorbringt, dann hat er wohl schon einen guten Teil zur „Weltrettung“ beigetragen.



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