Hamburger Klimawoche 2017 mit Themenschwerpunkt Elektromobilität
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Hamburger Klimawoche 2017 mit Themenschwerpunkt Elektromobilität

Die Hamburger Klimawoche ist seit Jahren Vorbild für zahlreiche weitere Klima-Initiativen. Im Interview erzählt uns Initiator Frank Schweikert vom legendären Bildungsprogramm und dem gesteigerten Interesse der Öffentlichkeit. Gleichzeitig bemängelt er jedoch den noch immer zu geringen Handlungsdruck.

<p>Die Hamburger Klimawoche ist seit Jahren Vorbild für zahlreiche weitere Klima-Initiativen. Im Interview erzählt uns Initiator Frank Schweikert vom legendären Bildungsprogramm und dem gesteigerten Interesse der Öffentlichkeit. Gleichzeitig bemängelt er jedoch den noch immer zu geringen Handlungsdruck.</p>
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07.03.2017 - Bild © Klimawoche Hamburg

LifeVERDE: Herr Schweikert, die Hamburger Klimawoche geht dieses Jahr bereits in die 9. Runde. Das spricht für ein kontinuierliches Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Welches waren die wesentlichen Erfolge der letzten Klimawoche in 2016?

FRANK SCHWEIKERT (Initiator Hamburger Klimawoche): Mit über 100 erfolgreichen Veranstaltungen und mehr als 15 Millionen erreichten Kontakten im vergangenen Jahr hat sich Europas Leuchtturm der Klimakommunikationsveranstaltungen stetig und erfolgreich weiterentwickelt. Innerhalb der Wirtschaft hat sich, nach dem die erneuerbaren Energien nun günstiger als fossile Energien und Atomstrom sind, eine wahre Aufbruchstimmung entwickelt, die in der Politik und teilweise auch in der Gesellschaft noch nicht angekommen ist. Deswegen ist es umso wichtiger, den neuen Ideen im Rahmen einer Hamburger Klimawoche ein großes Podium zu bieten. Handeln für den Klimaschutz ist nicht nur gesünder und intelligenter, sondern in Zukunft und langfristig betrachtet auch wesentlich kostensparender. Das ist unsere Botschaft, die wir zu Gunsten der Gesellschaft möglichst schnell verbreiten wollen.

Die Hamburger Klimawoche 2017 beschäftigt sich mit dem Global-Thema ‚Herausforderung Klimawandel‘. Welche Ziele visieren Sie an und was kann eine Veranstaltungsreihe wie die Klimawoche positiv bewirken? 

Es gibt viele zukunftsweisende Ideen und Technologien im Rahmen der Energiewende, die uns schnell und und ohne Einschränkung in die richtige Richtung bringen. Viele dieser Ideen werden noch aktiv durch Konsortien der Wirtschaft und Politik in der Entwicklungsgeschwindigkeit gehemmt. Nach den klaren Entscheidungen von Paris gegen die Verwendung  fossiler Brennstoffe ist es unverständlich, dass es in Deutschland noch Politiker gibt, die über nicht mehr zulässige Energieformen wie die Kohle schützend ihre Hand halten. Deswegen brauchen wir Initiativen aus Gesellschaft und Wirtschaft, um mit zukunftsweisenden Themen so schnell wie möglich zu begeistern.

Können Sie einen kurzen Überblick geben, in welchen Formaten und an welchen Schauplätzen die diesjährige Klimawoche stattfindet?

Auch die neunte und zehnte Hamburger Klimawoche wird wieder im Herzen der Stadt Hamburg an attraktiven Schauplätzen stattfinden. Neben einem Klima-Themenpark und verschiedenen Mitmachprogrammen wird es ein Kulturprogramm mit dem Klimakonzert, ein ausführliches Vortrags und Diskussionsprogramm sowie das legendäre Bildungsprogramm auf den Alsterschiffen mit attraktiven Exkursionen für junge Menschen aus der Metropolregion Hamburg geben.

Welches werden die Highlights der diesjährigen Klimawoche sein?

Zusammen mit der Hamburger Hochbahn und weiteren attraktiven Akteuren aus dem Bereich der Elektromobilität wird das Thema Verkehr und Mobilität in Hamburg eines der wichtigsten Themen sein. Insbesondere Verbundprojekte haben ein riesiges Potenzial und erfahren eine zunehmende Akzeptanz und Förderung.

Im Vortrags und Diskussionsprogramm haben wir wieder zahlreiche Zusagen von bundesweit renommierten Gästen, die sich mit dem Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit beschäftigen.

Konnten Sie neue Akteure begeistern?

Jedes Jahr gesellen sich zu den bestehenden Akteuren mindestens 20% neue Akteure, die sich im Bereich des Klimaschutzes entweder neu aufstellen oder mit ihren Aktivitäten nun an eine breite Öffentlichkeit gehen wollen. Die große Herausforderung besteht darin wie die zahlreichen Ideen so umgesetzt und kommuniziert werden können, dass sie für ein breites Publikum attraktiv sind und die Veranstaltungen voll besucht sind.

Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel? Haben Sie ein paar relevante Zahlen parat?

Viele der von den Wissenschaftlern getätigten Aussagen mussten nach oben korrigiert werden. D.h. durch das schnellere Abschmelzen der Pole wird der Meeres-Spiegel auch hier in Hamburg überdurchschnittlich schnell ansteigen und Extremwetterereignisse und Tornados erleben wir heutzutage ja so oft wie noch nie. Die Aussage des britischen Ökonomen Stern, der vorgerechnet hat, dass umgehende Investitionen in Klimaschutz über 80 % der Kosten sparen, ist nach wie vor gültig. Jedoch wegen ihrer Langfristigkeit sind diese Maßnahmen unattraktiv für die Politik, die meist nur auf kurzfristige Erfolge und Wählerstimmen setzt. Daher ist es umso wichtiger, dass sich die Zivilgesellschaft um diese Anliegen intensiv selbst kümmert.

Wie kann und sollte sich die Stadt Hamburg beim Klimawandel noch stärker engagieren? Welches sind die wichtigsten Handlungsfelder?

Die Handlungsfelder in Hamburg sind vielseitig. Es geht darum, dass wir nicht die meisten und billigsten Wohnungen bauen, sondern die besten und klimaneutralsten Wohnungen, die auch in der Zukunft wegen nicht expandieren der Energiekosten von den Mietern finanziert werden können. Es geht nicht darum, dass wir ein paar Radwege bauen sondern darum, das gesamte und derzeitige nicht erkennbare Mobilitäts-Konzept in Hamburg auf nachhaltige Beine zu stellen. Das aktuelle Hafenmodell in Hamburg ist überholt und die Menschen leiden unter der schlechten und giftigen Luft der Schiffe und des Kohlekraftwerks in Moorburg. Das ist politisch unverantwortlich und aus Sicht der europäischen Union weder zulässig noch auf längere Sicht wählerfreundlich. Hamburg hat peinlich wenig solarzellenbedeckte und begrünte Hausdächer, ein Umstand der unmittelbare geändert werden muss und kann.

Wie sensibilisiert sind die Hamburger für das globale Problem Klimawandel und wie hoch ist deren Bereitschaft, sich auf unterschiedlichen Wegen und Ebenen dafür einzusetzen?

Lässt sich eventuell anhand der Teilnehmerzahlen der Klimawoche über die letzten Jahre eine Verbindung ziehen?

Das Interesse ist generell groß, aber der Handlungsdruck erstaunlich gering. Letztendlich werden die meisten Entscheidungen nur mit dem Blick auf den Geldbeutel oder den Kontostand getroffen. Wichtiger wäre unser Glücklichsein unsere Gesundheit und die Zukunft unserer Kinder und den Frieden auf der Welt inklusive dem damit zusammenhängenden Flüchtlingsproblem im Blick zu haben. Alles hängt miteinander zusammen und ist abhängig von unserem persönlichen nachhaltigen Handeln. Hier sind wir noch relativ am Anfang.

Suchen Sie aktuell noch Unterstützer, eventuell sogar schon für das 10 jährige Jubiläum der Hamburger Klimawoche? Wer kann sich in welcher Form bei der Klimawoche noch beteiligen?

Ein Anliegen wie der Klimaschutz kann nicht genügend Unterstützung haben. Wir freuen uns über jegliche ideelle wie auch finanzielle Hilfe. Wir freuen uns sehr, dass wir bereits jetzt schon auch die zehnte Jubiläumsklimawoche vorbereiten und hoffen, dass wir genügend viele und starke Partner zusammen bekommen, um beispielsweise auch den Hamburger Rathausmarkt wieder attraktiv bespielen zu können.

Welche Strahlkraft hat die Hamburger Klimawoche auf andere Städte? Sehen Sie vielleicht sogar einen Wissens- und Praxistransfer?

Die Hamburger Klimawoche ist und war als Pionier-Veranstaltung bereits Vorbild für zahlreiche weitere Initiativen und zahlreiche überregionale Klimawochen. Das große Netzwerk der Hamburger Klimawoche umfasst viele Akteure sogar aus dem gesamten europäischen Raum. Darauf sind wir sehr stolz und nutzen diese positive Energie der Veranstaltung konsequent, um sie mit viel Freude und Enthusiasmus weiterzuentwickeln.

Vielen Dank

Weitere Infos unter www.klimawoche.de





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