Die GREEN CYCLES
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Die GREEN CYCLES

Am 23. Mai 2014 findet im Department Design der HAW Hamburg das Symposium Corporate Social Responsibility (CSR) im Textilen Kreislauf  die "GREEN CYCLES" statt. Wir unterhielten uns mit den Veranstaltern Frau Prof. Brink und Herrn Prof. Kugler.

Am 23. Mai 2014 findet im Department Design der HAW Hamburg das Symposium Corporate Social Responsibility (CSR) im Textilen Kreislauf  die "GREEN CYCLES" statt. Wir unterhielten uns mit den Veranstaltern Frau Prof. Brink und Herrn Prof. Kugler.

UMWELTHAUPTSTADT.de: Am 23. Mai 2014 richten Sie im Department Design der HAW Hamburg das Symposium Corporate Social Responsibility (CSR) im Textilen Kreislauf  die "GREEN CYCLES" aus, worum geht es hierbei genau?

PROF. RENATA BRINK: GREEN CYCLES ist als Symposiumsreihe mit je einer Veranstaltung pro Jahr konzipiert. Die allgegenwärtig, aus verschiedenen Blickwinkeln, geführten Diskussionen der Nachhaltigkeit möchten wir in einen textilen Kontext bringen. Die Erweiterung des Begriffs textile Kette unter einem integrierten, nachhaltigen Ansatz steht dabei im Focus. Jedes Jahr werden neue Schwerpunkte gesetzt (2014 UP- RECYCING), aktuelle Entwicklungen und Konzepte werden thematisch aufbereitet und in einem Vortragsprogramm zusammengeführt. Wir wollen ein Plattform zur Weiterbildung rund um den nachhaltigen textilen Kreislauf etablieren.

An wen richtet sich die Veranstaltung?

PROF. PATRICK KUGLER: Unser Symposium richtet sich gleichermaßen an Alumnis, Studierende, Lehrende und Interessierte aus der Industrie, dem Einzelhandel und der Forschung oder Freiberuflerinnen/er aus dem Design und Produktmanagement-Umfeld. 

Die GREEN CYCLES nehmen sich den Themen/Problemen „Überproduktion und kurze Lebenszyklen“ an und wollen hierzu innovative Ideen und Konzepte präsentieren. Können Sie ein paar Beispiele geben?

Überproduktionen und kurze Lebenszyklen sind nur einzelne Aspekte im Rahmen eines nachhaltigen textilen Kreislaufs. Der Ansatz einer ganzheitlichen Betrachtung sollte im Focus sein. Schließlich kann auch ein textiles Produkt, produziert zur Bedarfsdeckung und langem Lebenszyklus, ökologisch bedenklich sein.

Es gibt zunehmend kleinere Labels und start-ups, die am Markt mit Konzepten und Strategien, die auf die Überproduktion reagieren und Lebenszyklen von Textilien ins Visier nehmen. schmidttakahashi aus Berlin arbeiten gezielt mit entsorgten Textilien, die einer aufwertenden Umarbeitung und der Anfertigung von Einzel- und Lieblingsstücken zu hochwertiger Mode werden. Lebenszyklen verlängern will auch Magdalena Schaffrin, die ihren Anspruch an ihr Schaffen als "Eco Deluxe" bezeichnet.

Die Ausrichtung eines Produktmanagement und Entwicklung textiler Produkte nach dem Cradle to Cradle® Designkonzept sind weitere Ansätze in diesem Zusammenhang.

Welche Beachtung findet das Thema CSR aktuell Ihrer Meinung nach in der Bekleidungsindustrie besonders bei Massenproduzenten wie Zara, H&M oder UNIQLO?

Auch bei einigen großen Marken gibt es vorsichtige Versuche sowohl soziale als auch ökologische Verantwortung im Produktportfoliozu berücksichtigen. Allerdings sind diese Bestrebungen aufgrund einer fehlenden einheitlichen Zertifizierung in der Textil- und Modebranche sehr wenig transparent und für Konsumierende schwer nachzuvollziehen.

Welche CSR Best-Practice-Beispiele kennen Sie in dieser Branche?

Patagonia, vaude sind einige erfolgreiche Besispiele.

Kennen Sie kleine Produzenten, die in gewisser Hinsicht Vorbild für die Großen sein können und viceversa?

Die Produktion der Freitag-Taschen aus aufgearbeiteter Lastwagenplane ist ein gutes Beispiel für eine Konzeptidee aus dem spezifischen Kontext der Fahrradkuriere, die zunächst in kleinem Umfang begonnenen wurde und die sich innerhalb von 20 Jahren eine ernst zu nehmende Position am Markt erarbeitet hat. 

armedangels als junges erfolgreiches Streetware-Label setzen auf ausgesuchte, zertifizierte Materialien, deren Haltbarkeit gepaart ist mit aktuellem und begehrlichem Design.

Die schwedische Denimmarke Nudie Jeans belegt, dass coole, nachhaltig gefertigte Produkte aus Bio-Baumwolle Kult werden können.

Upcycling, Second-Life oder Tausch sind weltweit betrachtet immer noch absolute Nischen-Modelle. Was müßte die Industrie und was der Konsument ändern, damit der Kleiderkonsum nachhaltiger stattfindet?

Wie alle Avantgarde im 20. Jahrhundert sind die zeitgenössischen kritischen Strategien im Konsum-Verhalten von Mode und Design momentan für den Mainstream schwer vorstellbar. Zeit und Kontinuität sind hier Faktoren, die diese Nischen-Ideen wieder selbstverständlicher werden lassen. Sie gab es ja alle schon - z.B. in Zeiten der Not oder in vorindustrieller Zeit. Die heutige globale Industrie-Maschinerie kann auf diese Trends wohl lediglich reagieren - sie erfindet sie jedenfalls nicht. Das tun die Kreativen und die kulturelle Subkultur - sie zeigen Möglichkeiten des Wandels auf, 

Von Konsumierenden-Seite gibt es langsame Bewusstseins- und Blickwinkelveränderungen auf die Geschehnisse in der Textil- und Modeindustrie, die zumindest zu Strömungen veränderten Kaufverhaltens und einem vorsichtigen Nachdenken über Gewohnheiten des Erhalts führen. Die ethische Verantwortung der Industrie müsste von dieser zumindest anerkannt werden. Das wäre ein erster Schritt.    

Internet-Plattformen wie Kleiderkreisel.de sind in der letzten Zeit unglaublich schnell gewachsen und haben sich eine große Community aufbauen können. Wie erklären Sie sich einen solchen Erfolg?

Dieser spielerische und lustbetonte Austausch von Dingen und Besitz über das WWW. ist ja eine Erweiterung des ansonsten virtuellen Kommunizierens im Netz. Sie stellen eine Art Pendant zur Anonymität der Netzwelt dar, oder eben eine dinghafte Erweiterung - die neuen Kommunikationsformen im Internet ermöglichen diese eben rasante Verbreitung, den Zulauf - denn wer verkleidet sich nicht gern? Und Mode, Bekleidung und Accessoires haben viele Menschen in der westlichen Welt im Überfluss - Tausch, Verleih und Schenkung sind denn auch Möglichkeiten sehr individualistischer Veränderung in Zeiten der allgegenwärtigen und zumeist zugänglichen Massenware.  

Was meinen Sie, wie "fair" ist die weltweite Kleiderproduktion in fünf Jahren?

Die weltweite Kleiderproduktion wird sich aufgrund von wirtschaftlichen Interessen innerhalb der globalisierten Welt sicher nur sehr langsam - und wenn auch am ehesten durch Veränderungen im Konsumverhalten - verändern. So sind 5 Jahre trotz schneller und kurzer Modezyklen eine eher kurze Zeitspanne. Allerdings verstärken sich möglicherweise Seitenlinien, um Wünsche und Anforderungen veränderter Konsumwünsche zu bedienen: das allgemeine kollektive Unterbewusste pendelt bereits jetzt in eine sozial- und umweltverträglichere Richtung - dieses auch durch die Veröffentlichungen und Berichterstattungen der letzten Jahre.

Die legislative Ausrichtung der einzelnen am textilen Wertschöpfungsprozess beteiligten Staaten wird zu beachten sein. Ohne gesetzgebende Unterstützung wird die „faire Kleiderproduktion“ nur in einem Nischenmarkt zu finden sein.

Infos zur Person:

Prof. Renata Brink

Nach einer Ausbildung zur Handweberin in England und einem TEXTIL-Studium am Goldsmiths College in London war Renata Brink freiberuflich künstlerisch-gestalterisch tätig. Ihre textil-basierten Flächen, Produkte und Installationen sind sowohl Auftragsarbeiten als auch für Privatkunden, Museen und andere Institutionen konzipiert. Seit 2007 ist Renata Brink Professorin im Department Design an der HAW Hamburg – seit 2010 leitet sie die Design-Studienrichtung TEXTIL.

Prof. Patrick Kugler

Professor Patrick Kugler hat vor seiner Berufung viele Jahre in leitender Funktion für verschiedene Unternehmen Expertisen entlang der textilen Kette erworben.

Seit 2007 ist er Dozent an der HAW Hamburg mit den Lehrgebieten Produktmanagement, Supply Chain Management und CSR im textilen Kreislauf. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er auch als Berater aktiv.



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