Ein Interview mit Dr. Uwe Sayer, Geschäftsführer der Organisation FSC
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Ein Interview mit Dr. Uwe Sayer, Geschäftsführer der Organisation FSC

Die Förderung einer umweltfreundlichen, sozialförderlichen und ökonomisch tragfähigen Bewirtschaftung von Wäldern - das ist die Mission des Forest Stewardship Council® (FSC).

Die Förderung einer umweltfreundlichen, sozialförderlichen und ökonomisch tragfähigen Bewirtschaftung von Wäldern - das ist die Mission des Forest Stewardship Council® (FSC).

Das Interview führte Marcus Noack

Die gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation FSC wurde 1993 als ein Ergebnis der Konferenz Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro gegründet. Was ist die Hauptaufgabe des FSC®?

Die Förderung einer umweltfreundlichen, sozialförderlichen und ökonomisch tragfähigen Bewirtschaftung von Wäldern - das ist die Mission des Forest Stewardship Council® (FSC). Dies versucht er durch die Entwicklung von Zertifizierungsstandards für Waldbesitzer und die Verarbeitungskette zu gewährleisten. Damit der Verbraucher unterscheiden kann, welches Produkt aus zertifizierten und somit vorbildlich bewirtschafteten Wäldern stammt, werden die Produkte mit dem FSC-Siegel gekennzeichnet.

Darüber hinaus bildet der FSC eine Plattform für alle am Wald interessierten Interessensgruppen und bildet eine Beteiligungsmöglichkeit an verantwortungsvoller Waldwirtschaft. Jeder kann bei uns Mitglied werden und mitdiskutieren. Ziel ist einen gesellschaftlich breit getragenen Konsens zur Waldbewirtschaftung zu erhalten.


Das FSC-Label soll ein eindeutiger Indikator dafür sein, dass die gesamte Verarbeitungs- und Handelskette eines Holz- oder Papierproduktes nicht mit nicht-zertifiziertem, also nicht kontrolliertem, Holz oder Papier vermischt wird. Wie können Sie das sicherstellen?

Zum einen durch strikte Standards, regelmäßige Kontrollen und transparente Berichterstattung. Jeder FSC-zertifizierte Betrieb wird jährlich überprüft, die Prüfberichte sind öffentlich zugänglich. Jedes Glied in der sogenannten Produktkette vom Wald über die verschiedenen Verarbeitungsstufen bis hin zum fertigen Produkt muss zertifiziert sein. Denn nur wenn die Produktkette geschlossen ist, können die Warenflüsse und –mengen kontrolliert werden und so eine unerlaubte Mischung mit unkontrollierten Quellen vermieden werden.


Es wurden zehn Prinzipien und 56 Indikatoren entwickelt, auf denen die weltweit gültigen FSC-Standards zur Waldbewirtschaftung basieren. Welche sind das beispielsweise?

Die 10 Prinzipien berücksichtigen in gleicher Weise ökologische, soziale und ökonomische Kriterien, z.B. geht es darum die Rechte indigener Völker zu schützen, Arbeitssicherheit zu gewährleisten, seltene Tier- und Pflanzenarten zu schützen, schonende Holzernteverfahren anzuwenden und einen nachhaltigen Bewirtschaftungsplan zu erstellen.

Weitere Infos zu den 10 Prinzipien des FSC gibt es hier.


Wie stellen Sie sicher, dass der Verbraucher weiß, dass er mit FSC-gelabelten Produkten einen aktiven Beitrag zu nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder rund um den Globus leistet? Ist der Bekanntheitsgrad des Labels ausreichend hoch?

Der Bekanntheitsgrad des FSC-Labels hat in den letzten Jahren nicht zuletzt durch Marketingaktionen großer Akteure wie Tetra Pak, Otto oder Melitta zugenommen. Auch die Tatsache, dass immer mehr Alltagsprodukte in den Discountern wie bei Lidl, Kaufland oder dm und Baumärkten Hornbach, Obi und Max Bahr verfügbar sind, hat dazu geführt, dass immer Verbraucher das Label kennen. Leider bleibt es häufig noch bei der bloßen Wiedererkennung. Wofür das FSC-Siegel steht wissen leider noch zu wenige. Dies zu ändern und verstärkt auch Verbraucheraufklärung sehen wir als eine unserer zentralen Aufgaben. Große Unterstützung erhalten wir dabei u.a. auch durch die Umweltverbände, die ebenfalls in ihrer Kommunikation den FSC erklären. Ein gutes Vorbild was die Verbraucherbekanntheit angeht ist für uns Großbritannien, dort ist die Bekanntheit in den letzten vier Jahren von 19% auf 42% gestiegen.


Was können sich die Menschen für den Schutz der Wälder engagieren? Was kann jeder Mensch direkt und indirekt tun?

Nachhaltigkeit fängt bei jedem Einzelnen an. Denn jeder ist Konsument und kann durch sein Kaufverhalten Einfluss nehmen auf Produkte und damit die Umwelt. Ich kann vieles für den Wald tun. Ein wichtiger Aspekt ist z.B. die Reduktion von unnötigem Verbrauch z.B. bei Papier. Ein anderer wichtiger Aspekt ist natürlich die Steuerung von Produktionsbedingungen über bewußten Einkauf von zertifizierten Produkten. Bei Lebensmitteln ist dies z.B. das Bio-Siegel, bei Fischen sind dies Produkte mit dem MSC-Siegel und bei Holz- und Papierprodukten eben das FSC-Siegel. Viele Verbraucher sind sich ihrer Verantwortung der Produktsteuerung durch ihr Konsumverhalten immer noch nicht bewußt. Hier muss noch viel Aufklärungsarbeit von allen Seiten stattfinden.

Haben Sie wünsche an die Politik - müssten in Deutschland und Europa einige Weichen anders gestellt werden?

Ja, es ist bedauerlich, dass in Deutschland die Verbreitung des FSC häufig noch von politischen Strömungen abhängig und es dabei häufig wenig um sachliche Argumente oder um echte Nachhaltigkeit geht. Nach wie vor wird viel über Nachhaltigkeit geredet aber nur wenig konkret getan. Momentan ist allerdings auch der politische Zeitgeist eher im Sinne unserer Sache. Durch die grüne Regierungsbeteiligung in einigen Bundesländern wie NRW, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg werden und wurden in diesem Jahr wichtige Entscheidungen für die FSC-Zertifizierung großer Landeswaldflächen getroffen. Wünschenswert aus unserer Sicht wäre eine neue Offenheit für Nachhaltigkeitsdebatten sowie ein langfristigeres Denken seitens der Politik und von Interessensverbänden der Wirtschaft, denn nachhaltige Forstwirtschaft geschieht in anderen Zeiträumen als einer Legislaturperiode oder Jahresbilanz.



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