Förderpreis für Integration
Politik, Kultur & Wissenschaft

Förderpreis für Integration

Jungen Menschen mit schlechten Startchancen eine Chance auf eine Berufsausbildung bzw. eine Arbeitsstelle geben.

Jungen Menschen mit schlechten Startchancen eine Chance auf eine Berufsausbildung bzw. eine Arbeitsstelle geben.

Mehr zu den Themen:   integration
15.07.2016

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Effing bis zum 30. Juni 2016 konnten sich Unternehmen, Schulen und Vereine für den mit insgesamt 100.000 Euro dotierten DEICHMANN-Förderpreis für Integration bewerben. Welche Art von Förderung möchten Sie hierdurch unterstützen?

ULRICH EFFING: DEICHMANN sucht Projekte und zeichnet sie aus, die jungen Menschen mit schlechten Startchancen eine Chance auf eine Berufsausbildung bzw. eine Arbeitsstelle geben. Es gibt Unternehmen, die nicht nur auf Noten schauen, Schulen, die speziellen Sprach- und Förderunterricht anbieten und Initiativen, die Freizeit- sowie Bildungsangebote für Benachteiligte entwickeln. Aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen sind natürlich zunehmend Angebote für Integrationsmaßnahmen in den Blick gerückt. Hilfe zur Integration kann nicht nur durch öffentliche Instutionen bewältigt werden. Hier ist die Unterstützung durch Initiativen und Privatpersonen, aber auch durch Unternehmen unverzichtbar. Von erfolgreicher Integration kann ein Land wie Deutschland profitieren. Das ist aber mit viel Arbeit verbunden. Projekte, die hier großes Engagement zeigen, werden mit dem DEICHMANN-Förderpreis ausgezeichnet. Alle Initiativen von Unternehmen, Schulen und Vereinen können sich jedes Jahr unter www.deichmannfoerderpreis.de für den mit 100.000 Euro dotierten Preis bewerben.

Sie richten Ihren Förderpreis zum 12. Mal aus. Wie kam es ursprünglich zu diesem Engagement und wie sind Ihre Erfahrungen aus den letzten Jahren, konnten Sie etwas bewegen?

Wir waren immer wieder überrascht, wieviele neue Projekte sich Jahr für Jahr bewerben. Es gibt offenbar ein großes Maß an Kreativität und Energie, sich für Benachteiligte einzusetzen. Die Preisträger haben uns immer wieder bestätigt, wie wichtig die öffentliche Auszeichnung für die Wahrnehmung der Projekte in der jeweiligen Region ist.

Was aus den Projekten der vergangenen Jahre geworden ist, zeigt Jury-Mitglied Michael Jungblut in dem Buch: „44 Erfolgsmodelle gegen Jugendarbeitslosigkeit“ (Linde Verlag). Er stellt Initiativen von Unternehmen, Schulen und Vereinen vor, die benachteiligten Jugendlichen eine Chance geben – alle wurden in den zurückliegenden Jahren mit dem DEICHMANN-Förderpreis ausgezeichnet. Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Buches ist: Der Erfolg hängt häufig nicht von teuren Förderprojekten, sondern von bürgerschaftlichen Engagement Einzelner im Bildungssystem und in Betrieben ab.

In seinem Buch beschreibt Jungblut viele der Preisträger-Konzepte. Einige stellt er als Leuchtturmprojekte vor und blickt dort intensiver hinter die Kulissen und beschreibt, wie durch stärkere Kooperation zwischen Wirtschaft, Schule und öffentlichen Einrichtungen auch scheinbar hoffnungslose Fälle den Sprung ins Berufsleben schaffen.

Ein solches Beispiel ist der Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer (AAU) in Nürnberg mit seinem Geschäftsführer Rainer Aliochin. Die  Organisation koordiniert und unterstützt die Ausbildung in vielen kleinen Betrieben, bei denen die Inhaber selbst einen Migrationshintergrund haben und aufgrund ihrer Betriebsgröße  keine komplette Ausbildung von Jugendlichen übernehmen können. Durch eine Verbundlösung werden hier Ausbildungsplätze geschaffen, die es sonst nicht gäbe.

Der AAU koordiniert alle überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen, bietet Nachhilfe an, wenn bei den Jugendlichen Defizite festgestellt werden und hilft bei der Vorbereitung auf die Prüfungen der Auszubildenden. Der AAU bietet inzwischen 31 Lehrberufe und arbeitet mit 130 Unternehmen aus der Region zusammen. Bis Mitte 2014 haben bereits über 500 Jugendliche aus vierzig Nationen ihre Berufsausbildung beim AAU begonnen und auch erfolgreich abgeschlossen.

Der DEICHMANN-Förderpreis für Integration gliedert sich in drei Kategorien. Welche sind das und warum haben Sie hier eine Unterteilung vorgenommen?

In der Kategorie 1 werden kleine und mittlere Unternehmen ausgezeichnet. In der zweiten Kategorie können sich Vereine, öffentliche Initiativen, kirchliche Organisationen sowie private Engagements bewerben. Hier geht es beispielsweise um regelmäßigen Sprachunterricht oder die Vermittlung von Kontakten und Weiterbildungsmaßnahmen. In der dritten Kategorie werden schulische Präventivmaßnahmen gesucht. Projekte einer Schule kann man kaum mit einem Unternehmen vergleichen – daher die Aufteilung in drei Kategorien.

Eines der brisantesten Themen für Wirtschaft und Politik ist die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Konnten Sie hierzu bereits erste Erfahrungen machen, die Sie gerne weitergeben möchten?

Die erste und größte Herausforderung, vor der Asylsuchende zunächst stehen, ist die Sprachbarriere. Sprache ist der Schlüssel zur Bildung und damit zur Integration: Sie müssen die  deutsch Sprache erlernen, damit sie hier zur Schule gehen können, einen Ausbildungsplatz erhalten und nachhaltig in die Gesellschaft integriert werden können. Wie man mit dieser Herausforderung umgeht, zeigen die Preisträger in der Kategorie „Schulische Präventivmaßnahmen“ in vorbildlicher Weise. In dieser Kategorie werden Schulen ausgezeichnet, die spezielle Programme anbieten, um benachteiligte Schüler gezielt zu fördern. So hat eine Schule beispielsweise extra Klassen eingerichtet, in denen jungen Flüchtlingen die deutsche Sprache beigebracht wird.

Ist der Schulabschluss erreicht, steht die Suche nach der richtigen Ausbildung an. Doch Lehrstellen bleiben den jungen Flüchtlingen und auch anderen benachteiligten Jugendlichen häufig verwehrt: Laut des Berufsbildungsberichts 2015 blieben im letzten Jahr 20.900 Bewerber ohne Ausbildungsvertrag. [1] Häufiger Grund ist, dass die Bewerber aus Sicht der Unternehmen nicht die benötigten Qualifikationen mitbringen. Aber es gibt Unternehmen, die sich genau dieser Jugendlichen annehmen und ihnen, trotz fehlendem Schulabschluss, mangelnder Sprachkenntnisse oder langfristiger Arbeitslosigkeit, einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen. Diese werden beim DEICHMANN-Förderpreis in der Kategorie „Berufliche Förderung durch Unternehmen“ ausgezeichnet.

Haben Sie Einsatzmöglichkeiten für Flüchtlinge und welche Erwartungen und Qualifikationsansprüche richten Sie an Flüchtlinge bei der Vergabe von Jobs?

Unser Unternehmen ist bereit Bewerbern, die als Flüchtlinge gekommen sind, eine Chance zur Ausbildung zu geben. Im Einzelhandel ist es aber unerlässlich, dass man die deutsche Sprache sicher beherrscht. Das ist bei vielen Kandidaten noch nicht der Fall. Daher arbeiten wir seit einigen Monaten mit einem Bildungsträger zusammen, der Flüchtlinge auf verschiedene Berufsfelder vorbereitet, bevor sie in die Praxis gehen. Wir hoffen, dass so eine Brücke in den beruflichen Alltag gebaut werden kann.

Die TV-Moderatorin Nazan Eckes ist Teil der Jury und zudem Schirmherrin des DEICHMANN-Förderpreises. Was qualifiziert Frau Eckes zum Jury-Mitglied?l

Aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung mit dem Thema Integration ist Nazan Eckes ein wichtiger Teil des Förderpreises. So ist sie bereits seit drei Jahren Schirmherrin des DEICHMANN-Förderpreises und wird auch bei der Verleihung 2016 erneut die Schirmherrschaft übernehmen. Zudem sitzt sie dieses Jahr erstmalig in der Jury und wirkt bei der Wahl der Sieger aus den zahlreichen Bewerbungen mit. Da die Familie der 39-Jährigen ursprünglich aus der Türkei stammt, weiß sie, welche Herausforderungen es mit sich bringt, sich in einer anderen Kultur zurechtfinden zu müssen. „Mein Vater hat mir von klein auf beigebracht, dass Integration nur mit einer beruflichen Perspektive zu leisten ist. Grundvoraussetzung hierfür ist eine gute Schulbildung und das Beherrschen der deutschen Sprache. Der DEICHMANN-Förderpreis zeichnet Initiativen aus, die hier ansetzen und Kinder und Jugendliche unterstützen.

Wie wird es in Zukunft mit dem DEICHMANN-Förderpreis weitergehen?

Der Förderpreis wird nun seit mehr als zehn Jahren ausgeschrieben und ist derzeit aktueller denn je.

 

Informationen zum Thema:

http://www.deichmann-foerderpreis.de/


[1] Quelle: Berufsbildungsbericht 2015 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, 2015



Kommentare
Kommentare
Kind
10.10.2016
Tolle Idee mit dem Förderpreis. Wenn die Leute arbeit haben, werden Sie sich mM nach auch besser und leichter integrieren lassen.

Kommentar erstellen
Name *
E-Mail *
URL
Kommentar *


Grüne Unternehmen