Das sind Deutschlands grünste Städte
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Das sind Deutschlands grünste Städte

Sie sind Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit: Wir zeigen euch die drei grünsten Städte Deutschlands und erklären euch, was sie so einzigartig macht.

Sie sind Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit: Wir zeigen euch die drei grünsten Städte Deutschlands und erklären euch, was sie so einzigartig macht.

28.02.2018| Ein Beitrag von Bianca Schillinger

Drittplatziert: Gelsenkirchen

Die Stadt im Ruhrgebiet kam beim diesjährigen Nachhaltigkeitspreis unter die Top 3. Die Platzierung verdankt sie einem gekonnten Mix aus Initiativen für Bildung, Entwicklung, Geflüchteten-Arbeit und Umweltschutz. Eine große Errungenschaft, die Gelsenkirchen den meisten deutschen Großstädten voraus hat, sind die breit gefächerten Partizipationsformate. Diese werden nicht nur von der Stadt angeboten, sondern auch sehr gut von den Bürgern aufgenommen. Viele der 263.000 Einwohner engagieren sich in Bezirksforen, Kreativwerkstätten und FabLabs, wo sie ihren Meinungen und Ansichten Gehör verschaffen können.

Das Engagement der Stadt brachte ihr bereits zum Vierten Mal den Titel "Stadt der UN-Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)" der UNESCO ein. Zu den zahlreichen Angeboten für Chancengleichheit und Bildung gehört zum Beispiel die Teilnahme am Wettbewerb „Zukunftstadt“. Hierfür entwickelten Bürger, Wissenschaft und Politik gemeinsam ihre Version für 2030, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Eine weitere spannende innitiative ist die Einrichtung der „KreativWerkstatt“, die sich an Kinder und Jugendliche richtet. Die zahlreichen Workshops und Projekte gliedern sich in drei große Kategorien: „Künstlerisches Gestalten“, „Naturbegegnung und -wissenschaften” sowie „Neue Medien”.

Kreativ genutzt werden die Überbleibsel aus Industriezeiten: Auf der ehemaligen Zeche „Hugo“ entstanden beispielsweise ein Biomassepark und das Projekt „Wildnis in der Stadt“. Der „Zechenwald-Dschungel“ wuchert auf der „Halde Rheinelbe“ und bietet der Natur auf 205 Hektar Raum, sich ungestört zu entfalten. Seit 2001 können Kinder zwischen 5 und 12 Jahren außerdem ein „Umweltdiplom“ ablegen. Über 47 Partner bieten zahllose Veranstaltungen an, vom Wildnistraining über Honigschleudern bis zu einer Windwerkstatt.

Zweiter Platz: Aachen

Eine der größten Städte Nordrhein-Westfalens (255.000 Einwohner) punktet mit bemerkenswerten Maßnahmen für eine nachhaltige Stadtentwicklung.  Die umfangreichen Ziele wurden im Strategiekonzept Aachen 2020 und Aachen 2030 festgehalten und die Chancen stehen gut, dass sie auch erreicht werden. Bis 2020 ist beispielsweise geplant, die CO2-Emissionen der Stadt um 40% zu reduzieren – 25% davon sind schon erreicht. Und das, obwohl Aachen sich stetig vergrößert und die Einwohnerzahlen zunehmen. Ein großer Erfolgsfaktor ist das Engagement im Bereich „energieeffizientes Bauen“. Sowohl bei Altbausanierungen als auch bei Neubauten gelten strenge Regeln und Standards.

Auch auf den Aachener Straßen wird deutlich, dass man sich in einer grünen Stadt bewegt: Seit diesem Jahr sind hier 15 E-Busse der kommunalen Verkehrsbetriebe ASEAG unterwegs. Doch auch überregional ist Aachen Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Das Startup e.Go fertigt kostengünstige E-Autos für den Stadtverkehr und StreetScooter hat sich auf elektrische Nutzfahrzeuge spezialisiert. Auch die Angestellten der Stadtverwaltung können sich bald auf E-Dienstwagen freuen. Für dieses außerordentliche Engagement wurde Aachen schon zwei Mal mit dem European Energy Award ausgezeichnet.

Seit 2011 trägt die grüne Stadt den Titel „Fairtrade Town“. Zu den Kriterien dieser Auszeichnung gehören unter anderem die Einrichtung einer speziellen Steuerungsgruppe, die alle Fairtrade-Projekte koordiniert. Außerdem müssen eine bestimmte Anzahl an Geschäften, Lokalen und zivilgesellschaftlicher Einrichtungen Fairtrade-Produkte im Sortiment führen. Lehrer, Erzieher und andere Pädagogen können an Fortbildungen zu Umwelt-Themen teilnehmen. Hier lernen sie etwas zu Energiegewinnung und Ressourcenschonung und wie diese Themen am besten an Kinder weitergegeben werden.

Die nachhaltigste Stadt Deutschlands ist Hannover

Mit seinem rundum nachhaltigen Konzept zur Stadtentwicklung konnte Hannover den Titel „nachhaltigste Stadt 2018“ für sich beanspruchen. Bei der Ausarbeitung der Strategie „Mein Hannover 2030“ brachten sich 25.000 Bürgerinnen und Bürger ein und äußerten Wünsche und Anregungen. Von den 1.190 Statements, die es ins fertige Konzept schafften, werden aktuell schon 40 davon umgesetzt.

Bis 2025 verfolgt die grüne Landeshauptstadt ein ehrgeiziges Ziel: Der Anteil an Fahrradfahrern am Gesamtverkehr soll um 25% steigen. Dafür werden schon seit Jahren Radwege ausgebaut und autofreie Sonntage veranstaltet. Wer komplett auf ein Auto verzichten möchte, kann auf Lastenfahrräder zurückgreifen, die in der ganzen Stadt an Mietstationen zur Verfügung stehen. Das alles sorgt nicht nur für bessere Luft und verringerte CO2-Emissionen, sondern auch für einen geringeren Lärmpegel. So können die zahlreichen Grünflächen, die die „Stadt der Gärten“ ausmachen, noch entspannter genossen werden.

Damit wirklich jeder Bürger die Chance hat, von den Vorzügen der Stadt zu profitieren, setzt sich Hannover sehr für Chancengleichheit ein. Der sogenannte „Hannoversche Weg“ steht für Projekte und Veranstaltungen, die sich besonders an Kinder aus armen Verhältnissen richten. SO sollen ihre Zukunftschancen verbessert werden, beispielsweise durch Bildungsangebote und Partizipation. Wie alle deutschen Großstädte hat auch Hannover mit zunehmender Wohnungsknappheit zu kämpfen. Auf diese Entwicklung reagiert die Stadt mit einer „alter(n)sgerechten Quartiersentwicklung und fördert explizit die Schaffung und Erhaltung von bezahlbarem Wohnraum.

Ausblick: Die grünste Stadt 2019

Wer im nächsten Jahr den Titel „nachhaltigste Stadt Deutschlands“ für sich beanspruchen wird, bleibt abzuwarten. Allein von der Grünfläche her betrachtet ist Hamburg ein heißer Kandidat: Mit 310 Quadratmetern Grünfläche pro Einwohner führt sie die Rangliste der „grünsten Großstädte Deutschlands“  (ab 500.000 Einwohner) an. Auch den Titel „Umwelthauptstadt Europas“ verdiente sich Hamburg im Jahr 2011. In Zukunft wird der Fokus auf nachhaltigem Einkauf (z.B. von fair gehandelten und produzierten Möbeln und Textilien) und soziale und umweltfreundliche Stadtentwicklung gelegt werden. Bei der Planung des neuen Stadtteils Oberbillwerder werden Aspekte wie bezahlbarer Wohnraum, Klima, Energie und Verkehr von Beginn an berücksichtigt. Der Wettbewerb um den deutschen Nachhaltigkeitspreis für Deutschlands grünste Stadt bleibt definitiv spannend!

                                                                                                                  Bildquellen: Aachen: ©Geerd-Olaf Freyer via Flickr // Hannover: ©pixabay

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