BundesKongress GenderGesundheit 2016
Politik, Kultur & Wissenschaft

BundesKongress Gender-Gesundheit 2016

Im Interview mit Dr. Martina Kloepfer, Präsidentin und Organisatorin des 4. BundesKongress Gender-Gesundheit, der am 12. und 13. Mai 2016 in Berlin stattfinden wird.

Im Interview mit Dr. Martina Kloepfer, Präsidentin und Organisatorin des 4. BundesKongress Gender-Gesundheit, der am 12. und 13. Mai 2016 in Berlin stattfinden wird.

05.02.2016

UMWELTHAUPTSTADT: Frau Dr. Kloepfer, auch letztes Jahr haben wir mit Ihnen ein Interview zum BundesKongress Gender-Gesundheit geführt. Was sind die Themen des diesjährigen Kongresses?

DR. MARTINA KLOEPFER: Zumindest in der Gesundheitspolitik sind geschlechterspezifische Aspekte in Medizin und Versorgung als wichtiges Gestaltungskriterium angekommen. Sowohl im Koalitionsvertrag als auch in einigen konkreten Gesetzentwürfen wird explizit die Berücksichtigung unterschiedlicher geschlechtsspezifischer Notwendigkeiten angemahnt. Wie aber werden diese Anforderungen in den zahlreichen von der aktuellen Bundesregierung in Angriff genommen Gesetzesvorhaben und Gesetzen tatsächlich gelebt? Was bedeuten geschlechterspezifische Ansätze in der Qualitätssicherung, in der Forschung, in der Prävention oder in der Pflege? Und wie lassen sich in der tatsächlichen Versorgungsrealität praktisch verwirklichen?

Der 4. Bundeskongress Gender-Gesundheit wird sich besonders diesen Überlegungen widmen, und er wird auch kritisch hinterfragen, ob die Bemühungen der Politik dann tatsächlich von den Verantwortungsträgern in der Selbstverwaltung aufgegriffen und adäquat umgesetzt werden. Hierzu soll auch die Politik in ihren Erwartungen, Zielen und Möglichkeiten befragt werden.

Was möchten Sie mit der „Reihe“ BundesKongress Gender-Gesundheit erreichen?

Eigentlich möchten wir es schaffen, dass dieser Kongress irgendwann mal nicht mehr in dieser Form nötig ist. Das heißt, dass wir erreichen möchten, dass geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung standardisiert wird – in Politik und Medizin – und wir nicht jedes Jahr wieder und wieder darauf hinweisen müssen, welche Potentiale dieser „kleinste gemeinsamer Nenner“ einer individualisierte Medizin hat. Sie muss in unserem Gesundheitssystem etabliert werden und „dazugehören“.

Dieses Jahr liegt der medizinische Schwerpunkt im Bereich Onkologie. Warum?

Richtig. Medizinisch wird sich der 4. Kongress Gender-Gesundheit der onkologischen Versorgung zuwenden. Denn abgesehen von nachvollziehbaren geschlechterspezifischen Versorgungsnotwendigkeiten (beispielsweise bei Gynäkologie und Urologie) fangen wir erst allmählich an zu verstehen, dass Gender-Aspekte auch in Prävention, Kuration und Palliation „geschlechtsneutraler“ onkologischer Erkrankungen eine bedeutsame Rolle spielen. Gemeinsam mit profunden Praktikern möchte der Gender-Kongress hier Aufmerksamkeit generieren und Lösungsansätze skizzieren.

Was muss bzw. kann die Politik aus ihrer Sicht im Bereich Gender-Gesundheit/Gender-Medizin leisten?

Veränderungen brauchen Zeit und Personen, die diese Veränderungen vorantreiben: Mittlerweile hat es die Gendermedizin/Gendergesundheit sogar in den §2b Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) geschafft. Dort heißt es: „Bei den Leistungen der Krankenkassen ist geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen.“ Und im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD wurde festgehalten: „Wir wollen die Besonderheiten berücksichtigen, die sich aus der Frauen- und Männergesundheitsforschung insbesondere für die gesundheitliche Versorgung und die Erarbeitung von medizinischen Behandlungsleitlinien ergeben.“

Jedoch müssen wir weiter die notwendigen Strukturveränderungen im System angehen, um dem beispielsweise drohenden Pflegenotstand und dem Ärztemangel zu begegnen und die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen. Neue Arbeitszeitmodelle, flachere Hierarchien und eine bessere Kooperation zwischen den Gesundheitsberufen sind hierfür die Grundlage. Dort muss die Politik intervenieren.

 

4. BundesKongressGenderGesundheit 2016 in Berlin

Schirmherrschaft: Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales (Berlin)

Präsidentin: Dr. Martina Kloepfer

Donnerstag, 12. Mai 2016 und Freitag, 13. Mai 2016

09:00 Uhr – 22:00 Uhr

09:00 Uhr – 13:00 Uhr

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften | Jägerstr. 22| 10117  Berlin

 

Programminformationen und Anmeldung unter:
http://www.bundeskongress-gender-gesundheit.de/kongress-2016/anmeldung-programm/



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