Auf das Management kommt es an
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Auf das Management kommt es an

Experten-Bericht: Melanie Vogel - Women and Work

Experten-Bericht: Melanie Vogel - Women and Work

07.02.2014

Auf das Management kommt es an
Am Anfang macht jede Führungskraft schmerzhafte Lernprozesse durch – das ist bei frischgebackenen Eltern nicht anders. Sie müssen Verantwortung für andere Menschen übernehmen, ohne wirklich darauf vorbereitet zu sein. Der Lebensstil, das häusliche Management, die Erziehung der Kinder – alles wird von außen beleuchtet und kommentiert – vor allem von denen, die sich für eine andere Lebensplanung entschieden haben.

Die einzigen, die aber wirklich beurteilen können, ob das „Unternehmen Familie“ in die richtige Richtung läuft und ob das gemeinsame Ziel „Vereinbarkeit“ realisierbar ist, sind die Familienmanager selbst.

Alle Vorüberlegungen und vorab getroffenen Vereinbarungen und Pläne der Eltern durchlaufen nämlich die erste Bewährungsprobe, wenn das Kind da ist. Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass die Eltern in einem permanenten Austausch bleiben und das Ziel „Vereinbarkeit“ immer wieder kritisch mit den aktuellen Gegebenheiten abgleichen. Folgende Situationen können das „Unternehmen Familie“ beeinflussen oder gar zum Scheitern bringen:

- Die Entwicklung des Kindes ist gefährdet.
- Die Geburt hat bei der Mutter gesundheitliche Nachwirkungen ausgelöst.
- Ein Elternteil spürt den Druck und die Verantwortung mit Kind stärker als das andere Elternteil.
- Dem einen Elternteil fliegt die Erziehung ganz natürlich zu, dem anderen nicht.
- Veränderungen beim eigenen Arbeitgeber machen eine Neuausrichtung des „Unternehmen Familie“ unausweichlich.
- Fest eingeplante externe Betreuungseinrichtungen fallen weg.

Jede Unternehmenskrise bedeutet für die Unternehmer gleichzeitig auch eine schwere persönliche Krise. Das ist bei Familien nicht anders, denn es gibt viel zu verlieren. Die eigenen Pläne, Wünsche und Hoffnungen – aber unter Umständen auch ein Stück der eigenen finanziellen Existenz, auf die man gebaut hat.

In diesem Fall sind die Familienmanager gut geraten, das Problem bei den Hörnern zu packen und in drei Schritten eine Lösung herbeizuführen:

1. Schritt: Problem erkennen, eingrenzen und akzeptieren Die Voraussetzung dafür ist, dass die Familienmanager sich austauschen und das Vertrauensverhältnis zwischen beiden so groß ist, dass offen über die problematische Situation gesprochen werden kann.

2. Schritt: Anspruch an sich selbst reduzieren Viele Probleme entstehen, weil sich die involvierten Personen selbst überlasten. Das ist ein Punkt, der vor allem Frauen betrifft, die die Tendenz aufweisen, in jeder Situation einhundert Prozent geben zu wollen und oft nicht loslassen oder delegieren können. Wenn sich beide Partner einig sind, dass die eigenen Ansprüche reduziert werden können, wird häufig schon ein großes Stress- und Problem-Potential im Keim erstickt.

3. Schritt: Hilfe in Anspruch nehmen Ist abzusehen, dass das entstandene Problem nicht zwischen den beiden Partnern alleine gelöst werden kann, sollte Hilfe von außen in Anspruch genommen werden. Anlaufstellen können Familienberatungsstellen sein, der Arbeitgeber, der erweiterte Familienkreis, aber genauso auch Coaches, Psychologen oder Paartherapeuten. Fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen ist kein Zeichen von Schwäche oder Versagen – es ist ein Zeichen guter Familienführung, Konflikte nicht eskalieren zu lassen.

Wettbewerb belebt das Geschäft
Sind beide Eltern nach der Erziehungszeit wieder berufstätig, beginnt die Konkurrenz der Arbeitszeit mit der eigenen Zeit, der der Kinder, der Familie und der Zeit mit dem Partner. Sehr schnell wird klar, für alle Beteiligten hat der Tag nur 24 Stunden – und die müssen sinnvoll genutzt werden. Vordringliches Ziel ist, die Kinder in der Zeit zu beschäftigen und zu betreuen, in der beide Eltern arbeiten müssen. Dieses Management müssen beide Eltern übernehmen, d.h. das Führen von Terminkalendern wird für beide Eltern zur existenziellen Aufgabe. Gemeinsame Absprachen, wer wann die Kinder abholt, wer sie zur Schule oder in den Kindergarten bringt und wer wann seine freien Tage nimmt, sind an der Tagesordnung.

Stress und Termindruck sind vorprogrammiert und ein schleichender Burnout bei allen Beteiligten nicht selten – auch bei den Kindern.

Um Überlastungen und Überanstrengungen vorzubeugen und im besten Fall gar nicht erst entstehen zu lassen, sollten folgende Regeln beherzigt werden:

1. Priorisieren Sie Ihre vorhandene Zeit, d.h. planen Sie Auszeiten für die Familie und konsequente Ruhezeiten mit den Eltern für die Kinder in Ihre Terminplanung mit ein.

2. Lernen Sie „Nein“ zu sagen zu familiären oder gesellschaftlichen Verpflichtungen, wenn Sie oder Ihre Kinder besonders stressige Tage hinter sich haben und dringend die oben erwähnte Auszeit benötigen.

3. Delegieren Sie Aufgaben im Haushalt – zum Beispiel an Haushaltshilfen.

4. Organisieren Sie Ihre Aufgaben nach Dringlichkeit und rücken Sie davon ab, überall perfekt sein zu wollen.

5. Planen Sie Urlaube und längere Auszeiten und sorgen Sie dafür, in dieser Zeit voll und ganz für die Familie da zu sein.

Die ersten Personaleinstellungen
Vereinbarkeit ist nur realisierbar, wenn externe Betreuungsstellen bzw. externes Personal in der Zeit für die Kinder da sein können, wenn die Eltern arbeiten. Fremdbetreuung bedeutet nicht, die Verantwortung der Erziehung komplett abzugeben, sondern Kinder in bestimmten Zeiten nicht alleine zu lassen und für den bestmöglichen Ersatz zu sorgen, wenn die Eltern beschäftigt sind.

Beginnen Sie daher rechtzeitig, nach qualifizierten Betreuungseinrichtungen bzw. nach qualifiziertem Personal zu suchen. Vordringliches Kriterium sollte dabei nicht nur die Nähe zum Wohnort / der Arbeitsstelle sein, sondern ob die Einrichtungen oder das eingestellte Personal mit den eigenen Erziehungszielen übereinstimmt.

Gerade wenn es um die Beauftragung von Tagesmüttern oder Babysittern geht ist es sinnvoll, das Kind in die Auswahl einzubinden und es – wenn es groß genug ist – nach seiner Meinung zu fragen. Ambivalenzen des Kindes sind nicht nur hinderlich, sondern können dauerhaft dafür sorgen, dass das Kind die Fremdbetreuung verweigert.

Vor jeder Personaleinstellung ist es daher notwendig, ein klares Anforderungsprofil an die einzustellende Person zu definieren. Richtlinien dabei können sein:

- Welche Ausbildung soll die Person mitbringen?
- Wie alt soll sie sein?
- Soll die Person nur mein eigenes Kind betreuen oder ist es vielleicht – auch für mein Kind – besser, wenn mehrere Kinder gemeinsam betreut werden?
- Zu welchen Zeiten brauche ich die Person?
- Welchen Erziehungsregeln muss sie zustimmen?

Und wie in jedem guten Unternehmen auch, so sollten Sie es sich als verantwortungsbewusster Familienmanager zur regelmäßigen Aufgabe machen, separtate Feedback-Gespräche mit Ihrem Kind und der Betreuungsperson zu führen. Schließlich verbringt die beiden einen Großteil der Zeit gemeinsam. Für Sie muss es wichtig sein zu wissen, wie diese Zeit verbracht wird und wie sich vor allem Ihr Kind damit fühlt. Gleichzeitig zeigen Sie Ihrem Kind, dass Ihnen das Wohlbefinden Ihres Kindes wichtig ist und das Sie alles tun, um die Vereinbarkeit auch für Ihr Kind so angenehm und wertvoll wie möglich zu gestalten.

Netzwerke nutzen
Neben den externen Betreuungseinrichtungen bzw. externen Betreuern können auch das soziale und familiäre Umfeld helfen, Vereinbarkeit zu erleichtern.

Sorgen Sie daher dafür, dass Sie die Eltern aus Kindergartengruppen oder der Schulklasse kennen. Wenn Sie keine Zeit haben, Ihr Kind regelmäßig von der Schule oder dem Kindergarten abzuholen, dann suchen Sie sich ein oder zwei Ereignisse im Jahr, an denen Sie z.B. Eltern und Kinder zu sich nach Hause einladen. Nutzen Sie Kindergarten- oder Schulveranstaltungen und suchen Sie Verbündete, denen es ähnlich geht wie Ihnen.

Oft sind gerade die Netzwerke anderer arbeitender Eltern besonders stark und hilfsbereit, wenn es darum geht, im Notfall mal einzuspringen.

Das Unternehmen ist etabliert - der Erfolg stellt sich ein
Die ersten Jahre einer Unternehmensgründung sind die erfolgskritischen Jahre. Überlebt ein Unternehmen die ersten fünf Jahre, ist davon auszugehen, dass eine solide Basis für die weitere Zeit gelegt ist. Werden Fehler der ersten Jahre nicht rechtzeitig erkannt und ausradiert, ist es nahezu unmöglich, diese Fehler später innerhalb eingefahrener Unternehmensstrukturen zu korrigieren.

Das gilt für das „Unternehmen Familie“ gleichermaßen. In den ersten Jahren werden die Grundpfeiler der Erziehung gelegt, Babys wachsen zu kleinen Persönlichkeiten heran, erste Freundschaften bilden sich, die kleinen Menschen werden mutiger und können auch das erste Mal bei Freunden übernachten.

Die Familienmanager können erst einmal durchatmen – und sich auf die Schultern klopfen. Denn ganz im Gegensatz zu den Unkenrufen der ewig Kritischen haben sich die Kinder aus dem „Unternehmen Familie“ zu selbstbewussten und selbständigen Kindern entwickelt.

Sie wurden von Beginn an als gleichwertige „Unternehmens-Partner“ in das „Unternehmen Familie“ integriert und in viele Entscheidungsprozesse ganz natürlich und selbstverständlich mit eingebunden. Sie hatten die Chance Anteil zu nehmen am Leben der Eltern, sie haben erfahren, dass Mama und Papa arbeiten müssen und dass Arbeit ein existenzieller Bestandteil des Lebens ist. Sie haben gelernt, anderen Menschen zu vertrauen, Freundschaften zu schließen und sie haben ihre Eltern als richtungsweisende Vorbilder kennen- und lieben gelernt.

Die Basis ist gelegt für die weiteren Jahre des „Unternehmen Familie“.

Über Melanie Vogel:
Melanie Vogel ist Geschäftsführerin der AoN – Agentur ohne Namen GmbH. Als Initiatorin der women&work, Deutschlands größtem Messe-Kongress für Frauen, wurde die AoN 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ ausgezeichnet. Melanie Vogel hat erste Frau die Ausbildung zum Innovation-Coach (Master) ausgezeichnet mit dem "Internationalen deutschen Trainingspreis 2013/2014 des BDVT bei Benno van Aerssen und Christian Buchholz absolviert, ist Mitglied im Innovations-Netzwerk der Stanford University, zertifizierte Trainerin für "Situatives Führen II" nach Ken Blanchard sowie zertifizierte DISG® -Trainerin. Sie hat außerdem am Einführungskurs "TugendProjekt" teilgenommen, Teil des weltweiten VirtuesProject®.
http://www.womenandwork.de
http://www.melanie-vogel.com



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