Astrid Christen vom Arbeitskreis Fahrradstadt Wilhelmsburg im Interview
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Astrid Christen vom Arbeitskreis Fahrradstadt Wilhelmsburg im Interview

Letztlich sind wir alle daran interessiert, dass die Menschen auf`s Rad kommen, ihre Umgebung mögen und entsprechend respektvoll behandeln.

Letztlich sind wir alle daran interessiert, dass die Menschen auf`s Rad kommen, ihre Umgebung mögen und entsprechend respektvoll behandeln.

Frau Christen, Sie engagieren sich ehrenamtlich für den Arbeitskreis Fahrradstadt Wilhelmsburg. Was möchten Sie mit dem Arbeitskreis erreichen?
 
Wir haben bereits gerade ganz frisch eine Zusage von Wirtschaftssenator Frank Horch erreicht, Wilhelmsburg zukünftig zu einem Modellstadtteil für den Radverkehr zu entwickeln. Einen ersten Entwurf für solch ein Radverkehrskonzept hat das Bezirksamt Hamburg-Mitte bereits beauftragt und letzten November öffentlich zur Diskussion vorgestellt.
 
Wir wünschen uns, dass viele Wilhelmsburger die vielseitige Elbinsel auf dem Rad erleben und stolz auf ihren sowie auf Hamburgs grössten Stadteil sein können. Ganz nebenbei halten sie sich fit, schützen die Umwelt und helfen, Arbeitsplätze rund um das Fahrrad zu schaffen.
 
Wer hat den Verein gegründet und wie sind Sie zum Arbeitskreis Fahrradstadt Wilhelmsburg gekommen?
 
Das Radthema hat sich aus dem informellen Arbeitskreis Wirtschaft und Beschäftigung entwickelt, ursprünglich auf der Frage gründend, wie aus den Großprojekten IBA & igs Arbeitsplätze bzw. Arbeitsgelegenheit für die Anwohner geschaffen werden könnten.
 
Wilhelmsburg lässt sich am besten mit dem Rad erkunden, bietet Naherholung und hatte damals noch zwei starke Beschäftigungsträger mit Fahrradwerkstätten, Verleih und Tourenangeboten im Programm. Folglich ging aus den lokalen Akteuren der Verein hervor.
 
Ich selbst war damals sehr stark bei Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg e.V. engagiert setzte mich dort sehr dafür ein, die A1-Norderelbquerung endlich für den Radverkehr passierbar und somit anschlussfähig zu machen für Hamburgs schönen Osten samt des erfolgreichen überregionalen Elberadweges.
 
Wie bewerten Sie die Verkehrssituation für Fahrradfahrer in Hamburg?
 
Da ist noch vieles zu machen. Viele andere Städte in Deutschland und Europa haben schon seit vielen Jahren systematisch in den Radverkehr investiert und stellen attraktive Serviceangebote für die Radfahrer bereit. Im Gegensatz zu Städten wie z.B. Kopenhagen, wo das Rad mit all seinen Facetten rund um Gesundheit, angenehme Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und dadurch gute Umsatzzahlen bei Einzelhandel und Gastronomie schon jetzt selbstverständlicher Ausdruck eines nachhaltigen Lifestyles ist, erscheinen die Rafdahrer in Hamburg immer noch ein wenig als Störenfriede für den PKW-Verkehr.
 
Wie könnte man Ihrer Meinung nach die Verkehrssituation in Hamburg durch Fahrräder entlasten, was genau müsste im Straßenverkehr geändert werden?
 
Ich schliesse mich da der Forderung der Radverbände an, den Radverkehr auf die Straße zu verlagern, weil die Radfahrer dann deutlich besser sichtbar sind und viele Unfallgefahren abgewendet werden könnten, die sich mit den jetztigen meist schmalen, unebenen Radwegen zwischen Bäumen und parkenden Autos ergeben.
 
Sichere Abstellmöglichkeiten und die Fahrradmitnahme in S- und U-Bahnen sind auch wichtig sowie die Erleichterung intermodaler Angebote, zu dem ich auch das Stadtrad zähle. Gute Angebote werden letztlich auch genutzt. Das betrifft auch Unternehmen, die ihre alltagsradelnden Mitarbeiter unterstützen, indem sie Spinde, Duschen und Parkraum stellen. Übrigens ganz eigennützig: Studien belegen, dass die Krankheitsrate in diesen Betrieben zurückgeht. Das spart signifikant Kosten.
 
Was ist der Wilhelmsburger Fahrradkongress und wann findet er statt?
 
Im Prinzip hat er schon 2010 im Rahmen eines IBA-Labors, dem Auftakt der Wilhelmsburger Radwoche stattgefunden. ich bin immer noch sehr stolz darauf, dass die Stadt Kopenhagen ihr weltweit nachgefragtes Konzept bei uns auf der Veddel im IBA-Dock präsentierte.
 
Für Hamburg wünsche ich mir, dass irgendwann einmal einer der relevanten Fahrradkongresse hier stattfinden könnte. Absolutes Highlight wäre die VeloCity oder auch ein Nationaler Kongress auf Bundesebene.
   
Wie transportieren Sie Ihre Ideen und Forderungen?
 
Die vielseitige Dokumentation der Wilhelmsburger Radwoche 2010 \"Rauf auf`s Rad\"  download www.fahrradstadt-wilhelmsburg.de) umfasst sehr anschaulich und informativ unsere Anliegen im Kontext nachhaltiger Stadtentwicklung, Gesundheitsfürsorge, Integration, Bildung, Selfempowerment und Arbeit durch das Rad.
 
Wir befinden uns im guten Kontakt mit dem Bezirksamt Hamburg-Mitte, der BSU, den Kommunalpolitikern und Radverbänden sowie mit der IBA und der igs und sogar mit der HPA. Ein gelungenes Radverkehrskonzept für Wilhelmsburg, das darüberhinaus die Bedeutung des Sprungs über die Elbe auch für die Hamburger nördlich der Elbe erlebbar macht, kann letzlich nur das Ergebnis gemeinschaftlichen Wirkens sein. Genau dieser kooperative Spirit ist ein großes Glück und unsere Stärke. Er befördert die wichtigste menschliche Ressource: Vertrauen.
 
Einige Ihrer Partner sind die Internationale Gartenschau, die IBA Hamburg und die Körber Stiftung. Worin bestehen diese Partnerschaften?
 
Zusammen mit der igs und der IBA haben wir gleichberechtigt die Wilhelmsburger Radwoche 2010 veranstaltet, die mit einem Radrennen des Radsportverbandes samt Fahrradfest endete. Stellen Sie sich vor: Eine fünffache Weltmeisterin kam in das sonst so benachteiligte Wilhelmsburg, und gewann hier auch den ersten Preis.
 
Das Resultat dieser Radwoche war der sogenannte runde Tisch mit Vertretern der BSU, des Bezirks, der HPA, Verbänden, der igs unter Federführung der IBA.
 
Mit beiden Partnern IBA und igs bestehen viele langfristige Anknüpfungspunkte zum starken Thema \"Rad\"; sei es der Freizeitrundkurs zum neuen Volkspark und das veränderte Sportverhalten der Menschen, das vermehrt im öffentlichen Raum stattfindet - oder die Entwicklungen am Spreehafen mit seiner attraktiven Aufenthaltsqualität sowie das IBA-Leitthema \"Stadt im Klimawandel\". Letztlich sind wir alle daran interessiert, dass die Menschen auf`s Radkommen, ihre Umgebung mögen und entsprechend respektvoll behandeln. Dies braucht immer ein wenig Netzwerkelei.
 
Die Körberstiftung hatte im Rahmen ihrer Jubiläumskampagne \"anstiften\" die Arbeitslosenintiative Wilhelmsburg bei ihren Radaktivitäten - der Werkstatt und dem Fahrradverlei unterstützt. Das hatte uns enorm motiviert. Wäre gut, wenn wi rhier den Faden wieder aufnehmen könnten. Die inhaltlichen Bezüge zur Stiftungsarbeit sind ja informelle Bildung und Integration durch das Rad.

 

Kontakt:

Astrid Christen

Fahrradstadt Wilhelmsburg e.V.

Tel. 040 / 23 49 32 59

www.fahrradstadt-wilhelmsburg.de

 



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