Weingut in 17. Generation
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Weingut in 17. Generation

UNTERNEHMENSVORSTELLUNG | Die Winzerei Heinz Pfaffmann gehört zu den größten privaten Betrieben Europas. Nach 399 Jahren wurde vergangenes Jahr auf Bio umgestellt. Damit sollen auch in Deutschland Bio-Weine populärer werden.

UNTERNEHMENSVORSTELLUNG | Die Winzerei Heinz Pfaffmann gehört zu den größten privaten Betrieben Europas. Nach 399 Jahren wurde vergangenes Jahr auf Bio umgestellt. Damit sollen auch in Deutschland Bio-Weine populärer werden.

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28.08.2017

LifeVERDE: Herr Hener, das Weingut Heinz Pfaffmann gehört zu den größten privaten Betrieben in Deutschland und feierte 2016 sein 400-jähriges Jubiläum. Was ist das Erfolgsrezept eines Betriebs, der mittlerweile in der 17. Generation fortgeführt wird?

Pawel Hener: Wir sind traditionsbewusst, naturnah und ehrlich. Mein Vater Gustav Pfaffmann erkennt sehr schnell Dinge, die zukunftsfähig sind, und ist mutig genug, sie auszuprobieren. Dabei hilft uns auch unsere Betriebsgröße, wir können einfacher mal zwei Weinberge rausnehmen und damit experimentieren. Man muss Neues ausprobieren und das führt auch immer mal wieder zu Konflikten zwischen den Generationen. Wie die Opa-Generation es nicht ganz verstehen wollte, dass man mit dem Traktor arbeitet, versteht die jetzige nicht so ganz, dass es automatisierte Computersysteme gibt, die viele Arbeit übernehmen können. Ich weiß ja nicht, was uns dann in 20 oder 30 Jahren blüht, aber da wird es sicher auch Diskussionen geben und es ist wichtig, dass man den Sprung immer wieder schafft.

Eines Ihrer Leitmotive lautet: „Guter Geschmack ist nicht vererbbar, man muss ihn jeden Tag aufs Neue beweisen!" Wie schaffen Sie das und was treibt Sie und Ihr Team an?

Die Essenz daraus ist, dass man sich nicht ausruhen kann und täglich an sich arbeiten muss, um besser zu werden. Wir schauen, welche Weinerziehungsmethoden effizient sind, beispielsweise der Minimalschnitt. Genauso beim Spritzmittel, da haben wir heute komplett andere Zusammensetzungen, auch wenn die Mittel auf dem Papier vielleicht die gleichen sind. Aber die Konzentration und Konstellation der Mittel verändert sich, weil manche hinsichtlich Pflanzenschutz und Pflanzenstärkung mit anderen besser funktionieren, als beim Bio-Einstieg vor drei Jahren. Wir lernen täglich und versuchen jeden Bereich kontinuierlich zu verbessern. Nicht nur den Geschmack des Weines, aber der ist natürlich auch betroffen – je naturbelassener der Weinbau, desto besser schmecken oftmals auch die Weine. Auf jeden Fall sind sie natürlicher.

Seit der Betrieb vergangenes Jahr auf bio umgestellt wurde, gehören Sie zu den größten privaten Biowinzern Europas. Weshalb haben Sie sich für diesen Umstieg entschieden und welche Resonanz erfahren Sie?

Viele in der Branche haben gesagt, das schaffen wir nie. Von ‚Warum tut Ihr Euch das an?' bis ‚Die fallen auf die Schnauze' war alles an Kommentaren dabei. Das war dann aber auch unser Ehrgeiz: zu zeigen, dass wir es schaffen, in dieser Größe umzustellen und nachhaltiger arbeiten können als konventionelle Betriebe. Wir denken, dass es für die Natur besser ist, denn die Ressourcen sind endlich, und wenn man sich anschaut, wie es um die konventionelle Landwirtschaft steht, muss man sich schon fragen, ob wir in 100 Jahren nicht extremste Probleme haben werden.

Was bedeutet Bio-Wein konkret bei Ihnen und wie nachhaltig ist Ihre Arbeitsweise? Können Sie ein paar Beispiele geben?

Wir tun weniger, um den Wein zu verkünstlichen, zum Beispiel setzen wir keine anorganischen Dünger ein. Überhaupt düngen wir im Vergleich zu einem konventionellen Betrieb fast gar nicht und das kommt dem Wein zugute, weil kein Fremddünger in den Boden gelangt ist und dessen Terroir verfälscht. Die natürliche Charakteristik des Bodens bleibt auch erhalten, weil zum Spritzen Kontaktmittel eingesetzt werden, die nicht in die Pflanze eindringen. Indem wir unsere Böden schonen und nach biologischen Vorgaben arbeiten, profitiert sowohl die Natur als auch der Konsument. Die Weine schneiden bei den Analyse-Ergebnissen der Weinbauämter besser ab, seitdem sie bio geworden sind.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie aktuell und welche Trends finden Sie im Weinsektor besonders spannend?

Wir brauchen mehr Arbeitskräfte, die Ahnung vom Weinbau haben. Man muss wirklich genau wissen, wo in diesem Ökosystem die Stellschrauben sind und wo sich Veränderungen daran auswirken. Es ist eine Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, die auch Interesse an bio haben. Außerdem sind wir in der Spritzsaison extrem wetterabhängig geworden, weil wir eben abwaschbare mittel verwenden, die viel anfälliger für Starkregenereignisse.

An Trends ist der Minimalschnitt der Reben extrem spannend für uns und wir bauen unsere Weine auch schon längere Zeit vegan aus, weil das ein Industrietrend geworden ist. Vorher gab es Stoffe wie Fischblase oder Gelatine, um die Trübstoffe aus dem Wein zu binden. Auch die Digitalisierung ist so ein spannender Trend, die Arbeitserleichterung bringen soll, generell ist auch die Klimaveränderung ein Thema, weil wir in der Landwirtschaft exponiert sind und manche traditionellen Weinsorten hier nicht mehr so gut wachsen, andere dafür jetzt besser. Sorten, die eigentlich in Spanien oder Südfrankreich heimisch sind, funktionieren mittlerweile auch bei uns ganz gut. Andere, die in den 70er Jahre noch traditionell hier angebaut wurden, verlagern sich nach England oder Südschweden.

Bevorzugen Verbraucher mittlerweile Bio-Weine, sodass man von einem klaren Trend sprechen kann?

Die Umstellung ist komplexer, weil ja nicht nur der Verbraucher den Biowein kaufen muss, sondern vorher auch der Lebensmitteleinzelhändler oder der Fachhandel oder die Gastronomie. Und die sind eher konservativ, weil sie wissen, Biowein kostet in der Regel mehr, weil er aufwendiger herzustellen ist und ein höheres Risiko in der Produktion hat. Aber wir bemerken einen positiven Trend. Auch in der Industrie wächst der Handel mit den regulären Produkten im einstelligen Bereich jährlich, während Bio-Produkte zweistellige Wachstumsraten verzeichnen. Das betrifft zuerst Produkte wie Käse, Eier oder Milch, aber auch im Biowein-Bereich wurden die Verbraucher schon ein wenig sensibilisiert. Aber es ist ein Wachstumsmarkt, der noch aufgebaut werden muss. Wir versuchen, Biowein populärer und für eine größere Käuferschicht verfügbar zu machen. Die Spanier, Italiener und Franzosen haben schon viele Bioweine im Lebensmitteleinzelhandel platziert, da hinken die Deutschen ein bisschen hinter.

Wo kann man denn Ihre Weine kaufen?

Bei gut sortierten Lebensmitteleinzelhändlern, die Wert auf Bioprodukte legen. Bisher sind wir zum Beispiel bei Kaufland, Rewe und Edeka im Sortiment, natürlich können Sie jederzeit bei uns in Walsheim vorbeikommen und Ihren Wein kaufen. Auch Bestellungen per E-Mail oder Telefon sind kein Problem, außerdem haben wir unsere Website gerade im Aufbau, wo sich vielleicht auch bald neue Kooperationen ergeben.

Worauf sollten Verbraucher generell achten, wenn Sie einen guten Bio-Wein kaufen möchten?

Er müsste ihnen schmecken, das wäre schon mal gut! Biozertifizierter Wein hat in der Regel dieses Lindenblatt auf dem Etikett, das EU-Logo für Weinzertifizierung und das Prüflogo der Kontrollstelle. Darunter steht auch eine Prüfnummer, in unserem Fall ist das DE ÖKO006. DE steht für deutsche Landwirtschaft, ÖKO für ökologische Landwirtschaft und 006 ist die Zertifizierungsbehörde, in unserem ABCert. Auf deren Website können sie nach uns suchen, ob wir zertifiziert sind. Das ist die Transparenz für den Käufer. Darüber hinaus ist es schön, wenn Weine auch noch Verbandsware sind, also Bioland oder Demeter oder Naturland angehören, das sind die großen Bioverbände. Die haben noch ein paar Kriterien mehr, um Produkte nachhaltiger zu machen.

Hier geht´s zur Winzerei Heinz Pfaffmann. 

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