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Warum Starkregen und Gebäudeüberhitzung fester Teil jeder Energieberatung werden sollten

GASTBEITRAG I Temperaturen über 40 Grad und überhitzte Wohnungen machen die Folgen des Klimawandels deutlich. Gastautor und Energieberater André Heid erklärt, wie sich Immobilien nicht nur energieeffizienter, sondern auch widerstandsfähiger gegen Hitze und Starkregen machen lassen.

GASTBEITRAG I Temperaturen über 40 Grad und überhitzte Wohnungen machen die Folgen des Klimawandels deutlich. Gastautor und Energieberater André Heid erklärt, wie sich Immobilien nicht nur energieeffizienter, sondern auch widerstandsfähiger gegen Hitze und Starkregen machen lassen.

21.07.2026, Gastbeitrag - Bild: Heid Energieberatung

Ein Wolkenbruch, ein überlasteter Kanal, Wasser im Keller: Was wie ein Einzelfall wirkt, trifft immer mehr Gebäude in Deutschland. In meiner Arbeit als Energieberater für Wohn- und Gewerbegebäude sehe ich, dass Dämmung und Heizung allein nicht mehr ausreichen, um Häuser und Wohnungen klima-fit zu machen. Was ein zukunftsfähiges Haus wirklich braucht, geht über klassische Energieeffizienz hinaus. Bei einem ungebremsten Klimawandel würden die Risiken durch Hitze, Trockenheit und Starkregen im gesamten Bundesgebiet künftig stark ansteigen. Das zeigen die bereits 2021 präsentierten Ergebnisse der Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) des Bundes, die vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt vorgestellt wurde. Seit der Veröffentlichung der teils schockierenden Vorhersagen vor fünf Jahren hat es noch keine wesentlichen Fortschritte gegeben. Ganz im Gegenteil: Die verheerende Flutkatastrophe an der Ahr beispielsweise trat danach, im Juli 2021 auf. Anspornend formuliert: Es gibt noch einiges zu tun.

Häufig fehlt der gesamte Blick auf das Thema Energie und Klima

Deutsche Wohngebäude werden seit Jahren auf ein Ziel hin optimiert: weniger Energie verbrauchen. Dämmung, moderne Heizsysteme, dichte Fenster. Die energetische Sanierung folgt dabei einem klaren Muster. Was dabei häufig fehlt, ist der Blick auf Wetterereignisse, die nicht mit dem Energieverbrauch, sondern mit der Statik, der Entwässerung und dem Innenraumklima eines Gebäudes zu tun haben. Starkregen, Hitzeperioden und andere Extremwetterlagen verändern die Anforderungen an Wohngebäude. Ein Haus, das energetisch optimal saniert ist, kann trotzdem bei einem Starkregenereignis binnen kurzer Zeit volllaufen oder sich im Sommer so stark aufheizen, dass es kaum noch bewohnbar ist. Die Sahara-Temperaturen tagsüber und die tropischen Nächte in ganz Deutschland Ende Juni, Anfang Juli dieses Jahres dürften vielen von uns noch kräftig in den Knochen stecken.

Bild: Schimmel nach Hochwasser verursacht durch Starkregen.© Freepik/Mateus Andre

Energieberatung muss 2026 und in den kommenden Jahren weiter gedacht werden. Ein zukunftsfähiges Gebäude soll nicht nur weniger Energie verbrauchen, sondern auch widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels werden. Beides gehört zusammen, wird in der Praxis aber oft getrennt behandelt. Wer eine Sanierung plant, bekommt in der Regel eine Empfehlung zu Dämmstoffen, Fenstertypen oder Heizsystemen. Ob das Grundstück bei einem Starkregenereignis Wasser aufnehmen kann oder ob das Dach im Hochsommer zu einer Wärmefalle wird, bleibt dabei häufig unberücksichtigt.

Handlungsdruck ist bei Häusern aus den 60er, 70er- oder 80er-Jahren immens

Besonders ältere Gebäude sind hier im Nachteil. Einfamilienhäuser aus den siebziger und achtziger Jahren, Reihenhäuser mit begrenztem Abstand zum Nachbargrundstück und Mehrfamilienhäuser mit tiefliegenden Kellern haben oft Entwässerungssysteme, die für heutige Regenmengen nicht ausgelegt sind. Ein Starkregenereignis kann dort schnell teuer werden: vollgelaufene Keller, beschädigte Leitungen, durchfeuchtetes Mauerwerk. Die Kosten für solche Schäden übersteigen häufig das, was eine vorbeugende Maßnahme gekostet hätte.

Damit ist der eigentliche Punkt noch nicht vollständig beschrieben. Es geht nicht darum, Sanierungsmaßnahmen um ein zusätzliches Klimaschutzargument zu ergänzen. Es geht darum, wie Eigentümer investieren. Viele Hausbesitzer entscheiden sich für einzelne Maßnahmen: eine neue Heizung, gedämmte Außenwände, dreifach verglaste Fenster. Jede dieser Maßnahmen mag für sich gesehen gut und sinnvoll sein. Was dabei aber häufig übersehen wird, ist die Verwundbarkeit des Gebäudes gegenüber Wetterextremen.

Eine neue Heizung schützt nicht vor eindringendem Wasser. Eine gedämmte Fassade verhindert keine Überhitzung im Dachgeschoss, wenn Verschattung oder Lüftungskonzept fehlen. Eine gute Energieberatung sollte deshalb prüfen, ob Sanierung, Energieeffizienz und Klimaanpassung zusammenpassen, statt jede Maßnahme isoliert zu betrachten.

Ein weiterer Punkt wird in der öffentlichen Diskussion oft zu allgemein behandelt: der Bezug auf konkrete Risikogebiete. Starkregen ist kein Phänomen, das sich auf Flussnähe oder bekannte Überschwemmungsgebiete beschränkt. Auch Grundstücke fernab von Gewässern können bei kurzen, intensiven Niederschlägen schnell überlastet werden, wenn die Kanalisation die Wassermenge nicht abführen kann oder das Gelände ungünstig geneigt ist. Für Immobilienbesitzer zählt deshalb weniger die allgemeine Einstufung der Region als die konkrete Situation vor Ort: Wie ist das eigene Grundstück angelegt, wohin fließt das Wasser bei starkem Regen ab, und ist das Entwässerungssystem des Hauses für solche Mengen ausgelegt? Diese Fragen lassen sich nur beantworten, wenn ein Energieberater das jeweilige Gebäude und sein Umfeld konkret prüft.

Über den Autor


Bild: Heid Energieberatung

André Heid

Unternehmer und Experte für Energieberatung und Immobilienbewertung

André Heid führt mit der Heid Energieberatung ein bundesweit tätiges Beratungsunternehmen. Für die Heid Immobilienbewertung sind deutschlandweit mehr als 220 nach DIN EN ISO/IEC 17024 zertifizierte oder öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige tätig. Sie verfügen über Qualifikationen renommierter Institute wie DEKRA, DIA, EIPOS, HypZert, Sprengnetter und TÜV und erstellen unter anderem Verkehrswert-, Marktwert- und Grundsteuergutachten.

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