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INTERVIEW | Viele wissen nicht, dass Versicherungsgesellschaften die Mitgliedsbeiträge auch in fragwürdigen Bereichen investieren. Die ökofaire Versicherung ver.de investiert das Geld nach sozialen und ökologischen Kriterien und belohnt nachhaltiges Handeln.

INTERVIEW | Viele wissen nicht, dass Versicherungsgesellschaften die Mitgliedsbeiträge auch in fragwürdigen Bereichen investieren. Die ökofaire Versicherung ver.de investiert das Geld nach sozialen und ökologischen Kriterien und belohnt nachhaltiges Handeln.

10.09.2018- das Interview führte Romek Vogel, Fotos © ver.de

LifeVERDe.de: Herr Stanglmaier, ver.de ist die erste „ökofaire Versicherung“ - was darf man sich darunter vorstellen?

Herr Stanglmaier von ver.de: Versicherungen sind gesetzlich verpflichtet die Gelder ihrer Kunden anzulegen, derzeit erfolgt dies oft renditeorientiert. Nachhaltigkeit spielt meist keine große Rolle. Wir hingegen wollen diese Gelder investieren in innovative und nachhaltige Anlagen im Bereich erneuerbarer Energien, ökologischer Landwirtschaft oder sozialer Projekte im Bereich Wohnen und Pflegen. So kann dieses Geld dort wirken, wo es die Menschen wirklich brauchen.

Außerdem wollen wir mit der Ausgestaltung der Versicherungspolicen eine nachhaltige Lebensweise fördern.

Können Sie uns ein paar Beispiele geben, nach welchen Kriterien ver.de investiert?

Investitionen müssen eine messbare positive Wirkung zeigen, beispielsweise die Reduktion des Treibhausgases CO2 durch Investitionen in Wind- oder Solaranlagen. Ein weiteres Beispiel wäre die Zunahme der ökologisch bewirtschafteten Ackerfläche bei Investitionen in eine nachhaltige Landwirtschaft. Ver.de erstellt und veröffentlicht dazu auch eine Wirkungsmatrix, so dass für alle ersichtlich wird, welche Investitionen welche positiven Wirkungen hervorrufen.

Und welche Ausschlusskriterien gibt es, bzw. was passiert nicht mit dem investierten Geld?

Ausgeschlossen sind bei ver.de Investitionen in Rüstung und Waffen, Kernenergie, Kohleenergie, Biozide und Pestizide, chlororganische Massenprodukte, Massentierhaltung, Gentechnik in der Landwirtschaft, Embryonenforschung und Suchtmittel. Aber auch Anleihen von Staaten, in denen die Todesstrafe verhängt wird, die Folter anwenden, die Kernenergie ausbauen, gegen den Atomwaffensperrvertrag verstoßen oder undemokratisch sind, werden bei ver.de ausgeschlossen.

Geben Sie uns doch einen kleinen Überblick über Ihre Produktpalette. Was unterscheidet Ihre Tarife von denen herkömmlicher Versicherungen?

Noch bieten wir keine Versicherungsprodukte an. Geplant sind Haftpflicht-, Hausrat, private Gebäude-, Fahrrad-, Unfallschutz- und Inhalt und Elektronikversicherungen.

Mit den Policen wollen wir nachhaltiges Verhalten fördern und belohnen. Gibt es beispielsweise über mehrere Jahre keinen Schadensfall, erhalten ver.de-Kund*innen einen Rabatt auf ihre Versicherungsbeiträge oder sie können das Geld für nachhaltige Projekte spenden. Aber auch im Schadensfall will ver.de den Schaden nicht nur nach „gleicher Art und Güte“ ersetzen, sondern sich an den Mehrkosten für einen öko-fairen Ersatz beteiligen. Außerdem können die Kund*innen durch nachhaltiges Verhalten in anderen Lebensbereichen Glückspunkte sammeln.

Man kann bei ver.de Glückpunkte sammeln, indem man nachhaltig lebt. Wie funktioniert das?

Wer auch in anderen Lebensbereichen auf ethische und ökologische Aspekte achtet, bekommt dafür Glückspunkte und günstigere Versicherungstarife. Das können sein der Bezug von zertifizierten Ökostrom, Besitz einer Bahncard oder Jahreskarte bei Bahn oder Tarifverbund, Konto bei einer der bereits bestehenden nachhaltigen Banken, Heizen mit erneuerbaren Energien, statt mit Öl oder Gas.

Das sind nur einige von vielen Möglichkeiten nachhaltigen Verhaltens, für die es Ökopunkte gibt.

Wie beurteilen Sie die Bereitschaft der Menschen aktuell, in nachhaltige Geld- oder Versicherungen zu investieren?

Wir sind überzeugt, dass bei vielen Menschen die Bereitschaft ihr Geld in nachhaltige Anlagen zu investieren vorhanden ist.  Doch dazu müssen sie ausreichend und glaubwürdig informiert werden. Dazu erstellt ver.de gerade einen Finanzcheck, den ver.de-Check.

Dass Versicherungen neben den Banken der zweite große Player der Finanzwirtschaft sind, ist vielen Menschen noch nicht bewusst. Alleine bei den Sachversicherungen in Deutschland sind dies 63 Milliarden Euro. Jeder Versicherungskunde entscheidet so mit dem Abschluss seiner Versicherung auch über die Anlage seines Geldes. Allerdings sagen die Versicherungen dies nicht. Das wollen wir ändern. Wir sagen den Kunden, wie Ihr Geld angelegt wird. Durch Transparenz wird in unseren Augen die Bereitschaft der Menschen, nachhaltig zu investieren, gefördert.

Viele Menschen wissen nicht, dass Versicherungsgesellschaften Mitgliedsbeiträge auch in äußerst fragwürdige Bereiche investieren, um Gewinne zu erwirtschaften. Können Sie uns hierfür ein paar Beispiele geben?

Zum Beispiel unterstützt die Versicherungswirtschaft derzeit die Kohleindustrie, durch Investitionen und durch Versicherungsschutz für fragwürdige Kohleabbauprojekte. Die Nichtregierungsorganisationen urgewald e.V., Greenpeace e.V. und viele andere haben sich im Netzwerk unfriendcoal.com zusammen geschlossen um diesen Zusammenhang öffentlich zu machen.

Wie kann man Mitglied bei ver.de werden und welche Vorteile hat man dadurch?

Mitglied werden geht einfach, online unter  www.ver.de/mitglied-werden/ den Mitgliedsantrag ausfüllen, ausdrucken und an die angegebene Adresse schicken. Als Genossenschaftsmitglied haben alle Menschen das gleiche Stimmrecht und können den Kurs Ihrer Versicherung mitbestimmen. Mit der ver.de-Mitgliedschaft werden sie zu Pionieren einer wirklich nachhaltigen Versicherungswirtschaft und tragen damit zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen bei.  So betrachtet das Netzwerk unfriendcoal Versicherungen als einen entscheidenden Hebel für den Kohleausstieg und den Klimaschutz, wenn sie nicht mehr in Kohleprojekte investieren oder diese versichern würden.

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