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SEELEITEN LAKE SPA HOTEL: Wo auf freie Badeslipper verzichtet wird und Wein aus dem eigenen Keller kommt

Vom kostenlosen Südtirol Pass bis zum abgeschafften Badeslipper: Wie das SEELEITEN LAKE SPA HOTEL in Kaltern am See beweist, dass gehobene Hotellerie und nachweisbares Ressourcenbewusstsein kein Widerspruch sein müssen.

Vom kostenlosen Südtirol Pass bis zum abgeschafften Badeslipper: Wie das SEELEITEN LAKE SPA HOTEL in Kaltern am See beweist, dass gehobene Hotellerie und nachweisbares Ressourcenbewusstsein kein Widerspruch sein müssen.

24.06.2026, das Interview führte: Lena Witke – Bild: Hotel Seeleiten GmbH/Hannes Niederkofler

Direkt am Ufer des Kalterer Sees, im sonnigen Süden Südtirols, verbindet das familiengeführte Fünf-Sterne-Haus SEELEITEN LAKE SPA HOTEL exklusiven Luxus mit gelebter Verantwortung. Neben einer 3.600 Quadratmeter großen Wellnesslandschaft und privaten Seezugängen zeichnet sich das Hotel durch seine hauseigene Genusswelt aus, inklusive Weingut und Brauerei. Dass dieser Komfort Hand in Hand mit ökologischen und sozialen Standards geht, belegen das GreenSign-Zertifikat und das Nachhaltigkeitslabel Südtirol – und zwar jeweils auf der höchsten Stufe. Im Interview spricht DOMINIC MOSER, der das Hotel gemeinsam mit seinem Bruder DANIEL führt, über den mutigen Verzicht auf Einwegkunststoff im Zimmerbereich, die Rolle eines starken Betriebs als soziale Stütze der Region und die natürlichen Grenzen der hauseigenen Produktion.

LifeVERDE: Wer am Kalterer See in Südtirol ankommt, spürt sofort: Das hier ist kein gewöhnliches Hotel. Was ist das SEELEITEN LAKE SPA HOTEL für ein Ort und was macht einen Aufenthalt bei euch zu etwas Besonderem?

DOMINIC MOSER, Co-Geschäftsführer des SEELEITEN LAKE SPA HOTEL: Hier im SEELEITEN leben wir das Leben in seiner schönsten Form. Wir verbinden Eleganz und Luxus mit einem lockeren, lässigen Lifestyle und legen großen Wert darauf, unsere Werte, Traditionen und Kultur unseren Gästen auf eindrucksvolle Weise näherzubringen.


Bild: Hotel Seeleiten GmbH

Nachhaltigkeit ist bei euch kein Marketingbegriff, sondern gelebte Praxis. Welche Maßnahmen haben euch intern am meisten gefordert und warum waren sie trotzdem die richtige Entscheidung?

Zu einem bewussten Wirtschaften gehört mehr als eine Handvoll Maßnahmen. Vielmehr ist dieses Bewusstsein omnipräsent und spiegelt sich in jeder Entscheidung wider, die man trifft – ob groß oder klein. Wenn wir jedoch eine Entscheidung nennen müssten, auf die wir besonders stolz sind, dann hätten wir einen klaren Favoriten:

Im Zuge einer Nachhaltigkeitswoche konnten wir verschiedene Maßnahmen testen, die man sich im normalen Betrieb vielleicht nicht sofort trauen würde. Man muss verstehen, dass Gäste, die ein 5-Sterne-Hotel buchen, gewisse Ansprüche haben. In dieser Testwoche haben wir die Badeslippers, die containerweise Kunststoffmüll verursachen, aus den Zimmern eliminiert. Die Kommunikation haben wir so umgestellt, dass die Gäste bereits vorab Bescheid bekommen haben, dass es in dieser Woche keine Slippers gibt. Und was haben wir gesehen? Die Gäste haben sich darauf eingestellt. Jeder hat seine eigenen Schlappen von zuhause mitgebracht. Es war absolut kein Problem – für niemanden. Das war ein schöner Moment. Wir waren so stolz darauf, dass wir seitdem keine Slippers mehr in den Zimmern platzieren. Mit dieser einfachen Maßnahme konnten wir 95 % des dadurch angefallenen Mülls vermeiden.


Bild: Hotel Seeleiten GmbH/Hannes Niederkofler

Ihr bietet euren Gästen eine kostenlose Gästekarte für öffentliche Verkehrsmittel und Shuttle-Service an. Wie reagieren Gäste darauf und merkt ihr, dass sich das Bewusstsein für autofreies Reisen verändert?

Alle unsere Gäste erhalten am Anreisetag digital den Südtirol Pass. Damit können sie für die Dauer ihres Aufenthaltes alle öffentlichen Verkehrsmittel und Seilbahnen kostenlos nutzen. Rund 50 % unserer Gäste nehmen dieses Angebot wahr. Die Nähe zur Landeshauptstadt Bozen und die gute Erreichbarkeit mit den Bussen spielen uns sehr in die Karten. Auch die E-Bikes und kostenfreien Räder unseres Verleihs nutzen viele Gäste, um die Umgebung zu erkunden. Da bleibt das Auto oft für den gesamten Aufenthalt in der Garage stehen.

Bei der Anreise ist die Situation noch etwas anders. Südtirol ist nach wie vor ein Auto-Reiseland. Es liegt nahe an Österreich, Deutschland und der Schweiz – und diese Nähe nutzt ein Großteil der Gäste, um mit dem Auto anzureisen. Wir sind aber optimistisch, dass sich die Zahl der Zugreisenden deutlich erhöhen wird, sobald der Brennerbasistunnel mit seinen Zulaufstrecken fertiggestellt ist. Dann ist man nämlich schneller mit dem Zug als mit dem Auto in Südtirol.

Luxus und Nachhaltigkeit gelten in der Hotelbranche oft als Widerspruch. Wie löst ihr diesen Konflikt im Alltag auf?

Das ist eine altbekannte Kritik. Aber was ist die Alternative – Wellnesshotels zu verbieten? Spielt man diesen Gedanken weiter: Was müsste dann noch alles verboten werden? Und wäre das Leben dann noch lebenswert? Wir stehen für unser Produkt und versuchen, es so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Und das gelingt uns von Tag zu Tag besser. Und das ist doch etwas Gutes, oder?


Bild: Hotel Seeleiten GmbH/Hannes Niederkofler

Ihr habt ein eigenes Weingut und braut euer eigenes Bier. Wie tief geht bei euch der Anspruch, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und wo zieht ihr die Grenze?

Welche Marmelade schmeckt besser – die hausgemachte oder die aus dem Supermarkt? Uns geht es vor allem um Qualität. Und da haben selbstgemachte Dinge oft die Nase vorne. Darum sind unsere Küche und Patisserie ständig am Produzieren. Von Nudeln, Ravioli, Saucen und Kuchen bis hin zum Granola – bei uns wird möglichst viel selbst gemacht. Unseren Wein und sogar unser Bier erzeugen wir im Keller unseres Weingutes. Unsere Landwirtschaft produziert eigene Äpfel, aus denen wir unseren Apfelsaft machen. Das ist alles nachhaltig, aber vor allem schmeckt es gut. Und das ist uns wichtig. Die Grenzen ergeben sich dann meist von selbst – und zwar dort, wo die personellen Ressourcen begrenzt sind.

Nachhaltigkeit im Hotelalltag wird oft auf einzelne Maßnahmen wie das Wiederverwenden von Handtüchern, Mülltrennung oder die Verarbeitung regionaler Lebensmittel reduziert, während andere Aspekte weniger im Fokus stehen: Welche Diskussion rund um Nachhaltigkeit wird aus eurer Sicht aktuell zu wenig geführt und warum?

Diese Punkte sind allesamt richtig und wichtig. Was in der Debatte aber oft untergeht: Ein Unternehmen kann nur nachhaltig sein, wenn es stark ist. Wenn es über einen langen Zeitraum Bestand hat und zum Wohlstand der lokalen Bevölkerung beiträgt. Nachhaltiges Wirtschaften ist auch sozial. Ein guter Betrieb ist eine der sozialsten Einrichtungen überhaupt. Darum sollten wir aufhören, Unternehmen ständig mit neuem Bürokratie-Irrsinn und zusätzlichen Regeln zu überwerfen. Auch wenn die Idee dahinter oft gut und nachhaltig ist, schwächt unnötiger Mehraufwand die Unternehmen so stark, dass sie sich soziale und ökologische Verantwortung irgendwann schlichtweg nicht mehr leisten können.

Bild: Hotel Seeleiten GmbH/Hannes Niederkofler

Fazit: Bewusster Luxus durch verantwortungsvolles Handeln

Das SEELEITEN LAKE SPA HOTEL zeigt, dass Ressourcenbewusstsein in einem Luxusbetrieb nicht zwingend an Komfort scheitert. Manchmal braucht es nur eine Testwoche und die Bereitschaft, die Reaktion der Gäste abzuwarten. Dass aus dieser Erfahrung eine dauerhafte Entscheidung wurde, die den Großteil des anfallenden Kunststoffmülls aus einem einzelnen Produktbereich eliminiert hat, ist konkreter als viele Maßnahmen, die sich in Hochglanzbroschüren besser machen, und beweist: Richtige Veränderung entsteht durch konkretes Handeln im Alltag, nicht durch bloße Werbeversprechen. Dieser pragmatische Ansatz zieht sich durch das gesamte Hotelkonzept – von der Förderung umweltschonender Mobilität durch den kostenfreien Südtirol Pass bis zur tiefen Verwurzelung in der Region wie durch das hauseigene Weingut – und verdeutlicht, dass wirtschaftlicher Erfolg und Verantwortung für Natur und Mensch zusammengehören.

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