Ein Kloster aus dem 13. Jahrhundert und ein Nachhaltigkeitszertifikat auf hohem Niveau: Diese Kombination macht den RENTHOF KASSEL zu einem bemerkenswerten Sonderfall in der deutschen Hotellerie. Das denkmalgeschützte Boutiquehotel im Herzen Kassels hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur als Ort mit unverwechselbarer Atmosphäre einen Namen gemacht. Es hat auch gezeigt, dass historische Bausubstanz und zeitgemäßes Nachhaltigkeitsdenken nicht in Konkurrenz stehen müssen, sondern einander bedingen können. Hoteldirektorin JASMIN OHLENDORF erklärt, wie der RENTHOF KASSEL diesen Weg gegangen ist, wo die größten Hebel für die Zukunft liegen und was andere Betreiber*innen historischer Häuser daraus mitnehmen können.

Bild: Renthof/Florian Holl & Jens Distelberg
LifeVERDE: Einst als Karmeliterkloster im Jahr 1298 erbaut, heute ein modernes Boutiquehotel mit Bar, Restaurant und Eventlocation. Was erwartet einen Gast bei seinem Besuch im RENTHOF KASSEL und was unterscheidet dieses Haus von einem "gewöhnlichen" Stadthotel?
JASMIN OHLENDORF, Hoteldirektorin des RENTHOF KASSEL: Ein Besuch in unserem RENTHOF bedeutet weit mehr als eine klassische Hotelübernachtung. Das Haus vereint über 700 Jahre Geschichte mit modernem Design und zeitgemäßem Komfort. Wo einst Karmelitermönche lebten, erwartet Gäste heute ein stilvolles Boutiquehotel, das historischen Charakter und urbanes Lebensgefühl auf besondere Weise miteinander verbindet. Schon beim Betreten spürt man die außergewöhnliche Atmosphäre des denkmalgeschützten Ensembles. Individuell gestaltete Zimmer, historische Architektur, hochwertige Materialien und liebevolle Details schaffen ein Ambiente, das gleichermaßen authentisch und modern wirkt. Ergänzt wird das Erlebnis durch das Restaurant und die Bar, die sowohl Hotelgäste als auch Einheimische anzieht und den RENTHOF zu einem lebendigen Treffpunkt im Herzen Kassels macht.
Was den RENTHOF von einem "gewöhnlichen" Stadthotel unterscheidet, ist vor allem seine Persönlichkeit. Statt standardisierter Hotelarchitektur erwartet unsere Gäste ein Haus mit Geschichte, Charakter und unverwechselbarer Identität. Jeder Raum erzählt ein Stück Vergangenheit, ohne auf zeitgemäßen Komfort zu verzichten. Gleichzeitig bietet die zentrale Lage die Möglichkeit, Kassels kulturelle Highlights bequem zu entdecken, während der RENTHOF selbst als Rückzugsort mit besonderem Flair dient. Ob Geschäftsreise, Städtetrip, Event oder kulinarischer Besuch – der RENTHOF ist nicht nur ein Ort zum Übernachten, sondern ein Erlebnis, das Geschichte, Gastlichkeit und modernes Boutiquehotel-Konzept auf einzigartige Weise verbindet.

Bild: Renthof/Florian Holl & Jens Distelberg
Jedes Ihrer Zimmer ist ein Unikat, unterschiedlich in Format und Einrichtung. Wie treffen Sie Entscheidungen über die Einrichtung, wenn es keine einheitliche Vorlage gibt und wie reagieren Gäste auf diese Individualität?
Die Individualität unserer Zimmer ergibt sich zunächst aus der Geschichte des Gebäudes selbst. Als denkmalgeschütztes Ensemble mit jahrhundertealter Architektur bringt jeder Raum andere Voraussetzungen mit – von Grundriss und Raumhöhe bis hin zu historischen Details. Deshalb war bei der Entstehung jedes einzelnen Zimmers von Anfang an klar, dass wir keine standardisierten Hotelzimmer schaffen möchten. Bei der Einrichtung wurde darauf geachtet, den Charakter jedes einzelnen Raumes zu bewahren und gleichzeitig eine gemeinsame Handschrift erkennbar werden zu lassen. Hochwertige Materialien, zeitloses Design und ausgewählte Möbel bilden hier einen roten Faden.
Unsere Gäste reagieren auf diese Individualität überwiegend sehr positiv. Viele schätzen es, dass sie bei jedem Aufenthalt ein neues Zimmer und damit ein neues Erlebnis entdecken können. Gerade in einer Zeit, in der viele Hotels austauschbar wirken, wird die Einzigartigkeit des RENTHOFS als etwas Besonderes wahrgenommen. Nicht selten fragen Gäste sogar gezielt nach einem Zimmer, das sie bei einem früheren Besuch besonders begeistert hat – das sehen wir als schönes Kompliment für unser Konzept. In der Regel finden wir für jeden Gast sein persönliches Lieblingszimmer.

Bild: Renthof/Florian Holl
In der Küche setzen Sie auf regionale und saisonale Speisen. Wie setzen Sie das Thema Nachhaltigkeit konkret in der Gastronomie um?
Nachhaltigkeit beginnt für uns bereits bei der Auswahl unserer Produkte. Wir arbeiten, wann immer möglich, mit regionalen Erzeugern und Lieferanten zusammen und orientieren uns konsequent an der Saison. Das hat nicht nur ökologische Vorteile durch kürzere Transportwege, sondern ermöglicht uns auch, mit frischen und qualitativ hochwertigen Zutaten zu arbeiten. Darüber hinaus achten wir auf eine verantwortungsvolle Planung und Verarbeitung unserer Lebensmittel. Eine sorgfältige Kalkulation, die kreative Verwertung von Produkten und die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung spielen dabei eine wichtige Rolle. Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch, bewusst einzukaufen und Qualität vor Quantität zu stellen. Gleichzeitig möchten wir unseren Gästen zeigen, wie vielseitig regionale Küche sein kann. Unser Ziel ist es, Genuss und Verantwortung miteinander zu verbinden. Nachhaltigkeit verstehen wir dabei nicht als kurzfristigen Trend, sondern als festen Bestandteil unserer täglichen Arbeit und unserer Haltung als Gastgeber.

Bild: Renthof/Florian Holl & Jens Distelberg
Der RENTHOF KASSEL ist das erste Hotel, das sowohl das GreenSign Hotel Zertifikat als auch die GreenSign Gastro Zertifizierung jeweils auf Level 4 trägt – und das in einem denkmalgeschützten Haus. Was hat der Zertifizierungsprozess intern verändert, wie haben Sie Denkmalschutz und Klimaschutz unter einen Hut gebracht und was raten Sie anderen Betreiber*innen historischer Häuser, die einen ähnlichen Weg gehen möchten?
Die GreenSign Zertifizierungen auf Level 4 – sowohl für das Hotel als auch für die Gastronomie – waren für uns nicht nur eine Auszeichnung, sondern vor allem ein wichtiger Entwicklungsprozess. Viele nachhaltige Maßnahmen waren bereits Teil unserer Philosophie, doch die Zertifizierung hat dazu beigetragen, diese noch strukturierter zu erfassen, messbar zu machen und in allen Bereichen des Hauses zu verankern. Besonders wertvoll war dabei, dass Nachhaltigkeit heute von unserem gesamten Team als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden wird.
Gleichzeitig hat uns der Prozess deutlich gemacht, dass nachhaltiges Handeln in einem denkmalgeschützten Gebäude besondere Herausforderungen mit sich bringt. Denkmalschutz und Klimaschutz werden oft als Gegensätze betrachtet, tatsächlich lassen sie sich aber sehr gut miteinander verbinden – vorausgesetzt, man ist bereit, individuelle Lösungen zu entwickeln. Während moderne Neubauten viele technische Möglichkeiten bereits mitbringen, erfordert ein historisches Gebäude wie der RENTHOF häufig mehr Kreativität, Abstimmung und langfristige Planung. Genau darin sehen wir aber auch eine große Chance. Der Erhalt historischer Bausubstanz ist bereits ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit, weil vorhandene Ressourcen genutzt und weiterentwickelt werden. Unser Ansatz besteht darin, historische Identität zu bewahren und gleichzeitig dort zu optimieren, wo es sinnvoll und möglich ist – beispielsweise bei Energieeffizienz, Ressourcenschonung, regionalen Lieferketten oder nachhaltigen Betriebsabläufen.
Anderen Betreiberinnen und Betreibern historischer Häuser würden wir raten, Nachhaltigkeit nicht als starres Ziel zu betrachten, sondern als kontinuierlichen Prozess. Nicht jede Maßnahme lässt sich sofort umsetzen, und nicht jede Lösung eines Neubaus ist auf ein Denkmal übertragbar. Entscheidend ist, die individuellen Möglichkeiten des Hauses zu erkennen, realistische Schritte zu gehen und das gesamte Team auf diesem Weg mitzunehmen. Unsere Erfahrung zeigt, dass Denkmalschutz und Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen – im Gegenteil: Richtig gedacht können sie sich gegenseitig stärken. Nachhaltigkeit ist kein Projekt, sondern eine Lebenseinstellung.

Bild: Renthof/Florian Holl & Jens Distelberg
Der Hotelbetrieb steht in der heutigen Zeit vor der Herausforderung, Luxus und Ressourcenschonung zu vereinen. Wo sehen Sie aktuell die größten Hebel, um den ökologischen Fußabdruck Ihres Hotels in den kommenden Jahren noch weiter zu verkleinern und warum?
Wir sind überzeugt, dass sich Luxus und Nachhaltigkeit nicht widersprechen. Für viele Gäste definiert sich echter Luxus heute nicht mehr über Überfluss, sondern über Qualität, Authentizität und einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Genau darin sehen wir auch die Zukunft der Hotellerie.
Die größten Hebel liegen aus unserer Sicht weiterhin in den Bereichen Energie, Ressourcenmanagement und regionale Wertschöpfung. Gerade in einem historischen Gebäude prüfen wir fortlaufend, wie wir unseren Energieverbrauch weiter optimieren können, ohne den Charakter des Hauses zu beeinträchtigen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, Prozesse noch effizienter zu gestalten und den Einsatz von Ressourcen – von Wasser über Energie bis hin zu Verbrauchsmaterialien – weiter zu reduzieren. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern. Kurze Lieferwege, saisonale Produkte und langfristige Kooperationen stärken nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern auch die Qualität unseres Angebots. Darüber hinaus sehen wir großes Potenzial darin, Mitarbeitende und Gäste noch stärker für nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren und sie aktiv auf diesem Weg mitzunehmen.
Nachhaltigkeit ist für uns kein abgeschlossener Zustand, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Die Anforderungen entwickeln sich ständig weiter – und genau das verstehen wir als Chance. Unser Ziel ist es, den ökologischen Fußabdruck des RENTHOFS Schritt für Schritt weiter zu reduzieren, ohne dabei auf die besondere Atmosphäre, den Komfort und die Gastfreundschaft zu verzichten, die unser Haus auszeichnen.

Bild: Renthof/Florian Holl & Jens Distelberg
Fazit: Jahrhunderte alt, zukunftsfähig gedacht
Der RENTHOF KASSEL ist ein Beweis dafür, dass Nachhaltigkeit keine Frage des Neubaus ist. Was dieses Hotel auszeichnet, ist nicht der leichte Weg. Neue Technik in einen Rohbau einzuplanen, ist weitaus unkomplizierter, als Klimaschutzmaßnahmen in eine 700 Jahre alte Klosteranlage zu integrieren. Doch genau darin liegt die eigentliche Botschaft: Wer bereit ist, individuelle Lösungen zu entwickeln, sein Team mitzunehmen und Nachhaltigkeit als Haltung statt als Checkliste zu begreifen, kann auch aus einem denkmalgeschützten Gebäude ein zukunftsfähiges Haus machen. Der RENTHOF KASSEL tut genau das und setzt damit einen Standard, der weit über die Stadt hinaus Relevanz hat.
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