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Natürliche Seifen für sensible Haut – im Gespräch mit Kronseifen aus Cronhütte

INTERVIEW | Seifen enthalten häufig künstliche Zusatzstoffe, die die Haut strapazieren. Gründerin Kathrin Marotta erklärt, warum ihre umweltfreundlichen Seifen die Haut pflegen und sie gleichzeitig schonen.

INTERVIEW | Seifen enthalten häufig künstliche Zusatzstoffe, die die Haut strapazieren. Gründerin Kathrin Marotta erklärt, warum ihre umweltfreundlichen Seifen die Haut pflegen und sie gleichzeitig schonen.

03.08.2022 | Ein Interview geführt von Franziska Gissel | Bild: Kronseifen aus Cronhütte

Herkömmliche Hautpflegeprodukte basieren oft auf tierischen Rohstoffen oder pflanzlichen Ölen, deren Anbau meist unter keinen besonders nachhaltigen Bedingungen stattfindet. So können schädliche Stoffe wie Pestizide in Seife und Co. gelangen. Wer zu empfindlicher Haut neigt, oder gar Probleme mit Neurodermitis oder anderen Hautkrankheiten hat, ist daher in seiner Wahl der passenden Pflegeprodukte deutlich eingeschränkt. 

Die Gründerin von “Kronseifen aus Cronhütte”, Kathrin Marotta, litt ebenfalls ihr Leben lang unter solchen Beschwerden und hat kurzerhand selbst eine Lösung für ihre Probleme gefunden. Was ihre Seifen so besonders macht und warum sie nicht nur gut für die Haut, sondern auch für unsere Umwelt sind, erzählt uns Kathrin im Gespräch. 

LifeVERDE: Hallo Kathrin. Im Shop von “Kronseifen aus Cronhütte” bietest du allerlei natürliche Seifen und Naturkosmetik an. Erzähle uns doch einmal, weshalb du dich ausgerechnet auf Seifen spezialisiert hast.

Kathrin Marotta: Der eigene Leidensdruck hat mich dazu bewogen. Eigentlich komme ich aus einer anderen Richtung. Ich habe ursprünglich im Finanzsektor mein Studium absolviert und in einer Bank gearbeitet.
Von Klein auf habe ich immer das Muster vorgelebt bekommen, „wenn du etwas machst, dann mache es auch richtig“. So habe ich auch meinen Job damals erledigt, ordentlich und mit vollem Einsatz. Diese Arbeit hat mir jedoch, wenn ich wirklich ehrlich zu mir selbst war, keinen Spaß gemacht und ich bin ständig an meine seelischen, wie moralischen Grenzen gestoßen. Tja, was soll ich sagen, den Geist kann man vielleicht veräppeln und sich jeden Tag einreden „Mensch jetzt stell dich nicht so an“, aber mein Körper hat geschrien.
Ich habe bereits seit meiner frühesten Kindheit Neurodermitis und Schuppenflechte und schon damals war es so, dass sich meine Krankheiten immer dann gezeigt haben, wenn ich mit meiner Seele nicht gut umgegangen bin.

Rückblickend bin ich dieser Situation in meinem alten Job etc. sehr dankbar. Ohne diesen Druck, wäre ich heute nicht da, wo ich nun stehe.
Meine Schmerzen auf der Haut und am Kopf wurden damals nach und nach immer unerträglicher. Und die Antworten der Dermatolog*innen und Ärzt*innen waren nicht sehr befriedigend, wenn ich nicht vor hatte bis an mein Lebensende Kortison auf meine Haut zu schmieren. Dann fing ich an, meine Krankheiten verstehen zu wollen. Psyche, Umwelt, Pflegeprodukte, etc. Die Seifen sind mir nach längerer Recherche dann schon fast „vor die Füße“ in Form von einem Fachbuch gefallen.

Da ich aus einer handwerklichen Familie komme, ging mir das Herz auf, als ich diese praktische und doch sehr filigrane Arbeit des Seifensiedens das erste Mal ausprobieren durfte - und es war alles andere als perfekt! Wie oft stand ich über den Töpfen und bin entweder ins Schwitzen gekommen, weil die kleine Diva vor mir im Topf einfach nicht so wollte wie ich, oder ich musste den Meisel meines Mannes holen, um die Seife wieder aus dem Topf zu bekommen.

Ich habe das Seifensieden einige Jahre, nebenher zu meiner Arbeit in der Bank, als Hobby und Seelenfüller gemacht. Und dann kamen meine Kinder. Mit dem Input des „Mama-werdens“ und die sich automatisch ändernde Sicht auf die Welt, samt sich selbst als Mensch, war für mich klar, ich kann nie wieder im Finanzsektor arbeiten.

Dann kam der kalte Sprung ins Wasser. Wir, mein Mann und ich, haben einen Teil unseres Hauses umgebaut und dort durfte unsere Manufaktur 2018 einziehen. Rückblickend bin ich auf diesen Schritt sehr stolz, da es viel Mut bedurfte und wir nicht wussten, ob diese verrückte Idee überhaupt klappt. Und es hat funktioniert! Heute arbeite ich auch, wie früher, viel und lang, aber selbstbestimmt, aufrecht und ich darf jeden Tag etwas tun, das mein Herz füllt und anderen Menschen hilft.


Die Kronseifen sind in den verschiedensten Farben und Formen erhältlich (Bild: Kronseifen aus Cronhütte).

Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es für die Kronseifen?

Mein Augenmerk lag schon immer auf sehr sensibler Haut. Da die Seifen durch ihre traditionelle Fertigung alles mitbringen, um die Haut wirklich zu reinigen und nicht nur zuzukleistern mit Pflegewirkstoffen etc, wie es im konventionellen Bereich oft der Fall ist, konnte ich mich hier ausprobieren. Ich war und bin begeistert davon, wie Reinigung und gleichzeitige Pflege so einfach funktionieren kann.

Eine meiner ersten Seifen, zwar etwas abgewandelt im Rezept, aber vom Grundgedanken stimmig zu heute, war meine Weihrauchseife. Mit Ihr habe ich meine Haut beruhigt und gereinigt. Und dann ging es weiter mit verschiedenen Hand- und Körperseifen, gefolgt von Haarseifen, um die Körperreinigung vollständig zu machen.
Da es mit den Seifen allein für die Körperpflege nicht getan war, kamen nach und nach verschieden weitere Produkte wie Deos, Gesichts- und Körpercremes dazu. Alles mit der Prämisse behaftet, dass meine Haut es vertragen muss. Wenn das geht, dann habe ich ein mildes, sanftes Produkt, dass auch für sehr sensible Haut geeignet ist.

Kannst du unseren Leser*innen einmal erzählen, wie die Herstellung einer Seife aussieht?

Das ist gar nicht so ein großes Hexenwerk. Im Internet und in Seifenbüchern finden sich gute Anfänger-Rezepte. Ich rate jedem „Seifen-Siede-Frischling“ erst einmal ein ganz simples Rezept, ohne hohe Materialkosten, zu verwenden. Lieber ein kurzes überschaubares Rezept und dafür dann aber richtig gute Grundrohstoffe verwenden. Wir verwenden, wenn es geht, Demeter Qualität bei unseren Grundölen, ausschließlich ätherische Öle zur Beduftung und Kräuter aus unserem Garten. Denn je besser diese Herkunft ist, umso sicherer kann man später sein, dass man nicht noch Pestizide, oder sonstige Schadstoffe in die Seife mit eingearbeitet hat und sich dann damit auch noch einseift.

Richtig viel Spaß macht es, wenn man das Seifensieden zu zweit macht. Also am besten einen gemütlichen Abend zusammen vorbereiten. Denn Ruhe ist ganz wichtig bei dieser Arbeit. Auch wir in der Manufaktur arbeiten sehr ruhig und besonnen und gehen die Schritte gedanklich vor dem Tun immer erst durch. Denn man arbeitet mit NaOH, kaustischem Soda. In seiner Reinform ist es ätzend und man sollte mit gebotenem Respekt arbeiten. Meinen Seminarteilnehmer*innen in meinen Seifensiedeseminaren sage ich immer: Das kaustische Soda ist für die Seifen das, was die Speisestärke für den Pudding ist. Ohne diesen Rohstoff hätten wir nur einen Topf voller Öl. Erst das kaustische Soda bringt die Öle zum gerinnen und daraus wird unter dem Sieden dann der Seifenleim.

In dem von euch gewählten Rezept gibt es auch meist den Hinweis, welches Equipment man braucht, also wieviel Schüsseln und so weiter ihr vorhalten sollt.

Alles VORHER in der Küche sorgsam vorbereiten und dann erst beginnen. Wenn Ihr im Tun seid, habt ihr schlicht keine Zeit mehr, um etwas auszuwiegen oder noch nach einem Kochlöffel zu suchen. Tipp von uns: verwendet wo es geht Plastikschüsseln und Löffel. NaOH kann Euren Küchenutensilien sonst schaden. Gesiedet wird in einem Emaille- oder Edelstahltopf. Sieden ist eigentlich der falsche Begriff. Wir bei uns in der Manufaktur arbeiten im Kaltprozess. D.h. wir arbeiten mit so geringen Temperaturen wie möglich. So schonen wir die Rohstoffe und damit auch Ihre Wirkstoffe.

So sieht der Prozess der Seifenherstellung aus:

Zuerst wiegt Ihr euch eure Wassermenge aus in einer etwas größeren Plastikschüssel.

Dann in einer weiteren Schüssel die NaOH Menge. Und nun kommt die wichtigste Regel überhaupt: ins Wasser kommt das kaustische Soda! Niemals diesen Vorgang andersherum machen! Sonst kann es gefährlich werden! Ihr rührt das NaOH ins Wasser ein. Hier schnell und besonnenen arbeiten. Und bitte im Freien, wegen den Dämpfen. Diese sollten nicht eingeatmet werden. Diese Wasser-NaOH Mischung wird anfangs sehr heiß und muss erst mal runterkühlen.

In dieser Zeit könnt ihr euch eure Öle auswiegen. Wichtig: erst mit den festen Ölen (Kakao, Kokos, etc.) beginnen und diese vorab schonend schmelzen, dann die flüssigen Öle (Olivenöl, Rapsöl, etc.) hinzugeben.
Nun kommt der Duft und die Farbe, je nach Wunsch, in den sich langsam entwickelnden Seifenleim.
Wenn es aussieht wie Kürbiscremesuppe, dann könnt ihr die Masse in die vorbereiteten Formen gießen. Am liebsten nehmen wir hierzu Silikonformen. Diese kann man schon recht günstig in guter Qualität im Internet bestellen.

Und nun beginnt der Zauber! Wenn wir Öle/Fette und Lauge (Wasser+NaoH) vermengt haben, kommt der langwierige Prozess der Verseifung.
In der Fertigung, im Kaltprozess, liegt das Geheimnis der handgemachten Seifen. Das wertvolle Glycerin bleibt bei diesem Vorgang übrig. 

Nach 4-6 Wochen Reife der Seife kann man diese verwenden und sich daran erfreuen!


Die Gründerin Kathrin Marotta bietet auch Seifensiedeseminare an (Bild: Kronseifen aus Cronhütte).

Die Kronseifen aus Cronhütte sind kaltgerührt. Was genau ist daran so vorteilhaft?

In der Fertigung, im Kaltprozess, liegt das Geheimnis der handgemachten Seifen. Das Glycerin bleibt, wie bereits erwähnt, bei diesem Vorgang übrig. Die Seifenindustrie wäscht gerade dieses Glycerin aus der Seife heraus! Es ist für die Industrie zu wertvoll und es kann anderweitig verwendet werden. Beim Kaltprozess bleibt das natürliche Glycerin aber in der Seife zurück und kann so seine pflegenden Eigenschaften entfalten.

Gibt es etwas, das an herkömmlichen Seifen gegebenenfalls nicht umweltfreundlich oder sogar schädlich sein kann? 

Die Basis einer Seife besteht stets aus Fetten pflanzlicher oder tierischer Herkunft. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um:

  • Kokosfett
  • Olivenöl
  • Palmöl

Allerdings wird nicht jede Seife aus hochwertigen Ölen hergestellt. Vor allem in Massenproduktion hergestellte Seifen basieren häufig auf billigen Schlachtabfällen, aus denen das tierische Talg Sodium Tallowate gewonnen wird. Aufgrund des unangenehmen Geruchs des Talgs wird den Seifen deshalb eine große Menge künstlicher, bzw. chemisch hergestellter Parfüme beigemischt. Es lohnt also, auch bei Seifen in Qualität zu investieren. Hier sollte man sich die Frage stellen, ob man sich Tierleid und Chemie auf die Haut schmieren will, denn die Rohstoffe kommen aus Massenproduktionen.

Wir arbeiten komplett vegetarisch bzw. vegan, verwenden keine Palmöle und wenn es uns möglich ist, versuchen wir die Lieferketten unserer einzelnen Rohstoffe bis auf den Hersteller zurückzuverfolgen. Wir arbeiten mit vielen kleinen Familienbetrieben zusammen. Unsere Entscheidung ist schon früh gefallen, dass wir fair, echt und schonend für Mutter Erde arbeiten wollen.

Welchen Beitrag leistet ihr, um unsere Erde etwas grüner zu gestalten?

Wir arbeiten, wo es geht, plastikfrei. Sei es in der Fertigung, im Verkauf, oder beim Versand. Als Beispiel: unsere Seifen werden beim Versand durch Schafwolle aus einem Familienbetrieb geschützt.

Wir beziehen unsere Rohstoffe und kunsthandwerkliche Arbeiten, wie zum Beispiel unsere Seifenschalen, von kleinen Familienbetrieben, um diese zu unterstützen und auch die Vielfältigkeit des Handwerks zu bewahren.

Unsere Manufaktur wurde komplett mit Lehm und Naturmaterialien restauriert. Unser Haus ist um 1700 erbaut worden. Auch hier war es uns wichtig, nachhaltig unterwegs zu sein und zu bauen, wie unsere Vorfahren.
Wie der Name Manufaktur schon sagt, wird bei uns fast alles per Hand erledigt. Wir haben keine Abfüllanlagen, oder Große Maschinen, die die Arbeit schneller erledigen. Uns geht es darum, die Seele der Arbeit und den Geist des Produktes zu bewahren. Mein Mann, ich und unsere Manufakturperle Andrea sind zu dritt in unserer Manufaktur unterwegs und arbeiten bewusst in überschaubaren Mengen. Es geht uns nicht um größer, schneller, weiter, sondern um das kleine, feine, ehrliche Handwerk.

Dieses Gedankengut versuchen wir bei Führungen und Seifensiedeseminaren an unsere Teilnehmer*innen zu vermitteln. Und wenn von diesen Menschen nur einer etwas ändert und sei es nur eine Kleinigkeit, haben wir schon etwas für Mama Erde getan.

Wir haben zwar kein zertifiziertes Bio-Label, aber wir sehen es in unserer menschlichen Grundverantwortung, so zu arbeiten und zu leben, dass wir unseren beiden Kindern später mal sagen können, wir haben alles versucht, um die negative Entwicklung der letzten Jahrzehnte zu stoppen. Und unseres Erachtens nach kann man das nur über das TUN erreichen. Da steht eine Lebensphilosophie dahinter.


Die Kronseifen enthalten allesamt wertvolles Glycerin (Bild: Kronseifen aus Cronhütte).

Eure Produkte kann man im Online-Shop kaufen. Wie gestaltet ihr den Versand sowie Verpackung der Ware nachhaltig?

Wir arbeiten, wo es geht, plastikfrei. Unsere Seifen werden beim Versand durch Schafwolle aus einem Familienbetrieb geschützt. Unsere Versandkartons beziehen wir aus einem Unternehmen, das ausschließlich Kartonagen aus recyceltem Papier etc. herstellt.
Und auch sonst, werden die Kund*innen nicht „zugemüllt“ mit Zetteln, Infomaterial, etc. sondern wir verweisen auf unsere Homepage, um dort alles nachzulesen. Im Versand gibt es nur die „must have“ Infos.

Hast du einen Tipp für unsere Leser*innen, was sie beim Kauf von Naturkosmetik und Seifen besonders beachten sollten?

Lernt die Menschen hinter diesen Produkten kennen! Geht in die Fertigungsstätten und schaut euch an, wie dort gearbeitet wird. Ob auch mit den Mitarbeiter*innen ordentlich umgegangen wird. Nachhaltigkeit fängt in meinen Augen auch in Form von einem respektvollen Umgang mit den Menschen an.
Manufakturen lassen sich gerne über die Schultern schauen und deren Türen stehen meist immer offen. Häufig werden dort auch Workshops oder Seminare abgehalten. Dann kann man ganz tief in die Fertigung blicken und bekommt eine andere Sichtweise und ein besseres Verständnis für die Welt der Naturkosmetik und der Seifen. Dann wisst Ihr in Zukunft, was wirklich wichtig ist und dass es nicht nur um eine "fancy" Verpackung geht, sondern dass in den Produkten Inhaltsstoffe sein sollten, die man noch aussprechen kann.

Vielen Dank für das Interview, liebe Kathrin!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Kronseifen aus Cronhütte stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

 

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