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Nachhaltige Krankenkassen – woran du sie erkennst und warum sich ein Wechsel lohnt

BEITRAG I Nachhaltige Krankenkasse haben einen positiven Impact auf dich und unsere Umwelt. Wir zeigen dir, worauf du bei der Wahl deiner grünen Krankenversicherung achten musst und stellen dir 5 Anbieter vor.

BEITRAG I Nachhaltige Krankenkasse haben einen positiven Impact auf dich und unsere Umwelt. Wir zeigen dir, worauf du bei der Wahl deiner grünen Krankenversicherung achten musst und stellen dir 5 Anbieter vor.

18.12.2020 | Ein Beitrag von Michelle Markwart | Bilder: BKK VBU, BKK24, Pronova BKK, BKK ProVita, Unsplash

Gesetzlich krankenversichert sind in Deutschland fast alle Menschen. Dennoch machen sich nur wenige bewusst Gedanken darüber, welche Krankenkasse sie gewählt haben – und wofür diese eigentlich steht. Häufig bleibt man aus Gewohnheit beim ersten Anbieter, in der Annahme, dass sich gesetzliche Krankenkassen ohnehin kaum unterscheiden. Dabei hat die Wahl der Krankenkasse weitreichendere Auswirkungen, als viele vermuten. Sie betrifft nicht nur die eigene Gesundheitsversorgung, sondern auch ökologische, soziale und strukturelle Fragen im Gesundheitssystem.

Krankenkassen verwalten große finanzielle Mittel, beeinflussen Präventionsangebote und gestalten Versorgungsstrukturen mit. Ihr Produkt ist abstrakt, ihr gesellschaftlicher Einfluss jedoch erheblich. Umso relevanter ist die Frage, ob Krankenkassen Verantwortung über das gesetzliche Mindestmaß hinaus übernehmen – und wie sich nachhaltige Ansätze dabei überhaupt erkennen lassen.

Ein Krankenkassenwechsel wirkt oft komplizierter, als er tatsächlich ist. Dabei lässt sich der Anbieter mit wenigen Schritten wechseln – ganz ohne Unterbrechung des Versicherungsschutzes. Wie das konkret funktioniert, erklärt dir dieses Video.

Worüber hingegen selten gesprochen wird, ist eine andere Schwierigkeit: Nachhaltigkeit ist im Krankenkassenkontext nicht eindeutig definiert. Es gibt keine einheitlichen Standards, sondern unterschiedliche Interpretationen und Schwerpunkte. Genau hier lohnt sich ein genauer Blick.

Wie nachhaltig kann eine Krankenkasse überhaupt sein?

Alle gesetzlichen Krankenkassen unterliegen denselben rechtlichen Vorgaben. Dennoch unterscheiden sie sich in der Art und Weise, wie sie ihre Spielräume nutzen. Manche setzen stärker auf Prävention, andere auf alternative Heilmethoden, wieder andere auf Umweltmanagement oder nachhaltige Kapitalanlagen. Nachhaltigkeit zeigt sich dabei weniger in einzelnen Maßnahmen als vielmehr in der langfristigen Ausrichtung und in der Frage, ob Verantwortung systematisch verankert ist oder nur punktuell kommuniziert wird.

Gerade im Gesundheitssystem treffen hohe Kosten, ethische Fragen und ökologische Herausforderungen aufeinander. Nachhaltiges Handeln ist hier komplex und nicht frei von Zielkonflikten. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen, welche Kriterien tatsächlich Orientierung bieten.

Bild: Unsplashed / Alessio Soggetti

Kriterien für eine nachhaltige Krankenversicherung

 

Nachhaltige Leistungen

Grüne Krankenversicherungen stehen alternativen und naturheilkundlichen Behandlungsmethoden, wie Homöopathie und moderne Naturheilmethoden auf pflanzlicher Basis, offen gegenüber. Oft werden auch sinnvolle Vorsorge-Behandlungen übernommen, anstatt auf den Worst-Case zu warten. Die Leistungen insbesondere in Bezug auf Naturheilmethoden sind sehr vielfältig, sodass hier keine allgemeine Empfehlung gegeben werden kann. Bitte entscheide selbst nach deinen persönlichen Wünschen und Anforderungen, welche Leistungen für dich sinnvoll sind.

Förderung von Nachhaltigkeit

Über nachhaltige Leistungen hinaus fördern grüne Krankenversicherung auch eine umweltbewusste Lebensweise. Das geschieht beispielsweise in Form von kostenlosen Workshops und Seminaren. Auch indirekt beteiligen sich Krankenkassen an einer nachhaltigen Entwicklung. Dies geschieht zum Beispiel über die Förderung des Angebots veganer oder vegetarischer Mahlzeiten in öffentlichen Einrichtungen. Auch werden Belohnungssysteme eingeführt, wenn Versicherte ein möglichst autofreies, nachhaltiges oder gesundes Leben führen.

Nachhaltig Arbeiten

Als nächstes kannst du dir anschauen, wie die Krankenkasse arbeitet, denn auch die Arbeitsabläufe sind bei einer nachhaltigen Krankenkasse entsprechend angepasst. Bezieht das Unternehmen grünen Strom? Wird der Fuhrpark reduziert oder alternativ betrieben? Wird der ÖPNV gefördert? Ist der Umgang mit Mitarbeiter*innen fair und ist die Versicherung familienfreundlich? Gibt es klare Leitlinien und Transparenz, wie zum Beispiel durch einen Nachhaltigkeitsbericht? Wird Plastikmüll weitestgehend intern vermieden? Es geht hier also um die interne Realisierung von Nachhaltigkeit. 

Nachhaltig Geld anlegen

Die Krankenkasse als eine Versicherung muss ihr Geld investieren. Eine grüne Krankenkasse legt ihr Geld nachhaltig an. Dabei werden die Negativkriterien sowie Positivkriterien erfüllt. Negativkriterien heißt, dass keine Investitionen in Industrien wie Rüstung, Gentechnik, Tierversuche oder Atomkraft getätigt werden. Stattdessen fließt das Geld in grüne Projekte, wie erneuerbare Energien oder ökologische Landwirtschaft. 

Bild: Canva / Arthur Meekodong

Diese Krankenkassen zeigen unterschiedliche Nachhaltigkeitsansätze

 

BKK ProVita

Die BKK ProVita versteht Nachhaltigkeit als integralen Teil ihres Selbstverständnisses, bei dem Gesundheit und Umwelt untrennbar verbunden sind. Sie war eine der ersten Krankenkassen in Deutschland, die bilanzielle Klimaneutralität erreicht haben und setzt diese Leistung systematisch fort, indem sie seit 2016 ihren CO₂-Fußabdruck ermittelt und Maßnahmen zur Emissionsreduktion implementiert – die verbleibenden Emissionen werden mit zertifizierten Projekten kompensiert. Dadurch konnte die Kasse ihren Ausstoß erheblich senken und sich konsequent an der Vision orientieren, Gesundheit und planetare Gesundheit gemeinsam zu fördern. 

Eine Besonderheit der BKK ProVita ist ihre Mitgliedschaft in verschiedenen Nachhaltigkeitsnetzwerken wie KLUG (Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V.) und der Gemeinwohl-Ökonomie, was zeigt, dass sie ihre Position nicht nur intern lebt, sondern aktiv an branchenweiten Debatten teilnimmt und Wissen teilt. 

Die Krankenkasse nutzt diese Vernetzung auch für konkrete Angebote, wie Bildungsprojekte zu pflanzenbasierter Ernährung für Kinder, die den Zusammenhang zwischen Ernährung, Umwelt und Gesundheit verständlich machen – ein Aspekt, der über interne Maßnahmen hinausgeht und gesellschaftliche Transformationsprozesse unterstützt. 

Bild: BKK ProVIta

Securvita

Die SECURVITA Krankenkasse verbindet gesundheitliche Prävention mit ökologischer Verantwortung, insbesondere über das Kapitalanlagethema. Mit dem Aktienfonds GreenEffects bietet sie eine Anlageform an, die ausschließlich in Unternehmen investiert, die nach den strengen Nachhaltigkeitskriterien des Natur-Aktien-Index (NAI) ausgewählt wurden – ein Ansatz, der darauf abzielt, ökologische und soziale Wirkungen mit finanzieller Rendite zu verknüpfen.

Der GreenEffects-Fonds wird aktiv als nachhaltiger Investmentansatz kommuniziert, der bewusst auf Geschäftsbereiche wie Atomkraft, Gentechnik oder Waffenproduktion verzichtet und stattdessen Umwelt- und Sozialkriterien in den Vordergrund stellt – ein Beispiel dafür, wie SECURVITA Nachhaltigkeitsaspekte über die klassische Gesundheitsversorgung hinaus berücksichtigt. 

Auch im Leistungsbereich zeigt sich dieser Fokus: Die Krankenkasse legt traditionell Wert auf Prävention, Naturheilverfahren und Gesundheitsförderung, was durch Bonusprogramme wie HealthMiles ergänzt wird, die Bewegung, Vorsorge und gesundheitsfördernde Lebensstile honorieren. Dieser Ansatz spricht Versicherte an, die Gesundheit und Lebensstil enger mit Nachhaltigkeitsfragen verknüpfen wollen.

Bild: Unsplashed / Vitaly Gariev

Pronova BKK

Die pronova BKK positioniert Nachhaltigkeit als organisatorischen und sozialen Prozess und kommuniziert ihre Aktivitäten öffentlich durch einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht, der transparent darlegt, wo die Krankenkasse steht und wo noch Potenzial zur Verbesserung besteht. Diese freiwillige Berichterstattung ist bemerkenswert, weil Krankenkassen dazu gesetzlich nicht verpflichtet sind. 

Inhaltlich betont die pronova BKK, dass Verantwortung nicht nur Gesundheit, sondern auch Mitarbeitende, Umwelt und Gesellschaft umfasst. Dabei geht es etwa um den Ausbau digitaler Services, der die Papiernutzung reduziert, oder Initiativen zur Ressourcenschonung in der Verwaltung.

Besonders deutlich wird die systematische Verankerung von Nachhaltigkeitswerten darin, dass die Krankenkasse selbstkritisch über ihre Leistungen, ihre Fortschritte und ihre Ziele spricht und sich nicht hinter generischen Aussagen versteckt. Diese Transparenz macht Nachhaltigkeit bei pronova BKK greifbarer, weil sie konkrete Veränderungen mit Blick auf Ziele und Ergebnisse benennt.

BKK24 – “Länger besser leben.”

Die BKK24 ist deutschlandweit die erste gesetzliche Krankenkasse, deren Nachhaltigkeitsengagement von unabhängiger Seite nach DIN ISO 14001 zertifiziert wurde, einem international anerkannten Standard für Umweltmanagementsysteme.

Dieses Umweltmanagement zielt darauf ab, ökologische Belastungen systematisch zu reduzieren, etwa durch den Bezug von Ökostrom und Windgas, die Nutzung von FSC-zertifiziertem Recyclingpapier und durch Sensibilisierung der Mitarbeitenden für ökologische Fragen. 

Die Krankenkasse legt ihren Fokus auf die Wechselwirkung zwischen Umwelt und Gesundheit: Durch die Initiative „Länger besser leben.“ werden präventive Maßnahmen zur Förderung gesunder Lebensweisen gestaltet, die nicht nur individuell wirken, sondern auch auf Umweltfaktoren aufmerksam machen. 

Dabei betont die BKK24, dass wirksamer Umweltschutz und Gesundheitsvorsorge zusammengehören, weil Umweltbelastungen direkte Auswirkungen auf die Gesundheit haben können – ein Ansatz, der über interne Effizienzmaßnahmen hinausgeht und auf eine langfristige Sensibilisierung der Versicherten abzielt.

Mehr über die BKK24 im LifeVerde-Interview. 

Techniker Krankenkasse (TK) 

Auch große Krankenkassen spielen im Nachhaltigkeitsdiskurs eine zunehmend relevante Rolle. Die Techniker Krankenkasse nimmt im Nachhaltigkeitsdiskurs eine besondere Rolle ein. Als eine der größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erreicht sie eine enorme Breitenwirkung und kann damit strukturelle Impulse setzen. Nachhaltigkeit ist bei der TK strategisch verankert und wird über regelmäßige Berichte transparent gemacht. Im Fokus stehen unter anderem Klima- und Umweltschutz, nachhaltige Beschaffung, Verantwortung als Arbeitgeberin sowie der Einfluss auf das Gesundheitswesen insgesamt.

Die TK erfasst ihren CO₂-Fußabdruck, nutzt Ökostrom und verfolgt das Ziel, ihren eigenen Betrieb schrittweise klimaneutral auszurichten. Darüber hinaus engagiert sie sich dafür, Nachhaltigkeit systemisch im Gesundheitswesen zu verankern, etwa durch Initiativen für Arztpraxen und Krankenhäuser. Gleichzeitig wird deutlich, dass große gesetzliche Krankenkassen stärker an regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gebunden sind. Nachhaltigkeit ist bei der TK klar angelegt, entfaltet sich jedoch innerhalb eines komplexen Systems mit begrenzten Spielräumen.

Bild: Unsplashed / Songtau Mu

Warum nicht jede große Krankenkasse hier auftaucht

Große Marktanteile bedeuten nicht automatisch ein klares Nachhaltigkeitsprofil. Viele Krankenkassen engagieren sich punktuell, ohne Nachhaltigkeit strategisch zu verankern oder transparent darzustellen. Für eine kuratierte Auswahl ist daher entscheidend, ob eine nachvollziehbare Haltung, klare Schwerpunkte und langfristige Ziele erkennbar sind – nicht die reine Größe.

Lohnt sich ein Wechsel zu einer nachhaltigeren Krankenkasse?

Ein Krankenkassenwechsel ist einfacher, als viele denken, und kann ein bewusster Schritt sein, um eigene Werte auch im Alltag umzusetzen. Gleichzeitig sollte Nachhaltigkeit nicht isoliert betrachtet werden. Leistungen, Beitragssatz, Servicequalität und persönliche Bedürfnisse bleiben zentrale Kriterien. Nachhaltigkeit entfaltet ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie zum eigenen Lebensstil passt.

Ein einzelner Wechsel verändert das System nicht. Informierte Entscheidungen vieler Versicherter jedoch schon. Nachhaltige Krankenkassen erkennt man nicht an einzelnen grünen Versprechen, sondern an strukturellen Entscheidungen, Transparenz und langfristiger Ausrichtung. Perfekte Lösungen gibt es im Gesundheitssystem nicht. Umso wichtiger ist es, kritisch zu bleiben – und bewusst zu wählen.

Wer sich gerade intensiver mit seinen Finanzen beschäftigt, interessiert sich vielleicht auch für nachhaltige Altersvorsorge und die Frage, wie sich Geld verantwortungsvoll und zukunftsfähig anlegen lässt.

Bild: Unsplashed / Glenn Cartstens-Peters

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