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Nachhaltig nähen – Tipps für dein eigenes nachhaltiges Nähprojekt

Nähen ist ein tolles Hobby und kann Spaß in dein Leben bringen. Hier erfährst du, was es alles zu beachten gibt, damit dein nächstes Nähprojekt nachhaltig wird.

Nähen ist ein tolles Hobby und kann Spaß in dein Leben bringen. Hier erfährst du, was es alles zu beachten gibt, damit dein nächstes Nähprojekt nachhaltig wird.

10.11.2022 | Ein Beitrag von Katrin Baumann | Bild: cottonbro studio, Pexels

Wer noch nie mit dem Thema Nähen in Berührung gekommen ist, denkt sich womöglich: Das kann ich nicht! Dabei ist der Beginn gar nicht so schwierig und gute Gründe, überhaupt mit dem Nähen anzufangen, gibt es zuhauf. In diesem Beitrag erfährst du, welche das sind und was du alles benötigst, um dein eigenes nachhaltiges Nähprojekt zu starten.

Wir stellen uns die Frage: Wie nachhaltig kann das Nähhobby sein? Egal ob du Anfänger*in oder Fortgeschrittene*r bist – es gibt von der Auswahl deiner Nähutensilien über die Materialien bis hin zum eigentlichen Nähen einiges zu beachten. Aber keine Sorge, wir haben dir einen unkomplizierten Guide zusammengestellt, der dich durch alle wichtigen Punkte führt. Wir stellen fest: Nachhaltigkeit und Spaß am Hobby können Hand in Hand gehen.

In diesem Beitrag erfährst du mehr über:

1. Warum nachhaltige Mode wichtig ist
2. Gute Gründe dafür, Kleidung selbst zu nähen
3. Was braucht man alles zum Nähen?
4. Nähen und Abstecken
5. Messen und Markieren
6. Zuschneiden und Auftrennen
7. Was beim Nähen auch nicht fehlen darf
8. Nachhaltige Stoffe
9. Zero Waste beim Nähen
10. Unser Fazit

Warum nachhaltige Mode wichtig ist

Kleidung ist heutzutage ein Massenkonsumgut. Große Modeketten vermitteln uns mit ständig wechselnden Kollektionen den Eindruck, dass es notwendig sei, den Inhalt unseres Kleiderschranks regelmäßig zu erneuern. Der Begriff Fast Fashion beschreibt dieses Geschäftsmodell. Die schnell wechselnde Mode ist zwar finanziell erschwinglich, jedoch in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht problematisch. Der hohe Ressourcenverbrauch, unfaire Produktions- und Arbeitsbedingungen und eine erhöhte Umweltbelastung stellen dringende Gründe dar, auch bei der eigenen Garderobe auf Nachhaltigkeit zu achten. Immer mehr Modelabel und Unternehmen bedienen dabei die steigende Nachfrage für nachhaltige und faire Mode – eine wichtige Entwicklung in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Wer aber noch mehr Einfluss auf die Beschaffenheit und Herstellung seiner Kleidungsstücke haben möchte, könnte es einmal damit versuchen: Kleidung einfach selbst nähen!

Gute Gründe dafür, Kleidung selbst zu nähen

Ein Kleidungsstück in Handarbeit selbst zu schaffen, macht nicht nur stolz, sondern führt auch dazu, seinen Wert mehr zu schätzen. Du lernst, wie viel Zeit und Arbeitsaufwand in die Herstellung fließen. Dies beeinflusst auch die Haltung gegenüber gekaufter Kleidung. Denn bewusster Konsum bedeutet: Qualität statt Quantität. Bio-Qualität und Fairtrade-Siegel sind beispielsweise Kriterien, auf die du sowohl bei gekaufter Kleidung als auch beim Kauf von Stoffen für dein Nähprojekt achten kannst.

Ein Pluspunkt beim Nähen: Du kannst deiner Kreativität freien Lauf lassen. Du kannst dir Stoffe, Farben und Schnitte selbst aussuchen und dich somit bewusst an deinen eigenen Präferenzen orientieren. Außerdem bist du nicht abhängig von genormten Größen, sondern kannst selbst Maß nehmen und individuelle Anpassungen vornehmen.

Reparaturen
Die Lieblingsjeans sitzt noch super, allerdings ist der Reißverschluss kaputt gegangen? Kein Problem! Online gibt es zahlreiche Tutorials, welche dir zeigen, wie man Reißverschlüsse auswechseln, Knöpfe wieder annähen, Löcher stopfen und Jeans flicken kann. Es lohnt sich, bereits vorhandene Kleidung zu reparieren, da viele Teile lediglich wegen kleinerer Mängel nicht mehr getragen werden. So kannst du die Lebensdauer deiner Lieblingsteile verlängern.

Kleidung anpassen
Wie viele Kleidungsstücke hast du bereits im Kleiderschrank, die du nicht mehr trägst, weil sie nicht optimal sitzen? Mit den richtigen Techniken kannst du selbst den Sitz deiner Kleidung verbessern. Du kannst z. B. Hosenbünde und Röcke enger nähen und Träger, Ärmel und Hosenbeine kürzen. Kleidung sollte sich unseren Körpern anpassen und nicht andersherum.

So wird das Nähen nachhaltig
Kleidung selbst zu nähen, führt also dazu, diese wieder bewusster zu konsumieren, besser zu pflegen und wertzuschätzen. Doch ist es auch automatisch nachhaltig? Dafür gibt es einige Dinge zu beachten. Wir erklären dir, was du überhaupt zum Nähen brauchst und wie du den Prozess möglichst nachhaltig gestalten kannst.


Kleidung zu reparieren und anzupassen ist nachhaltiger, als sie neu zu kaufen (Bild: Shutterstock).

Was braucht man alles zum Nähen?

Grundsätzlich gilt für alle Nähutensilien: Achte auf eine möglichst hochwertige Verarbeitung und nachhaltige Materialien. Schaue dich zudem in deiner Umgebung um, bevor du Utensilien neu kaufst. Vielleicht ist bei der Familie, bei Freunden oder Bekannten bereits einiges vorhanden, was an dich weitergegeben werden kann. Es bietet sich auch an, einen Blick in diverse Gebrauchtwarenläden oder Gebrauchtwarenportale zu werfen. Besonders bei Utensilien im höheren Preissegment lohnt es sich, diese gebraucht zu kaufen. So kannst du Geld sparen, ohne dabei an Qualität einzubüßen. Zudem trägst du im Sinne der Nachhaltigkeit dazu bei, die Produktnutzungsdauer zu erhöhen, was erstrebenswert ist, da die höchste Umweltbelastung während der Produktionsphase eines Artikels entsteht.

Je nachdem, wie viel Erfahrung du bereits mit dem Nähen hast, gibt es unterschiedliche nützliche Utensilien. Viele können dir zwar die Arbeit erleichtern, sind aber zu Beginn nicht unbedingt notwendig. Hier erfährst du, was du als Anfänger*in benötigst und worauf du dabei achten solltest.

Nähen und Abstecken

Nähmaschine
Egal ob du Reparaturen und Änderungen an bereits vorhandener Kleidung oder eigene Nähprojekte geplant hast – mit einer Nähmaschine näht es sich schneller als von Hand. Hierbei lohnt es sich besonders, in eine qualitativ hochwertige Nähmaschine zu investieren, um die Nutzungsdauer zu erhöhen. Dafür empfiehlt es sich, die Finger von sogenannten Mini-Nähmaschinen zu lassen. Diese verschleißen meist schneller und sind somit trotz des geringeren Kaufpreises keine Investition wert. Schaue dich bei beschränktem Budget um, ob du die Nähmaschine gebraucht kaufen kannst. Achte vor dem Kauf zudem darauf, welcher Spulentyp für den Unterfaden in die Maschine passt. Es gibt Plastik- und Metallspulen, wobei du Plastikspulen vermeiden solltest.

Maschinennadeln
Nadeln für die Nähmaschine gibt es in unterschiedlichen Bandbreiten. Es empfiehlt sich, sich vor dem Nähen über die richtige Nadel für den ausgewählten Stoff zu informieren, da falsche Nadeln schlimmstenfalls den Stoff kaputt machen können. Außerdem sollte die Maschinennadel spätestens nach jedem Nähprojekt ausgetauscht werden, da das Ergebnis mit stumpfen Nadeln weniger professionell wirkt.

Nähnadeln
Nähnadeln sind in unterschiedlichen Größen erhältlich. Je dicker der Stoff ist, den du nähen möchtest, desto dicker sollte auch die Nadel sein. Bereits mit einem kleinen Set bist du gut ausgerüstet für Projekte aller Art, die von Hand genäht werden, und kannst schnell kleinere Reparaturen durchführen.

Stecknadeln
Stecknadeln gibt es in verschiedenen Ausführungen, besonders empfehlenswert sind solche ohne Plastikköpfchen. Metallnadeln und Nadeln mit Glasköpfchen sind nicht nur wieder recycelbar, sondern auch in der Handhabung praktischer, da du sie ohne Probleme überbügeln kannst.

Messen und Markieren

Maßband
Ein Maßband ist unerlässlich zum Maßnehmen am Körper und zum Abmessen von Stoffen, Nähten usw.

Kreidestift oder Schneiderkreide
Markierhilfen werden benötigt, um Schnittmuster aus Papier auf Stoffe zu übertragen und sicherzustellen, dass beispielsweise Taschen am richtigen Platz sitzen. Kreidestifte lassen sich wie Bleistifte anspitzen, wodurch sich akkurate Linien zeichnen lassen. Schneiderkreide ist ein meist quadratisches oder dreieckiges Stück Kreide und lässt sich aus den meisten Stoffen leicht wieder ausbürsten.

Zuschneiden und Auftrennen

Stoffschere
Zum Zuschneiden des Stoffes brauchst du eine Stoffschere. Achte hier auf eine hochwertige Verarbeitung und darauf, dass sie gut in der Hand liegt. Du solltest niemals Papier damit schneiden, da die Stoffschere dadurch schneller stumpf wird. Falls es aber doch einmal so weit sein sollte, bieten viele Schneidereien und Nähgeschäfte einen Reparatur- und Nachschleifservice an.

Pfeiltrenner
Falls eine Naht mal nicht gelingt, ist ein Pfeiltrenner (auch Nahtauftrenner) unabdingbar, da sich Nähte damit am schnellsten wieder auftrennen lassen, ohne den Stoff dabei zu beschädigen.

Was beim Nähen auch nicht fehlen darf

Bügelhilfen
Das Bügeln verleiht dem Kleidungsstück ein sauberes und professionelles Aussehen und ist somit wichtig, wenn man dem eigenen Nähprojekt nicht ansehen soll, dass es selbstgemacht ist. Außerdem sitzen Kleidungsstücke besser, wenn man zwischendurch Säume und Nähte plättet.

Kurzwaren
Zu den Kurzwaren gehören u. a. Knöpfe, Verschlüsse, Borten und Gummibänder. Es empfiehlt sich, für spontane und schnelle Reparaturen eine Auswahl an Knöpfen und Druckknöpfen im Nähkasten zu haben. Auch hier gilt: Es gibt bereits zahlreiche Alternativen zu Plastikknöpfen, beispielsweise solche aus Holz oder Steingut.

Sicherheitsnadeln
Besonders für Notfallreparaturen sind Sicherheitsnadeln nützlich. Sie sind aber auch beim Einfädeln von Gummibändern eine große Hilfe.

Garn
Garne gibt es für unterschiedliche Zwecke aus unterschiedlichen Materialien. Um plastikfrei zu nähen, solltest du auf Polyester verzichten und Baumwollgarn verwenden. Da dieses etwas weniger reißfest ist als das Polyestergarn, solltest du hier besonders auf Qualitätsgarn achten. Das Nähen mit günstigem Garn macht keine Freude, da dieses im Prozess häufiger reißt und du es öfter neu in die Maschine einfädeln musst.


Auch die kleinen Nähutensilien haben einen Einfluss darauf, wie nachhaltig dein Projekt wird (Bild: Pavel Danilyuk, Pexels).

Nachhaltige Stoffe

Bei der Auswahl deiner Stoffe hast du den größten Einfluss darauf, wie nachhaltig dein Nähprojekt am Ende sein wird. Es gibt mehrere Aspekte, die sich auf den Grad der Nachhaltigkeit eines Stoffes auswirken. Dazu gehören z. B.:

• Der Verzicht auf die Verwendung von Pestiziden beim Anbau von pflanzlichen Rohstoffen und keine Verunreinigung des Grundwassers und des Anbaugebiets durch eingesetzte Chemikalien.
• Ein schonender Umgang mit Ressourcen, was bedeutet, dass der Wasser- und Energieverbrauch möglichst gering gehalten wird.
• Möglichst geringe CO2-Emissionen bei Herstellung und Transport.
• Beachtung aller Tierwohlkriterien bei tierischen Rohstoffen.
• Sicherstellung der Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter sowie faire Löhne und Arbeitsbedingungen.

Es gibt verschiedene Gütesiegel, die dir dabei helfen können, den Überblick zu behalten. Beispielsweise das GOTS (Global Organic Textile Standard) Gütesiegel, das garantiert, dass Stoffe nach strengen ökologischen Kriterien aus hauptsächlich biologisch angebauten Rohstoffen und ohne den Einsatz von giftigen Chemikalien und Kinderarbeit hergestellt wurden.

Besonders gut in puncto Nachhaltigkeit schneiden diese Stoffe ab:

Bio-Baumwolle
Bei Baumwolle handelt es sich um eine Naturfaser, die somit ohnehin biologisch abbaubar ist. Bio-Baumwolle wird ressourcenschonender und damit umweltfreundlicher angebaut. Allerdings können hier in der Weiterverarbeitung schädliche Chemikalien zum Einsatz kommen. Darauf solltest du besonders bei gefärbten und gebleichten Stoffen achten.

Bio-Leinen
Leinen wird aus Flachs hergestellt und ist somit ebenfalls eine Naturfaser. Der Flachs für Bio-Leinen wird nach umweltschonenden Kriterien angebaut.

Lyocell/Tencel als umweltfreundlichere Alternative zu Viskose
Viskose ist keine Naturfaser, jedoch auch keine Chemiefaser wie beispielsweise Polyester. Der Stoff wird in einem künstlichen Verfahren aus Zellulose hergestellt und zählt somit zu den halbsynthetischen Fasern. Bei der herkömmlichen Produktion werden umweltbelastende Chemikalien verwendet sowie viel Energie verbraucht. Allerdings hat die Firma Lenzing ein Verfahren entwickelt, bei welchem die benötigte Zellulose mit einem organischen Lösungsmittel aus dem Rohstoff Holz gelöst wird. Dieses Verfahren ist äußerst ressourcenschonend und verbraucht sogar weniger Energie und Wasser als die Herstellung von Naturfasern. Der Stoff ist unter dem Markennamen Lyocell/Tencel bekannt.


Achte bei Stoffen darauf, dass diese nachhaltig und fair hergestellt wurden (Bild: Shutterstock).

Zero Waste beim Nähen

Das Ziel von Zero Waste ist es, möglichst ressourcenschonend vorzugehen, wobei so wenig Abfall wie möglich entstehen soll. Beim Nähen kannst du dies umsetzen, indem du deine Schnittmuster, sofern du welche verwendest, gut überlegt auf deinem Stoff auslegst. Probiere lieber etwas herum und verschiebe die Einzelteile deines Schnittmusters mehrmals, um den Stoff möglichst effizient zu nutzen. Bei vielen Schnittmustern, die du z. B. online kaufen kannst, ist mittlerweile sogar schon ein optimales Layout zum Ausschneiden vorgegeben.

Falls doch mal Stoffreste entstehen sollten, kannst du aus diesen beispielsweise kleine Beutel nähen, um deine Nähutensilien aufzubewahren. Auch für Patchwork-Arbeiten eignen sich die Stoffreste prima. Grundsätzlich gilt: Sammle die noch brauchbaren Stoffstücke  lieber erst einmal an einem Ort, bevor du sie entsorgst. Vielleicht fallen dir ja noch weitere kreative Ideen ein, um sie weiterzuverwenden!

Fazit: Nachhaltig nähen ist eine bewusste Entscheidung

Nach der ganzen Auflistung, was man alles zum Nähen benötigt, könnte man denken: Nähen ist ein teures Hobby. Kann es sein – muss es aber nicht. Genauso ist es mit der Nachhaltigkeit. Wie nachhaltig dein Nähprojekt am Ende ist, entscheidest du. Bei vielen Schritten hast du einen Einfluss darauf, wie nachhaltig du den Prozess gestalten möchtest – von der Beschaffung deiner Ausstattung und Stoffe bis zum Aufwerten und Anpassen deiner bereits vorhandenen Kleidungsstücke. Wenn du also Lust bekommen hast, dann steht deinem nachhaltigen Nähprojekt nichts mehr im Wege!

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