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Vom Rost bis zur Asche: Was nachhaltig grillen wirklich bedeutet

Vom Holzkohlegrill bis zur Feuerschale, von der Kohle bis zur Asche: Ein ehrlicher Blick auf das, was bei Deutschlands liebstem Sommersport tatsächlich zählt – und was nicht.

Vom Holzkohlegrill bis zur Feuerschale, von der Kohle bis zur Asche: Ein ehrlicher Blick auf das, was bei Deutschlands liebstem Sommersport tatsächlich zählt – und was nicht.

Überarbeitet am: 19.05.2026 von: Louisa Becker, erstveröffentlicht: 29.04.2021, ein Beitrag von: Gessica Mirra und Maleen Focken - Bild: Canva

Schätzungsweise 70 Millionen Grillfeuer werden jedes Jahr in Deutschland entzündet. Das ist eine beeindruckende Zahl – und eine, die Fragen aufwirft. Was landet auf dem Rost, woher kommt die Kohle, und wie geht man danach mit der Asche um? Wer wirklich nachhaltig grillen will, muss an mehreren Stellen gleichzeitig hinschauen. Nicht nur an einer.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was „nachhaltig grillen" wirklich bedeutet
  2. Holzkohle, Gas oder Elektro – welcher Grill gewinnt?
  3. Feuerschalen: Romantik mit Verantwortung
  4. Die Kohle-Frage: Woher das Brennmaterial kommt
  5. Müllentsorgung: Der unterschätzte letzte Schritt
  6. Raus mit der Alufolie, rein mit dem Gewissen – so geht Grillen heute

Was „nachhaltig grillen" wirklich bedeutet

Es klingt zunächst wie eine Frage mit einer einfachen Antwort: Nimm Bio-Gemüse statt Fleisch, kauf zertifizierte Kohle, fertig. Doch die Realität ist nuancierter – und überraschend. Eine Ökobilanz-Studie des TÜV Rheinland hat ermittelt, dass nahezu 95 Prozent der klimarelevanten Emissionen eines Grillabends durch das Grillgut selbst verursacht werden – nicht durch die Kohle, nicht durch den Grill. Was auf dem Rost landet, entscheidet die Klimabilanz. Eine vierköpfige Familie, die Gemüse grillt, produziert jährlich etwa 16 kg CO₂, während dieselbe Familie beim Fleischgrillen auf rund 90 kg CO₂ kommt. Das ist gut fünfmal mehr – allein durch die Wahl des Grillguts. 

Das heißt nicht, dass der Rest egal ist. Es heißt, dass man die Prioritäten klar haben sollte. Wer auf vegane Bratwürste aus Tofu oder Seitan setzt und dabei mit konventioneller Holzkohle grillt, handelt immer noch deutlich klimafreundlicher als jemand, der FSC-zertifizierte Premiumkohle unter ein Rumpsteak schichtet.


Bild: Unsplash/Jemima Wheyles

Holzkohle, Gas oder Elektro – welcher Grill gewinnt?

Die Wahl des Grilltyps beeinflusst die Ökobilanz weniger dramatisch, als man vermuten würde – aber sie beeinflusst sie. Eric Johnson von der Schweizer Umweltberatung Atlantic Consulting untersuchte in einer vielzitierten Studie die CO₂-Emissionen beider Systeme und kam zu einem klaren Ergebnis: Der Holzkohlegrill erzeugt beim Grillen etwa dreimal so viele Treibhausgase wie ein Gasgrill. Beim Grillen mit Holzkohle entstehen 6,7 Kilogramm CO₂ – vergleichbar mit einer Autofahrt von fast 50 Kilometern. 

Elektrogrills schneiden mit Blick auf die Klimabilanz etwas besser ab als die Holzkohle-Variante – insbesondere, wenn sie mit Ökostrom betrieben werden. Gasgeräte sind ebenfalls klimaverträglicher als der Holzkohlegrill, auch wenn sie sich aktuell nicht mit Biogas betreiben lassen. Sowohl der elektrische als auch der Gas-Grill lassen sich gut regulieren sowie leicht an- und ausschalten, was den Energieverbrauch verringert.

Besonders der Kugelgrill unter den Holzkohlegrills schneidet im direkten Vergleich besser ab: Weil das Fett nicht direkt in die Glut tropft, entstehen weniger gesundheitsschädliche Schadstoffe. Laut einer Studie des TÜV Rheinland entstehen pro Grillabend je nach Grillart zwischen 17,5 und 18 Kilogramm CO₂-Äquivalente – was in etwa einer 120-Kilometer-Autofahrt entspricht. Der Unterschied zwischen den Grilltypen ist dabei marginal; der Unterschied durch das Grillgut ist enorm.  Was die Wahl des Grills in jedem Fall besser macht: Qualität. Ein langlebiger, reparierbarer Grill aus hochwertigem Edelstahl, dessen Einzelteile nachgekauft werden können, ist immer nachhaltiger als ein Gerät, das nach zwei Saisons im Sperrmüll landet.

Feuerschalen: Romantik mit Verantwortung

Die Feuerschale im Garten ist für viele das Herzstück eines gelungenen Sommerabends. Flackerndes Feuer, warme Atmosphäre, gute Gespräche. Was dabei oft vergessen wird: Aus Umwelt- und Gesundheitssicht sind offene Feuer nicht empfehlenswert und sollten möglichst vermieden werden. Wer eine Feuerschale nutzt, sollte daher ausschließlich trockenes, gut abgelagertes und unbehandeltes Hartholz verwenden. Ideal sind Harthölzer wie Eiche, Buche, Esche oder Ahorn, da sie eine höhere Dichte und einen höheren Brennwert haben. Sie brennen länger und geben mehr Wärme ab als weichere Hölzer wie Kiefer oder Fichte.

Lackierte, gestrichene oder imprägnierte Holzreste, Möbelstücke, Spanplatten, Papier, Kartonagen oder Kunststoff haben im Feuer nichts zu suchen. Beim Verbrennen solcher Materialien entstehen gesundheitsschädliche Stoffe, die sowohl die Umwelt als auch die eigene Gesundheit und die der Nachbarschaft belasten können. Für die Feuerschale selbst gilt: Material ist Langlebigkeit. Cortenstahl, Edelstahl oder Gusseisen sind nachhaltige Werkstoffe, die Jahrzehnte halten. Eine Feuerschale im Garten ist in Deutschland nicht pauschal überall verboten, aber auch nicht automatisch immer erlaubt. Entscheidend sind vor allem örtliche Regeln, geeignetes Brennmaterial, Brandschutz und die Frage, ob Nachbarn durch Rauch oder Geruch gestört werden. Wer die örtlichen Bestimmungen nicht kennt, riskiert ein empfindliches Bußgeld. 


Bild: Canva

Die Kohle-Frage: Woher das Brennmaterial kommt

Rund 85 Prozent der hierzulande verkauften Holzkohle ist importiert und stammt zum Teil aus Tropenwäldern und illegalem Raubbau in Schutzgebieten. Eine Studie des WWF in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut stellte 2020 fest, dass in jedem zweiten untersuchten Grillkohleprodukt Holz aus subtropischen oder tropischen Ländern enthalten war – für den Verbraucher nicht direkt ersichtlich. Das ist das eigentliche Problem der Holzkohle: nicht die CO₂-Bilanz des Verbrennens selbst, sondern die Lieferkette davor. Und diese ist für den Verbraucher fast vollständig unsichtbar.

Die gute Nachricht: Es gibt überzeugende Alternativen. Kokosnussschalen-Kohle entsteht als Abfallprodukt der Kokosnussproduktion und wäre sonst Müll – CO₂-neutral, kaum Rauch, langer Brennwert. Bambuskohle verbrennt CO₂-neutral sowie schwefelfrei und weist eine doppelte bis dreifache Brenndauer gegenüber herkömmlicher Holzkohle auf. Olivenkern-Briketts wiederum entstehen aus den Abfällen der Olivenölpressung: Sie zünden schnell, brennen länger und entwickeln kaum Funkenflug – ideal für Balkon und Terrasse. Beim Kauf von Holzkohle sollte unbedingt auf vertrauenswürdige Siegel wie FSC oder Naturland geachtet werden. Das DIN-Prüfzeichen DIN EN 1860-2 stellt sicher, dass die Holzkohle kein Pech, Erdöl, Koks oder Kunststoffe enthält – sagt aber nichts über die Herkunft aus. 

Müllentsorgung: Der unterschätzte letzte Schritt

Irgendwann ist der Abend vorbei. Die letzten Würstchen sind gegessen, die Gespräche klingen aus, und die Glut glimmt noch. Genau hier machen viele Griller einen Fehler – und nicht selten einen teuren. Holzkohle bleibt, in Abhängigkeit von der Holzart und der Größe der Kohlestücke, bis zu mehreren Tagen gefährlich heiß. Der Südbrandenburgischer Abfallzweckverband (SBAZV) gibt beispielseiweise Abkühlzeiten von bis zu drei Tagen an, bis die Asche in den normalen Hausmüll entsorgt werden kann. 

Kohle wird im Restmüll in einem Müllbeutel entsorgt. Sie darf nicht in den Biomüll geworfen werden, weil sie Rückstände von Fett, Schwermetallen und Acrylamid enthalten kann. Das gilt auch dann, wenn die Kohle auf den ersten Blick „natürlich" wirkt. 

Wer ausschließlich unbehandeltes Holz verbrannt hat, kann die Asche als Dünger im Garten benutzen. In kleinen Mengen und auf sauren Böden kann das sogar sinnvoll sein – Holzasche ist reich an Kalium und wirkt pilzhemmend auf dem Kompost. Übrige Asche lässt sich im Winter auch als Alternative zu Streusalz oder Splitt verwenden – aber nur auf zementierten oder asphaltierten Wegen, und nur wenn die verbrannte Kohle frei von Schadstoffen war. 

Wer unterwegs grillt, trägt die Verantwortung mit: An vielen öffentlichen Grillplätzen gibt es eigens für die Entsorgung von Grillkohle vorgesehene Behälter. Wo das nicht der Fall ist, nimmt man die erkaltete Kohle mit nach Hause. Kohle in der Natur zurückzulassen – im Gebüsch, am Flussufer, im Gras – ist keine Kleinigkeit: Schwermetalle gelangen ins Grundwasser und in die Nahrungskette. 


Bild: Unsplash/Vincent Keiman

Raus mit der Alufolie, rein mit dem Gewissen – so geht Grillen heute

Wer das alles überblickt, merkt: Nachhaltig grillen ist keine Entweder-oder-Entscheidung, kein einzelner Kaufakt. Es ist eine Haltung, die sich durch den ganzen Abend zieht – vom Brennmaterial über das Grillgut bis zur Entsorgung. Die wichtigste Stellschraube ist auch die einfachste: Was auf dem Rost liegt, entscheidet am meisten. Und das lässt sich ändern, ohne auf irgendetwas verzichten zu müssen, was einen guten Sommerabend ausmacht.

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