Wer einen Messestand baut, denkt meist an den großen Auftritt – an Licht, Grafik, Besucherstrom. Was danach kommt, landet häufig im Container. Das Messebauunternehmen EKONZEPT hat diesen Ansatz von Beginn an anders gedacht: modulare Standsysteme, die mehrfach eingesetzt werden können, ein eigens entwickelter CO₂-Rechner in Zusammenarbeit mit der IG Messewesen und eine Mitgliedschaft im Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft, die bis in die Frühphase des Unternehmens zurückreicht. EKONZEPT plant, gestaltet und realisiert Messestände von der Konzeption über den Aufbau bis zum Rückbau. Im Interview spricht CHRISTIAN SCHEUFFELE darüber, warum ressourcenschonender Messebau keine Frage der Überzeugung, sondern der Kalkulation ist.
LifeVERDE: EKONZEPT wurde 1996 gegründet. Eine Zeit, in der Nachhaltigkeit im Messebau noch ein Nischenthema war. Gab es einen spezifischen Moment oder ein Projekt in der Firmengeschichte, das den Stein ins Rollen gebracht hat, ökologisches Handeln fest in euer unternehmerisches Leitbild zu verankern?
CHRISTIAN SCHEUFFELE, Leiter im Bereich Projektmanagement bei EKONZEPT: Den einen großen Aha-Moment gab es ehrlich gesagt nicht. Das Thema war bei EKONZEPT von Anfang an angelegt. Unser Geschäftsführer Herr Endel hat bereits bei der Gründung 1996 erkannt, dass Messebau anders gedacht werden muss: hochwertig, wirtschaftlich und gleichzeitig verantwortungsvoll im Umgang mit Ressourcen. Damals war Nachhaltigkeit im Messebau noch kein Begriff, mit dem man Kundengespräche gewonnen hat. Im Gegenteil. In vielen Briefings, Ausschreibungen und Marketingabteilungen spielte das Thema noch gar keine Rolle. Herr Endel hat trotzdem früh darauf gesetzt, weil er gesehen hat, was temporäre Architektur bedeutet: viel Material, viel Logistik, viel Aufbau unter Zeitdruck und nach der Messe immer die Frage, was davon bleibt. Aus dieser Überzeugung heraus ist EKONZEPT auch schon früh Mitglied im Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft geworden. Der Verband bestand zu diesem Zeitpunkt noch aus vergleichsweise wenigen Unternehmen, die sich öffentlich mit ökologischer und verantwortungsvoller Unternehmensführung auseinandergesetzt haben. Für uns war das ein wichtiger Schritt, weil wir Nachhaltigkeit nicht nur intern mitdenken, sondern auch nach außen sichtbar Verantwortung übernehmen wollten.
Heute merkt man: Die Debatte ist im Markt angekommen. ESG-Ziele, CO₂-Bilanzen, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Beschaffung sind für viele Unternehmen inzwischen feste Bestandteile ihrer Kommunikation. Für uns fühlt sich das nicht neu an, sondern eher wie die konsequente Fortsetzung eines Weges, den Herr Endel und EKONZEPT schon sehr früh eingeschlagen haben. Wenn wir heute über nachhaltigen Messebau sprechen, dann geht es für uns nicht um einen Trend. Es geht um eine Haltung, die seit der Gründung Teil unserer Unternehmensgeschichte ist und die wir als Team konsequent weiterführen. Diese Haltung beeinflusst nicht nur strategische Entscheidungen, sondern auch das tägliche Denken und Handeln unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: in der Beratung, im Design, in der Planung, im Einkauf, in der Produktion, in der Logistik und beim Abbau vor Ort. Genau dadurch wird Nachhaltigkeit bei EKONZEPT greifbar. Sie steht nicht nur in einem Leitbild, sondern zeigt sich in vielen kleinen Entscheidungen im Projektalltag.

Bild: EKONZEPT
Viele Unternehmen schrecken vor nachhaltigem Messebau zurück, weil sie höhere Kosten fürchten. Wie sieht eure Argumentationskette aus, um Kund*innen zu zeigen, dass ein ökologischer Stand auch ökonomisch die klügere Wahl sein kann?
Wir starten nicht mit Moral, sondern mit Zahlen und gesundem Menschenverstand. Nachhaltiger Messebau ist nicht automatisch teurer. Teuer wird Messebau vor allem dann, wenn jedes Mal komplett neu gedacht, neu produziert, neu transportiert und danach entsorgt wird.
Unsere Argumentation ist ziemlich einfach: Ein gut geplantes, modulares Messestandkonzept kann mehrfach eingesetzt, umgebaut, erweitert und an unterschiedliche Standflächen angepasst werden. Das spart Material, Planungsaufwand, Produktionszeit und oft auch Budget. Der erste Blick auf das Angebot erzählt also nicht die ganze Wahrheit. Entscheidend ist der Blick auf mehrere Messen und auf die gesamte Nutzungsdauer eines Messestandes. Wir merken heute, dass viele Kund*innen Nachhaltigkeit nicht mehr nur als schönes Extra sehen, sondern als Teil ihrer eigenen Unternehmensstrategie. Für uns ist das kein neues Spielfeld. Durch unsere langjährige Mitgliedschaft im Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft und die intensive Beschäftigung mit ressourcenschonendem Messebau können wir diese Gespräche sehr praxisnah führen. Nicht aus der Theorie, sondern aus vielen Jahren Projektrealität. Dazu kommt: Nachhaltigkeit wirkt inzwischen auch nach außen. Viele Unternehmen berichten selbst über ESG-Ziele, CO₂-Reduktion, Klimaschutz und verantwortungsvolle Beschaffung. Dann sollte der Messestand nicht das Gegenteil davon erzählen. Ein durchdachter, ökologischer Messeauftritt zeigt: Diese Marke meint es ernst, ohne dabei an Design, Wirkung oder Professionalität zu verlieren. Für uns ist der beste nachhaltige Messestand der, der wirtschaftlich funktioniert, optisch überzeugt und beim nächsten Einsatz nicht wieder bei null anfängt.

Bild: EKONZEPT
Ihr nutzt einen CO₂-Rechner für eure Projekte. Welcher Faktor beim Bau eines Messestandes, jenseits der Logistik, ist laut euren Daten der größte versteckte CO₂-Treiber, den man oft unterschätzt?
Was oft unterschätzt wird, sind Einweg- und Sonderbauteile, die nur für einen einzigen Messeauftritt produziert werden. Gerade im Messebau sieht man am Ende häufig nur die schöne Oberfläche: Wandflächen, Verkleidungen, Grafiken, Boden, Licht und Möbel. Dahinter steckt aber eine ganze Menge Material, das im schlechtesten Fall nur wenige Tage im Einsatz ist. Der versteckte CO₂-Treiber ist also nicht immer das eine große Bauteil, sondern die Summe vieler kleiner Entscheidungen. Wird eine Wand neu gebaut oder aus einem modularen System entwickelt? Wird eine Grafik vollflächig neu produziert oder kann man mit austauschbaren Elementen arbeiten? Muss ein Boden neu angeschafft werden oder gibt es eine wiederverwendbare Lösung? Welche Oberflächen sind wirklich nötig und wo kann Design auch mit weniger Material stark wirken? Unser CO₂-Rechner hilft uns dabei, diese Fragen sichtbar zu machen. Und genau das ist der Punkt: Nachhaltigkeit darf nicht Bauchgefühl bleiben. Wenn man die CO₂-Bilanz eines Messestandes messen kann, kann man auch gezielt bessere Entscheidungen treffen. Für unsere Kund*innen bedeutet das mehr Transparenz, mehr Vergleichbarkeit und eine deutlich bessere Grundlage für nachhaltige Messebaukonzepte.

Bild: EKONZEPT
Modularität durch Systeme ist ein Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft. Wie gelingt es eurem Design Team, trotz standardisierter Bauteile eine so hohe Individualität zu wahren, dass die Exklusivität der Marken nicht verloren geht?
Das Missverständnis ist: Modular bedeutet Standard-Look. Das stimmt nicht. Modularität ist für uns eher das technische Rückgrat. Die Individualität entsteht darüber, wie wir Räume inszenieren: durch Proportionen, Licht, Materialkombinationen, Grafik, Medien, Besucherführung, Besprechungssituationen und die richtige Übersetzung der Marke in den Raum. Man kann sich das wie in der Architektur vorstellen. Auch dort bestehen Gebäude aus wiederkehrenden Prinzipien und Bauteilen. Trotzdem sieht nicht jedes Gebäude gleich aus. Entscheidend ist, was man daraus macht.
Unser Design Team startet deshalb nicht beim System, sondern bei der Marke. Welche Botschaft soll ankommen? Welche Zielgruppe kommt auf den Stand? Geht es um Produktpräsentation, Beratung, Leadgenerierung, Image oder alles zusammen? Erst danach überlegen wir, welche modularen Elemente sinnvoll eingesetzt werden können. Der Vorteil: Durch modulare Messesysteme bekommen wir eine langlebige und flexible Basis. Darauf entwickeln wir sehr individuelle Markenwelten, ohne jedes Mal alles neu produzieren zu müssen. Für Kund*innen bedeutet das mehr Wiederverwendbarkeit, mehr Budgetkontrolle und trotzdem einen Messeauftritt, der hochwertig, individuell und markentypisch wirkt.

Bild: EKONZEPT
Beim nachhaltigen Messebau geht es oft um das, was man nach der Messe nicht sieht. Wie geht ihr mit den Themen Abfallmanagement und Kreislaufrunden direkt vor Ort um, wenn der Trubel der Messelaufzeit vorbei ist?
Der Abbau entscheidet oft darüber, wie nachhaltig ein Messeprojekt wirklich war. Während der Messe ist alles sichtbar, schön ausgeleuchtet und perfekt inszeniert. Danach zählt, ob die Planung vorher sauber war. Wir denken den Rückbau deshalb schon in der Konzeptionsphase mit. Welche Bauteile gehen zurück ins Lager? Welche Grafiken können erneut genutzt werden? Was wird sortenrein getrennt? Was muss repariert, gereinigt oder eingelagert werden? Je klarer diese Fragen vorab beantwortet sind, desto besser funktioniert es vor Ort, auch wenn es nach Messeschluss schnell gehen muss. Unsere Teams wissen, welche Elemente zurück in den Kreislauf gehören. Modulare Bauteile, Mietmöbel und Systemmaterialien werden nicht einfach abgebaut, sondern für den nächsten Einsatz vorbereitet. Das klingt vielleicht unspektakulär, ist aber ein riesiger Hebel für ressourcenschonenden Messebau. Nachhaltigkeit passiert im Messebau nicht nur im Designmeeting. Sie passiert auch nachts in der Halle, wenn die Messe vorbei ist und alle anderen schon weg sind.

Bild: EKONZEPT
Glaubt ihr, dass wir zukünftig irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem Messestände komplett Zero Waste sind, oder ist die Branche durch ihren temporären Charakter hier an natürliche Grenzen gebunden?
Zero Waste ist ein starkes Ziel, aber man muss ehrlich bleiben. Messebau ist temporär, international, oft sehr kurzfristig und stark abhängig von Standorten, Messevorgaben und Kundenanforderungen. Komplett abfallfrei wird die Branche deshalb nicht von heute auf morgen. Aber wir können sehr viel näher herankommen, als viele denken. Der Schlüssel liegt in Planung, Modularität, Wiederverwendung und Messbarkeit. Wenn ein Messestand nicht als Einzelprojekt gedacht wird, sondern als flexibles System über mehrere Einsätze hinweg, verändert sich alles. Dann wird aus einem temporären Auftritt ein langfristiges Markenwerkzeug. Für uns ist Zero Waste weniger ein Werbeversprechen als eine Richtung. Wir wollen Material vermeiden, bevor es überhaupt entsteht. Wir wollen Bauteile länger nutzen, bevor wir über Recycling sprechen. Und wir wollen mit echten Daten arbeiten, statt nur mit guten Absichten.
Am Ende geht es nicht darum, Messebau kleiner oder langweiliger zu machen. Im Gegenteil: Die spannendste Aufgabe der nächsten Jahre wird sein, starke Markenauftritte zu bauen, die weniger Ressourcen brauchen und trotzdem mehr Wirkung erzeugen. Genau da sehen wir unsere Rolle als nachhaltiger Messebaupartner für Unternehmen, die Verantwortung, Design und wirtschaftliche Weitsicht zusammenbringen wollen.

Bild: EKONZEPT
Fazit: Messebau als Kreislauf statt als Einwegprojekt
EKONZEPT macht deutlich, dass ressourcenschonender Messebau kein Aufpreisthema ist, sondern eine Frage der Planung. Wer modulare Systeme nicht als gestalterische Einschränkung begreift, sondern als langlebige Basis für individuelle Markenauftritte, rechnet am Ende anders – und oft besser. Dass das Unternehmen nun bereits seit rund 30 Jahren diesen Weg geht und inzwischen mit einem eigenen CO₂-Rechner arbeitet, gibt diesem Ansatz eine Glaubwürdigkeit, die sich nicht einfach behaupten lässt. Wer Ressourcenverantwortung nicht als Reaktion auf Markttrends begreift, sondern als Gründungsüberzeugung, muss sie nicht mehr erklären, sondern kann sie einfach zeigen.
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