Aerogele gelten als eines der spannendsten Hochleistungsmaterialien unserer Zeit. Warum? Weil sie Dinge ermöglichen, die lange als technischer Widerspruch galten: bessere Dämmung bei weniger Material, geringeres Gewicht bei hoher Leistung oder energieeffiziente Lösungen auf engstem Raum. Wer einmal versteht, wie Aerogele funktionieren, beginnt automatisch darüber nachzudenken, wo diese Technologie ganze Industrien verändern wird. Das Unternehmen AEROGEL-IT entwickelt biobasierte Aerogele mit einem klaren Anspruch: „Globaler aktiver Klimaschutz für alle, jeden Tag.“ Im Interview erklärt CEO Dr. Marc Fricke, warum Aerogele gerade jetzt den Durchbruch im Massenmarkt erleben.
LifeVERDE: Die Geschichte der Aerogele begann 1931 mit einer Wette im Labor, doch trotz ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften blieb die Technologie lange Zeit auf spezialisierte und kostenintensive Anwendungen beschränkt. Für alle, die noch nie davon gehört haben: Was genau sind Aerogele und warum sind sie gerade jetzt an einem Punkt, an dem sie den Sprung in breitere Märkte schaffen?
DR. MARC FRICKE, Geschäftsführer der AEROGEL-IT GMBH: Aerogele sind extrem leichte Hochleistungsmaterialien mit einer hochporösen Struktur. Ihre Poren sind rund 1.000-mal feiner als die eines klassischen Schaums und bewegen sich im Nanometerbereich. Vereinfacht gesagt entsteht dabei ein Feststoff, der größtenteils aus Luft besteht – dadurch können Aerogele außergewöhnlich leicht und gleichzeitig technologisch extrem leistungsfähig sein. Lange Zeit war die Herstellung sehr aufwendig und teuer, weshalb Aerogele fast ausschließlich in Spezialanwendungen wie Raumfahrt oder Hightech-Industrien eingesetzt wurden. Genau das verschiebt sich gerade.
Neue Anforderungen in Bereichen wie Elektromobilität, Batterietechnologie, Luft- und Raumfahrt, Elektronik oder energieeffizientem Bauen sorgen weltweit für eine stark steigende Nachfrage. Gleichzeitig ermöglichen moderne Herstellungsverfahren inzwischen deutlich wirtschaftlichere und nachhaltigere Lösungen. Dadurch schaffen Aerogele aktuell den Übergang von einer Nischentechnologie hin zu einem Material für industrielle Massenanwendungen.

Bild: aerogel-it GmbH
Aerogele bestehen zu über 95 % aus Luft und verfügen über außergewöhnliche physikalische Eigenschaften. Was macht dieses Material im direkten Vergleich zu klassischen Lösungen wirklich überlegen und wo liegen Grenzen?
Die besondere Stärke von Aerogelen liegt in ihrer extrem feinen Porenstruktur. Dadurch lassen sie so gut wie keine Wärme durch und isolieren deutlich besser als klassische Wärmedämmstoffe, also besonders energieeffizient und gleichzeitig schlank. Ein entscheidender Vorteil ist dabei die Langzeitstabilität: Aerogele verlieren ihre Wärmedämmeigenschaften praktisch nicht. Während viele konventionelle Materialien mit der Zeit altern oder an Leistung verlieren, bleiben Aerogele dauerhaft effizient. Bereits heute werden flexible Aerogelmatten beispielsweise direkt auf Rohrleitungen eingesetzt, um Wärmeverluste massiv zu reduzieren und gleichzeitig Korrosion zu verhindern. Gerade in Industrieanlagen oder Energiesystemen ist das ein enormer Vorteil.
Die Herausforderungen lagen bislang vor allem beim Preis, bei der Verarbeitung und bei der Staubentwicklung klassischer Aerogele. Genau dort setzen wir mit unseren Entwicklungen an. Unser Ziel war es, Aerogele deutlich anwenderfreundlicher, wirtschaftlicher und nachhaltiger zu machen – ohne die technologischen Vorteile zu verlieren.
Ihr entwickelt kommerzielle biobasierte Aerogele. Welche konkreten Herausforderungen gab es dabei, Hochleistung und Umweltverträglichkeit miteinander zu vereinen?
Die größte Herausforderung bestand darin, die außergewöhnlichen Eigenschaften klassischer Hochleistungs-Aerogele auf biobasierte Rohstoffe zu übertragen. Damit Aerogele ihre Dämmleistung, Stabilität und Leichtigkeit erreichen, braucht es eine sehr präzise Kombination aus hoher Porosität, extrem feinen Porenstrukturen und möglichst geringer Dichte. Genau dieses Zusammenspiel mit nachwachsenden Rohstoffen technologisch zuverlässig abzubilden, war eine der zentralen Entwicklungsaufgaben. Unser Anspruch war dabei nie „nur“ nachhaltiger, sondern gleichzeitig auch leistungsfähig und industriell nutzbar zu sein. Genau darin lag die eigentliche Herausforderung.

Bild: aerogel-it GmbH
Viele umweltfreundliche Materialien scheitern an Skalierung und Kosten. Was sind aktuell die größten Hürden, um Aerogele wirklich in die industrielle Breite zu bringen?
Bei konventionellen Aerogelen sind die größten Herausforderungen nach wie vor die Herstellkosten und der ökologische Fußabdruck der Produktion. Deshalb haben wir sowohl die Prozesstechnologie als auch die eingesetzten Rohstoffe grundlegend weiterentwickelt. Ein wichtiger Schritt war dabei die Übertragung der Aerogelherstellung auf nachwachsende Rohstoffe und neue Materialkombinationen. Heute können wir Aerogele prinzipiell aus fast jedem Rohstoff herstellen und gezielt an Anwendungen anpassen. Dadurch entsteht eine technologische Plattform, die deutlich flexibler, nachhaltiger und wirtschaftlicher ist als frühere Ansätze. Die aktuelle Aufgabe besteht jetzt darin, diese Technologien schnell genug in industrielle Anwendungen zu überführen und große Produktionsvolumina bereitzustellen.
Wenn ihr Entscheidungen trefft: Was hat im Zweifel Vorrang – maximale Performance, Kosten oder Umweltverträglichkeit? Und wie geht ihr mit diesen Zielkonflikten konkret um?
Im Labor testen wir bewusst die Grenzen des technisch Machbaren aus. In unseren Produkten geht es anschließend darum, das bestmögliche Gleichgewicht zwischen Performance, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit zu erreichen. Denn die technologisch maximale Lösung ist nicht automatisch die sinnvollste Lösung für den Markt. Wenn Zielkonflikte entstehen, haben Umweltverträglichkeit und wirtschaftliche Umsetzbarkeit für uns Vorrang vor einer rein maximalen Performance. Was uns gelingt, ist, Lösungen zu entwickeln, die nicht nur im Labor funktionieren, sondern real skalierbar und langfristig sinnvoll sind. Gleichzeitig entwickeln wir für unsere Kund*innen maßgeschneiderte Aerogelprodukte, die exakt auf die jeweilige Anwendung und den Bedarf abgestimmt werden können.

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Was glaubt ihr, in welchen konkreten Anwendungen Aerogele in den nächsten 10 bis 20 Jahren den größten Unterschied machen werden und warum?
Eine der wichtigsten Anwendungen ist bereits heute die Sicherheit von EV-Batterien. Dieser Markt wächst aktuell extrem dynamisch und wird in den kommenden Jahren weiter massiv an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus sehen wir enormes Potenzial im Bauwesen – insbesondere bei der energetischen Sanierung von Gebäuden. Aerogele ermöglichen sehr leistungsfähige Dämmungen bei minimaler Materialstärke. Das ist beispielsweise bei Bestandsgebäuden oder denkmalgeschützten Fassaden ein entscheidender Vorteil. Aerogelbasierte Wärmedämmputze werden bereits heute erfolgreich eingesetzt. Mit kostengünstigeren und nachhaltigeren Aerogelen könnte künftig ein großer Teil des Gebäudebestands energieeffizienter und klimaresilient gemacht werden. Zusätzlich werden Aerogele zunehmend in elektronischen Bauteilen, in der Luft- und Raumfahrt sowie in neuen Anwendungen der Pharma-, Kosmetik- und Parfumindustrie eingesetzt werden. Gerade unsere biobasierten Aerogele eröffnen dabei neue Möglichkeiten, weil sie technologische Leistung mit Nachhaltigkeit verbinden. Genau darin sehen wir einen entscheidenden Zukunftsmarkt.

Bild: aerogel-it GmbH
Fazit: Aerogele sind keine Zukunftstechnologie mehr, sondern Gegenwart
Aerogele werden nun ein Teil der industriellen Entwicklung. Und schon heute zeigt sich, welches Potenzial in dieser Technologie steckt: weniger Materialeinsatz, höhere Energieeffizienz, neue Sicherheitsstandards und völlig neue Möglichkeiten für nachhaltige Anwendungen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Menschen nach wenigen Minuten beginnen, in Anwendungen zu denken, sobald sie Aerogele verstanden haben. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Dämmung oder einzelne Produkte — sondern um die Frage, wie die Transformation unserer Industrien mit Aerogelen gelingen kann.
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