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SANDY P. PENG: Die Realität hinter Aktivismus, veganer Mode & echtem Wandel

INTERVIEW I SANDY P. PENG spricht offen über die emotionalen Herausforderungen ihrer Tierschutzarbeit und darüber, wie Aktivismus auch jenseits von Social Media Wirkung entfaltet. Sie zeigt, warum vegane Mode, echte Verantwortung und gesellschaftlicher Wandel untrennbar miteinander verbunden sind.

INTERVIEW I SANDY P. PENG spricht offen über die emotionalen Herausforderungen ihrer Tierschutzarbeit und darüber, wie Aktivismus auch jenseits von Social Media Wirkung entfaltet. Sie zeigt, warum vegane Mode, echte Verantwortung und gesellschaftlicher Wandel untrennbar miteinander verbunden sind.

14.11.2025, ein Beitrag von: Louisa Becker - Bild: Britta Becker, Lebenshof Hohenwart 

SANDY P. PENG gehört zu den bekanntesten Stimmen im deutschsprachigen Tierrechts- und Nachhaltigkeitsbereich – und spricht im Interview so persönlich wie selten. Sie erzählt, welche mentalen Belastungen Aktivismus mit sich bringt und warum echte Veränderung oft leise beginnt. Gleichzeitig gibt sie Einblicke in die Entwicklungen der Pelzindustrie, der veganen Mode und zukünftiger Trends im Tierschutz. Ihr Blick auf die Welt ist klar, konsequent und inspiriert von einer Haltung, die seit Jahren Menschen motiviert, Verantwortung neu zu denken.


Bild: Tigerlily Photography 

LifeVERDE: Viele kennen deine Aktivismus-Seite, aber kaum jemand weiß, welche emotionalen oder mentalen Kosten damit verbunden sind. Was war die härteste Wahrheit, der du dich in deiner Tierschutzarbeit stellen musstest – und wie hat sie deinen Blick auf die Welt verändert?

SANDY P. PENG, Tierrechtsaktivistin: Die härteste Wahrheit war für mich, dass man nicht alle retten kann – selbst dann nicht, wenn man alles gibt, sein Herz, seine Zeit und die eigenen Grenzen überschreitet. Ich musste lernen, mit Ohnmacht zu leben und trotzdem weiterzumachen. Zu sehen, wie viele Tiere leiden und sterben, weil Menschen wegsehen oder ihr Verhalten nicht ändern wollen, hat meinen Blick auf die Welt verändert. Heute sehe ich vieles klarer, vielleicht auch härter – aber gerade deshalb weiß ich, wie wichtig Mitgefühl und Konsequenz sind.

LifeVERDE: Wenn man von außen auf Tierrechtsarbeit schaut, wirkt alles laut, politisch und kämpferisch. Gibt es eine stille, unsichtbare Form des Aktivismus, die für dich persönlich die größte Wirkung hat – vielleicht sogar abseits von Social Media?

Die wirksamsten Gespräche finden im Alltag statt, abseits von Social Media. Wenn jemand durch so ein Gespräch plötzlich beginnt, Verantwortung neu zu denken, dann ist das für mich echter Wandel – und einer der schönsten Erfolge.

LifeVERDE: Wie sind die Entwicklungen in der Pelzproduktion?

Das Ende der Pelzindustrie naht. Weltweit gibt es derzeit 23 Pelzfarmverbote, dazu Verbote einzelner Tierarten und erste Handelsverbote. Zuletzt hat auch das Unterhaus des polnischen Parlaments für ein Pelzfarmverbot gestimmt – ein starkes Zeichen! Solche Entscheidungen zeigen, dass gesellschaftlicher Druck, Aufklärung und konsequenter Aktivismus wirken.


Bild: VGT - VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN 

LifeVERDE: Immer mehr Marken werben mit „tierfreien“ Materialien – doch Innovationen wie Pilzleder, Labor-Leder oder Recyclingfasern entwickeln sich rasant. Welche Technologie findest du aktuell wirklich spannend, und welche hältst du für überbewertet?

Ich finde es beeindruckend, wie stark der Bereich veganer Materialien in den letzten Jahren gewachsen ist. Besonders spannend finde ich Pilzleder, es ist umweltfreundlich und benötigt bei der Herstellung nur wenig Wasser und Energie. Gleichzeitig sehe ich auch viel Greenwashing – manche sogenannten „veganen“ Alternativen bestehen größtenteils aus Kunststoffen.

Ich persönlich bin ein großer Fan von Upcycling – deshalb habe ich in diesem Jahr eine Kollektion aus Vintage- Jeansjacken entwickelt.

LifeVERDE: Dein veganes Modelabel ist inzwischen mehr als nur Mode – es ist Statement und Haltung. Welche kreative oder strategische Entscheidung hast du getroffen, die von außen vielleicht klein wirkt, aber für dich ein echter Gamechanger war?

Ich glaube, dass Menschen meine Mode gerne tragen, weil meine Marke authentisch ist. Hinter ihr steht eine echte, aktive Person, die seit vielen Jahren für Tiere einsteht und dafür auch Risiken eingegangen ist.

Mein Modelabel in diesem Jahr zehn Jahre alt geworden – und seit zehn Jahren bekomme ich Fotos von Menschen, die meine Statements bei Protesten, Aktionen und im Alltag tragen; dadurch auf wichtige Themen aufmerksam machen und Diskussionen anregen. Aus diesem Grund sehe ich meine Statement Mode auch als eine zusätzliche Form des Aktivismus.

LifeVERDE: Viele Models sprechen über Ästhetik, aber wenige darüber, wie sich ethische Werte konkret in Kampagnen und Castings durchsetzen lassen. Hast du in deiner Karriere Momente erlebt, in denen du bewusst neue Standards gesetzt hast – direkt oder indirekt?

Zu meiner Zeit als Tattoomodel ließ ich mir den Schriftzug „INK, NOT MINK“ – also „Tinte statt Nerz“ – auf mein Bein tätowieren, um ein Zeichen gegen das Tragen von Tierpelz zu setzen und dieses Thema auch in meine Tätigkeit vor der Kamera einzubinden. Mit Erfolg: Viele Fotos aus diesen Shootings wurden in Magazinen, Zeitungen, Onlineportalen und sogar auf Titelseiten veröffentlicht.

Bei Interviews wurde ich dann oft nach der Bedeutung des Tattoos gefragt – und dadurch hatte ich jedes Mal eine Gelegenheit, über die Pelzindustrie aufzuklären und Bewusstsein zu schaffen. Außerdem habe ich mit verschiedenen Tierschutzorganisationen zusammengearbeitet und meine Reichweite genutzt, um Kampagnen als Testimonial zu unterstützen.

LifeVERDE: Veganuary erreicht jedes Jahr Millionen Menschen, aber die Frage ist: Was passiert im Februar? Welche Veränderungen würdest du dir von Unternehmen oder Politik wünschen, damit Veganuary nicht nur ein Monats-Hype bleibt?

Die pflanzenbasierte Ernährung ist mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft – auch wenn Gegner:innen alles daransetzen, das zu verhindern. Ein gutes Beispiel ist die Diskussion um das sogenannte EU-Veggie-Burger-Verbot. Ich meine, ernsthaft? Darüber wird diskutiert, als hätten wir keine wichtigeren Themen. Während jeden Tag fühlende Lebewesen in Massentierhaltung leiden, streitet man darüber, ob man einen pflanzlichen Burger überhaupt noch „Burger“ nennen darf.

Statt Begriffe zu verbieten und sinnlose Debatten zu führen, sollte die Politik lieber Wege finden, wie Unternehmen nachhaltige Ernährung fördern können – durch faire Preise, bessere Kennzeichnung und Unterstützung pflanzlicher Innovationen.

LifeVERDE: Aktivismus und Social Media prallen oft aufeinander – schnelle Reaktionen, hohe Erwartungen, viel Kritik. Wie gehst du mit Menschen um, die zwar vegan leben, aber völlig andere Vorstellungen von Tierrechten oder Aktivismus haben als du?

Aktivismus darf vielfältig sein. Ich begegne oft Menschen, die vegan leben, aber den Weg dorthin anders sehen als ich. Das ist völlig in Ordnung – solange das Ziel dasselbe bleibt: Tierleid zu beenden. In meinen ersten Jahren empfanden manche meine Aktionsformen als zu radikal oder zu extrem. Ich musste mir oft anhören, was ich tun oder lieber lassen sollte – aber das hat mich nie interessiert. Hätte ich mich davon beeinflussen lassen, hätte ich vieles nicht gemacht – und auch nicht erreicht.


Bild: Britta Becker, Lebenshof Hohenwart 

LifeVERDE: Welche Entwicklung in der Tierschutzszene, der Modebranche oder der veganen Community, wird deiner Meinung nach in den nächsten Jahren massiv unterschätzt – und warum sollten wir heute schon darüber sprechen?

Ich könnte mir vorstellen, dass wir in den nächsten Jahren eine neue Form von Tierrechtsarbeit erleben werden – eine, die weniger um Aufmerksamkeit kämpft und stärker auf Authentizität, Wissen und langfristige Verantwortung setzt. Im Bereich Mode müssen wir zwingend weg von Fast Fashion – für unsere Umwelt, aber auch für uns selbst. Die vegane Community wird weiterwachsen und das tierleidfreie Angebot immer vielfältiger werden. Wir reden viel über Nachhaltigkeit, aber zu selten über ihre Konsequenzen. Der Klimawandel ist nicht nur ein Thema für Politik oder Wissenschaft – er zeigt, wie tief unser Verhältnis zur Welt aus dem Gleichgewicht geraten ist. In der Mode- und Konsumbranche, in der Landwirtschaft und auch in vielen anderen Bereichen spiegeln sich dieselben Muster: Profit vor Leben, Bequemlichkeit vor Verantwortung. Wenn wir diesen Zusammenhang begreifen, können wir aufhören, nur Symptome zu bekämpfen – und endlich am Ursprung etwas verändern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontaktdaten:
Sandy P. Peng
office@sandyppeng.com
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