Überarbeitet am 14.01.2026 von: Louisa Becker, erstveröffentlicht am: 16.05.2022, LifeVERDE-Expertin für nachhaltige Seifen: SABINE KATZ (HAKAWERK) - Bild: Canva
Spätestens seit der Pandemie achten wir alle ganz besonders auf unsere Handhygiene. Da kann das Händewaschen schon mal exzessiv werden und die Seifenverpackungen ziemlich schnell leer. Vor allem bei alltäglichen Produkten wie Seife für Hände und Körper lohnt es sich daher zu schauen, ob diese eigentlich nachhaltig sind. Denn neben dem Plastikmüll, den sie produzieren können, gibt es noch viele andere Aspekte, die die Nachhaltigkeit von Seifen und Co. negativ beeinflussen. Aber was macht eine Seife eigentlich nachhaltig und sind Seifen gar umweltschädlich? SABINE KATZ von HAKAWERK W.Schlotz klärt uns auf.
Nachhaltige Seife beginnt bei der richtigen Wahl – welche Produkte besonders überzeugen, zeigen wir im Natur Seife Test.
1. Was macht eine Seife nachhaltig?
2. Kann man Flüssigseife selber machen?
3. Gibt es Flüssigseife auch ohne Verpackung?
4. Ist Seife umweltschädlich?
5. Wie funktioniert Seifenkonzentrat?
SABINE KATZ von HAKAWERK: Um diese Frage zu beantworten, muss der gesamte Lebenszyklus eines Produktes betrachtet werden: Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau sind nachhaltig, ebenso schnell und leicht biologisch abbaubare Rohstoffe. Gerade bei Flüssigseifen kann man als Hersteller*in auf die Wirksamkeit von Pflanzen setzen, also nachwachsende Rohstoffe einsetzen. Außerdem dürfen keine unnötigen Füllstoffe enthalten sein, kurze Transportwege sind wichtig, strenge Lieferantenbewertungen. Auch die Produktion ist relevant. Umweltschutz muss bereits beim Produktionsprozess eine Rolle spielen. Daher verbessern EMAS-zertifizierte Unternehmen kontinuierlich den Umweltschutz am Standort bei der täglichen Arbeit. Dann kommt die Verpackung. Um eine Verpackung aus Plastik kommen wir bei Flüssigseifen momentan noch nicht herum. Aber clevere Nachfüllsysteme können dafür sorgen, dass Mehrweggebinde eine sehr lange Lebensdauer haben. Gerade bei Flüssigseifen ist das Thema „Nachfüllen“ um Verpackungen einzusparen, ganz einfach, mittels hochwertigem Spender und verschiedenen Größen bei Nachfüllgebinden.

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Man kann aus übrig gebliebenen Seifenstücken tatsächlich Seife selbst machen. Dazu muss diese klein geraspelt werden und in einem Topf mit Wasser aufgekocht werden. Gibt man dazu noch Honig oder Olivenöl, wird sie auch etwas geschmeidiger. Selbstgemachte Seife ist aber nur 1-2 Wochen haltbar, denn sie enthält keine Konservierungsstoffe.
Nein, das gibt es bislang noch nicht. Selbstverständlich kann man in „Unverpackt“-Läden Flüssigseife in ein mitgebrachtes Behältnis abfüllen. Oder man befüllt einen Spender immer wieder mit einem Nachfüllgebinde.
Nein, wenn keine Inhaltsstoffe darin enthalten sind wie Microplastik oder schwer abbaubare Tenside.
Ganz einfach: Bei einem echten Konzentrat mischt man dem Produkt weniger Wasser bei. Enthält eine Flüssigseife viel Wasser, dann braucht man wesentlich mehr Konservierungsmittel, um sie haltbar zu machen. Leider kann man der Inhaltsstoffdeklaration auf dem Etikett nicht entnehmen, wie hoch der Bestandteil an Wasser ist. Das merkt man nur bei der Anwendung. Auch die Schaumbildung ist kein Hinweis auf die Konzentration, denn es sind eher die pflanzlichen und hautfreundlichen Tenside, die nicht so stark schäumen. Das gilt übrigens nicht nur für Flüssigseifen, sondern für alle tensidhaltigen Produkte.
LifeVERDE: Woraus besteht feste Seife?
In jeder Seife – so auch in fester Seife – sind sogenannte Tenside enthalten. Tenside sind Substanzen, die die Oberflächenspannung von Fetten auflösen. Seit 2015 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die verwendeten Tenside biologisch abbaubar sein müssen. Am nachhaltigsten sind pflanzliche Tenside, beispielsweise aus Oliven oder Distel. Häufig werden noch weitere Inhaltsstoffe aus Pflanzen hinzugefügt – für eine besonderen Geruch oder eine besonders pflegende Wirkung.
LifeVERDE: Ist feste Seife nachhaltiger als flüssige Seife?
Feste Seife kommt – im Vergleich zu flüssiger Seife – ganz ohne Plastikverpackung aus. Wichtig ist allerdings auch, dass es sich um Seife handelt, die ohne synthetische Zusätze hergestellt wurde. Flüssigseife kommt häufig nicht ohne diese synthetischen Stoffe (auch Syndets) aus, da diese die Seife flüssig und cremig halten. Laut Experten sind außerdem antimikrobielle Zusätze in Seifen nicht notwendig und belasten die Gewässer. Insgesamt ist feste Naturseife die bessere Wahl, wenn es um Nachhaltigkeit und Müllvermeidung geht.
LifeVERDE: Wie hygienisch ist feste Seife?
Immer wieder wird angenommen, dass feste Seife im Vergleich zu flüssiger Seife aus dem Spender, weniger hygienisch und mit Keimen belastet ist. Doch was ist an diesen Vermutungen überhaupt dran?
Viele Studien haben sich in den vergangenen Jahren mit dieser Frage auseinandergesetzt und sind insgesamt zu folgendem Schluss gekommen: Bakterien und Keime können von den Händen auf feste Seife übertragen werden (dies gilt übrigens auch für den Aufsatz am Seifenspender). Allerdings haben diese 1. keine gute Überlebenschance auf der Seifenoberfläche, und 2. werden die Keime bei erneuter Nutzung nicht auf die Haut zurückübertragen.
Vor allem im privaten Raum eignet sich feste Seife also genauso gut wie flüssige Seife zum Reinigen der Hände. Es kommt viel mehr auf die Art und Dauer des Händewaschens an (mind. 30 Sekunden) – ob kaltes oder warmes Wasser, ist ebenfalls egal.

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LifeVERDE: Kann man feste Seife auch selbst machen?
Selbstverständlich lässt sich auch feste Seife ganz einfach selbst herstellen. Dafür benötigst du nur ein Stück Kernseife, ein paar Esslöffel Oliven- oder anderes pflanzliches Öl, ätherische Öle für den Geruch und gegebenenfalls weitere Inhaltsstoffe zum Verfeinern. Die Masse wird in einem Topf erhitzt und danach in eine beliebige Form gefüllt. Dort muss die Seifenmischung ein paar Tage abkühlen. Im Internet findest du viele spannende und ausgefallene Rezepte für die Herstellung nachhaltiger fester Seife.
LifeVERDE: Wie sollte feste Seife am besten aufbewahrt werden?
Wichtig ist, dass du deine feste Seife nicht zu lange in einer nassen Schale oder Ähnlichem liegen lässt. Beispielsweise gibt es feste Seifen mit Schnur, die du ganz einfach Aufhängen kannst oder Seifenschalen mit Löchern, durch die das Wasser ablaufen kann. Ein echtes Revival feiern auch Seifen mit Magnet, die du an eine Halterung an der Wand anpinnen kannst. Expert*innen empfehlen außerdem, die Seife nach der Nutzung einmal kurz unter klarem Wasser abzuspülen, damit mögliche Keime direkt abgewaschen werden.
Natur Seife ist die nachhaltigste Wahl für den Alltag
Das Interview macht deutlich: Ob Inhaltsstoffe, Verpackung oder Lebenszyklus – nachhaltige Seife beginnt bei bewussten Entscheidungen. Vor allem feste Natur Seife überzeugt durch ihre gute Umweltbilanz, den Verzicht auf unnötige Chemie und die Möglichkeit, Plastikmüll deutlich zu reduzieren. Wer seine Handhygiene langfristig nachhaltiger gestalten möchte, sollte daher nicht nur auf die Art des Händewaschens achten, sondern auch auf das Produkt selbst. Mit der richtigen Seife lässt sich im Alltag ein einfacher, aber wirkungsvoller Beitrag für Umwelt und Gesundheit leisten.
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