Frag die Expert*innen!

Frag die Expert*innen! Zero Waste Kosmetik

Ausgewählte Expert*innen beantworten deine Fragen zum Thema Zero Waste Kosmetik.

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Ausgewählte Expert*innen beantworten deine Fragen zum Thema Zero Waste Kosmetik.

LifeVERDE-Expertin für Zero Waste Kosmetik: Dr. Melissa Spoden (nada - simply care) I Bild: Diana Akhmetianova

Anders als bei herkömmlichen Kosmetikprodukten wird bei Zero Waste Kosmetik darauf geachtet, möglichst wenig Müll und Ressourcen bei der Herstellung als auch beim Produkt selbst zu verbrauchen. Woran erkenne ich jedoch Zero Waste Kosmetik? Bedeutet Zero Waste Kosmetik immer gleich, dass es sich um Naturkosmetik handelt? Und wie stelle ich langfristig auf plastikfreie Produkte im Badezimmer um?

Solche und ähnliche Fragen zum Thema Zero Waste Kosmetik stellen sich hunderte Menschen täglich – ein klarer Fall für unser Informations-Format “Frag die Expert*innen!”. Wir bringen Licht in den naturkosmetischen Zero Waste-Dschungel und geben eure Fragen rund um nachhaltige Produkte und Themen direkt an unsere Partner*innen weiter, die selbst Hersteller*innen, Produzent*innen, Dienstleister*innen, Wissenschaftler*innen oder aus einem anderen Grund Expert*innen auf dem jeweiligen Gebiet sind.

1.  Was ist Zero Waste Skin Care?
2.  Was versteht man unter nachhaltigen Pflegeprodukten?
3.  Woraus bestehen nachhaltige Verpackungen?

1. Was ist Zero Waste Skin Care?

Normalerweise sind Kosmetik- und Pflegeprodukte eine der Hauptverursacher für Plastikmüll. Durch Zero Waste Skin Care soll das geändert werden. Der Begriff ist zusammengesetzt aus Skin Care – Hautpflege – und Zero Waste.

Zero Waste ist eine Philosophie beziehungsweise ein Prinzip, mit dem Nachhaltigkeit erzielt werden soll. Es baut auf folgenden fünf Rs auf:

  • reduce
  • refuse
  • reuse
  • recycle
  • rot

Demnach wird Müll soweit es geht reduziert (reduce) und abgelehnt (refuse). Wo möglich werden Produkte und Verpackungen wiederverwendet (reuse). Falls dies nicht machbar ist, sollen Produkt und Verpackung recycelbar (recycle) oder kompostierbar (rot) sein.

Bei Zero Waste Pflegeprodukten wird deshalb, so gut es geht auf Verpackungen verzichtet. Ist das nicht umsetzbar, werden die Verpackungen alternativ zu Plastik aus nachhaltigen Materialien hergestellt und/oder in ein Nachfüllkonzept eingebunden. Dabei kann das Nachfüllen auf zwei Arten funktionieren:

  • Das Pflegeprodukt wird vor Ort immer wieder nachgefüllt, zum Beispiel in einem Unverpackt-Laden.
  • Das Pflegeprodukt wird in einer Nachfüllpackung angeboten, die dem Zero Waste Prinzip gerecht wird und erst zu Hause zum gebrauchsfertigen Produkt angemischt. So funktionieren beispielsweise Duschgel- und Shampoopulver, die in kompostierbaren oder recycelbaren Sachets gekauft und zu Hause mit Wasser in einer nachfüllbaren Flasche zu gebrauchsfertigem Shampoo und Duschgel angemischt werden. Im besten Fall besteht die nachfüllbare Flasche ebenfalls aus nachhaltigem Material.

Dr. Melissa Spoden (nada - simply care)

2. Was versteht man unter nachhaltigen Pflegeprodukten?

Bei nachhaltigen Pflegeprodukten sollten sowohl die Verpackung als auch der Inhalt nachhaltig sein, wobei mit nachhaltigem Inhalt Naturkosmetik gemeint ist. Denn im Gegensatz zu konventioneller Kosmetik, ist Naturkosmetik aus natürlichen Rohstoffen hergestellt und dadurch schonender für Mensch und Umwelt.

Begrifflichkeiten wie Naturkosmetik, natürlich oder naturbasiert sind nicht geschützt und werden gezielt eingesetzt, um Kosmetik ein nachhaltiges Image zu verleihen. Hier helfen Naturkosmetik Zertifikate bei der Orientierung, ob es sich nun um ein natürliches Pflegeprodukt handelt. Zertifizierte Naturkosmetik ist Kosmetik, die von einer unabhängigen Institution geprüft und mit einem Naturkosmetiksiegel ausgezeichnet wurde. National und international gibt es über zehn verschiedene Siegel für Naturkosmetika. Allen gemein ist, dass sie sowohl Anforderungen an die Herkunft der Rohstoffe, an den Herstellungsprozess und die Arbeitsbedingungen sowie an die Einhaltung von Tierrechten stellen.

Nachhaltige Verpackungen sind ebenfalls durch entsprechende Zertifikate und Siegel identifizierbar:

  • Kompostierbare Verpackungen können gemäß der Norm DIN EN 13432 zertifiziert werden und sind dann anhand des Keimling-Logos zu erkennen.
  • Bei Papierverpackungen kennzeichnet der sogenannte Blaue Engel Verpackungen aus recyceltem Papier.
  • Bei Glas- und Kunststoffflaschen muss bislang auf die Aussage der Marke vertraut werden, wie viel recyceltes Plastik oder Altglas für die Herstellung verwendet wird.

Dr. Melissa Spoden (nada - simply care)

3. Woraus bestehen nachhaltige Verpackungen?

Klar ist, dass konventioneller Kunststoff nicht als nachhaltige Verpackung zählt. Er hat zwar viele Eigenschaften, die für Verpackungen optimal sind – ist günstig, leicht, anwendungsfreundlich und schützt gut – aber nachhaltig ist Kunststoff nicht.

Glas und Papier hingegen würden die meisten als nachhaltig betrachten, doch das ist leider nur bedingt richtig:

Verschmutztes Papier zum Beispiel kann nicht im Papierkreislauf recycelt werden und muss stattdessen in den Restmüll. Außerdem ist recyceltes Papier oft mit Schwermetallen belastet. Bei Glas ist es ähnlich. Wir empfinden es als nachhaltig, die Herstellung und der Transport von Glas sind jedoch sehr energieaufwendig. Zudem wird für die Glasherstellung der sehr kostbare und immer knapper werdende Rohstoff Sand benötigt.

Es gibt inzwischen zahlreiche Materialien, die immer weiterentwickelt werden und zukunftsfähige Alternativen zu Kunststoff, Glas und Papier sein können. Die verwendeten Rohstoffe sind dabei ganz unterschiedlich. Hier ein paar Beispiele:

  • Kompostierbare Verpackungen bestehen meist aus Papier und Polymilchsäure (PLA). PLA wird aus fermentierter Pflanzenstärke wie zum Beispiel Maisstärke gewonnen und ist ein natürliche Polymer, das immer öfter Kunststoffe auf Erdölbasis ersetzen kann.
  • Bagasse ist ein nachhaltiges Material, das vor allem für Verpackungen im Lebensmittelbereich Verwendung findet. Es wird aus den trockenen Resten des Zuckerrohrs nach der Saftgewinnung gewonnen und ist ein Nebenprodukt der Zuckerindustrie.
  • Chitin ist das zweithäufigste natürliche Biopolymer, aus dem in Kombination mit Cellulose eine langlebige, natürliche Beschichtung für Verpackungen hergestellt werden kann. Es ist in den robusten Schalen von Krabben, Hummern und Schnecken enthalten. Da von diesen Tieren große Mengen Abfallprodukte anfallen, eignen sich diese gut, um nachhaltige Verpackungen herzustellen.

Dr. Melissa Spoden (nada - simply care)

Expertin für Zero Waste Kosmetik

Dr. Melissa Spoden, Ideengeberin für nada – simply care

Bereits 1989 hatte Familie Spoden eines der ersten Nachfüllsysteme in Deutschland für ihre eigene Naturkosmetik-Serie entwickelt. Ziel war es, den Plastikmüll zu reduzieren. Doch in den 1990er-Jahren war die Gesellschaft noch nicht bereit für das nachhaltige Nachfüllkonzept. Heute ist der Zeitgeist ein anderer und so haben Gisela und Melissa Spoden – Mutter und Tochter – die Idee des plastikfreien Badezimmers erneut aufgegriffen. 

So entwickelten Sie ein Pulver-Konzentrat, welches jede*r selbst daheim mit Leitungswasser zu flüssigen Shampoo und Duschgel anrühren kann. Nach einem erfolgreichen Crowdfunding ist das plastikfreie Duschshampoo seit 2020 sowohl online als auch bundesweit in verschiedenen Bio- und Unverpackt-Läden unter der Marke nada - simply care erhältlich.

„Bei Zero Waste Skin Care sollten sowohl der Inhalt als auch die Verpackung nachhaltig sein. Im Idealfall wird auch ein nachhaltiger Herstellungs- und Lieferprozess berücksichtigt." (Dr. Melissa Spoden)

Was sind deine Fragen zum Thema nachhaltige Zero Waste Kosmetik?

Schreib uns gerne an expertinnen@lifeverde.de, wir sichten und sammeln die Themen und geben sie dann weiter an unsere Expert*innen.

Du bist selbst Expert*in auf einem nachhaltigen Gebiet und möchtest als LifeVERDE-Expert*in Fragen zu deinem Fachthema beantworten? Wir freuen uns über eine Nachricht an expertinnen@lifeverde.de.




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